Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOHENLOHE

C. Brauneck

I.

Brunekke (1230); Brunecke (1298); Brueneck (1374); Brunecke (1401) – Burg – Herrschaft B.; Gf.en von → Hohenlohe – Burg – Res. bis ins späte 14. Jh. – D, Baden-Württemberg, Reg.bez. Stuttgart, Main-Tauber-Kr., Reinsbronn, Gmd. Creglingen.

II.

Burg B. (330 m NN) liegt etwa 1 km nordöstlich des Dorfs Reinsbronn auf einem felsigen, nach S, W und N steil abfallenden Geländesporn über dem Steinachtal. Die Umgebung ist altbesiedeltes, ackerbaulich intensiv genutztes Land und nur in Hanglagen teilw. bewaldet. In geringer Entfernung passierte die aus dem Taubertal kommende Geleitstraße nach Uffenheim und Rothenburg ob der Tauber.

Gründer und erster Herr auf B. war allem Anschein nach der in Diensten Ks. Friedrichs II. stehende Konrad I. von → Hohenlohe (gest. 1249), dessen Nachkommen die Burg bis zum Erlöschen des hohenlohe-brauneckischen Mannesstamms 1390/91 innehatten. 1394 von Kurpfalz als Lehen reklamiert, gelangte diese 1403 über die Tochter des letzten B.er Agnaten zunächst an deren Ehemänner, Gf. Heinrich von → Schwarzburg (gest. um 1408) und Gf. Johann von Hardeck (gest. 1427), und schließlich an ihren Sohn aus zweiter Ehe, Michael von Hardeck, der Burg und Herrschaft 1448/49 an den Mgf.en von Brandenburg-Ansbach verkaufte. Fortan saßen ansbachische Lehnsleute auf B. Kirchlich gehörte die Burg wie das Dorf Reinsbronn ursprgl. zur Pfarrei Bieberehren (Diöz. Würzburg, X. Archidiakonat, Landkapitel Mergentheim).

III.

Erbaut zwischen 1220 und 1230 hat B. den Grdr. eines verschobenen Rechtecks (ca. 50 x 80 m; ca. 4200 qm) und gilt als eine der großen stauferzeitlichen Burganlagen Süddeutschlands. Der Zugang erfolgt im O über einen künstlich angelegten Halsgraben und durch das südliche Ende einer mächtigen Mantelmauer. Etwa 8 m hinter dieser Mauer, in der Mitte, steht auf annähernd quadratischem Grdr. der ganz aus Buckelquadern errichtete und mit einem meisterlich ausgeführten Sockelprofil versehene Bergfried (12 x 12 m). An ihrem westlichsten Punkt ist die Mauer mit einem runden Flankierungsturm bewehrt; ein entspr. Turm an der Südwestecke wurde abgetragen. Die urkundlich bezeugte Burgkapelle ist möglicherw. in der südöstlichen Ecke, unmittelbar neben dem Tor zu suchen. Die ursprgl. Anordnung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden läßt sich infolge Zerstörung im Bauernkrieg 1525 und Umnutzung für Zwecke der Landwirtschaft seit der Wende des 17. Jh.s nicht mehr erkennen. Die einst im O gelegene Vorburg ist spurlos verschwunden.

Sakraler Bezugspunkt der Burgbewohner war weniger die zuständige Pfarrkirche in Bieberehren (Kr. Würzburg), als vielmehr das von den Brüdern Gottfried und Konrad von → Hohenlohe 1232 in etwa 4 km Entfernung von ihrer Burg unter der Bronnbacher Paternität und eigener Schirmvogtei gegr. Zisterzienserinnenkl. Frauental (Creglingen, Main-Tauber-Kr.). Die dortige Kl.kirche diente der Familie auch als Grablege. 1384, kurz vor dem zu erwartenden Ende seines Stammes, stiftete Konrad II. von → Hohenlohe-B. (gest. 1390) bei der nahen Stadt Creglingen die Herrgottskirche, in der mit Totenschilden und Glasfenstern die Memoria der Herren von B. bis heute fortwirkt.