Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOHENLOHE

C. Möckmühl

I.

Meita-, Mechitamulin (750/79; Kop. 12. Jh.); Mechedemulin (1042); Meckemule (1289); Meckmühlen (1362); Meckmüle (1497) – Stadt – Herrschaft M.; Gf.en von → Hohenlohe – Burg – Res. vom frühen 14. bis ins 15. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Lkr. Heilbronn.

II.

Im Mündungswinkel zwischen Seckach und Jagst lagert sich M. (179 m NN) um den es im N überragenden Schloßberg (214 m NN). Die Burg wurde im frühen 13. Jh. gegr. und anschl. auf dem ihr im Südosten vorgelagerten Plateau – zwischen Burg und alter Talsiedlung – die älteste Stadt (1270 consules, 1272 cives, 1290 oppidum). Die Siedlung im Tal wurde erst im 15. Jh. befestigt. Nicht weit von M., auf der Höhe jenseits der Jagst passierte die Hohe bzw. Ks.straße von Wimpfen nach Rothenburg ob der Tauber. Im späten MA war die Stadt Mittelpunkt einer bedeutenden Zent, zu der nicht weniger als 23 Orte zählten. Von alters her gab es zwei Jahrmärkte, 1477 wurde ein Wochenmarkt privilegiert. Wirtschaftlich waren v.a. Weinbau und -handel von Bedeutung, daneben das Keßler-, Tuchmacher- und Gerberhandwerk.

In der älteren Geschichte M.s spielen Rechte des Kl.s Fulda, der Hochstifte Worms und Würzburg sowie des Reiches eine Rolle; noch im 14. Jh. bestanden konkurrierende würzburgische und fuldische Lehnsrechte an Burg und Stadt. Mitte des 13. Jh. war der Ort im Besitz der Edelherren von Dürn, die zumindest zeitw. auch hier ansässig waren. Zwischen 1282 und 1293 folgte der mit den Dürn verschwägerte Albrecht von → Hohenlohe gen. von Schelklingen (gest. 1338) und – nachdem dieser ohne Leibeserben verstorben war – Gottfried (gest. 1339) bzw. Kraft II. (gest. 1344) und seine Nachkommen aus der Weikersheimer Linie. Sie alle residierten in M. zumindest bis ins spätere 14. Jh. Allerdings kam es seit 1345 und v.a. in der ersten Hälfte des 15. Jh. wiederholt zur Verpfändung von Burg und Herrschaft an Kurmainz, die Herren von Hirschhorn, die Gf.en von → Nassau, von Henneberg und von → Wertheim sowie an die Ritteradligen von Dürn. Nachdem das Lehen 1444 von Würzburg allodifiziert worden war, verkauften 1445 Kraft V. und Albrecht II. von → Hohenlohe den Besitz an Kurpfalz. Fortan – seit der pfälzischen Niederlage im Landshuter Krieg (1504) württ. – fungierte die Burg nur noch als Sitz eines Vogts oder Amtmanns.

Die alte, bereits 815 bezeugte Pfarrkirche St. Bonifatius (Diöz. Würzburg, VII. Archidiakonat, Landkapitel Buchen) wurde 1258 dem Stift Mosbach inkorporiert. In ihr existierten zwei Vikarien (St. Maria und Hl. Blut, 1337; St. Georg, 1339) sowie eine Frühmesse (St. Katharina, 1340). Darüber hinaus gründeten die Brüder Kraft IV. (gest. 1399) und Gottfried III. von → Hohenlohe (gest. 1413) 1379 an der in der Oberstadt, unmittelbar vor der Burg gelegenen Kirche zu Ehren der Muttergottes ein Säkularkanonikerstift, das von einem Titularpropst mit den Funktionen eines Dekans geleitet wurde. Die Zahl der vom jeweiligen Senior der Stifterfamilie, dann von der Landesherrschaft verliehenen Kanonikerpfründen belief sich auf acht. Seit 1542 reformiert, wurde das Stift 1558 durch Württemberg förmlich aufgelöst.

III.

Die ma. Burg entstand am nordwestlichen Rand des über der Talsiedlung gelegenen Plateaus; gegen ihr südöstliches Vorfeld, wo um die Mitte des 13. Jh.s die älteste Stadt angelegt und später das Stift gegündet wurde, war sie durch eine Mantelmauer und einen Graben geschützt. Von der annähernd quadratischen, in SpätMA und Frühneuzeit baulich mehrfach fortentwickelten und erweiterten Anlage (ca. 50 x 50 m) ist außer dem mächtigen runden Bergfried (10,2 m im Durchmesser) nichts mehr erhalten.

Die unmittelbar daneben gelegene Stiftskirche (ca. 27 x 12 m) war einschiffig und hatte einen Dreiachtelchor mit hohen Maßwerkfenstern sowie auf der Südseite einen Glockenturm. In ihr waren der Stifter Kraft IV. von → Hohenlohe und seine Gemahlin Elisabeth von → Sponheim (gest. 1381) bestattet. Nach der Reformation wurde sie profaniert und 1813/14 zu großen Teilen abgebrochen. Erhalten blieb allein die einstige Stiftspropstei, ein heute verputzter Fachwerkbau; Grabsteine und sonstige Spolien aus der Stiftskirche sind in der Friedhofskapelle bewahrt.