HARDEGG
I.
Das Schloß S. (KG S. MG Hausleiten VB Korneuburg, Niederösterreich) liegt am westlichen Rand des Dorfes in völliger Niederungslage am linken Ufer des Stranzendorfer Baches. Der Name leitet sich von dem bereits in der Karolingerzeit gen. Fluß S. her. Mitte des 12. Jh.s tauchen die ersten nach S. Gen. in den Quellen auf. Während das haus ze Smida 1327 urkundlich erwähnt wird, ist die dem Hl. Nikolaus geweihte Burgkapelle bereits 1313 gen.
Nach dem Aussterben des Rittergeschlechts der Doss (um 1480) ging das Schloß an Sigmund und Heinrich Prüschenk über. Allerdings waren die Prüschenk zunächst gezwungen, das soeben erworbenen Gut Matthias Corvinus zu überlassen (1485), und konnten das im Frühjahr 1491 noch immer von ungarischen Truppen besetzte Schloß erst nach dem Frieden von Preßburg (1491/92) tatsächlich in Besitz nehmen. Der Sitz S. war Lehen des Benediktinerstiftes Göttweig, dessen Lehenband erst 1716 gelöst wurde, das Dorf hingegen Lehen des Landesfs.en.
Bedeutung als Res. erlangte S. unter Gf. Julius I., der sich nach Beendigung seines einträglichen Amtes als Hauptmann ob der Enns (1539-1543) dieser Herrschaft verstärkt widmete. Für die Bevorzugung S.s unter Julius I. spricht neben der Anlage von Urbaren 1544 und 1545 seine rege Bautätigkeit. Als ersten Schritt eines größeren Umbauprogramms, an dessen Ausführung der ksl. Baumeister Francesco de Pozzo beteiligt war, ließ er 1548 anstatt der alten Nikolaikapelle einen Turm errichten. Weitere Erneuerungen fanden 1595/1600 unter seinem Enkel Georg Friedrich statt. Durch die mglw. schrittweise Instandsetzung und die integrierten Bauteile des 16. Jh.s läßt der zweigeschossige Vierflügelbau eine durchgängige Regelmäßigkeit vermissen.
Da der ursprgl., 1387 erstmals erwähnte, Meierhof zur Zeit Julius I. nicht mehr existierte, erwarb der Gf. 1543 den jenseits der am Schloß vorbeiführenden Straße liegenden Freihof als Ersatz. Aus 1408 liegen die ersten Nachrichten über einen beim Schloß befindlichen Baumgarten sowie zwei Teiche vor, 1544 auch über einen Safrangarten. Julius I. richtete in S. ein Gestüt von internationalem Ruf ein, das sein gleichnamiger Urenkel aus Geldnot 1654 an Karl Eusebius von Liechtenstein veräußern mußte. Von ca. 1580 bis 1763 bestand eine herrschaftliche Brauerei.
Mit der Herrschaft S. war das ebenfalls aus dem Nachlaß der Doss stammende Gut Unterparschenbrunn (MG Sierndorf VB Korneuburg, Niederösterreich) vereint, mit dem die Prüschenks 1484 vom Landesfs.en belehnt wurden. Zu Unterparschenbrunn gehörte ein nach einer früheren Besitzerfamilie »Gweltelhof« gen. Freihof sowie eine Veste, deren Burgkapelle 1411 erwähnt wird. Durch die Vereinigung mit S. hatte der Sitz offenbar seine Funktion eingebüßt, so daß er bereits 1524 als öder Burgstall bezeichnet wurde. Ein Urbar von 1545 erwähnt unter dem öden Burgstall – im »alten Dorf« liegend – einen ebenso öden Hofgarten. Wie der im Franziszeischen Kataster (1822) ausgewiesene Flurname »Roßgarten« sowie die charakteristischen Parzellenformen vermuten lassen, ist das »alte Dorf«, für dessen Verlegung wohl eine Überschwemmung verantwortlich zu machen ist, nordwestlich der heutigen Siedlung am Parschenbrunner Bach zu suchen; der Standort der Burg könnte sich demnach auf der Anhöhe am linken Ufer des Baches befunden haben.