GÖRZ
I.
Höhenburg auf einem Felshügel bei der Mündung des Villgratenbaches in das Pustertal, Gmd. Sillian, Bez. Lienz, Österreich.
1239 Hunenvelse; weitere mal. Schreibweisen Haevnvels, Heunnvels, Hiunvels, Hovnenvels, Hvnenvels, Hunevels, Heumenvels u.ä.m. Versuche einer Herleitung des Namens von einer völkerwanderungszeitlichen Festung gegen Hunnen oder Awaren sind nicht nachvollziehbar, wahrscheinlicher schon eine Verbindung mit den Ungarnzügen des 10. Jh.s, da die Ungarn (wie auch die Awaren) in zeitgenössischen Quellen teilw. als Hunnen bezeichnet wuerden. Die ebenfalls ins Spiel gebrachte im 13. Jh. aktuelle Bedrohung durch die Mongolen war aber 1239 noch nicht gegeben, hätte frühestens 1241 eine Rolle spielen können. Möglich wäre auch die Herleitung von einem Huno (als Kurzform von Hunpold o.ä. Namen).
Ursprgl. bfl.-freisingische, dann aus ungeklärten Gründen in den Besitz der Gf.en von → Görz-Tirol übergegangene Burg mit Landgericht. Bei der Teilung von deren Besitz 1271 zunächst bei der Tiroler Linie verblieben, 1275 im Tausch an die Görzer Linie gekommen, seither der wichtigste Stützpunkt von deren Herrschaft im Pustertal. Wg. dieser seiner Bedeutung nie verliehen oder verpfändet, sondern von Pflegern verwaltet. Bei der Teilung des → Görzer Besitzes 1307 wie die übrige »Vordere« Gft. an Albert III. gekommen und bis zu deren Aussterben i.J. 1500 bei dieser Linie geblieben. Schon Albert III. nutzte H. offensichtlich als Nebenres., stellte jedenfalls dort immer wieder Urk.n aus, und diese Funktion behielt H. bis 1500. Meinhard VI. starb hier 1385. Als den Gf.en von → Görz 1460 durch den Frieden von Pusarnitz zwischenzeitig ihre Res. Schloß Bruck mit der Stadt Lienz verloren ging, verlegte Gf. Johann seine Hauptres. nach H. und kurzfristig auch die zugehörige Münzstätte von Lienz ins nahe Toblach. Das war auch der Anlaß für den Beginn des großzügigen Ausbaus von H. in den letzten Jahrzehnten der → Görzer Herrschaft.
II.
H. liegt in etwa 1150 m Seehöhe an der Nordseite des Pustertals, rund 100 m über der Talsohle und beherrschend über dem engen Ausgang des Villgratentals. Von hier aus war die Kontrolle des Verkehrs in dieser bedeutenden inneralpinen O-W-Verbindung und in das zum Landgericht gehörende Villgratental möglich. Sillian, der bedeutendste Ort des Landgerichts H., nicht weit unter dem Burgfelsen gelegen, erhielt 1469 Marktrecht. Hier hatte auch der Richter seinen Amtssitz, und an der Linde bei der Pfarrkirche befand sich die Landschranne.
III.
An den ursprgl. allein stehenden Bergfried wurde westlich im 13. Jh. in zwei Bauphasen ein fast gleich hoher Wohnturm mit einer dem Hl. Laurentius geweihten Kapelle (aus der zweiten Bauphase, mit Fresken aus der Entstehungszeit) angebaut. Ein anscheinend unvollst. Inventar von 1440 nennt folgende Räumlichkeiten: die kamer bey der stubn (aber nicht die Stube selbst), meiner gnedigen frawen zimer, je eine Kammer für Richter, Wächter, Pförtner, weibliche Dienstboten, eine Harnischkammer, zwei weitere Kammern und ein stublein, Küche und Speicher, enthaltend v.a. eine große Zahl von Betten mit Decken und Kissen, aber keinen Nachweis einer bes. gehobenen Wohnkultur. Ab 1460 und mit Bauzeit über die görzische Zeit hinaus wurde westlich des Wohnturms ein großer palasähnlicher Bau errichtet und mit zwei kleineren Trakten mit den bestehenden Bauten verbunden, so daß ein großer trapezförmiger Hof entstand. Am Beginn dieser Arbeiten wurde auch die Kapelle umgebaut und mit neuen Fresken ausgestattet. Erst aus dem frühen 16. Jh. stammt die weitläufige Umfassungsmauer. In der ersten Hälfte des 20. Jh.s stürzten Teile des Wohnturms ein, aber erst in der zweiten Hälfte dieses Jh.s kam es zu Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen.
1331 stiftete Albert III. eine Kaplanei auf die Kapelle in der Veste H., die später auch über eine ansehnliche Heiltumsammlung mit über 100 Objekten, gestiftet größerenteils von Gf. Johann Meinhard (gest. 1429), verfügte. 1463 setzte der Lienzer Maler Sebastian Gerumer einige Glasfenster in H. ein, wohl in die damals umgebaute Kapelle.
Quellen
Inventar H. von 1440 (Tiroler Landesarchiv, Inv. A 201/1.
Literatur
Baum, Wilhelm: Die Grafen von Görz in der europäischen Politik des Mittelalters, Klagenfurt 2000. – Pizzinini, Meinrad: Heinfels, in: Tiroler Burgenbuch, begr. von Oswald Trapp, Bd. 9: Pustertal, Bozen 2003, S. 389-420. – Rizzolli, Helmut: Die Münzstätte Toblach, in: Der Schlern 55 (1981) S. 427-437.