Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HABSBURG-LAUFENBURG

B. Habsburg-Laufenburg

I.

Der erste Versuch des Aufbaus einer eigenen, von der älteren Linie gänzlich abgekoppelten Territorialherrschaft der L.er Linie hatte die um 1240 erbaute und mit dem programmatischen Namen Neu-H. ausgestattete Burg bei Meggen am Vierwaldstättersee zum Zentrum. Grundlage dieses Herrschaftsaufbaus sollten die zu dieser Zeit umfangr. Innerschweizer Besitzungen der Familie um den Vierwaldstättersee und in Obwalden sein. Der Widerstand in den Waldstätten, v.a. in Schwyz und Sarnen, und der Konflikt mit der älteren Linie im Machtkampf zwischen Ks. Friedrich II. und dem Papsttum ließ das Projekt jedoch bereits frühzeitig scheitern. 1244 gab Rudolf III. (I.) die Neu-H. der Abtei Zürich zu Lehen auf. Sie gelangte mit den von Gf. Eberhard 1273 veräußerten Gütern in die Hände der älteren Linie, die sie an eigene Ministeriale verlieh.

Rudolf III. (I.) und v.a. sein Sohn Gottfried I., der 1257 erstmals comes de Loufenberch gen. wird, konzentrierte sich in der Folge auf die Herrschaft und Burg → L., die als zentrale Res. ab 1248 rasch an Bedeutung gewann. Die Rechte der Herrschaft gruppierten sich maßgeblich um die linksrheinisch gelegenen stift-säckingischen Dinghöfe Mettau, Kaisten, Sulz und Ittenthal, umfaßten außerdem nach O am Rhein entlang das Gebiet bis Leibstadt und nach W bis etwas über Sisseln hinaus. Mitte des 14. Jh.s kamen die aargauischen Dörfer Oeschgen und Gansingen mit ihren Bannbezirken zu der Herrschaft hinzu.

Nach Gottfrieds Tod 1271 brach die Bedeutung L.s als Res. abrupt ab. Sein jüngerer Bruder Eberhard, der Begründer der Linie → Neu-Kyburg, bevorzugte nach seiner Heirat mit Anna von Kyburg Burgdorf als Res. Rudolf II. diente als Bf. von Konstanz zwischen 1275 und 1289 mehrfach die Stadt Rheinau als Verwaltungsschwerpunkt, am Ende seines Lebens hielt er sich auch häufiger in Zürich auf. Auch Rudolf III. taucht in den ersten Jahren des eigenen selbständigen Handelns ab 1288 zuerst in Rheinau auf, dagegen kaum einmal in → L. Möglicherw. in Zusammenhang mit der Auflehnung gegen Hzg. Albrecht befahl er um 1291 eine Verlegung der Stadt Rheinau aus der Niederung auf den Berg, wo sich wohl bereits eine Burg befand, und die Errichtung eines äußeren Mauerrings um die Siedlung. Ob die Burg tatsächlich als Res. genutzt wurde, läßt sich aufgrund der wenigen Zeugnisse nicht sicher entscheiden.

Nach Rudolfs Ehe mit Elisabeth von Rapperswil 1296 und der Übernahme der Herrschaft Rapperswil machte Rudolf die Stadt Rapperswil mit Burg → Neu-Rapperswil zu seiner Res. Zur Herrschaft gehörte auch die Stammburg (Alt-)Rapperswil auf der Südseite des Obersees (bei Altendorf, Kt. Schwyz), mit der die Herrschaft über die March und das Wägital verbunden war. Ob diese Anlage, die 1350 von den Zürchern vollständig zerstört wurde, ebenfalls als Res.ort gedient hatte, ist nicht bekannt. Die Burg → Neu-Rapperswil wurde auch von Johann I. und zumindest bis in die 1340er Jahre auch von dessen Söhnen Johann II., Rudolf IV. und Gottfried II. als Verwaltungsschwerpunkt und Res. beibehalten.

Nach den schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen Johann II. und Zürich 1350, die 1354 und 1358 zur Veräußerung der Herrschaft Rapperswil an die Hzg.e von Österreich führten, verlegten die Brüder ihre Res. wieder nach → L. Bei der Erbteilung 1353 erhielt Rudolf IV. → L. zugeschlagen. Wg. seiner häufigen Aufenthalte in Oberitalien scheint die Stadt und Burg jedoch kaum als Res.ort genutzt worden zu sein. Erst nach seiner Rückkehr um 1365 tritt → L. als Aufenthaltsort des Gf.en und seiner Gattin Elisabeth wieder dauerhaft in Erscheinung. In diese Zeit fällt auch der zunehmende Ausverkauf städtischer Hoheitsrechte durch den hoch verschuldeten Gf.en an die Stadtgemeinde, die den Gf.en letztlich kaum mehr einen fiskalischen Wert bot. Von Rudolfs Sohn Johann IV. wurde → L. 1386 an Österreich verkauft und anschl. zu Lehen genommen. Er führte zwar den Titel Herr zu L., hielt sich bis zu seinem Tod 1408 jedoch eher selten dort auf, da er als österr. Landvogt häufiger an den Landvogteisitzen in Baden und Ensisheim tätig werden mußte.

Johann II. erwarb aus der Verkaufssumme für → Neu-Rapperswil 1354 die Burg (Neu-)→ Homberg und die Herrschaft und Burg Rothenberg als österr. Pfandschaften. Sein Sohn Johann III. führte in den 1380er Jahren den Titel eines Herrn zu Rothenberg. Quellen für eine Res.bildung in Rothenberg liegen jedoch nicht vor.

Innerhalb der Herrschaft → L. scheint Burg Herznach im Aargau eine bedeutendere Rolle eingenommen zu haben. Die Burg gehörte zur explizit gen. Masse der Besitzteilung von 1353, wobei sie Rudolf IV. zufiel, und sollte 1372 nebst 10 000 Gulden Austattung als Heiratsgut für Johann IV. und Herzlande von → Rappoltstein dienen. Demnach dürfte die Burg eine repräsentativere Anlage mit möglicherw. umfangreicherem Zubehör gewesen sein, die jedoch heute vollständig verschwunden ist. Ein L.ischer Ministerialer, der sich nach Herznach zubenannte, ist nur einmal 1269 indirekt als Ehemann einer Tochter eines anderen hochrangigen Ministerialen der Gf.en, Heinrich von Wangen, belegt.

II.

Mangels Quellen können nur sehr wenige Aussagen zur Hofhaltung der L.er Gf.en getroffen werden. Mit der Besitz- und Verwaltungsteilung um 1232/34 fielen Rudolf III. (I.) mehrere Dutzend Ministerialenfamilien zu. Das seit 1207 bei den H.ern nachweisbare Schenkenamt befand sich im Besitz der Familie der Schenken von H., die auf der gleichnamigen Stammburg der Gf.en ihren Sitz hatten und wahrscheinlich eine wichtige Funktion in der Besitzverwaltung der Gf.en einnahmen. Bei der Teilung wurde diese Familie ebenfalls aufgetrennt, wobei der Schenk Diethelm mit zwei weiteren Brüdern bei der älteren Linie verblieb, während der Schenk Bertold (1227-1267) der L.er Linie zufiel. Da die Stammburg im Besitz der älteren Linie verblieb, könnte Bertold zunächst auf der um 1240 erbauten Neu-H. bei Luzern seinen Dienstsitz genommen haben. Nach dem Scheitern des L.er Herrschaftsaufbaus ist er dann mehrfach mit seinen Herren in → L. belegt. Nach Bertolds Tod erscheint das Schenkenamt nicht mehr im gfl. Umfeld. Ein weiterer Spitzenministerialer der L.er im 13. Jh. war Konrad von Wülflingen (1240-1267), zeitweiliger Schultheiß von Sempach. Weitere bedeutende Ministerialenfamilien sind die Herren von Wangen, Henggart und Öschgen, die zum Teil auch in der städtischen Führungsschicht → L.s Präsenz zeigten. Ebenso sind Beziehungen der Gf.en zu Familien der Führungsschicht Rheinfeldens nachweisbar und zur Ministerialität des Stifts Säckingen, etwa den Stiftsmeiern vom Stein und von Wieladingen.

Am Rapperswiler Hof sind im 13. Jh. die Hofämter des Marschalls, Kämmerers und Truchsessen belegt. Entspr. Rapperswiler Ministeriale treten bis in die 1290er Jahre mehrfach als Zeugen für die Gf.en von Rapperswil auf. Sowohl der Sohn der von Rudolf geheirateten Elisabeth von Rapperswil aus erster Ehe, Werner von → Homberg (nach 1282-1320), als auch ein Albrecht Marschall von Rapperswil sind über den Codex Manesse als Minnesänger belegt. Ebenso wird Johann II. ein Minnegedicht zugeschrieben, das er während seiner Zürcher Gefangenschaft um 1351/52, geschrieben haben soll. Inwiefern diese Zeugnisse höfischer Kultur auch das Hofleben der L.er Gf.en beeinflußten ist nicht bekannt.