HOHENZOLLERN
I.
Hahingum, Hachinga (786), Hachingen (chronikalisch 12. Jh., in frühneuzeitl. Abschriften), Haychingen, Haͤchingen, Háchingen, Haiechingen, Haechingen, Hechingin (13. Jh.); der Ortsname ist von einem Personennamen abzuleiten. Die Stadt im Vorland der Schwäbischen Alb (heute Zollernalbkreis) war Res. der Gf.en von → Hohenzollern-H.
II.
In H. kreuzen sich zwei alte Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen, nämlich die wichtige Fernstraße von → Tübingen nach Rottweil, die weiter nach Schaffhausen und Zürich führte, und eine Straße vom Kniebis nach Riedlingen. Die Stadt wurde im 13. Jh. auf einem Bergsporn über dem Tal des Flüßleins Starzel von den Gf.en von Zollern (→ Hohenzollern) gegr. Sie hatte zwei Vorgängersiedlungen im Tal: der Ort Niederhechingen mit einer Martinskirche, dessen Weide, Zwing und Bann erst 1413 der Stadt einverleibt wurden, und eine dörfliche Siedlung bei der Kirche St. Luzen, seit dem SpätMA »alte Stadt« oder auch Unterstadt gen. Die Kirche St. Luzen war bis 1536 Pfarrkirche der Stadt. Die ummauerte Oberstadt umfaßte eine Fläche von 4 ha. Sie wies eine unregelmäßige Rechteckform von etwa 200 x 250 m Ausdehnung auf. Es gab zwei Tore: Das Untertor – der Bau aus dem Jahr 1579 ist bis heute erhalten – führte in die Unterstadt, das Obertor auf die Hochfläche. Zwischen den beiden Toren wurde der Marktplatz in Form eines Straßenmarktes angelegt. Vor dem Obertor entstand im 16. Jh. eine Vorstadt.
Ein Schultheiß wird erstmals 1255 urkundlich gen., städtische Bürger 1284. Das aus zwölf Richtern bestehende Gericht war auch Verwaltungsorgan. Zu kommunalpolitischen Entscheidungen wurden vom Gericht Vertreter der Bürgerschaft hinzugezogen, die Vierer, später Achter. Seit 1401 waren die Bürger von Frondiensten und vom Hauptrecht befreit.
Der Stadtherr hatte eine starke Stellung in der Kommunalverfassung. Er hatte das Recht, in das Selbstergänzungsverfahren des städtischen Gerichts einzugreifen und Richter selbst zu benennen, der Schultheiß (auch Stadtvogt gen.) war herrschaftlicher Beamter, und Bürgerannahmen mußten von der herrschaftlichen Kanzlei genehmigt werden.
Im 18. Jh. beteiligte sich die Stadt am bäuerlichen Widerstand in der Gft. Zollern, der seit 1584 zu mehreren Aufständen und zu Prozessen vor dem Reichskammergericht führte. Es ging dabei um das Recht der Untertanen auf die freie Pürsch, um herrschaftliche Steuerforderungen und die Leibeigenschaft der Stadtbürger. Die Auseinandersetzungen wurden erst in den 1790er Jahren in getrennten Vergleichen des Landesherrn mit der Stadt (Stadtvergleich 1795) und den Dörfern (Landesvergleich 1798) beigelegt.
Eine Judengemeinde ist seit dem 16. Jh. nachweisbar. Sie besaß 1546 eine eigene Synagoge. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ist ein starkes Anwachsen festzustellen, so daß in der ersten Hälfte des 19. Jh.s über 800 jüdische Bewohner in H. lebten, die damit ein Viertel der Einw.schaft stellten.
Die Stadt verfügte zunächst wohl über kein größeres herrschaftliches Gebäude. Denn 1285 saß der Gf. von Zollern in einem Privathaus zu Gericht. Später gab es ein burglin, wohl ein Steinhaus, das den Gf.en von → Hohenzollern nach der 1423 erfolgten Zerstörung der namengebenden Burg als Sitz diente. In den 1430er Jahren erhielt es eine neue Ringmauer mit Tor und wurde wohl auch im Innern hergerichtet. Nach dem 1454 begonnenen Wiederaufbau der Burg → Hohenzollern wurde diese bis in das 16. Jh. hinein wieder Hauptsitz der Gf.en.
Erstes Anzeichen für den Ausbau H.s zur Res. war die Gründung des Stiftes St. Jakob in der Stadt gegen Ende des 15. Jh.s. Die Stiftskirche löste das Kl. Gnadental im benachbarten Stetten als Grablege der Gf.en von → Hohenzollern ab. Bei der Erbteilung zwischen den Söhnen des Gf.en Karl I., der in → Sigmaringen residiert hatte, wurde H., das damals ungefähr 1000 Einw. hatte (1548: 209 Haushalte), 1576 Sitz der Linie → Hohenzollern-H. Gf. Eitelfriedrich I. (gest. 1605) begann 1577 mit dem Bau eines Renaissanceschlosses, der sog. Friedrichsburg, an Stelle des alten Stadtschlosses. Unterhalb des Schlosses wurde ein Lustgarten angelegt. Ein Tiergarten bei der Burg → Hohenzollern bestand bereits seit 1573. Zur Res.architektur gehörte auch der 1586 für ein neu gestiftetes Franziskanerkl. begonnene Neubau der Kirche St. Luzen. Mit ihrer Ikonographik war sie Symbol der festen Verankerung des Gf.en im katholischen Glauben, in ihrer Wappendecke zeigte sie die vornehmen Familien, aus denen die Ahnen des Stifters und seiner Gattin stammten.
Als die Gf.en von → Hohenzollern-H. 1623 in den Reichsfs.enstand erhoben wurden, blieb H. Res., die im 18. Jh. den geänderten Vorstellungen und Erfordernissen angepaßt wurde. Ein Kanzleigebäude wurde 1704 errichtet (heute »Altes Schloß«). Fs. Friedrich Ludwig ließ außerhalb H.s 1729 das Jagdschloß Friedrichstal und 1738 das Jagd- und Lustschloß Lindich mit Gartenanlagen und einem Wildpark bauen. Von 1781 bis 1783 wurde nach Plänen des Architekten Michel d'Ixnard die Stiftskirche im klassizistischen Stil von Grund auf neu gestaltet. Schließlich wurde vor der Oberstadt 1786 ein neuer fsl. Garten in englischem Stil angelegt.
Symbol für das souveräne Fsm. → Hohenzollern-H. des 19. Jh.s sollte der von Rudolf Burnitz geplante und 1816 begonnene klassizistische Schloßneubau werden, der an Stelle des abgebrochenen Renaissanceschlosses trat. Er wurde allerdings von der Fs.enfamilie nie bezogen, da der Innenausbau weitestgehend unterblieb. Fs. Friedrich wohnte im »Alten Schloß«, sein Sohn Friedrich Wilhelm Constantin, der 1850 sein Land an Preußen abtrat, in der Villa Eugenia im fsl. Garten.
III.
Der Schloßbereich an der Nordwestecke der Oberstadt nahm mit seinen Nebenanlagen eine Fläche von 100 x 150 m ein. Der in den 1590er Jahren fertiggestellte Hauptbau war eine viergeschossige Vierflügelanlage mit ungefähr 75 m Seitenlänge. Auf der Nordseite wies er zwei kleine Dachtürmchen an den Ecken auf, an der Südwestecke wurde er von einem quadratischen, an der S-O-Ecke von einem rechteckigen Turm überragt. In dem der Stadt zugekehrten Ostflügel lag ein zweigeschossiger Saal mit Kaminen an den beiden Schmalseiten. Im Nordflügel befand sich eine Tafelstube, an der Nordwestecke schlossen sich die Wohngemächer des Gf.en und der Gf.in an. In der südlichen Hälfte des Westflügels befand sich die zweigeschossige Schloßkapelle. Das Schloß verfügte über eine Uhr. Im 18. Jh. sind Umbau- und Renovierungsarbeiten belegt. U. a. ist die Ausgestaltung eines hochfürstlichen Capinets und eines Theaters erwähnt. Im N und W, also auf den der Stadt abgewandten Seiten, war dem Hauptbau ein Zwinger mit runden Ecktürmen vorgelagert, auf den der Stadt zugewandten Seiten befanden sich vor dem Hauptbau ein Hof mit Torturm, Stallungen und Kanzleigebäude.
Zentrum des Lustgartens unterhalb des Schlosses war ein turmartiges Lusthaus. Das Erdgeschoß wurde eingerahmt von monumentalen Freitreppen, die zum Obergeschoß führten. Zu der Grotte im Erdgeschoß gehörte wohl die archivalisch als Arbeit eines Steinmetzen belegte Darstellung der historia Orphei. Der Garten wies außerdem einen mit einem Tor und vier Säulen umrahmten Weiher auf.