Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

Zurück zur Liste

HOHENLOHE

C. Pfedelbach

I.

Pfadelbach (1037); Phedelbach (1270); Phfedlbach (1371); Pfedelbach (1472) – Dorf – Herrschaft P.; Gf.en von → Hohenlohe – Schloß – Res. vom späteren 16. bis ins erste Drittel des 18. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Hohenlohekr.

II.

P. (240 m NN) liegt unmittelbar südlich der hohenlohischen Stadt → Öhringen, im Tal des gleichnamigen Bachs und über dem Eingang des Ohrntals. Die örtliche Wirtschaft beruhte von alters her auf Ackerbau und Viehzucht sowie auf Wein- und Obstbau. 1663 wurden zwei Jahrmärkte privilegiert.

Der Ort gehörte zur Gründungsausstattung des Stifts → Öhringen. Die später dort ansässige, um 1419/22 erloschene Ritteradelsfamilie entstammte vermutlich der staufischen Ministerialität und dürfte hier ursprgl. mit der Untervogtei betraut gewesen sein. Beerbt wurde sie von den Adelsheim, die die kleine Herrschaft mit Gütern und Rechten in rund einem Dutzend Dörfern und Weilern der Umgebung 1472 samt aller hohen und niederen Obrigkeit an die Gf.en von → Hohenlohe verkauften. 1553/55 der Linie → Waldenburg zugeteilt, diente P. den Waldenburger Gf.en zunächst als Winterres., seit 1570 als Witwensitz und nach der Waldenburger Linienteilung von 1615 als Res. einer eigenen Seitenlinie. Nach deren Erlöschen folgte in der Herrschaft 1728 die Linie → Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein.

Ursprgl. gehörte P. zum Sprengel der Öhringer Stiftskirchenpfarrei (Diöz. Würzburg, VII. Archidiakonat, Landkapitel → Weinsberg). Um die Mitte der 1420er Jahre entstand am Ort eine Kapelle St. Peter und Paul. Eine eigene Pfarrei wurde erst 1567, nach der Einführung der Reformation, errichtet, dazu 1577 ein Konsistorium für die hohenlohischen Pfarreien P., Mainhardt (Lkr. Schwäbisch Hall), Unterheimbach (Bretzfeld, Hohenlohekr.) und Sindringen (Forchtenberg, Hohenlohekr.). Seit 1617 existierte am Ort eine zweite Pfarrstelle, von 1679 bis 1725 sogar noch eine dritte. Nach dem Erlöschen der evangelischen Linie → Hohenlohe-Waldenburg-P. betrieben die altgläubigen Erben entgegen dem Sukzessionsvertrag von 1710 eine massive Rekatholisierung, die zu langwierigen Auseinandersetzungen führte.

III.

Anstelle der alten, sicher nicht sehr anspruchsvollen Wasserburg der Herren von P. und ihrer Erben entstand 1568/72 nach Plänen von Sebastian Meyer (Heilbronn) eine repräsentative dreigeschossige Schloßanlage um einen annähernd quadratischen Innenhof, flankiert von vier runden, viergeschossigen Ecktürmen und dominiert von einem wuchtigem fünfgeschossigen Torhaus auf der Ostseite. Der mit hohen Renaissancegiebeln gezierte Nordflügel barg die gfl. Wohnräume, der Mitte des 18. Jh.s völlig umgestaltete Südflügel (seither mit Mansarddach) einen Saal. Beide Trakte sind durch hofseitige Galerien miteinander verbunden. Deren östliche, in die sich der Torbau einfügt, wurde 1608/13 von Georg Kern (Forchtenberg) unter beratender Mitwirkung von Heinrich Schickhardt mittels einer dorischen Ordnung der Kolonnaden im ersten (Gemächer des Gf.en) und einer ionischen im zweiten Obergeschoß (Gemächer der Gf.in) neu und anspruchsvoll gestaltet. Die Schloßkapelle im Erdgeschoß des Südflügels dat. erst von 1730.

Südlich und östlich des Schlosses, jenseits des ehedem nassen Grabens, gruppieren sich die einstige Kanzlei sowie der Marstall, Werkstätten, Remisen und sonstige Wirtschaftsgebäude. Um die Wende zum 18. Jh. wird der Res.charakter P.s nicht zuletzt in seiner Gewerbestruktur deutlich, gab es doch neben den üblichen Dorfhandwerkern und zwei Wirten auch einen Tuchmacher, einen Schneider und nicht weniger als drei Goldarbeiter, 1712 überdies einen Buchdrucker. Zeitw. arbeiteten zwölf ortsansässige Handwerker speziell für den gfl. Hof. Die zu klein gewordene gotische Kapelle wurde 1588/89 durch einen Neubau im Stil der Renaissance ersetzt; von ihm sind der Chor und die unteren Turmgeschosse im heutigen Kirchenbau erhalten. Geistliches Zentrum war allerdings nicht dieses Gotteshaus, sondern die Stiftskirche in der nahen, bis 1782 allen hohenlohischen Linien gemeinsamen Stadt → Öhringen; dort wurden die P.er Gf.en auch bestattet.