HELFENSTEIN
I.
Die Familie der Gf.en von H. errichtete um 1100 ihre namengebende Burg oberhalb der Stadt Geislingen/Steige (Lkr. Göppingen). Der Familienname wird vom Personennamen Helfo abgeleitet, doch wäre auch eine Ableitung vom mhd. helfent = Elefant, möglich, der sich im Wappen der Familie findet. Das Wappen zeigt einen von rechts nach links über drei Bergspitzen steigenden Elefanten. Obwohl das Wappenbild für eine eher jüngere Gestaltung des Wappens im 12. Jh. spricht, ist es nicht möglich zwischen der Teilnahme von Familienmitgliedern 1189 am Kreuzzug und der Wappengestaltung einen Zusammenhang herzustellen. Damit dürfte auch der Familiennamen eher vom Personennamen Helfo abzuleiten sein. Als erste Namensträger der Familie wurden Eberhard (Anfang des 12. Jh., um 1113?) und sein gleichnamiger Sohn (um 1140) gen. Sie scheinen nach Ansicht zumindest von Teilen der Forschung Angehörige der hochgestellten, aber nie mit dem Gf.entitel erscheinenden Familie der Herren von Albeck-Stubersheim-Ravenstein gewesen zu sein. Ob sie mit den 861 im Stiftungsbrief des Kl.s Wiesensteig als Gründer dieses Kl.s gen. Rudolf und seinem Sohn Erich verwandt sind, was immer wieder angenommen wurde, muß weiterhin offen bleiben. Es wird auch angenommen, daß die Erbtochter des jüngeren Eberhard von H. mit Ludwig Gf. von H. (erwähnt 1171-1200) aus der Familie von Spitzenberg-Sigmaringen verh. wurde, der als Stammvater der Familie gesehen wird. Er wird dabei öfters mit dem urkundlich seit 1147 zusammen mit seinem Vater Rudolf und seinem Bruder Gottfried, dem späteren Bf. von Würzburg (1184-1190), erwähnten Ludwig von Spitzenberg identifiziert.
II.
Die Herrschaft der Gf.en von H. hat aus einem größeren Anteil von Allod sowie Lehen bestanden. Diese kamen aus Reichsgut, wie die Geleitrechte, aber auch aus Reichskirchengut, wie die Lehen vom Kl. Ellwangen. Lehen aus dem Besitz adeliger Familien sind im SpätMA in helfensteinscher Hand unbekannt, doch fehlen vollständige, vertiefte Untersuchungen über die Zusammensetzung der helfensteinschen Herrschaft.
Die Gf.en von H. haben in der Zeit ihrer Herrschaft die Entwicklung der mittleren Schwäbischen Alb geprägt. Ihre Nachfolger wurden im Raum zwischen Fils und Donau (heute etwa das Gebiet um die B 10) die Reichsstadt Ulm, östlich davon die Gft. Württemberg. Nur im oberen Filstal blieb die relativ kleine Herrschaft des Hauses als Restherrschaft zwischen dem 15. und frühen 17. Jh. bestehen. Größere politische Bedeutung hat diese auch in ihrer unmittelbaren Umgebung besessen.
III.
Die Familie hat sich im Laufe des 14. Jh.s durch aufwändige Repräsentation nach Ansicht der Forschung wirtschaftlich ruiniert, wie Güterverkäufe anzeigen. Die Teilung von 1356 und insbes. Maria von Bosnien (gest. 1403), die die politische Bedeutung der Familie zwar erheblich erhöht hatte, hat nach Ansicht der Forschung zu dieser Verschwendung beigetragen. Die Schuldenlast der Familie mit über 120 000 fl bei der Reichsstadt Ulm zwang die Söhne Ulrichs d.Ä. von der Wiesensteiger Linie, Konrad und Friedrich (gest. 1438), zum Verkauf der Stammburg und des Amtes Geislingen 1396 an die Stadt. Der Familie blieb nur die Herrschaft Wiesensteig im oberen Filstal mit den Dörfern oder Anteilen an den Dörfern Westerheim, Merklingen, Temmenhausen, Bermaringen, Tomerdingen, der Vogtei Aichen, dem Kirchensatz Machtolsheim und den landvogteilichen Rechten in Oberschwaben. Der aus der Wiesensteiger Linie stammende Ludwig von H. wurde 1525 von den aufständischen Bauern in → Weinsberg grausam ermordet. Er war mit einer illegitimen Tochter Ks. Maximilians I. verh. Die Wiesensteiger Linie konnte noch 1546 → Gundelfingen und 1594 Meßkirch erwerben, erlosch aber mit Rudolf VI. im Mannesstamm 1627. Die drei Töchter dess. heirateten in die Häuser → Fürstenberg, Leuchtenberg und → Oettingen-Baldern ein.
Die Blaubeurer Linie mußte im 15. Jh. ebenfalls große Teile ihres Besitzes verkaufen und den Weg in die politische Bedeutungslosigkeit antreten. Dieser Besitz war bereits an der Wende des 14. zum 15. Jh. jahrzehntelang verpfändet gewesen. Gf. Johann (gest. 1444), der Enkel des Gründers des Familienzweiges, löste die Güter jedoch wieder aus. Seine Söhne Ulrich und Konrad (gest. 1474) gaben mit den Verkäufen ihrer Güter die Grundlagen eigener Herrschaft auf. Mit Konrads Sohn Georg erlosch die Blaubeurer Linie auch bereits 1517 im Mannesstamm. Die bisherige Forschung zu den Gf.en von H. hat die Ergebnisse des 19. Jh.s nur geringfügig fortgeführt und steht noch immer in den Anfängen.
Das Konnubium der Familie hat sich in der Zeit des Niedergangs auffallenderweise kaum verändert. Im 13. und 14. Jh. fanden Eheschließungen mit Töchtern aus den Familien Dillingen, Graisbach, → Hohenlohe, Teck und Württemberg sowie der als sozial bes. herausragenden Maria von Bosnien durch die Vermittlung Ks. Karls IV. statt. Im 15. Jh. wurden Töchter der Familien → Kirchberg, → Limpurg, → Oettingen, Rechberg, Seckendorf und → Weinsberg geheiratet und im 16. Jh. sind Verbindungen zu den Familien Birkenfeld, → Fürstenberg, Hohenhewen, Leuchtenberg, → Montfort, → Oettingen und Zollern nachgewiesen. Der von den Bauern 1525 ermordete Ludwig von H. wurde sogar mit einer illegitimen Tochter Ks. Maximilians I. verh., was eine bes. Stellung von ihm oder seiner Familie dokumentiert. Damit ist das Konnubium der Familie trotz des wirtschaftlichen und politischen Verfalls unv. geblieben und war wohl eine der Ursachen dafür, daß sich die Familie im späteren 15. und 16. Jh. in ihrer politischen Stellung konsolidierte und damit den Niedergang aufhalten konnte.
IV.
Die Familie teilte sich im frühen 13. Jh. in die drei Zweige → Sigmaringen, Spitzenberg (beide im 13. Jh. in zweiter bzw. dritter Generation erloschen) und H. Allein der letztgenannte Zweig hat die Familie im Mannesstamm fortges. Die bisherige Forschung hat auch nicht deutlich machen können, ob der Gf.entitel der Familie auf eine Gft. im Herrschaftsgebiet der Familie zurückging oder eine Titulatur aus der Zeit nach 1100 war. Auf der Grundlage des Besitzes und der Stellung der Familie dürfte jedoch davon auszugehen sein, daß sie bereits vor 1100 eine Gft., viell. die an der Fils im Gebiet der Burg H. und des Kl.s Wiesensteig, in ihrem Besitz hatte, wobei diese zum Besitz der Gf.en von Spitzenberg gezählt haben dürfte.
Der Stammvater des Hauses, Gf. Ludwig von H., hat ab 1171 eng mit Ks. Friedrich I. Barbarossa zusammen gearbeitet und diesen nachweislich auch auf dem Kreuzzug 1189 begleitet. Sein Bruder Gottfried war ab 1172 Kanzler des Ks.s und wurde zum Bf. von Würzburg erhoben. Die Söhne Gf. Ludwigs, Eberhard und Ulrich, traten 1207 gemeinsam als Gf.en von H. im Hoflager Kg. Philipps auf. Gf. Eberhard wurde zum Stammvater des später erloschenen Familienzweiges Spitzenberg. Er trat im Dienste Ks. Friedrichs II. und Kg. Heinrichs (VII.) auf und hat vermutlich auch am Kreuzzug Friedrichs II. 1228/29 teilgenommen. Gf. Ulrich trat ebenfalls im Dienste Ks.s Friedrich II. und Kg. Heinrichs (VII.) auf. Er scheint dabei die Familie eher im Gebiet nördlich der Alpen vertreten zu haben. Von Ulrichs Söhnen folgte ihm Ulrich II. in der Herrschaft nach, während der zweite Sohn, Ludwig, geistlich und zuletzt Dompropst in Augsburg wurde (gest. 1288). Ulrich II. hat durch seine Eheschließung mit Willibirg, einer der Erbtöchter der Gf.en von Dillingen, Ansehen und Besitz seines Hauses erheblich erweitert und dieses auf den Zenit seiner Macht geführt. In den folgenden drei Generationen konnte die Familie diese Stellung bewahren, obwohl bereits der Sohn Ulrichs II., Ulrich III., der auch Landvogt in Augsburg war, bereits Anfang des 14. Jh. Allodialgut der Familie verkaufen mußte. Die Familienmitglieder hatten enge Verbindungen zu den Kg.en Adolf von → Nassau und Albrecht I. Unter den Söhnen Ulrichs III., Johann (gest. 1331) und Ulrich (gest. 1326) wurde der Familienbesitz noch gemeinsam verwaltet. Erst die Söhne der beiden, die Gf.en Ulrich d.Ä. (gest. 1372) und Ulrich d. J. (gest. 1361), die 1348 Landvögte Ks.s Karl IV. in Oberschwaben und damit zu dessen Hof gute Verbindungen besaßen, teilten 1356 ihre gemeinsame Herrschaft, was in der Forschung als endgültiger Anfang vom Abstieg der Familie angesehen wird. Ulrich d.Ä., der mit Maria von Bosnien (gest. 1403) verh. war, begründete dabei die Wiesensteiger Linie des Hauses, Ulrich d. J. die Blaubeurer Linie.