HEWEN
I.
Es hat also seit dem späten 12. Jh. eine Zentralisierung, eine sternförmige Orientierung des umliegenden Adels auf die Herren von H. als der unbestritten führenden Dynastie im nördlichen Hegau hin stattgefunden. Was man allerdings in den Quellen vermißt, sind Hinweise auf mögliche Hofämter am »Hof« der Herren von H. Dies spricht für eine bestenfalls rudimentäre Hofbildung, ja, es wird nicht einmal deutlich, wo dieser »Hof« zu lokalisieren ist. Wir kennen zwar zeitlich gestaffelt zwei Wohnsitze, nämlich bis Ende des 12. Jh.s (bis um 1175) das Dorf Engen, ab dann den Burgsitz Hohenhewen. Und dort wird man auch den »Hof« dieser Dynastie zu suchen haben. Trotzdem gab es im Dorf Engen weiterhin ein befestigtes Haus der H.er. Ein solches aigen Engeyn hous wird in einer Urk. von 1291 jedenfalls erwähnt. Es ist davon auszugehen, daß dieses befestigte Haus erheblich älter ist und auf einen Vorgängerbau des späten 11. Jh.s zurückgeht. Wenn i.J. Jahr 1251 der Bf. von Konstanz mit den Gf.en von → Lupfen zi Engen einen Vergleich aushandelte und wenn i.J. 1267 der letzte Staufer Konradin hier abstieg, so ist dies beides nicht zwingend ein Hinweis auf den städtischen Charakter dieses Ortes. Es verweist aber darauf, daß hier ein standesgemäßes »hoffähiges« Haus existierte, das in der Lage war, Bf.e und Kg.e zu beherbergen. Damit konnte aber nur das feste Haus der Herren von H. gemeint sein.
II.
Die Existenz jenes niederadligen Geschlechts von H., das zwischen 1255 und 1267 nachgewiesen ist, spricht dafür, daß die Herren von H. dieses Haus um die Mitte des 13. Jh.s nicht mehr selbst bewohnten. Die Forschung betrachtet diese »Herren von Engen« als Ministerialen, die im Auftrag der Herren von H. die Burghut im Engener Haus innehatten, viell. auch schon von dort aus den Stadtwerdungsprozeß begleiteten. Wann immer man die Stadtwerdung oder Stadterhebung Engens ansetzen mag, das befestigte Haus der Herren von Engen, die sich um 1170/75 zu Herren von H. erhoben hatten, bildete mit Sicherheit einen Kristallisationskern der späteren Stadt.
Diese »Stadtburg« der Herren von H. ist bis heute – freilich durch spätere, hauptsächlich renaissancezeitliche Ausbauten überformt – stadtbildprägend erhalten. Das Gebäude trägt in der städtischen Überlieferung den Namen »Krenkinger Schlößchen«. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist bis heute nicht geklärt. Die »Schaffhauser Chronik« des Jakob Rüeger von 1605 überliefert die Nachricht, um 1260 habe ein Eberhart Friherr von Krenchingen hier residiert – eine zweifelhafte Notiz, die sich historisch nicht überprüfen läßt. Die Vermutung, die Herren von Krenkingen im Klettgau hätten die Burg errichtet und zunächst hier residiert, bevor sie zu unbekanntem Zeitpunkt in den Klettgau übersiedelten (Wichmann, S. 90 f.), erscheint angesichts der Quellenüberlieferung zu den Herrschaftsverhältnissen in und um Engen abwegig. Interessanter erscheint dagegen jene historisch gesicherte Beziehung des Hauses H. zum Haus Krenkingen, die auf dem Wege paralleler geistlicher Ämterlaufbahnen zustande kam. Unter dem bedeutenden Abt Diethelm von Krenkingen war Ende des 12. Jh.s ein Burkhard von H. Kämmerer des Kl.s Reichenau. Aus dieser Zeit (1174) stammen die ältesten Nachrichten über die Lehensmannschaft der H.er gegenüber dem Kl. Reichenau. Ein weiterer Diethelm von Krenkingen war bis 1206 Bf. von Konstanz. Auch zu Konstanz unterhielten die H.er bekanntlich gute Beziehungen. Wäre es nicht denkbar, daß in dieser Zeit Ende des 12., Anfang des 13. Jh.s das Verhältnis zu den Krenkingern (viell. verstärkt durch verwandtschaftliche Bindungen) so eng war, daß der Abt von Reichenau oder der Bf. von Konstanz vorübergehend »Zugriff« auf das Engener Haus der Herren von H. erhielten. Möglicherw. hat sich diese zeitweilige Anwesenheit der geistlichen Herren aus dem Haus Krenkingen auf die lokale Bezeichnung des Haus nieder geschlagen.
III.
Jüngere archäologische Sondierungen am »Krenkinger Schlößchen« haben jedenfalls im Keller des Haupthauses Befunde ergeben, die noch ins 11. Jh. zu datieren sind und somit in die Zeit der älteren Herren von Engen zurückreichen. Auf Bildquellen des frühen 17. Jh.s ist ein heute nicht mehr erhaltener mächtiger Bergfried dargestellt, dessen Mauerwerk aus Bukkelquadern als stauferzeitlich-spätromanisch anzusprechen ist und der deshalb ins 12./13. Jh. dat. wird. Das »Krenkinger Schlößchen« war ab 1404 wie die gesamte Herrschaft in der Hand der Gf.en von → Lupfen. Mit Johann von → Lupfen, Bf. von Konstanz (1532-1537), der vor der Reformation nach Engen geflohen war, begann der große Ausbau des »Krenkinger Schlößchens« im Stil der Renaissance, der mit weiteren Baumaßnahmen unter den Gf.en Joachim (reg. 1546-1562) und Heinrich von → Lupfen (reg. 1562-1582) abgeschlossen wurde. In dieser Glanzzeit seiner Geschichte besaß das Engener Stadtschloß zweifellos den Charakter einer lebendigen Nebenres. der Gf.en von → Lupfen. Eingehend untersucht ist diese Blütezeit hingegen nicht.