GÖRZ
I.
Die namengebende Siedlung erstmals 1101 als villa quae Sclavorum lingua vocatur Goriza (= kleiner Berg, Hügel) gen., abgeleitet von der slaw.en Bezeichnung (Verkleinerungsform von Gora = Berg) für jenen Hügel, der an der heutigen Grenze von Slowenien und Italien etwa 60 m über den Isonzo aufragt und auf dem auch die 1202 erstmals gen., aber vermutlich schon etwa ein Jh. früher von Heinrich von Spanheim gegr. Höhenburg G. steht. Sie war namengebend für die Gf.en von → G. (Dynastie), die als Vögte der Patriarchen von Aquileja v.a. auf deren Kosten eine in der Folge nach ihnen benannte Gft. zusammensammelten. Die Burg G. war in der Frühzeit die einzige und lange Zeit die wichtigste Res. der Gf.en von → G. Nach der Eroberung des Patriarchats durch Venedig 1420 schien G. jedoch zu exponiert, weshalb die Hauptres. endgültig in das schon bisher mit G. konkurrierende Schloß → Bruck bei Lienz verlegt wurde.
II.
Der unterhalb der Burg auf dem Berg gelegene Ort G. erhielt 1240 Markt- und 1307 Stadtrecht, doch verlagerte sich sein Schwerpunkt in der Folge allmählich in die Ebene unter dem Burgberg.
III.
Die ma. Burg bestand aus einem großen rechteckigen palasähnlichen Hauptgebäude in der einzigen Ecke der ansonsten ziemlich runden Ringmauer, einem Bergfried mit unregelmäßig viereckigem Grdr. und einigen Nebengebäuden. Es gab dort im MA ein palacium castri und eine camera ubi dictus d. comes facit suum consilium, auch Bgf.en werden erwähnt. Die Burg G. wurde nach verschiedenen Umbauten vom österr.-ungarischen Militär als Kaserne benutzt. Im Ersten Weltkrieg befand sie sich im unmittelbaren Frontbereich der zwölf Isonzoschlachten und wurde dabei weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau in der Zwischenkriegszeit erfolgte unter stark historisierenden und romantischen Gesichtspunkten und nahm auf die originalen Reste wenig Rücksicht, so daß die heute bestehende Burg trotz ihres ma. Aussehens mit der ehem. Burg, über deren Architektur sich wenig sagen läßt, außer den wichtigsten Grdr.linien wenig gemein hat.
Literatur
Štih, Peter: villa que Sclavorum lingua vocatur Goriza. Studie über zwei Urkunden Ottos III., Nova Goriza 1999. – Ulmer, Christoph: Burgen im Friaul. Köln 1999, S. 22-28, 205-210.