HARDEGG
I.
Als Gf.en von H. (ahd. egga für »Spitze, Kante« mit ahd. hart »Wald«) bezeichnen sich nacheinander mehrere Familien: Zuerst seit 1187 die Gf.en von Plain, die vermutlich auf die seit dem 10. Jh. im karantanisch-salzburgischen Bereich faßbare Askuin-Starchand-Sippe zurückzuführen sind. Die Plainer hatten ihren gleichnamigen Stammsitz unweit der Stadt Salzburg und begannen viell. im Zuge ihrer Teilnahme an den Ungarnkriegen vor 1100, in der Babenbergermark Fuß zu fassen. Hier engagierten sich zunächst nur Gefolgsleute und errichteten um H. eine Herrschaft, ehe sich vor 1200 Angehörige des Gf.enhauses hier niederließen.
Um 1290 wurden die Gf.en in der Einleitung zum Urbar der Pfarre H. aufgezählt und mit kurzen genealogischen Bemerkungen versehen. Der Schreiber kam dabei bis an den Beginn des 12. Jh.s, verwechselte in den ersten Generationen aber die Namen.
Nach dem Aussterben der Plainer 1260 heiratete um 1262 eine Wwe. (siehe unten IV.) den aus Thüringen stammenden und mit Přemysl Ottokar ins Land gekommenen Bgf.en von Dewin, der sich nun Gf. von H. nannte. Nach seinem kinderlosen Tod 1270 ehelichte um 1278 die Wwe. den ebenfalls aus Thüringen als Gefolgsmann Rudolfs von Habsburg »eingewanderten« Berthold von Rabenswalde (damals nannte sich kurzzeitig auch Gf. Albert von → Görz in Konkurrenz zu Berthold Gf. von H.; siehe unten IV.). Auch diese Ehe blieb ohne Nachkommen, und es erbten die thüringischen Bgf.en von Maidburg aus dem Geschlecht der → Querfurt-Mansfeld, die die Herrschaft bis 1481 innehatten.
Nach dem Aussterben der Maidburger verkaufte Ks. Maximilian I. die ihm angefallene Herrschaft 1495 den Brüdern Sigmund und Heinrich Prüschenk, Reichsfrh.en zu Stettenberg, die er noch im selben Jahr zu Reichsgf.en von H. erhob (siehe unten IV.). Der Name Prüschenk taucht als Beiname für Rittermäßige v.a. in Oberösterreich und der Steiermark auf und dürfte sich vermutlich von den Tätigkeiten des Brauens (briu) und Ausschenkens (schenken) herleiten. Die späteren Gf.en von H. lassen sich auf den erstmals 1367 handelnd auftretenden steirischen Ritter Wulfing Prüschenk von Glatzau (PB Feldbach) zurückführen, bei dem es sich um den Urgroßvater der Brüder Sigmund und Heinrich handelt. Von Wulfings Sohn Hermann stammt schließlich ihr Vater Stefan Prüschenk – Landrichter im Ennstal und Pfleger zu → Wolkenstein (PB Liezen) – (gest. 1465) ab. Einen wesentlichen Grundstein für den Aufstieg seiner Söhne Sigmund und Heinrich legte Stefan Prüschenk mit der Heirat der Tochter Georg Reicheneckers VIII., die nach dem Tod ihres Bruders Martin (vor 1465) zur Alleinerbin des umfangr. Familienbesitzes wurde. Von der Bedeutung dieses Konnubiums für die Prüschenk zeugt auch die prominente Aufnahme des Reichenecker Familienwappens in das frhl. Wappen der Söhne Stefans (siehe unten III.). Den Familiensitz, der für seine in den Frh.enstand erhobenen Söhne später namengebenden werden sollte, begründete Stefan Prüschenk mit dem Pfanderwerb der südwestlich von Pettau im Drautal gelegenen Herrschaft Stettenberg.
II.
H. war eine Herrschaft und weder, wie bis vor kurzem behauptet, eine Gft. noch reichsunmittelbar. Die Inhaber H.s nannten sich nur deswg. Gf.en, weil sie gfl. Familien entstammten (die Plainer nahmen Gft.srechte im südlichen Salzburggau und zeitw. im Pinzgau und im Chiemgau wahr). Als Mitte der achtziger Jahre des 14. Jh.s Gf. Johann II. eine Fs.in aus dem Haus Schlesien-Sagan ehelichte (siehe unten IV.), nannte er sich wohl aus Prestigegründen in der Intitulatio Burggraf zu Maidburg des Heiligen Römischen Reichs und Grafen zu Hardegg, was für die Rechtsstellung ohne Folgen blieb. Dies trifft auch auf den selbst zugelegten Fs.entitel Gf. Michaels im 15. Jh. zu. Die Plainer waren in der Mitte des 13. Jh.s kurzfristig landesfs.liche Bannerträger, hatten aber keine Reichsämter inne. Ähnliches kann für den oberen Landrichter in Niederösterreichs Heinrich von Dewin und den Rat Hzg. Albrechts Berthold von Rabenswalde festgestellt werden. Burkhard II. war von 1355 bis 1367 am Hofe Karls IV. als Hofmeister und Hofrichter am Reichshofgericht eine einflußreiche Persönlichkeit, Johann III. von 1406–1408 österr. Landmarschall, sein Sohn Michael Rat und Hofrichter Friedrichs III. und ebenfalls Landmarschall.
Der fulminante Aufstieg der Familie Prüschenk (siehe oben I., unten IV.) unter Friedrich III. ist ganz bes. mit Stefans Söhnen verbunden, mit Sigmund (gest. 1502), dem Höfling und engen Vertrauten des Ks.s, der mit seinem Aufstieg zum obersten Hofmarschall eine Schlüsselposition an dessen Hof einnahm, und mit Heinrich (gest. 1517), dem erfolgreichen Kriegsmann, der hoch in der Gunst Ks. Maximilians I. stand: Am 7. Juni 1480 wurden Sigmund und Heinrich mit dem Prädikat »zu Stettenberg« in den Frh.enstand erhoben und erhielten am 9. März 1484 als Reichsfrei- und Bannerherren die Reichsstandschaft; 1482 stieg Sigmund, der seit 1466 im Hofdienst stehend zunächst ksl. Rat und Kämmerer war, zum obersten Hofmarschall auf. Heinrich, der sich v.a. als ksl. Feldhauptmann gegen die türkischen Invasoren auszeichnete, folgte seinem Bruder als Rat und Kämmerer, wirkte aber in stets harmonischer Arbeitsteilung mit Sigmund nicht am Hof, sondern als Pfleger, Heerführer und Gesandter. Die beiden Brüder erhielten die erblichen Ehrenämter Erbtruchseß in der Steiermark und Erbmundschenk im Ehzm. Österreich unter der Enns. Nach dem Kauf der Herrschaft H. wurden sie am 27. Oktober 1495 zu Reichsgf.en von H. erhoben und erhielten dazu noch das Prädikat »im Machlande«, wo sie über umfangr. Besitz und Einkünfte verfügten (siehe unten Abschn. B. I.). Heinrichs zweitgeborener Sohn Ulrich, der durch seine Ehe mit der Tochter Hzg. Heinrichs I. von Münsterberg in den Besitz der Gft. Glatz gelangt war, wurde am 12. November 1503 von Ks. Maximilian I. mit der Gft. belehnt und samt seinem ganzen Geschlecht zum Gf.en von Glatz erhoben.
Der größte Teil des zur ma. Herrschaft H. gehörenden Besitzes war Eigen und durch autogene Herrschaftserfassung oder durch verschiedene Rechtsgeschäfte zusammen gekommen. Der Anteil des Lehenbesitzes ist schwer abschätzbar, v.a. die Lehen vom Landesfs.en (um Pulkau und Weitersfeld sowie um Leitzersdorf bzw. um Stockerau) waren von größerem Umfang. Weitere Lehen rührten etwa von den Ebf.en von Salzburg her (zur Neuzeit siehe unten Abschn. B I.).
III.
Von den Plain-H.ern sind Siegel seit etwa 1215 bekannt, in denen sie ein Wappen mit Adlerflüggen führten. Nur um 1250 ist einmal ein Reitersiegel überliefert, das auf ihre damalige Funktion als Bannerträger verweist. Seit 1215 ließen die Gf.en von H. in der Intitulatio ihrem Rang entspr. dem Namen die Legitimatio Dei gratia beifügen, seit etwa 1235/47 (beziehungsweise 1243) wurde der Nos-Plural verwendet. Heinrich von Dewin hatte als Wappen einen Helm mit zwei Hörnern und daraus wachsend jeweils neun Fähnchen. Berthold von Rabenswalde führte als Wappen einen Helm mit neun Lindenblättern, die Maidburger in Blau einen goldenen, nach links aufsteigenden Löwen (zur Intitulatio des 14. Jh.s siehe oben II.). Das Stammwappen der Prüschenk, ein linksschreitenden Vogel auf einem Berg, findet sich erstmals im Siegel Wulfing Prüschenks von Glatzau (1367) (siehe oben I.). Mit der Erhebung in den Frh.enstand fand das Wappen der Reichenecker (siehe oben I.) Aufnahme in die prominenten Felder 1 und 4 des nun gevierten Wappens der Frh.en von Stettenberg: 1 und 4 in Rot ein geharnischter Arm mit Streitkolben, in 2 und 3 in Silber auf goldenem Dreiberg ein schwarzer goldgefleckter und -bewehrter Vogel. Die Besitzkonzentration der Prüschenk im Machland spiegelt sich auch in ihrem Wappen wider. Während etwa Heinrich in einem Siegel von 1489 noch die beiden Stammwappen (Prüschenk, Reicheneck) nebeneinander führt und als Herr von Kreuzen das zugehörige Wappen (in Silber ein rotes Tatzenkreuz) darunter, hat letzteres 1492 bereits das Reichenecker Wappen verdrängt. Heinrichs Siegel zeigt nun ein geviertes Wappen, in dem er im 1. und 4. Feld das Prüschenksche Stammwappen führt, im 2. und 3. Feld aber jenes von Kreuzen. Das gfl. Wappen, in dem die ursprgl. Familiensymbole durch die Wappen der namengebenden Herrschaften und Landstriche verdrängt wurden, setzt sich zusammen aus: Kreuzen (siehe oben), H. (in Blau ein goldener Löwe in seinen Vorderpranken eine goldene Säule haltend), Glatz (von Rot und Silber sechsmal schräglinks geteilt), Machland (gespalten; vorne in Rot ein silberner Adler; hinten in Silber zwei rote Pfähle) sowie Stettenberg (in Silber ein goldener Adler). In späteren Versionen fanden die Stammwappen als Herzschild (Prüschenk) bzw. als eingebogene Spitze (Reicheneck) allerdings wieder Aufnahme im gfl. Wappen.
Die gfl. Herrschaftsrepräsentation im MA äußerte sich nicht zuletzt in Bauten: Neben den zu den Res.en zu zählenden Gebäuden sind die von Berthold von Rabenswalde um 1280 in → Retz als moderne Hallenkirche mit Langchor errichtete Dominikanerkirche und v.a. die unvollendet gebliebene 1396 von Gf. Johann III. begonnene und kunsthistorisch herausragende Heiligenblutkapelle in Pulkau zu nennen.
In der Neuzeit äußert sich die gfl. Herrschaftsrepräsentation unter anderem in den der »Memoria« dienenden Grabdenkmälern. Während sich in der Pfarrkirche von Grein ein spätgotischer Reliefgrabstein Sigmunds I. (gest. 1502), der den Verstorbenen in voller Rüstung von seinem Wappen begeleitet zeigt, noch erhalten hat, ist das vermutlich prächtige, nur mehr aus schriftlichen Überlieferungen bekannte, Grabmal seines Neffen Julius' I. (gest. 1561) in der Prager Teynkirche nicht mehr aufzufinden. Überliefert sind auch noch die Reste des eindrucksvollen Renaissancegrabmals von Julius' Sohn Sigmund II. (gest. 1599). Er ließ um 1570 in der Pfarrkirche von H. eine Gruft anlegen und 1581 ein Denkmal errichten, das den Stifter und seine Familie in betender Haltung darstellt. An dessen Bruder Heinrich II. (gest. 1577) erinnern noch ein prächtiger Gruftdeckel sowie ein Totenschild in der Kirche von Oberhautzenthal, während das vom Bildhauer Wolf Khle geschaffenen Grabmal Julius II. (gest. 1593) in der Kirche von → Stetteldorf barocken Umbauarbeiten zum Opfer gefallen ist. Von einem noch zu Zeiten Wißgrills in der Wiener Minoritenkirche angebrachten Marmorgrabstein für Georg von H. (gest. 1530) existieren ebenfalls nur mehr schriftliche Nachrichten (Wissgrill, Adel IV 128 f.). In der im 19. Jh. abgemauerten Gruft unter der Kapelle des Schlosses → Wolfpassing wurden 1608 Gf.in Sidonia, geb. Herberstein und Gemahlin Georg Friedrichs, als erste und 1684 deren Sohn Gf. Julius III. als letzter beigesetzt. Prunkvolle Epitaphien in der Kirche von Lettowitz in Mähren zeugen noch von Nachkommen der von Johann I. abstammenden mähr. Linie der Gf.en H. Eine von Gf. August (gest. 1620) eingerichtete Familiengrablege befand sich in der heute ruinösen Schloßkapelle von → Thurn bei Neulengbach.
IV.
Plain-H. Gf.en von Plain ließen sich seit dem Ende des 12. Jh.s in H. nieder, und zuerst nannte sich der mit Ita von Burghausen verh. Gf. Leupold 1187 nach dieser Burg (siehe oben I.). Die Gf.en spielten ab diesem Zeitpunkt in der Landespolitik eine führende Rolle und zählten mit den wichtigsten landesfs.lichen Ministerialen zur adeligen Spitzengruppe. Nach dem Tode Leupolds 1193 übernahm sein 1219 im Hl. Land verstorbener Sohn Leutold (verh. mit Heilwig von Leuchtenberg oder/und einer Udalhild) die Herrschaft, während dessen Bruder Gebhard Passauer Bf. wurde. Leutolds gleichnamiger Sohn starb 1249 kinderlos; seine Schwester Heilwig war mit Heinrich von Schaunberg verh. Anteile an der österr. Herrschaft hatte auch der wohl zumeist in Salzburg residierende jüngere Bruder Leupolds namens Heinrich, der einmal in einer Zwettler Traditionsnotiz um 1200 Gf. von H. gen. wird und mit Agnes von Wittelsbach verh. war. Sein mit einer Bertha verh. Sohn Konrad lebte vorrangig in Niederösterreich und spielte gemeinsam mit dem gen. Leutold von H. 1246, als die Babenberger in männlicher Linie ausgestorben waren, bei der »Suche« des Landesadels nach einem Nachfolger eine sehr wichtige Rolle (siehe Überblicksartikel Niederösterreich), die zur Einsetzung Přemysl Ottokars zum Landesfs.en führte (insgesamt läßt die Genealogie der Gf.en von Plain zahlr. Fragen offen; zu einer genealogischen Auflistung vom Ende des 13. Jh.s in einem Pfarrurbar siehe oben I.). Der mit einer Bertha verh. Konrad I. starb 1250 und hinterließ zwei Söhne und eine Tochter: Konrad II. (Ehefrau unbekannt), Otto, der mit Wilbirg von → Helfenstein verh. war, und Eufemia, die einen Gf.en von → Ortenburg ehelichte (eine Tochter aus dieser Ehe heiratete einen Gf.en von Pfannberg, die andere Gf. Albert von → Görz, der gegen Berthold von Rabenswalde um 1277 erfolglos Ansprüche auf die Herrschaft erhob). Otto und Konrad starben kinderlos 1260 bei einem Gefecht bei Staatz gegen die Ungarn. Wilbirg heiratete um 1262 zunächst Heinrich von Dewin und nach dessen Ableben um 1277 Berthold von Rabenswalde, die sich beide Gf.en von H. nannten und so für Kontinuität sorgten. Nach dem kinderlosen Tod Bertholds von Rabenswalde und Wilbirgs 1312 und 1314 erbten seine Großneffen, die Brüder Burkhard I. und Berthold I. von Maidburg, die Herrschaft (ihr Vater war als Sohn aus der Ehe von der Schwester Bertholds von Rabenswalde namens Gisela mit Burkhard von → Mansfeld-Maidburg hervorgegangen).
Maidburg-H.: Den Maidburgern kam eine wichtige politische Rolle im Land Österreich zu, an die Bedeutung der früheren H.er Gf.engeschlechter konnten sie aber nicht mehr anschließen. V.a. fehlt es im 14. Jh. an Nähe zu den Landesfs.en. Verh. waren sie durchwegs mit Gf.innen und Fs.innen aus dem Reich: Berthold I. mit Agnes von Henneberg, sein Bruder Burkhard I. (gest. 1360) mit Anna von → Gleichen. Zwei weitere Brüder wurden Geistliche: Otto kam als Pfarrer von Gars-Eggenburg und Passauer Domherr unter der regionalen Geistlichkeit eine gewisse Bedeutung zu, Friedrich wurde Johanniter in Mailberg (die Schwester Agnes wurde Nonne, Heilwig Äbt., Anna war angeblich mit dem Niederadeligen Ulrich von Prüschenk verh.). Burkhards gleichnamiger Sohn (gest. 1368), der in zweiter Ehe mit Anna von Schlesien verh. war, machte wie erwähnt Karriere am Hof Karls IV. (siehe oben II.) und hatte mit der Herrschaft in Niederösterreich nur selten zu tun. Mit seinem ebenfalls in Böhmen wirkenden Sohn Johann I. (verh. mit Helene von Sachsen und dann mit Maria von Hals) starb diese Linie aus. Der 1328 verstorbene Berthold II. hinterließ vier zunächst noch minderjährige Söhne: Otto. I. (gest. 1357), Berthold II. (gest. 1374, verh. mit Bertha von Liegnitz), Burkhard III. (gest. 1388, verh. mit Jutta von → Pernstein) und Konrad. Während die ersten drei in Niederösterreich wirkten und die Herrschaft teilten, ging Konrad nach Frankreich und nahm an der Belagerung von Calais teil. Dabei verliebte er sich ausgerechnet in Katharina von Habsburg, die Wwe. nach Enguerrand von Coucy, und die beiden heirateten heimlich. Dies erzürnte Hzg. Albrecht II. derart, daß die H.er kurzfristig das Land verlassen und zu Karl IV. flüchten mußten. Nach dem Ableben Konrads 1349 konnten sie aber wieder zurückkehren. Nach dem Tod Ottos I. 1357 wurden auch dessen Söhne Otto II. (1363 gest.) und Johann II. an der Herrschaft beteiligt, so daß die Besitzverhältnisse unüberschaubar wurden. Aus diesem Grunde wurden 1363 vermutlich mehrere Teilurbare angelegt, von denen sich jedenfalls jenes Burkhards III. erhalten hat. Nach dem Tode Bertholds II. blieben 1374 Burkhard III., der angeblich auf der Burg Kaya saß, und Johann II. (in erster Ehe mit Anna von → Sternberg, in zweiter mit Anna von Schlesien-Sagan verh.; siehe oben II.) als Herrschaftsinhaber übrig. Nach dem Tod Burkhards III. 1388 folgte ihm sein Sohn Johann III., der Adelheid von → Görz und dann Margarethe von → Hohenlohe-Brauneck ehelichte. Die Finanzlage der Gf.en wurde in diesen Jahren immer schlechter, was nicht zuletzt an den hohen Dotierungen der weiblichen Angehörigen lag. Größter Einzelgläubiger war ihr in Böhmen weilender Verwandter Johann I. In dieser Lage blieb Johann II. und Johann III. nichts anderes übrig, als mit dem Landesfs.en einen Vertrag abzuschließen. Dieser war bereit, für die Schulden der Gf.en aufzukommen, dafür mußten sie im Falle eines Aussterbens in männlicher Linie die Erbfolge zusichern (1392). 1394 starb Johann II., Johann III. hatte die Herrschaft nun ungeteilt inne. Er spielte zu Beginn des 14. Jh.s, als die einzelnen Habsburgern um die Vorherrschaft kämpften und den Ständen eine wichtige Rolle zukam (siehe den Überblicksartikel Niederösterreich), als Landmarschall und bei Grenzkämpfen gegen böhm. Adelige eine gewisse Rolle. Sein Ende war allerdings traurig, denn als die Hussiten nach einer Belagerung seine Stadt → Retz 1425 einnahmen, geriet er in Gefangenschaft und starb dort 1427 auf Burg → Waldstein. Die Herrschaft übernahm schließlich der zunächst noch minderjährige Gf. Michael (geb. 1425). In erster Ehe war er mit Anna von Lomitz und in zweiter mit Anna Ungnad von Sonneck verh., wobei die Hochzeit im Beisein Friedrichs III. 1453 in der ksl. Burg zu Wiener Neustadt geschlossen wurde. Michael war ein treuer Anhänger Friedrichs III. (siehe zu den Wirren in dieser Zeit den Überblicksartikel Niederösterreich), reiste mit ihm zur Ks.krönung 1451 nach Rom und hatte als dessen Amtsträger eine wichtige Position inne (siehe oben II.). 1481 trat der kinderlose Michael anknüpfend an den Erbvertrag von 1392 die gesamte Herrschaft den Habsburgern ab und starb 1483.
Prüschenk-H.: Die Genealogie der Prüschenk als Gf.en von H. beginnt mit den Brüdern Sigmund und Heinrich (siehe oben I. und II.; Stammtafeln ausgehend von Heinrich I. bei Kopal, H. 403, Marian, Aspekte 99; auch die weiblichen Nachkommen und Ehefrauen berücksichtigend bei www.univie.ac.at/Geschichte/Frauenbriefe/sthardegg1.htm [15.12.2008]). Sigmund Prüschenk war mit einer Schwester Balthasar Eggenbergers, des ksl. Münzmeisters zu Graz, vermählt, die ihm zwar Zutritt zum Kreis der ksl. Großfinanziers verschaffte, jedoch keine Nachkommen schenken konnte. Sein Bruder Heinrich hingegen vermählte sich im Kreis der böhm. Hocharistokratie mit Elisabeth von → Rosenberg, die ihm fünf Söhne gebar, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten (Johann I., Ulrich I., Julius I.). Heinrich eröffnete durch diese böhm. Orientierung seinem mit Sidonia von Münsterberg vermählten Sohn Ulrich (gest. 1536) – er war Rat und Präsident der böhm. Kammer – den Aufstieg zum Besitz der Gft. Glatz (siehe oben II.). Da auch zwei weitere Ehen kinderlos blieben, übertrug Ulrich die Gft. seinem Neffen Christoph (siehe unten), der Glatz schließlich 1537 an Ks. Ferdinand unter Vorbehalt des Titels verkaufte.
Mährische Linie: Heinrichs ältester Sohn Johann I. (gest. 1535), der sich bes. im Türkenkrieg 1529 auszeichnete, residierte auf der im Machland gelegenen Heinrichsburg (später: Greinburg) und hatte wohl fünf Söhne (Georg, Christoph, Wolf Dietrich, Wolf Friedrich, Johann Friedrich), die mit den Sitzen Sebranitz, Lettowitz und Kunstadt über Herrschaftsmittelpunkte in Mähren verfügten. Aus den Quellen sind zunächst die Söhne Georg und Christoph bekannt, die aus der ersten Ehe mit Elisabeth von Schaunberg (gest. 1512) stammten und mit ziemlicher Sicherheit über keine männlichen Nachkommen verfügten. Georg (1507–1530), der den Namen des mütterlichen Großvaters erhalten hatte, fiel als 23jähriger Fähnrich bei Neutra. Sein jüngerer Bruder Christoph (gest. 1560) war zwar mit einer Herrin von Haugwitz vermählt, blieb aber auch ohne männlichen Erben.
Mit seiner zweiten Frau Barbara von → Kraig hatte Johann I. aber noch die Söhne Wolf Dietrich und Wolf Friedrich, von dem so gut wie nichts bekannt ist, sowie Johann Friedrich. Der älteste Wolf Dietrich (gest. 1564) – 1559/61 Landeshauptmannstellvertreter in Mähren – war mit Regina, Freiin → Fugger zu → Kirchberg und Weissenhofen, verehelicht, die ihm vermutlich drei Söhne gebar, von denen Georg Wolf (gest. 1562) bereits vor seinem Vater verstarb. Als weiterer Sohn dürfte ein 1564 singulär erwähnter Ulrich in Betracht kommen, mit Sicherheit aber Johann II., der als Sohn Wolf Dietrichs ausgewiesen ist und als dessen Mutter Regina, geb. → Fugger, noch 1575 gen. wird. Johann II., der eine gediegene universitäre Ausbildung erhielt, führte 1573 an der der Universität Wittenberg nicht nur den Ehrentitel eines Rector magnificus, sondern veröffentlichte auch wissenschaftliche Werke. Nach seinem Studium an den Universitäten von Padua (1574) und Siena (1575) bekleidete er, inzwischen verh. mit Esther Elisabeth von Herberstein, das Amt eines ksl. Vorschneiders. Mit Johann II. (gest. vor 1596) starb die von seinem Großvater Johann I. begründete Linie aus. Seine Wwe. heiratete Johann Wilhelm von H., einen von Johanns Vettern zweiten Grades aus der österr. Linie.
Als vetter Johanns II. ist ein 1580 in Lettowitz beigesetzter Johann Friedrich ausgewiesen, bei dem es sich um den jüngsten Sohn Johanns I. dürfte, der mit Elisabeth, einer Tochter des mit Ferdinand I. aus Spanien gekommenen Bernadin de Menesiis, Frh.n von Schwarzenegg, vermählt war.
Österreichische Linie: Die österr. Linie der Familie setzte Heinrichs I. jüngster Sohn Julius I. (gest. 1561) fort, der seine Karriere als Heerführer im Türkenkrieg 1529 aussichtsreich begann. Nachdem er aber bei der unglücklichen Belagerung von Esseg (1537) nicht nur empfindliche materielle Verluste, sondern auch erhebliche gesundheitliche Schäden erlitten hatte, wurde er von Ks. Ferdinand mit dem Amt des Hauptmanns ob der Enns (1539–1543) entschädigt. Seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte Julius am Hofe Ferdinands (II.) von Österreich-Tirol in Prag, wo er zunächst das Amt des obersten Kämmerers, dann des obersten Hofmarschalls bekleidete. Während dieser Zeit am Prager Hof nahm er 1556 an der Seite seines Herrn zum letzten Mal an einem Feldzug gegen die Türken teil. Verh. war Julius, der sich um 1540 wohl vollends der der evangelischen Religion zugewandt hatte, mit der aus Württemberg stammenden Gf.in Gertraud von → Eberstein, die ihm sechs Söhne schenkte: Bernhard, Sigmund II., Heinrich II., Ulrich II., Julius II. und Ferdinand, von denen aber nur die Nachkommen Heinrichs in der Lage waren, eine dauerhafte Deszendenz auszubilden.
Julius I. ältester Sohn Bernhard (gest. 1584), zu dem das Verhältnis des Vaters zeitlebens mehr als gespannt war, spielte innerhalb der Familie nur eine Nebenrolle, was v.a. seinen Söhnen zum Nachteil gereichte, die sich im Vergleich zu ihren Verwandten mit mehr als bescheidenen Herrschaften zufrieden geben mußten. In seiner Jugend genoß Bernhard am Passauer Bischofshof noch eine katholische Erziehung (um 1545) und studierte gemeinsam mit seinen Brüdern Sigmund und Heinrich in Wien und Padua (1550). Er war Rat und Kämmerer Ks. Rudolfs II., kommandierte im Rang eines Obersten die Festung Neuhäusel und war 1579 Gesandter am kfsl. sächsischen Hof zu Dresden. Bernhard, der seine Res. → Oberhöflein 1582 veräußert hatte, verbrachte seine letzten Lebensjahre auf der Burg Zasadka in Böhmen und starb 1584 in Prag. In erster Ehe war er mit Kasparina de Menesiis (gest. vor dem 3. Febr. 1577), einer Schwester der Frau seines Vetters Johann Friedrich (siehe oben), verh. Die Spanierin sorgte auch dafür, daß ihr Sohn Karl als einziger der Familie im katholischen Glauben erzogen wurde. Karl, dessen unstandesgemäße Ehe mit der aus Znaim stammenden bürgerlichen Apollonia Glöckner ihn vermutlich um einen nennenswerten Anteil aus dem Erbe seines wohlhabenden Onkels Julius II. gebracht hatte, blieb vermutlich ohne Nachkommen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Karl, der für kurze Zeit das Gut → Missingdorf zu seiner Res. gemacht hatte, in Wien und Znaim. Nach seinem Tod (zw. 26. Okt. und 12. Dez. 1604) wurde er auf Veranlassung seines Vetters Georg Friedrich in der Pfarrkirche von St. Agatha/Hausleiten katholisch bestattet.
Aus der zweiten Ehe Bernhards mit Anna Susanna von Liechtenstein stammte der mit den bescheidenen Herrschaften → Thurn und Plankenberg bei Neulengbach versorgte August (1578–1620), der 1647 zu den Unterzeichnern einer Bittschrift der protestantischen Stände an den Westfälischen Friedenskongreß um Aufrecherhaltung ihres Bekenntnisses zählte. Er war Kämmerer Ehzg. Maximilians, des Hoch- und Deutschmeisters, und seit 1609 Rat der niederösterreichischen Kammer. Aus seinen zwei Ehen, zunächst mit Maria Elisabeth von Welsberg, dann mit Rosina von Tschernembl, ging nur die Tochter Susanna Elisabeth hervor, die ihren Vetter Philipp, den jüngsten Sohn Georg Friedrichs (s. unten), heiratete.
Nach der Aufteilung des väterlichen Erbes hatte Julius' zweitältester Sohn Sigmund II. (1534–1599) die namengebende Burg H. erhalten. Nach dem Studium (s. oben) trat er zunächst ins ksl. Heer ein und diente im Rang eines Rittmeisters in der Zips. Sigmund war unter Maximilian II. und Rudolf II. ksl. Rat, übte für die niederösterreichischen Stände 1576–1582 das Amt des Herrenstandsverordneten aus und war 1594 Gesandter am Reichstag zu Regensburg. Seine erste Ehe mit Eva Reichsgf.in von → Kastell blieb kinderlos, seiner zweiten mit Maria Magdalena Reichsgf.in von Wied entsproß sein Sohn Johann Wilhelm. Johann Wilhelm (gest. 1635), der wie sein Vater auch in Padua (1589) studierte, fehlte zum Erhalt seiner umfangr. Liegenschaften das Geld. Schwer verschuldet hinterließ er seine mit Esther Elisabeth von Herberstein erzeugte Tochter Johanna Susanna, die ihren Vetter zweiten Grades Julius III. (siehe unten) heiratete und damit dem Hause H. die väterlichen Herrschaften sicherte, aber bereits 1639 verstarb.
Ulrich II. (gest. 1604), der gemeinsam mit seinen beiden jüngeren Brüdern 1554 an der Universität Wien inskribiert war, hatte in zweiter Ehe die ebenfalls verwitwete Elisabeth, geb. Freiin von Prösing, zur Gemahlin. Von ihren Söhnen Albrecht Friedrich, Karl und August ist abgesehen von deren Existenz nichts weiter bekannt.
Von Julius II (1547–1593), der wohlhabend war und sich immerhin die Errichtung des nach ihm benannten Schlosses »Juliusburg« zu → Stetteldorf leisten konnte, ist kaum etwas bekannt. 1573 diente er im Regiment des Gf.en Peter Ernst von → Mansfeld, Feldmarschalls der span. Armeen in den Niederlanden. In seinen letzten Lebensjahren war er schwer krank und litt wahrscheinlich an Gicht. Bereits zehn Jahre vor seinem Tod im Alter von 36 Jahren zeigt ihn ein Gemälde als stattlichen Mann, dessen geschwollene und gerötete Hände indes nicht zu übersehen sind. Als Dank für die ihm zuteil gewordenen Pflege machte Julius, der unvermählt geblieben war, seine Schwägerin Anna Maria gemeinsam mit ihrem Sohn Georg Friedrich (siehe unten) zu den Haupterben seines Vermögens.
Julius' I. jüngster 1549 geb. Sohn, nach seinem kgl. Taufpaten Ferdinand gen., erlitt ein tragisches Schicksal: Als Kommandant der Festung Raab hatte er 1594 diese Schlüsselstellung nach nur kurzer Belagerung den Türken übergeben und wurde dafür nach einem Kriegsgerichtsverfahren am 16. Juni 1595 in Wien hingerichtet. Über die Vorgänge wurde – abhängig von der konfessionellen Ausrichtung – entweder die Meinungen vertreten, er habe damit die gerechte Strafe für seinen Verrat und sein milit. Versagen empfangen, oder, er sei als protestantischer Sündenbock das Opfer einer »papistischen Verschwörung« geworden. Zu seinen Lebzeiten war er die meiste Zeit in Kriegsdiensten außer Landes, ließ sich 1584 seinen Besitzanteil an der Herrschaft H. ablösen und erwarb daraufhin die Herrschaft → Kreuzenstein. Genauso wie sein älterer Bruder Heinrich II. (siehe unten) war er mit einer Angehörigen des Hauses Thurn-Valsassina verh., mit der er sechs Töchter hatte, deren Versorgung sicherlich nicht einfach war, da das Vermögen und die Besitzungen des Hingerichteten sequestriert worden waren, und sich die Wwe. erst nach langwierigen Verhandlungen mit den Ergebnissen eines Vergleiches zufrieden geben mußte.
Die Fortsetzung des gfl. Geschlechts gelang indes Heinrich II. (1534–1577), dem drittältesten Sohn Julius I., der 1561 Anna Maria, die energische Tochter des Gf.en Franz von → Thurn-Valsassina ehelichte. Ursprgl. auf → Schmida sitzend brachte der Gf. durch Zukauf eine stattliche Herrschaft zusammen, als deren Mittelpunkt er das Schloß → Wolfpassing errichten ließ. Nach seinem frühen Tod wurde er in der Pfarrkirche von Oberhautzental beigesetzt (siehe oben III.). Als prononcierte Exponentin der evangelischen Lehre und treibende Kraft bei der Durchsetzung der lutherischen Religion auf den Grundherrschaften ließ seine Frau Anna Maria (gest. 1597) Bethäuser errichten und sorgte sich um die Einstellung von Prädikanten. Im Zuge der Übergabe der Güter an ihren Sohn Georg Friedrich i.J. 1588 erhielt die Gf.in Anna Maria → Oberabsdorf und → Oberrußbach als Wwe.ngenuß.
Georg Friedrich (1568–1628), der in seiner Jugend die Schule der böhm. Brüder in Eibenschitz (südwestlich von Brünn) besuchte und zum Studium in Padua (1588) und Siena (1590) weilte, war Kämmerer unter Matthias und Ferdinand II. Als überzeugter Protestant widmete er neben Schloß → Stetteldorf, das er von seinem Onkel Julius II. geerbt und zum Mittelpunkt seiner Herrschaften gemacht hatte, v.a. dem geistlichen Zentrum → Wolfpassing größte Aufmerksamkeit und Förderung. So eifrig er auch den evangelischen Glauben in seinem Herrschaftsbereich verbreitete und begünstigte, so loyal verhielt er sich stetes gegenüber dem katholischen Ks.haus. Daß Georg Friedrich als ksl. Kämmerer nicht zu den Unterzeichnern des Horner Bundbriefes (1608) zählte und bei der Erbhuldigung Ferdinands II. (1620), der nicht wenige seiner protestantischen Standesgenossen ferngeblieben waren, das Amt des Erbmundschenken verrichtete, mag viell. opportunistisch erscheinen, doch spricht einiges für seine aufrichtige Treue zum Ks.haus. Während der Krisenjahre 1619/20 hielt er Kontakt zu führenden ksl. Militärs wie Karl Bonaventura Gf. Bucquoy oder Reinholt Gf. Collalto und verkehrte freundschaftlich mit Karl Gf. Harrach, der als Vermittler zwischen dem Ks. und dessen Oberbefehlshaber Bucquoy fungierte. Für Aufrührer und Eiferer wie Andreas Thonradl oder (vmtl. Karl) Teufel hatte er indes nicht viel über und stand damit auch in scharfer Opposition zu den böhm. Verwandten seiner Mutter, von den Mattias Gf. Thurn sogar den Anführer der Insurgenten stellte. Von seiner Verbundenheit zum Herrscherhaus zeugt daher ganz bes. der Einsatz seiner Söhne auf ksl. Seite, den einer sogar mit seinem Leben und ein anderer, wenn nicht damit, dann zumindest mit seiner Gesundheit bezahlten. Dem evangelischen Glauben schwor er dennoch nicht ab und widerstand selbst hartnäckigen Bekehrungsversuchen durch den seit 1627 als Reformationskommissar eingesetzten Dominikanerpater Ernst Prank.
Verh. war Georg Friedrich mit Sidonia von Herberstein, mit der er fünf Söhne und ebenso viele Töchter hatte. Die drei ältesten Söhne Julius III., Ernst und Heinrich unternahmen am Ende ihrer Ausbildung eine Kavalierstour (1613–1618), die sie über England nach Paris und bis Lyon führte, wo die Reise der drei Brüder unvermittelt endete, da man sie wg. horrender Schulden festsetzte. Nach der Rückkehr erforderte der Ausbruch des böhm. Aufstandes ihren milit. Einsatz im ksl. Heer. Von Ernst, der im Rang eines Rittmeisters unter Collalto diente, fehlt nach Jahresende 1619 jegliche Nachricht. Bemerkenswert ist aber, daß im Nachlassinventar seines 1628 verstorbenen Vaters Räumlichkeiten im Schloß → Stetteldorf als dem »Grafen Ernst« gehörend ausgewiesen sind, was darauf hindeuten könnte, daß er möglicherw. kriegsversehrt überlebt hat, aber nicht mehr handlungsfähig war. Kein Zweifel besteht hingegen über das Schicksal seines Bruders Heinrich, der als Rittmeister und Kompaniekommandant im Dampierreschen Regiment in Böhmen fiel und zu St. Nikolaus in Budweis beigesetzt wurde.
Georg Friedrichs jüngster Sohn Philipp (gest. 1662/63), der als Fähnrich an der Seite seines Bruders Ernst im Regiment Collaltos gekämpft hatte, heiratete 1621 seine Base Susanna Elisabeth. Sie war die Tochter Augusts von H. (siehe oben), die mit ihrem väterlichen Erbe die Begründung eines bescheidenen Hausstandes auf Schloß → Thurn ermöglichte. Aus dieser und einer weiteren Ehe mit Eva Maria von Sinzendorf gingen insgesamt sechs Söhne hervor, mit deren letztem Vertreter Georg Bernhard (1630–1682) die Linie erlosch.
Als einziger der Brüder setzte der älteste Julius III., der ein biblisches Alter erreichte (1594–1684), das Geschlecht der Gf.en von H. fort. Neben seinen hohen Erbämtern bekleidete er das Amt eines ksl. Kämmerers sowie eines geheimen Rates der Mgf.en von Brandenburg. Zudem versuchte er sich im Umfeld des ksl. Generalissimus Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein als Kriegsunternehmer, wenngleich mit mäßigem Erfolg: Für seine Dienste als Obrist-Stallmeister Wallensteins erhielt Gf. Julius, der kein Berufssoldat war und sich auch später kaum für die Kriegskunst interessierte, als Besoldung den Rang eines Obristen samt einem Regiment mit den damals verbundenen Einkünften. Spätestens als der Stern des Generalissimus zu sinken begann, erlahmte auch das Interesse Julius III. an seinem Regiment, zumal es die ihm einst zugesicherten Einnahmen nicht mehr erbrachte und die Rückgewinnung der in ihm investierten Gelder unwahrscheinlich werden ließ. Nach der Zusicherung einer Entschädigung durch den Ks. gab der das nahezu ruinierte Regiment schließlich im Nov. 1636 ab.
Finanzielle Schwierigkeiten waren offenbar seine ständigen Wegbegleiter, denn einen Gutteil seines Lebens bis etwa 1660 verbrachte er mit der Bekämpfung pekuniärer Unzulänglichkeiten: Zum einen Teil lastete die Hypothek der väterlichen Schulden auf seinen Schultern und zum anderen Teil war er verpflichtet, die Außenstände seines Schwiegervaters zu übernehmen. Julius war nämlich in erster Ehe mit seiner Base Johanna Susanna (gest. 1639), der Tochter und Erbin von Johann Wilhelm Gf.en von H. (gest. 1635) verh., die zwar nach dem Tod des Vaters ihre ansehnliche Erbschaft in die Ehe einbrachte, was aber zunächst nur eine neuerliche Belastung bedeutete, da wg. der hohen Verschuldung über den Nachlaß des Schwiegervaters der Konkurs verhängt worden war. Daß der einstige Glanz des Geschlechts bereits etwas an Strahlkraft verloren hatte, zeigt seine zweite Eheschließung. Während Julius' gleichnamiger Urgroßvater noch imstande gewesen war, eine württ. Gf.in zur Frau zu nehmen (siehe oben), reichte es beim Urenkel bloß für Maria Barbara Freiin Teufel (gest. 1665), die Tochter eines Aufsteigers aus dem benachbarten → Guntersdorf, deren Vorfahren den Gf.en von H. noch als Pfleger gedient hatten. Die Nachfolge Julius III. trat sein einzig am Leben verbliebener Sohn Johann Friedrich (1636–1703) an, der erst kurz vor seinem Lebensende zum katholischen Glauben konvertierte.
Quellen
Niederösterreichisches Landesarchiv (NÖLA): Hardegger Urkunden (HU); Schloßarchiv Stetteldorf; Nachlaß Karl Keck.
Literatur
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