Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HELFENSTEIN

C. Helfenstein

I.

Die erste Res. der Familie, die namengebende Burg H., entstand um 1100 auf einem künstlich eingeebneten Gelände in Spornlage nordöstlich über der heutigen Stadt geislingen/Steige (Lkr. Göppingen). Das Wohnschloß war nach den archäologischen Untersuchungen in Rundform gebaut mit zwei Wohngebäuden, einem Backhaus, einer Schmiede, einem Wagenhaus und der Kapelle. Der südliche Teil der Burg stellt die Festung dar, die stark mit Ringmauern befestigt war. Die Anlage wurde von der Reichsstadt Ulm 1552 geschleift, um Feinden keinen sicheren Platz zu bieten. Der Rest der Burg wurde 1760 abgebrochen.

Die Burg verlor ihren Res.charakter, soweit erkennbar, im letzten Viertel des 13. Jh.s, als der Hauptsitz der Familie auf die vor kurzem erworbene Burg Hohengerhausen verlegt wurde. Dieser Schritt wurde vermutlich getan, weil diese Burg von den Gf.en von Dillingen zwischen etwa 1220-1250 umgebaut, erweitert und modernisiert worden war. Sie entsprach damit den Anforderungen des Adels in Bezug auf Wohnkomfort mehr als die über einhundert Jahre ältere Burg H. Aus den nicht sehr umfangr. Resten der Burg Hohengerhausen geht der großzügige Charakter der Anlage auf dem schroffen Berggipfel mit einer weitgespannten Bogenanlage hervor, der den Palas trug. Eingehende archäologische Untersuchungen zur Burg Hohengerhausen fehlen bislang. Die Blaubeurer Linie hat die Burg Hohengerhausen als Res. vor und nach der Verpfändungszeit beibehalten. Sie wurde 1448 an Gf. Ludwig I. von Württemberg mitverkauft und verlor damit ihren Res.charakter endgültig.

Die Hiltenburg bei Bad Ditzenbach war 1289 Sitz eines Amtmanns der Familie und wurde 1396 zur Res. der Wiesensteiger Linie des Hauses in ihrer verbliebenen Herrschaft im oberen Filstal. Die Burg wurde 1516 durch Hzg. Ulrich von Württemberg zerstört. Die Res. wurde in der Folge in die Stadt Wiesensteig verlegt.

In dem im 12. Jh. erstmals erwähnten Wiesensteig, das 1356 und 1382 als Stadt erwähnt wurde, wurde neben dem Kl. 1551-1555 ein Stadtschloß als vierflügelige Anlage im Renaissancestil errichtet, von dem 1812 drei Flügel abgebrochen wurden. Es war für die letzten Generationen bis zum Erlöschen der Familie im Mannesstamm 1627 deren Res. und wurde nach 1627 Sitz des fürstenbergischen und bayerischen Vogtes. Da das Gebäude seit 1855 im Eigentum der Stadt und zuerst als Wohnungen genutzt, hat sich wenig vom Schloßcharakter der Anlage erhalten. Die Stadt wurde 1648 fast gänzlich niedergebrannt, daher blieb aus der helfensteinschen Zeit fast nichts erhalten. Der Res.charakter der Stadt für die unmittelbare Umgebung ist heute fast nicht mehr erkennbar. Die heutige Pfarrkirche St. Cyriacus wurde 1466 an Stelle einer romanischen Vorgängerkirche errichtet. 1648 durch Brand beschädigt, wurde sie 1719 und 1779/80 umgebaut. Sie war Grablege des Hauses H. über einen langen Zeitraum. Eine weitere Grablege der Familie war das Kl. Blaubeuren, wo noch zu Beginn des 19. Jh.s zahlr. Totenschilde auf diesen Sachverhalt hingewiesen haben, die dann verloren gegangen sind. Zusammenstellungen über die Begräbnisse der Familienmitglieder an den einzelnen Orten liegen bislang in der Literatur nicht vor und dürften sich nach den Quellen auch nur in Umrissen erstellen lassen.