HARDEGG
I.
Im nordöstlichen Bereich der KG R. (KG R. StG → Hardegg VB Hollabrunn, Niederösterreich) liegt nahe der Durchfahrtsstraße die gleichnamige Schloßanlage. Der Name Riegers od. Ruegers leitet sich vom Personennamen Rüdiger ab und weist somit einen Mann dieses Namens als Ortsgründer aus. 1568 erwarb Gf. Sigmund II. Ruegers von den Eitzingern und baute, da ein Renaissanceumbau der Stammburg → Hardegg wohl zu umständlich und aufwendig gewesen wäre, den kleinen Sitz zu einem geräumigen Wohn- und Verwaltungsgebäude in Form eines kastellartigen Wasserschlosses um, dem er den Namen »R.« gab. Der Sitz war bereits 1572 von den Gf.en bewohnt, dürfte aber erst knapp vor Sigmund II. Tod (1599) fertig gestellt worden sein. Zu Lebzeiten seines stets von Schulden bedrängten Sohnes Johann Wilhelm wurde das Schloß im Zuge des Dreißigjährigen Krieges so stark in Mitleidenschaft gezogen, daß es praktisch unbewohnbar war. Julius III. – Neffe, Schwiegersohn und Erbe Gf. Johann Wilhelms (gest. 1635) – war aber zur Begleichung der horrenden Schulden seines Schwiegervaters letztlich gezwungen, das inzwischen wiederhergestellte Schloß samt der Herrschaft → Hardegg 1656 an die Gf.en von St. Julien zu veräußern.
Die pavillonartigen Eckbauten des Renaissancebaus lassen durch die leicht spitzwinkelige Ausbildung noch die symbolisch-repräsentative Tradierung der Bastionärarchitektur älterer "Fester Schlösser" erkennen. In diesem Sinne sind auch die Reste zweier Rundbastionen im N der Anlage zu sehen, die mit den verbindenden Kurtinen im N und O durch Teichanlagen geschützt waren. Diese ursprgl. aus vier Bastionen bestehende, bzw. geplante, bedingt wehrhafte Anlage kann vermutlich bereits als eine die Bastionärarchitektur ergänzende Gartengestaltung gesehen werden.
Beim Ableben Gf. Johann Wilhelms (1635) umfaßte die Anlage noch folgende Wirtschaftseinrichtungen: Kalk- und Ziegelöfen, einen Schafhof, eine Mahl- und eine Sägemühle, sieben Teiche sowie eine Taverne.