GENF
I.
Von dieser Burg gibt es keine Spuren mehr. Sie lag an der süd-östlichen Seite der alten cité von Genf. Es befand sich in vorteilhafter Verteidigungslage, denn die Festung beherrschte die sehr steil abfallenden Bergkämme und zur Seite der Place de B. hin war es sehr abschüssig. Die Befestigungen waren auf der römischen Mauer errichtet worden.
II.
Die Burg schloß das Stadttor ein, das Château-Vieux oder B. hieß und den Zugang zur Stadt beherrschte. Die erste Erwähnung der Burg dat. von 1124 unter dem Namen statio. Man kann vermuten, daß die Gf.en hier oft residierten, bevor sie nach den Kriegen und Kämpfen gegen den Bf. von Genf und die Gf.en von Savoyen nach → Annecy auswichen. Im 12. Jh., vor 1184, ließ Gf. Wilhelm von G. neben dem B. eine neue Befestigung bauen, die ohne Genehmigung des Bf.s erfolgte Erweiterung führte aber zu langen Auseinandersetzungen. Die Burg verblieb beim Gf.en., aber unter bfl. Protektion. Diese Auseinandersetzungen führten im 12./ 13. Jh. zum Ausschluß der Gf.en aus ihrer Stammres. und zum Rückzug nach → Annecy. 1250 bemächtigte sich Peter II. von Savoyen des Schlosses. Von diesem Zeitpunkt an wurde es Gegenstand bedeutender Kämpfe zwischen den beiden Dynastien. Das Schloß wurde mehrere Male von den Gf.en von G. eingenommen und wieder verloren, bis Eduard von Savoyen 1320 erneut eroberte, das daraufhin geplündert und zerstört wurde. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Die verbliebenden Ruinen waren Gegenstand verschiedener Abkommen der Savoyer, der neuen Herren.
III.
Dank den Rechnungen der Kastellane und der Lehnsmutungen kann man feststellen, daß der obere Teil in der Stadt ein Viereck von ungefähr 56 x 27 m bildete. An der südlichen Ecke befanden sich der Donjon und ein Wohnhaus (logis) mit nachgeordneten Bauten, das Haus des Kastellans, der Backofen und die Kapelle. Verträge wurden abgeschlossen in der Aula, die sich wohl in dem Wohnhaus (logis) westlich des Turmes befand. 1284 wurde die nördliche Fassade von 22 Klafter (toises) Länge erneuert. Der Donjon maß etwa 10 m x 13 m und war flankiert von einem kleinen Turm von 6 x 7 m, der als Eingang diente. Die Rechnungen erwähnen auch eine tornella mit Treppe, über die man in die Aula und dann in die gfl. Gemächer gelangen konnte.