HARDEGG
I.
Das nach seinem Erbauer Gf. Julius II. »Juliusburg« gen. Schloß S. (VB Korneuburg, Niederöstereich) liegt auf einer unmittelbar am Wagram-Abfall situierten Terasse, ca. 600 m ostsüdöstlich der Pfarrkirche von S. Julius II. kaufte 1582 von Rüdiger von Starhemberg den vorher bereits an seinen Bruder Heinrich II. verpachtet gewesenen Markt S. mit aller Zugehörung und ließ den Schloßbau auf »grüner Wiese« errichten. Nach seinem kinderlosen Tod 1593 fiel das Schloß an den Haupterben, seinen Neffen Georg Friedrich, der die Juliusburg zum Mittelpunkt seiner Herrschaften machte. S. löste damit → Wolfpassing (siehe unten), dem zumindest noch während der Reformationszeit die Bedeutung eines geistlichen Zentrums geblieben war, als Res. für die Nachkommen Heinrichs II. ab.
Nach neuesten Erkenntnissen (Alexandra Zehetmayer) wurde mit dem Bau nicht, wie bisher angenommen, erst 1585/86 begonnen, sondern vermutlich unmittelbar nach Erwerb des Marktes S., wobei die Ausführung wohl in den Händen mehrer Bauführer lag; dem bisher als alleinigen Baumeister reklamierten St. Pöltener Steinmetz Andras Piazoll konnte lediglich die Lieferung von Baumaterial nachgewiesen werden. Die Fertigstellung des Haupttrakts dürfte 1588 erfolgt sein. Die Vollendung des restlichen Ausbaus wurde unter Georg Friedrich in Angriff genommen, der mit dem Maurermeister Sebastian Renner zu Wien 1596 einen diesbezüglichen Vertrag geschlossen hatte.
Der Bau besteht, zeitgenössischen Architekturprinzipien folgend, aus einem gegen S orientierten Haupttrakt und einer gegenüber diesem in der Breite reduzierten, nördlich vorgelagerten, dreiflügeligen Bebauung, die einen Hof umschließt. Der dreigeschossige mit einem hohen Schopfwalmdach gedeckte Haupttrakt vertritt den Bautypus des "Corps de Logis". Der Vischer-Stich von 1672 zeigt am nordwestlichen Bau noch einen zweigeschossigen, oktogonalen Aufsatz, der nordöstliche Bau war möglicherw. bereits nicht mehr in vollem Umfang erhalten. Vischers Ansicht zeigt noch den an der S-Seite des Haupttraktes aufragenden, zwiebelhelmgekrönten Turm des Primärbaues, der nach einem Erdbebenschaden 1749 abgetragen werden mußte. Bemerkenswert ist die von Vischer noch dargestellte Erdbefestigung mit vier bastionsartigen Eckausbauten.
Bereits 1594 ging Gf. Georg Friedrich daran, einen Garten anlegen zu lassen, wofür er Erhard Rottner aus Nürnberg und den Sitzendorfer Schloßgärtner Daniel Glück verpflichtete; 1602 vereinbarte er mit dem Steinmetzmeister Christoph Daxner aus S. die Lieferung von Steinen für einen Lustgarten, dessen Gestaltung dem aus Vicenza stammenden Gärtner Giacomo Periori anvertraut wurde.
Was die Räumlichkeiten der Juliusburg und deren Nutzung betrifft, gibt ein nach dem Tode Georg Friedrichs (1628) angelegtes, von Alexandra Zehetmayer jüngst ausgewertetes, Nachlassinventar bemerkenswerte Einblicke: Im Erdgeschoß befand sich ein »unteres Vorhaus«, in dem Truhen und Hellebarden aufbewahrt wurden. In der Tafelstube gab es neben einer runden und zwei langen Tafeln, einen Tisch mit acht schwarzen Sesseln und zwölf Stühlen, einen »Einschenktisch« sowie ein Regal. Weitläufig und reich ausgestattet waren die Räumlichkeiten des Verstorbenen, in denen sich neben dem üblichen Mobiliar auch modische Einrichtung »a la Turca« sowie exotische Artefakte fanden. So werden türkische Teppiche, ein großer gelber Schreibtisch mit einem türkischen Futteral, ein Schreibtischen mit Ebenholz und Einlagearbeiten, ein indischer Schreibtisch sowie ein Globus und zwei »indische« Töpfe gen. In Gewölben wurden Pistolen und Truhen mit Urk.n aufbewahrt. Im »andern« Stock verfügte Georg Friedrichs Sohn Ernst über ein Zimmer, eine Stube sowie über eine Kammer. Weitere Räumlichkeiten standen Bediensteten zur Verfügung. So etwa dem Kaplan und einem nicht näher bezeichneten »Herrn Peter«, bei dem es sich um den 1638 als Sekretär Julius III. nachweisbaren Peter Ulrich handeln dürfte. In dessen Zimmer wurde eine Reihe von Büchern aufbewahrt, die von der Verbrennung anläßlich der Visitation von 1627 verschont geblieben waren. Schließlich gab es noch eine Rüstkammer, einen Pferdestall beim Tor, ein Hofkeller, ein Hofkasten mit Getreide, einen Hofstadel sowie den Meierhof.