Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOHENLOHE

C. Langenburg

I.

de Langenburch (1217); de Langenberc (1295); Langenberg (um 1357); Langenburg (1568) – Stadt – Herrschaft L.; Gf.en von → Hohenlohe – Schloß – Res. seit dem späten 16. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Lkr. Schwäbisch Hall.

II.

Schloß und Stadt L. (439 m NN) liegen auf einem schmalen, westöstlich gerichteten, von dem Fluß in einem weiten Bogen umflossenen Geländesporn über der Jagst, abseits größerer Verkehrswege. Obgleich bereits 1226 als castrum et oppidum bezeichnet, war die als Burgweiler entstandene und mit ihrem Handwerk allzeit auf das Schloß bezogene Siedlung stets kleinbäuerlich geprägt. Zwei wohl schon früher veranstaltete Jahrmärkte und ein Wochenmarkt wurden 1576 ksl. privilegiert. 1621/23 bestand eine herrschaftliche Münzstätte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlegte man sich zeitw. auf den Rinderhandel.

Nachdem die letzten Agnaten des edelfreien Geschlechts von L. um 1223/24 dem Deutschen Orden beigetreten waren, verlangte Gottfried von → Hohenlohe als deren Verwandter vom Würzburger Bf. die Belehnung mit der heimgefallenen Herrschaft und konnte schließlich seinen Anspruch mit Unterstützung Ks. Friedrichs II. durchsetzen (1232/35). Länger als dreihundert Jahre waren Schloß und Stadt sodann hohenlohischer Amts- und Witwensitz, bis Gf. Wolfgang II. (gest. 1610) von 1575 bis 1587 in der alten Burg selbst seinen Wohnsitz nahm. Ein nach Entwürfen von Georg Robin (1575) und Jakob Stegle (1583/86) geplanter Neubau unterblieb jedoch. Erst nach Wolfgangs Tod und der Teilung unter seinen drei Söhnen machten Philipp Ernst (gest. 1628) und seine Nachkommen L. dauerhaft zu ihrer Res.

Zuständige Pfarrei war bis 1553 das zu Füßen von Schloß und Stadt an der Jagst gelegene Bächlingen (L.; Diöz. Würzburg, VI. Archidiakonat, Landkapitel Künzelsau bzw. Krautheim) mit seiner Kirche zu Ehren Johannes des Täufers, der Muttergottes und des Evangelisten Johannes. Erst 1499/1502 stifteten Gf. Kraft VI. (gest. 1503) und seine Gemahlin Helene von Württemberg auf dem Berg eine Wallfahrtskirche zum Hl. Blut, die später Pfarrechte unter hohenlohischem Patronat erhielt und 1556 der Reformation zugeführt wurde.

III.

In der Schloßanlage der frühen Neuzeit sind vielfach Reste der hoch- und spätma. Burg bewahrt. Bauinschriften aus den Jahren 1491, 1493 und 1516 zeugen von Erweiterungen und fortifikatorischen Modernisierungen. Im Rundsaal des zu jener Zeit entstandenen Bettenturms (NO) schufen um 1600 die Stukkateure Gerhard Schmidt und Christoph Limmerich eine Stuckdecke mit Jahreszeiten-Reliefs. Ob und in welchem Maße sich der in den Jahren 1610 bis 1627 von Georg Kern aus Forchtenberg besorgte Ausbau im Stil der Renaissance an dem ein Vierteljh. früher von dem Niederländer Georg Robin entworfenen und nicht ausgeführten Projekt orientierte, ist zweifelhaft. Entstanden ist zu jener Zeit ein drei- bis viergeschossiges Schloß auf langezogen rechteckigem Grdr. (ca. 100 x 50 m) mit mächtigen Rundtürmen an den vier Ecken. Infolge der Verwendung älterer Fundamente und Bauteile entstand gleichwohl eine nicht sehr regelmäßige Gesamtanlage, deren Kern ein malerischer Innenhof mit diagonal gegenüberliegenden Treppentürmen bildet. Im ersten Obergeschoß umzieht diesen eine Altane auf kräftigen Kragsteinen; ihre Brüstungen sind mit aufwendigen Beschlagwerkornamenten verziert. Am Hauptgebäude erscheint die Altane in allen drei Obergeschossen. Die südliche Hoffassade ist in galerieartige, flache Kolonaden mit dorischen (erstes Obergeschoß) und korinthischen Kapitellen (zweites Obergeschoß) untergliedert. Alle hofseitigen Zwerchgiegel sind volutengeschmückt. Der Innenhof präsentiert sich noch heute weitgehend in seiner ursprgl. Gestalt und kann als eine »der gelungensten Architekturschöpfungen in → Hohenlohe« gelten (Merten).

Das Innere des Schlosses, namentlich sein Ostflügel (1756/61; 1963 abgebrannt, bis 1966 wiederaufgebaut), wurde im Lauf der Jh.e wiederholt den Bedürfnissen zeitgemäßen Wohnens angepaßt und dabei mehr oder minder stark verändert. Aus der Zeit der Renaissance und des frühen Barock sind v.a. der Jahreszeitensaal im Bettenturm, das Renaissancezimmer im Torhaus und die sog. Tafelstube im Südflügel sowie die dreigeschossige, innen polygonale Schloßkapelle im Südostturm (1617/21) erhalten.

Die Gestaltung des geräumigen Burgfriedens vor dem Schloß mit Wirtschafts- und Verwaltungsgebäuden im N und einem Blumengarten samt Orangerie im S dat. aus der Mitte des 18. Jh.s. Weiter östlich schließt sich die beiderseits der sanft geschwungenen Markt- bzw. Hauptstraße gelegene Stadt an. An deren Ende, unmittelbar innerhalb des von einem Turm überhöhten Stadttors (vor 1580) liegt – gewissermaßen als Kontrapunkt zum Schloß – die um 1500 erbaute, im 17. und 18. Jh. wiederholt veränderte Stadtpfarrkirche. Sie besteht aus einem flachen spätgotischen Chor und einem netzgewölbten Langhaussaal mit Emporen und keilförmiger Bretterdecke. Altar, Kruzifix und Taufstein datieren von 1680, die Herrschaftsloge von 1708. Im Chor steht das 1629 von Georg Kern geschaffene, monumental-figürliche Hochgrab des Gf.en Philipp Ernst und seiner Gemahlin Anna Maria von → Solms. Auch die folgenden, in L. residierenden Generationen fanden hier die letzte Ruhe. Nicht weit von der Kirche, nördlich der Hauptstraße, liegt das sog. Steinhaus von 1585, ein gfl. Wwe.nsitz.