Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HARDEGG

C. Retz

I.

In R. (StG R., VB Hollabrunn, Niederösterreich; slaw. »Bach«), in flachem Hügelland zwischen Weinbergen gelegen, wurde am Ende des 13. Jh.s im Zuge der Stadtgründung durch Gf. Berthold von Rabenswalde die Stadtburg »Althof« errichtet, die bis zum Ende des 15. Jh.s bevorzugter Aufenthaltsort der Gf.en und Herrschaftszentrum war. Danach verlor die Familie R., ehe unter Julius I. die Stadt zwischen 1535 und 1555 wieder in die Hände der → Hardegger fiel (siehe Abschn. B. I.).

R. war ein regionales Wirtschaftszentrum, wobei v.a. der Weinbau und -handel von Bedeutung waren. Die Stadt wurde rasch zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Region und bekam von den Gf.en 1411 zum Colomanni-Markt zusätzlich die Abhaltung eines Ewigen Jahrmarktes zu Reminiscere zugesprochen. 1305 treten erstmals Richter, Geschworene und die Bürger mit einem eigenen Siegel auf. 1425 wurde R. weitgehend von den Hussiten zerstört, aber rasch wieder aufgebaut. 1458 erreichte Gf. Michael beim Landesfs.en ein Niederlagsprivileg. Knapp nach 1400 wird zum ersten Mal ein Schulmeister in R. gen. Das Spital der »armen Siechen« ist seit der Mitte der fünfziger Jahre des 14. Jh.s nachweisbar. Im 15. Jh. läßt sich erkennen, daß kommunale Amtsträger gleichzeitig in der Herrschaftsverwaltung (siehe Abschn. B. II.) tätig waren. Die Gf.en waren in der Stadt der dominierende politische Faktor, ohne daß Hinweise auf Konflikte erkennbar wären. R. war daneben ein wichtiger lokaler Verkehrsknotenpunkt, wo die seit dem 14. Jh. bedeutsame Hollabrunner Straße in den Rittsteig mündete, der von Krems nach Znaim führte. Die Thayatalstraße verband R. mit → Hardegg.

Die Stadtburg namens Althof liegt in der Nähe des Hauptplatzes und bildet die nordwestliche Ecke der Stadtmauer. In der Nachbarschaft befindet sich das gleichzeitig von den Gf.en gegr. Dominikanerkl., das seit dem Ende des 13. Jh.s ein geistiges und geistliches Zentrum war sowie als gfl. Grablege diente.

Die Baugeschichte der nur in wenigen Mauerresten erhaltenen so gen. Althof-Burg ist nur in Ansätzen faßbar, da nur ein geringer Teil archäologisch untersucht wurde: Bereits vor der Stadt- und Burggründung gab es auf dem Areal jedenfalls ein Gebäude (erste Hälfte des 13. Jh.s), das viell. die Funktion einer Mautstation erfüllte. Zu erkennen ist weiters, daß das vom Bering umgebene Areal der Stadtburg etwa 57 x 45 m umfaßte. In der süd-westlichen Ecke stand ein 8,4 m hoher Turm mit einer Mauerstärke von 2,9 m. In der nordwestlichen Ecke befand sich ein spätma. Rundturm. Hinweise auf ehem. Wohnbauten gibt es nicht. Die Anlage war mit einem Zwinger umgeben, der mit der Stadtmauer verbunden war. An der der Stadt zugewandten Seite gab es vermutlich eine Vorburg. Im nördlichen Zwinger wurde eine viell. spätromanische Spolie eingemauert. Seit dem Ende des 14. Jh.s ist in schriftlichen Quellen eine Burgkapelle mit einem Marienaltar belegt.

Im Urbar von 1363 wird der R.er Meierhof beschrieben, der wohl in der Nähe der Burg lag und zwischen Gf. Burkhard III. und Gf. Johann II. geteilt war. Auf seinem Areal befanden sich ein Brunnen, eine Grabenmauer und eine Wasserleitung. Wahrscheinlich in der Nähe der Burg befand sich ein im 15. Jh. nachweisbarer Getreidekasten.

An der Stelle der Burg ist heute ein Hotel situiert.