Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HARDEGG

C. Missingdorf

I.

Die Reste des ehem. Schlosses liegen im nördlichen Bereich der Siedlung M. (MG Sigmundsherberg VB Horn, Niederösterreich), unmittelbar an der Durchfahrtsstraße. Der erstmals 1207 urkundlich gen. Ort (Miszingdorf), dessen Bezeichnung möglw. auf den slaw.en Personennamen Miš(ik) zurückgeht, ist 80 Jahre später bereits als Sitz des rittermäßigen Hainricus de Mizzingdorf nachweisbar.

Von Potentia (gest. vor dem 24. Okt. 1567), der Wwe. des Erasmus von Eitzing (gest. vor dem 14. Febr. 1546) kauften Gf. Bernhard und seine span. Ehefrau Kasparina das Gut M., das aus Kasparinas Mitgift bezahlt und gemäß ihrer Verfügung an den erstgeborenen Sohn Karl fallen sollte. Da aber die hispannischen einkhumben seiner vor 1577 verstorbenen Frau bis dato (1583 III 13) nicht eingetroffen seien, wie Bernhard der ständischen Steuerbehörde mitteilte, habe er das Gut M. aus aignem seckhl bezallt unnd erbauth und es nach dem Ableben seiner Frau aber an Jakob von Räming, ksl. Rat und obersten Zeugmeister, verpfändet. Nach dessen Tod war die Gelegenheit offenbar günstig, M. an Rämings Bruder Sebastian, der als Lehensmann der Gf.en auf Therasburg saß, zu veräußern. Wie es scheint, war indes Bernhards Sohn Karl nicht gewillt, das ihm von seiner Mutter zugedachte Gut aufzugeben, und er erwarb es von dem in seinen Diensten stehenden Sebastian von Räming am 29. Sept. 1588, um es aber bereits einige Jahre später (vor dem 5. Juni 1594) wieder zu verkaufen (NÖLA StA, AE OMB 166).

An der heutigen südlichen Zufahrt steht ein quadratischer Turm, der im Erdgeschoß ein schlusssteingeschmücktes Kreuzrippengewölbe des späten 15. Jh.s besitzt. Auf die Befestigung des letztlich aus dem 16. und 17. Jh. stammenden Wasserschlosses, das Vischer 1672 noch als stattliche, burghafte Anlage zeigt, weisen die Reste des ehem. Wassergrabens hin.