HODENBERG
I.
Hermann I. Hodo wird zum ersten Male 1149 im Gefolge Albrechts des Bären erwähnt (Brem. UB, Bd. 1, Nr. 41). Ein Edelherr Hermann II. von H. ist mit seinem vollen Namen erstmals 1189 bezeugt und zwar, wie auch der nächste Beleg des Herkunftsnamens, ausdrücklich als de Hodeberg. (Hodenb. UB, Tl. 1, Nr. 13 und 20). Der Leitname Hodo erfüllte noch weit bis in das 13. Jh. hinein die Funktion eines Familiennamens. Noch Heinrich II. und Hermann VII. führten 1273 bis 1299 bzw. 1310 bis 1313 auf ihren Siegeln die Legende hODεN Dε hODεNBεRhGε (ebd., Siegeltaf. Fig. 5 und 6), die den Geschlechtsnamen des 10./11. und den Herkunftsnamen des 12. Jh.s miteinander verbinden. Gebhard von Lenthe hat deshalb den Begriff »Hodonen« geprägt (Geschlecht der Hodenberg, Bl. IV). Die Familie stand früh im Konnubium mit den Dynasten von Westen, Meinersen, Blankena, Boldensele, Brüninghausen und mit den Gf.en von Wölpe und → Spiegelberg.
II.
Die von H. waren Vasallen der Hzg.e von Sachsen und der Welfen sowie der Bremer Ebf.e. Sie hatten die Vogtei des Stifts Bücken inne, die sie 1291 und 1313 an die → Hoyaer Gf.en abtraten bzw. vorher schon dem Hzg. von Lüneburg aufließen (Hodenb. UB, Tl. 1, Nr. 102 f., 108 und 120). Die Stoltenborg auf einem → Werder vor Drakenburg besaßen sie gemeinsam mit den Gf.en von → Oldenburg-Wildeshausen (ebd., Nr. 102).
III.
Es gelang denen von H. nicht, ein eigenes Territorium »unter« einer ihrer Burgen aufzubauen. Der Bezirk der Herrschaft Hodenhagen oder Hudemühlen war sehr klein und unterschied sich grössenmäßig wenig von einem niederadligen Gericht, einem Patrimonialgericht. Es umfaßte außer Hudemühlen nur die Dörfer Eickeloh und Hademstorf. Für diese kleine Herrschaft gründeten sie 1296 eine Eigenkirche in Eickeloh (ebd., Nr. 105).
IV.
Die Eroberung des Hodenhagens durch die Welfen 1289 galt nicht prinzipiell der Zerschlagung der Herschaft von Hodenhagen, die als hzgl. sächsisches Lehen galt (ebd., S. 177, Anm. f.), sondern der Aufrichtung der lüneburgischen Territorialhoheit. Der Verlust der Standesqualität geht darauf zurück, daß die Söhne Hermanns VII. und Heinrichs II. Kinder von Ministerialentöchter waren. So führten sie den Titel nobilis nur bis zum Jahre 1330 (ebd., Nr. 131 f.), seither kommen sie vermehrt als Knappen vor und zählten zum Lüneburger Landadel. Erst 1622 erlangten sie von Ks. Ferdinand II. die Erlaubnis, sich Edle von Hodenberg zu nennen (ebd., S. 156).
Quellen
Die Bückener Chronik 877-1338, übersetzt und erläutert von Bernd Ulrich Hucker, in: Heimatblätter des Landkreis Grafschaft Hoya – Beiträge zur Heimatgeschichte 4 (1975) S. 11-20. – Hodenberger Urkundenbuch, hg. von Wilhelm von Hodenberg, 2 Tl.e, Hannover 1858. – Hucker, Bernd Ulrich: Zum Quellenwert historischer Wappen- und Namensagen. Mit einem Anhang unbekannter Wappensagen der Hodenberger Chronik, in: Festschrift zum 125jährigen Bestehen des Herold zu Berlin, hg. von Bernhard Jähnig und Knut Schulz, Berlin 1994 (Herold-Studien, 4), S. 1-10.
Literatur
Hüne, Albert: Geschichte der Grafen von Hoya, in: Hannoversches Magazin 94-98 (1832) S. 745-790 (dort S. 745-755). – Hodenberg, Bodo von: [Geschichtliche] Uebersicht zum Hodenberger Urkundenbuch. Erste Periode bis 1330, in: Hodenberger Urkundenbuch, Tl. 1, Hannover 1858, S. 143-204. – Hodenberg, Bodo von: Stammtafeln der Freiherrn von Hodenberg, Hannover 1905. – Lenthe, Gebhard von: Das Geschlecht der Hodenberg, Priv.-Druck 1961. – Stammtafel der Freiherrn von Hodenberg. Neubearbeitet von Matthias und Cord-Siegfried von Hodenberg, Dresden 2001. – Bei der Wieden, Brage: Der Kobold auf Schloß Hudemühlen: Sagenbildung im Spannungsfeld zwischen Herrschaft und Gesinde, in: Stand und Repräsentation – Kultur- und Sozialgeschichte des hannoverschen Adels vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, hg. von Silke Lesemann, Bielefeld 2004, S. 159-176.