Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOHENLOHE

C. Neuenstein

I.

Nuwenstein (1230, 1371); Newnstein (1351); Niuwenstein (1365); Neuenstein (1568) – Stadt – Herrschaft N.; Gf.en von → Hohenlohe – Schloß – Res. vom 15. Jh. bis um 1700 – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Hohenlohekr.

II.

N. (284 m NN) liegt auf der → Hohenloher Ebene, am Hang eines Hochflächensporns aus Lettenkeuper, im Mündungswinkel zwischen dem künstlich gestauten Epbach und dem Bernbach, das Wasserschloß an seinem unteren Ende. Seit dem MA verläuft durch die 1351 mit Mainzer bzw. Frankfurter Recht privilegierte Stadt eine vielfrequentierte Geleitstraße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall und Nürnberg. Auf den fruchtbaren Böden der Umgebung blühten von alters her Ackerbau und Viehwirtschaft sowie Obstbau; dem Weinbau kam keine größere Bedeutung zu. Die Res. begünstigte seit dem ausgehendenden MA die Ansiedlung von Handwerkern; 1672 belief sich deren Zahl auf rund vierzig. 1616 gab es am Ort einen Goldschmied, der auch als Münzmeister an der 1621/25 von den → Hohenlohe-N.er Linien hier gemeinschaftlich betriebenen Münzstätte tätig war.

Herrschaftsrechte in N. gelangten im 11. Jh. als Pertinenz des Stifts → Öhringen an das Hochstift Regensburg, das mit der Ausübung der Vogtei Ministerialen betraute. Mittels Rodung im Ohrnwald entwickelten diese ihre Position sukzessive weiter, mußten aber schließlich ihren von Regensburg lehnbaren Besitz nach und nach an die → Hohenlohe veräußern, Burg N. bereits vor 1315. Seit dem Ende des 14. Jh.s war die Stadt Mittelpunkt eines hohenlohischen Amts, zu dem im 17. Jh. etwa zwanzig Dörfer und Weiler gehörten. In der Teilung von 1455 fiel N. an Gf. Albrecht II., der es alsbald zum Mittelpunkt seiner Herrschaft machte; bis 1475 diente das Schloß seiner Mutter als Witwensitz. Als nach Albrechts Tod 1490 erneut geteilt wurde, folgte zunächst Kraft VI. (gest. 1503), dann dessen Sohn Albrecht III. (gest. 1551). Nach der Teilung von 1553/55 bildete N. generationenlang das namengebende Zentrum der älteren Hauptlinie und verlor seine Res.funktion erst um 1700, nach dem Tod des Gf.en Wolfgang Julius von → Hohenlohe-N.-N.

Kirchlich war N. zunächst Filial der Stiftskirchenpfarrei in → Öhringen (Diöz. Würzburg, VII. Archidiakonat, Landkapitel → Weinsberg). Spätestens 1357 gab es am Ort eine Kapelle, die der Muttergottes geweiht war; sie lag südlich der heutigen Kirche. Eine Frühmesse unter hohenlohischem Patronat wurde darin 1365 gestiftet und in der Folgezeit mit Zustiftungen reich bedacht. Der Prozeß der Verselbständigung als eigenständige Pfarrei zog sich über rund ein halbes Jh. hin und war schließlich 1499 erfolgreich. Von der Einführung der Reformation lutherischen Bekenntnisses (1556) bis in den Anfang des 18. Jh.s wirkte neben dem Stadtpfarrer ein eigener Hofprediger.

III.

Das hohenlohische Schloß des ausgehenden MAs und der Neuzeit geht auf die wohl im frühen 13. Jh. gegr. Wasserburg der ritteradligen Herren von N. zurück. Im Lauf der Zeit immer wieder erweitert und ausgebaut, war diese seit dem 15. Jh. Res. der Herren bzw. Gf.en von → Hohenlohe und 1495 immerhin gut genug, in ihren Mauern Kg. Maximilian auf dessen Heimreise vom Reichstag in Worms zu empfangen, zu bewirten und zu nächtigen. Von den älteren Bauten haben der Bergfried und Teile des Palas überdauert sowie der vermutlich unter Gf. Albrecht III. (gest. 1551) hinzugefügte Torbau. Das dreigeschossige, annähernd symmetrisch einen Innenhof umschließende Renaissanceschloß entstand in seinen heutigen Dimensionen (ca. 40 x 50 m) zwischen 1558 und 1564 im Auftrag des Gf.en Ludwig Casimir (gest. 1568) nach Plänen des Heilbronner Stadtbaumeisters Balthasar Wolff, indem die bestehende Anlage im S und W um zwei mächtige Flügel mit runden Ecktürmen ergänzt wurde. In seinem Erscheinungsbild – namentlich oberhalb des Kranzgesimses – ist es jedoch inzwischen stark überformt durch die 1906/14 von Bodo Ehbardt vorgenommenen Rekonstruktionen. Von den Innenräumen des 16. Jh.s sind allein im Erdgeschoß die Hofstube und das Kg.sgewölbe im Ostflügel sowie die Küche im östlichen Teil des Südflügels erhalten. Der große Saal in den beiden Obergeschossen des Westflügels ist zwar eine Raumschöpfung der Renaissance, in seiner Ausstattung (großenteils aus Schloß → Kirchberg an der Jagst) jedoch ein Werk des 20. Jh.s. Die beiden sechseckigen Pavillons über dem Brückentor dürften um 1670 unter Gf. Wolfgang Julius (gest. 1698) entstanden sein. Als nach dessen söhnelosem Tod N. seine Funktion als Res. verlor und das Schloß schließlich ein Waisen- und Arbeitshaus aufnahm, begann eine längere Periode des Verfalls, die erst mit der Wiederherstellung zu Beginn des 20. Jh. ein Ende nahm.

Östlich oberhalb des Schlosses entstand 1609/11 nach Entwürfen von Georg Kern eine neue, geräumigere Stadt- und Res.kirche in Gestalt einer dreischiffigen Halle. Vom Vorgängerbau wurden dabei der Chor und die unteren Geschosse des Turms übernommen. Das Gotteshaus birgt eine Gruft, in der die Angehörigen der 1698 ausgegangenen Linie → Hohenlohe-N.-N. bestattet sind. Der pavillonartige Vorbau über dem Eingang wurde 1699 geschaffen, um in seinem Obergeschoß den prächtigen, von vier Bronzelöwen flankierten und mit zwölf Alabasterreliefs (Kriegsszenen) geschmückten Kenotaph des Gf.en Wolfgang Julius aufzunehmen (steht heute im Chor).