Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOHENLOHE

B. Hohenlohe

I.

Die hohenlohischen Gft.en und Fsm.er des späten MAs und der frühen Neuzeit lagen nur noch zum geringeren Teil in der Region, von der die Dynastie im hohen MA ihren Ausgang nahm. Umfangr. Stammgüter um Mergentheim (Main-Tauber-Kr.) und Röttingen an der Tauber (Kr. Würzburg), im Uffenheimer Gäu, am Rand des Steigerwalds und im Rangau gingen bereits bis zur Mitte des 13. Jh.s verloren. Weitere Verluste größeren Umfangs waren vom späteren 14. bis ins 15. Jh. infolge der Beteiligung am Städtekrieg sowie durch das Erlöschen der Linien → Brauneck und Speckfeld zu beklagen. Als nördliche und östliche Außenposten überdauerten so vom ältesten Besitz bis in die Neuzeit allein → Weikersheim und Schillingsfürst (Kr. Ansbach).

Stattdessen begann in staufischer Zeit eine anhaltende Expansion nach S und W. Urkundlich zu fassen ist sie im frühen 13. Jh. zuerst mit Hollenbach (Mulfingen, H.kr.). Gegen den Widerstand Würzburgs, aber schließlich unter würzburgischer Lehnshoheit, kam 1234/35 die Herrschaft → Langenburg an der Jagst hinzu und um 1250 mit staufischer Protektion die vom Hochstift Regensburg lehnbare Vogtei über den weitgestreuten Besitz des Stifts → Öhringen, womit die hohenlohische Position rund um den Ohrnwald mit den wichtigen Herrschaftszentren → Waldenburg und → Neuenstein begründet wurde. Für die Folgezeit sind weitere bedeutende Zugewinne zu verzeichnen: im dritten Viertel des 13. Jh.s aus dem Erbe der Herren von Krautheim (Vogtei über Kl. Gnadental; Ingelfingen etc.), 1317/23 aus dem Besitz der Gf.en von Flügelau und von → Eberstein (→ Kirchberg, Niedernhall etc.) und nach 1323 aus dem Erbe der Herren von Dürn (Forchtenberg, → Möckmühl etc.). Außerdem gelang eine ganze Reihe von Erwerbungen aus dem Besitz ritteradliger Familien, darunter namentlich Schloß und Herrschaft → Neuenstein (um 1300). Die schon bald beherrschende Stellung der H. in der Region um Kocher und Jagst kommt nicht zuletzt darin zum Ausdruck, daß Ks. Ludwig der Bayer ihnen 1331 einen Wildbann von der Frankenhöhe im O bis zum Hardthäuser Wald im W verlieh und ihnen darüber hinaus 1333 die Schirmherrschaft über den Besitz des Kl.s Komburg anvertraute, den sie – soweit um Künzelsau (H.kr.) gelegen – hunterfünfzig Jahre später vollends erwerben konnten. Nach einer Krise im letzten Viertel des 14. Jh.s, die eine Reihe schmerzlicher Verluste nach sich zog (Crailsheim etc.), waren im Lauf des 15. Jh.s wieder mancherlei Komplettierungen möglich, so v.a. Bartenstein (Schrozberg, Lkr. Schwäbisch Hall) im Nordosten (1445) und → Pfedelbach im Südwesten (1472), und um die Wende zum 17. Jh. gelangen mit Leofels (Ilshofen, Lkr. Schwäbisch Hall) und Schrozberg noch einmal zwei bedeutende Neuerwerbungen am östlichen Rand des Territoriums. Die reichsständische Qualität der hohenlohischen Herrschaften stand nie in Frage; ihre institutionelle Verankerung fand sie während der frühen Neuzeit im Verband des fränkischen Reichskreises sowie im Kollegium der fränkischen Gf.en.

In den Zeugenreihen der 1223 einsetzenden und bald immer zahlr. überlieferten hohenlohischen Urk.nausfertigungen ist eine zahlr. Ministerialität zu fassen. Die dort vorkommenden Familien und viele weitere begegnen auch in den ältesten, 1345 und 1356 für Kraft III. (gest. 1371) bzw. Gerlach von H. (gest. 1392) angelegten Lehnbüchern, darunter die Seckendorff, Seinsheim, Truchseß von Baldersheim, Abenberg, Crailsheim, Vellberg, Stetten, Dürn (Ritteradel), Zobel, Vestenberg, Enheim und andere mehr. Das erste bekannte Urbar entstand um 1357, dokumentiert einen großen Teil des damaligen Territoriums und gibt bereits die Anfänge einer Ämtergliederung zu erkennen, die sich freilich wie anderwärts noch auf lange Sicht an hergebrachten herrschaftlichen Zusammenhängen orientierte.

II.

Über die Höfe der Herren und Gf.en von H. im späten MA geben die Quellen nur bruchstückhaft Aufschluß. Für die frühe Neuzeit fehlt es weniger an einschlägiger Überlieferung als an diesbezüglichen Forschungen und Darstellungen. Von den vier klassischen Hofämtern sind im letzten Viertel des 13. und bis ins 14. Jh. v.a. das des Truchsessen, seltener die des Marschalls und des Kämmers, gar nicht hingegen das des Schenken bezeugt. Wichtige Entscheidungen wie bspw. die Teilung von 1219 trafen die Herren mit Rat ihrer Vasallen (ea que inter se et suos homines familiariter sub iuramento tractaverunt). Ein hohenlohischer Schreiber (notarius) tritt erstmals 1246 in Erscheinung, 1284 sind es sogar deren zwei; meist dürfte es sich bei den von der Mitte des 13. bis in die Mitte des 14. Jh. erwähnten Notaren um herrschaftliche Kapläne gehandelt haben, gelegentlich findet man darunter aber auch Stiftsherren aus Würzburg (Neumünster) und → Öhringen.

V.a. seit der Mitte des 16. Jh.s begünstigten das Repräsentationsbedürfnis und die Kunstsinnigkeit der Gf.en aus verschiedenen Linien des Hauses die Entstehung und Blüte eines diversifizierten Hofhandwerks – erinnert sei nur an die Künstlerfamilien Kern aus Forchtenberg (H.kr.) und Sommer aus Künzelsau –, dessen Leistungen weit über die hohenlohischen Territorien hinausstrahlen und das den Vergleich selbst mit dem an fsl. Höfen nicht scheuen muß. Gleiches gilt für die bedeutende Kunstkammer, die einst in → Kirchberg zusammengetragen wurde und noch heute in → Neuenstein zu bewundern ist. Mag auch das 1490 entstandene, mit einem Bild des Lehnsherrn und farbigen Darstellungen der Vasallen-Wappen geschmückte und mithin für repäsentative Zwecke gedachte Lehnbuch Kraft VI. in seiner künstl. Ausführung weniger bedeutend sein, dokumentiert es doch den Anspruch des Gf.en, sich und seinen Lehnhof den Bf.en von Speyer und Basel oder dem Kfs.en von der Pfalz, die ebenfalls derart dekorierte Lehnregister hatten, zur Seite zu stellen. Seinen deutlichsten Ausdruck findet der Herrschaftsanspruch des Hauses H. und seiner Angehörigen, namentlich des Gf.en Wolfgang II. (gest. 1610), in ihren zahlr. Schloßbauten, deren Architektur und Ausstattung v.a. in der Zeit der Renaissance (→ Weikersheim; → Langenburg; → Öhringen; Hermersberg, Niedernhall, H.kr.) ein sehr bemerkenswertes Niveau zu erkennen geben. Auf der Höhe der Zeit erweist sich Wolfgang II. auch mit seinen alchimistischen Interessen, zu deren Pflege er im Altbau des Weikersheimer Schlosses ein eigenes Labor einrichtete.

Mit der Stiftung von Jahrtagen pflegte man von alters her die Verbindung zu den Kl.n Schäftersheim an der Tauber (Main-Tauber-Kr.), Schöntal an der Jagst (H.kr.), Gnadental in den Waldenburger Bergen (Michelfeld, Lkr. Schwäbisch Hall), Seligental im Bauland (Schlierstadt, Osterburken, Neckar-Odenwald-Kr.) und Heilsbronn im Rangau (Kr. Ansbach), zur Deutschhauskirche und den Dominikanern in Mergentheim sowie zum Kollegiatstift in → Öhringen. Eigene hohenlohische Gründungen waren die Frauenzisterze Frauental unweit von → Brauneck (1232), das Säkularkanonikerstift → Möckmühl an der Jagst (1379) und das Pauliner-Eremiten-Kl. Goldbach hinter → Waldenburg (1382). Nach der Rückkehr der H.-Waldenburger Gf.en zur römischen Kirche 1667 entstanden bei deren Res.en Kapuziner- oder Franziskanerniederlassungen. Schloßkapellen gab es gewiß auf allen hohenlohischen Burgen, mit eigenen Kaplaneipfründen waren sie nachweislich in → Weikersheim, → Brauneck und Reichelsberg (Aub, Kr. Würzburg) dotiert. Verschiedentlich sind im 14. Jh. Dominikanermönche als herrschaftliche Beichtväter nachzuweisen.

Die Versorgung der hohenlohischen Höfe mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs erfolgte zum einen aus den zu den jeweiligen Schlössern gehörigen Meiereibetrieben, zum anderen aus den Erträgen der eigenen Grundherrschaft. Nahrungsmittel und sonstige Dinge des gehobenen Bedarfs wurden vermutlich bei Händlern und auf Märkten in Rothenburg, Schwäbisch Hall und Heilbronn eingekauft, darüber hinaus wohl auch auf den Messen in Nürnberg und Frankfurt.