HOHENZOLLERN
I.
Balguinet, Balghinham (863/4), Balgingen (13. Jh.); der Name ist von dem Personennamen Balgo/Baldo abzuleiten. Das am Fuße der Schwäbischen Alb gelegene B. ist heute Sitz des Zollernalbkreises. Die Stadtburg war von den 1370er Jahren bis 1403 Sitz der Schalksburger Linie der Gf.en von Zollern (→ Hohenzollern).
II.
B. liegt an der Einmündung des Baches Steinach in das Flüßlein Eyach. Die Stadt geht auf ein gleichnamiges Dorf rechts der Eyach zurück, an das bis heute die Friedhofkirche erinnert. Um die Mitte des 13. Jh.s erfolgte auf dem anderen Ufer flußaufwärts die Gründung der Stadt durch die Gf.en von Zollern. Eine noch im 13. Jh. verfaßte Notiz in der ma. Weltchronik »Flores temporum« erwähnt die Stadtgründung. Leider wird das Gründungsjahr in den zahlr. Handschriften nicht einheitlich angegeben. Neben dem Jahr 1255, das viele Handschriften überliefern, nennen andere 1260, 1261 oder weitere Jahreszahlen. Die Stadtmauer umschloß in der Form eines Rechtecks, dessen beide Längsseiten geländebedingt etwas ausgebuchtet waren, eine Fläche von rund 400 auf 220 m. An den Schmalseiten des Rechtecks befanden sich die beiden großen Tore, durch die die wichtige Fernstraße von → Tübingen nach Rottweil verlief. Oberhalb der Stadt zweigte die Verbindung, die nach Ebingen und weiter über die Schwäbische Alb nach Oberschwaben führte, von dieser Straße ab.
Ein Schultheiß (der Ritter Tragbotho von Neuneck) wird erstmals 1268 gen., seit dem 14. Jh. sind Gericht und Rat urkundlich belegt. Der Stadtherr gestand 1378 den burgern und burgerinnen das Recht zu, daß Verwandte sich beerben und auch testamentarische Verfügungen über das Erbe gemacht werden durften, vorausgesetzt das vererbte Gut bleibe in B. Eine Kodifizierung des städtischen Herkommens ist erst aus dem frühen 16. Jh. überliefert.
Um 1430 gab es in B. 226 Haushalte, was auf etwa 1100 Einw. schließen läßt. Diese lebten überwiegend von der Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau wurde auch Weinbau betrieben. Unter den Handwerkern kam den Gerbern eine bes. Bedeutung zu. Das Gerberhandwerk profitierte wohl von der Mastviehzucht in der Region.
Seit den 1280er Jahren war B. zentraler Ort einer sich nach der → Schalksburg nennenden Linie der Gf.en von Zollern. Diese errichtete spätestens zu Beginn der 1370er Jahre ein Stadtschloß, dessen repräsentative Ausgestaltung mit großem Saal im ersten Obergeschoß es wahrscheinlich macht, daß es den Gf.en als Sitz diente. Im Vorgängerbau der jetzigen Stadtkirche (kirchenrechtlich eine Kapelle, da die Pfarrrechte bis zu Beginn des 16. Jh.s bei der Kirche des alten Dorfes verblieben) wurden auch die letzten Angehörigen dieser Linie begr.: 1403 der einzige Sohn des Gf.en Friedrich gen. Mülli, 1408 Gf. Mülli selbst.
Nach dem Tod seines Sohnes verkaufte Gf. Mülli noch 1403 seine Herrschaft mit B. an die Gf.en von Württemberg. B. verlor seine Funktion als Res. und wurde württ. Amtsstadt.
III.
Das Balinger Stadtschloß war nach dem Übergang der Herrschaft → Schalksburg an Württemberg bis 1735 Sitz des württ. Obervogts. 1753 wurde es an Privatleute verkauft. Es liegt an der Südostecke der Stadtbefestigung und umfaßte ein rechteckiges, 22x30 m großes Areal, das gegen die Stadt hin durch einen Graben und eine Ringmauer abgetrennt war. Das dreigeschossige Hauptgebäude (Altes Schloss) war unmittelbar in die Stadtmauerecke integriert. Ein Nebengebäude auf der Nordseite, vom Hauptgebäude durch den Schloßhof getrennt, wurde um 1650 auf älteren Grundmauern neu errichtet. In frühneuzeitlichen Quellen wird es als Reiterhaus oder Neues Schloß bezeichnet.
Der Hauptbau mußte 1935 wg. des schlechten Erhaltungszustandes abgerissen werden und wurde in den beiden folgenden Jahren durch einen historisierenden Neubau ersetzt, bei dem man alte Substanz verwandte. Aufgrund erhaltener Balken kann der ursprgl. Bau dendrochronologisch auf das Jahr 1372 dat. werden. Über einer zweischiffigen Halle im Erdgeschoß wies er im ersten, ebenfalls in Stein ausgeführten Obergeschoß im O einen großen Saal auf, der durch einen Querflur von zwei kleineren Einzelräumen getrennt war. Im zweiten Obergeschoss, aus Fachwerk bestehend, konnten u. a. zwei Bohlenstuben nachgewiesen werden. Dieses Geschoß scheint demnach Wohnzwecken vorbehalten gewesen zu sein.
Dem Hauptbau an der Ecke der Zwingermauer vorgelagert ist der runde sog. Wasserturm, der allerdings nicht aus zollerischer Zeit stammt, sondern, wie dendrochronologische Untersuchungen ergeben haben, aus den 1480er Jahren.