HOHENLOHE
I.
Kircperg (1245); Kirchberg (1313) – Stadt – Herrschaft K.; Gf.en von Hohenlohe – Schloß – Witwensitz seit 1590; Nebenres. seit 1610; Res. von der Mitte des 17. bis ins 19. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Lkr. Schwäbisch Hall.
II.
Schloß und alter Stadtkern von K. (384 m NN) liegen auf einem Hochflächensporn links der Jagst, an der Geleitstraße von Heilbronn und Schwäbisch Hall nach Rothenburg ob der Tauber. Die im Anschluß an eine in staufischer Zeit gegr. Höhenburg entstandene Siedlung wurde seit 1373/75 zur Stadt fortentwickelt, blieb jedoch bis zur Adaption als Res. am Beginn des 18. Jh. rein landwirtschaftlich geprägt.
Die Herrschaft in K. und Umgebung hatten im 11. Jh. die Herren von Lobenhausen, später, als würzburgisches Lehen, die Gf.en von Flügelau und als deren Nachfolger seit 1313 die → Hohenlohe. Der im letzten Drittel des 14. Jh.s mit Energie betriebene Ausbau erlebte einen Rückschlag, als die → Hohenlohe.1398 Burg, Stadt und Amt schuldenhalber auf Wiederlösung an die vereinigten Reichsstädte Rothenburg, Schwäbisch Hall und Dinkelsbühl verkaufen mußten. Der Wiederkauf erfolgte erst 1562 durch den Gf.en Ludwig Casimir von → Hohenlohe.Neuenstein, dessen Gemahlin Anna von → Solms-Laubach (gest. 1594) hier seit 1590 ihren Witwensitz nahm. Nach dem Tod des Gf.en Wolfgang II. (gest. 1610) fungierte K. als Nebenres. der Linie → Hohenlohe-Langenburg. Von 1650 bis 1675 residierte hier Gf. Joachim Albrecht (gest. 1675), und von 1701 bis 1861 florierte eine eigene, von der Langenburger abgezweigte Linie → Hohenlohe-K.
Die für den Ort namengebende (Burg-) Kapellenkirche zu Ehren der Muttergottes lag auf der äußersten Spitze des K.er Bergsporns, stand von jeher unter dem Patronat der Herrschaft und gehörte zur Pfarrei Lendsiedel (K.; Diöz. Würzburg, VI. Archidiakonat, Landkapitel Crailsheim). Die 1518 in der südwestlichen Ecke der Stadt neu gebaute, seit 1524/34 lutherische Kirche erhielt erst 1563 eigene Pfarrechte.
III.
Als seine verwitwete Mutter nach K. zog, ließ Gf. Wolfgang II. von → Hohenlohe das dortige Schloß 1590/97 so großzügig herrichten, daß bei Bedarf auch sein in ndl. Kriegsdiensten stehender Bruder Philipp (gest. 1606) dort residieren konnte. Das von Michael Herwart und Servatius Körber – und wohl auch unter Beteiligung von Jakob Stegle – gebaute dreigeschossige Renaissanceschloß bestand aus einem Süd- und einem Nordflügel, die wie in → Pfedelbach durch schmale Galerieflügel miteinander verbunden waren. Nach durchgreifenden Um- und Neubaumaßnahmen in den Jahren 1738 bis 1760 sind davon nur noch die schlichten Fassaden des im N gelegenen Saaltrakts erhalten. Die 1682/83 von Leonhard Florian Creutzfelder geschaffene, ehedem angeblich von sechs Säulen getragene Kassettendecke aus dem Festsaal schmückt seit um 1955 den Rittersaal des Neuensteiner Schlosses. Auch die einstige K.er Kunstkammer, deren erstes Inventar von 1684 dat., ist heute Teil des Hohenlohe-Museums in → Neuenstein. Alle bis zum Ende des 17. Jh.s in K. residierenden Angehörigen des Hauses → Hohenlohe wurden entweder in → Öhringen oder in → Langenburg bestattet; erst die zu Beginn des 18. Jh.s begründete K.er Linie hatte ihre Grablege in der örtlichen, 1728/31 erneuerten Kirche.