Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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FÜRSTENBERG

C. Fürstenberg

I.

Die namensspendende Burg F. bot wg. ihrer Beengtheit keinen Raum für repräsentativen Ansprüchen genügende Hofhaltung. Das Bild der fürstenbergischen Res.en ist später ab dem 17. Jh. vielgestaltig, doch reduziert es sich für die Zeit zuvor im wesentlichen auf das erst 1488 zusammen mit dem ganzen Ort von den Herren von Habsberg erkaufte Schloß Donaueschingen. Mit diesem Kauf hatte F. endlich die Lücke schließen können, die bis dahin zwischen seinen westlichen und östlichen Gebietsteilen auf der Baar geklafft hatte. Dieser Erwerb krönte die – stetig weiterverfolgte – gfl. Strategie, den fürstenbergischen Vogteibezirk auf der Baar zu vereinheitlichen und lästige Adelskonkurrenz aus dem Bereich der Lgft. Baar herauszudrängen. Die zentralörtliche Funktion, die Donaueschingen im fürstenbergischen Territorialisierungsprozeß dieser Zeit zu erfüllen hatte, trat ab dem Moment hervor, in dem Gf. Wolfgang wieder alle fürstenbergischen Besitzungen vereinigte; sein 1499 verstorbener Bruder Heinrich hatte noch auf dem F. gewohnt, solange er im Lande war. Noch Gf. Wolfgang scheint mit der Anlage des großen Donaueschinger Weihers begonnen zu haben, bei der eine ganze Reihe von Anrainern geschädigt wurde; seine Söhne setzten diese Maßnahmen rücksichtslos fort, die im Ergebnis jahrhundertelang reiche Fischfänge bescherten. Über dieses Kultivierungsprojekt und seine Folgen spottet die ›Zimmernsche Chronik‹ freilich ebenso wie über den von Wolfgangs Sohn Friedrich ab 1555/56 aufgenommenen Schloßneubau in Donaueschingen, der das angeblich ›eingefallene‹ alte Haus ersetzen sollte, aber offenbar zunächst erst einmal selbst nur statische Probleme verursachte, so daß die Arbeiten steckenblieben und dem Bau das Ansehen eines zerstörts mausnest bescheinigt werden konnte. Gleichwohl hatte die Heiligenberger Hauslinie F.s schon ab 1540 in Ausnutzung der zentralen Lage bevorzugt in Donaueschingen Wohnsitz genommen. Dies galt auch für Gf. Heinrich VIII. (gest. 1596), der erstmals 1561 seinen Wohnsitz in Donaueschingen wählte, bis 1570 aber noch überwiegend auf Schloß Wartenberg in der östlichen Baar residierte. Dies lag schlicht daran, daß das Donaueschinger Schloß noch nicht wieder dauerhaft bezugsfertig war bzw. noch nicht die erforderlichen Repräsentationsstandards gewährleistete, doch stellte Heinrich das vom Vater begonnene Bauwerk in diesem Zeitraum weitgehend fertig. Im achten Jahrzehnt des 15. Jh.s hat er es definitiv bezogen, wenngleich die Innenausstattung immer noch in größerem Stile fortschritt: 1577 lieferte der bedeutende Villinger Hafner Hans Kraut einen Ofen in den »neuen Saal« des Schlosses.

II.

Im Ort selbst, der zwar seit 1488 im Besitz der F.er war, aber im Alten Reich immer ein Lehen des (Mitte des 16. Jh.s aufgehobenen) Kl.s Reichenau bzw. seines Rechtsnachfolgers, des Konstanzer Domstifts, blieb, setzte Gf. Heinrich VIII. prinzipiell erste wichtige Impulse für den inneren Ausbau. Basis war eine vertragliche Regelung mit dem Konstanzer Bf. über die Lehnsverhältnisse (1563), die Heinrich freie Hand gab. 1580 gründete er in Donaueschingen einen Wochenmarkt, in den folgenden Jahren errichtete er die Mühle neu, ließ den gesamten Viehbesitz aufzeichnen (»Viehordnung«) und 1584 ein komplettes Ortsurbar anlegen; es folgten der Bau der 1588 geweihten Lorenzkapelle, einer Liebfrauenkapelle auf der Schloßseite der Pfarrkirche (1724 abgebrochen) sowie die Stiftung eines Altars für die Hofkapelle im Schloß. Für diese scharte er eine tüchtige Sängerkapelle um sich, deren Mitglieder er an benachbarten Höfen rekrutierte, für die er aber auch seine Kontakte am bayerischen Hzg.shof aktivierte, an dem er offenbar als Knabe prägende Erziehungseindrücke hatte sammeln können. In diesen Zusammenhängen wurzelt nicht nur seine Begeisterung für die Musik, sondern figurieren auch seine Kontakte zu Orlando di Lasso, der ein eigenes Werk nach Donaueschingen sandte. Für die Pfarrkirche gab Gf. Heinrich bei Meister Chrysostomus Lutz in Breisach eine Orgel in Auftrag.

1589 stiftete seine Gemahlin Amalie die St.-Gregori-Schulbruderschaft, auf die eine noch heute in Donaueschingen gepflegte Tradition zurückgeht. Sie selbst ließ sich in der Pfarrkirche von Donaueschingen, das ihr als Witwensitz zugemessen war, bestatten. Dies hatte zuvor auch Gf. Heinrich in seinem Testament u. a. als mögliche Begräbnisstätte in Betracht gezogen, sich dann aber weder hier noch im Dominikanerinnenkl. »Auf Hof« in Neudingen, sondern im (ehedem wartenbergischen Haus-) Kl. Amtenhausen beisetzen lassen. Seine Nachfolger förderten die Entwicklung Donaueschingens nicht mehr, das seit der Hausteilung im frühen 17. Jh., bei der es an die Heiligenberger Linie F.s fiel, einem stetigen Bedeutungsverlust ausgesetzt war und für die nächsten eineinhalb Jh.e fast gänzlich hinter den Res.en der zwischenzeitlich anfallenden Herrschaften (Meßkirch, Heiligenberg, Stühlingen) zurücktrat.

Noch vor dem Schloßneubau in Donaueschingen errichteten sich die Gf.en von F. einen Landsitz bei dem Dorf Pfohren, unweit der ma. Stammburg F. in einer Donauniederung. Noch heute verrät die Lage im Donauried den Typus des Weiherschlosses, einst umgeben von Wall und Graben. Die Baugeschichte ist vergleichsweise gut dokumentiert: ab 1471 wurde die Anlage in nur zweijähriger Bauzeit auf Betreiben Gf. Heinrichs VI. hochgezogen, der Hauptbau noch durch Nebengebäude (Küche, Bäckerei, Badstube) ergänzt. Dieses hus soll seinen noch heute gebrauchten Namen »Entenburg« durch Maximilian I. erhalten haben, der immerhin 1507 erstmals als Jagdgast hier weilte, 1510 ein zweites Mal. Doch diente die Entenburg damals nicht nur als Jagdschloß, sondern auch dem Obervogt der Landschaft als Dienstwohnung. Es scheint, daß die Gf.en aber durch den Erwerb des wenige Kilometer westlich gelegenen Donaueschingen und dessen Ausgestaltung als Res. recht bald ihr Interesse an der Entenburg verloren. Zumindest mußte der Bau schon seit dem letzten Viertel des 16. Jh.s auch als »Fruchtkasten« herhalten. Ansprechende Vermutungen, die Burg sei schon im Bauernkrieg beschädigt worden, haben sich bislang bauarchäologisch nicht bestätigen lassen, doch spiegelt die reine Nutzung als Zehntscheuer, zu der sie neuesten dendrochronologischen Untersuchungen zufolge 1567/68 umgebaut worden war, jedenfalls den Bedeutungsverlust der Anlage in der frühen Neuzeit. Demgegenüber dürfte sie während des ersten Jh.s ihres Bestehens, für das sich der Baubefund noch gut erheben läßt, ein imposantes Ansehen gehabt und einen eindrucksvollen Wirtschaftshof integriert haben. Die Entenburg war eine »Repräsentantin des im späten MA aus Groß-Burgund importierten Typs des Vierturmdonjons, der sich im deutschsprachigen Raum verbreitete« (Laule/Schmidt-Thomé, S. 59).

III.

Einen näheren Eindruck des Donaueschinger Schloßbaus vermittelt ein Kupferstich von Jacob Sandrart aus dem Jahr 1664. Die Ansicht stellt, wie auch noch eine gemalte Vedute Donaueschingens von Martin Menradt (1688; heute auf Schloß Heiligenberg), heraus, daß der herrschaftliche Bereich um Schloß und Stadtpfarrkirche (St. Johann) durch eine Mauer strikt vom bäuerlichen Dorf getrennt war. Zu den im einzelnen recht gut erkennbaren Baulichkeiten, durch Sandrarts Legende auch näher erklärt, gehören das gfl. Schloß wie auch noch ein »Neubau« sowie ein angrenzender Altbau (»Altes Schloß«), welcher wohl seinerseits noch auf die Vorgänger F.s in der Ortsherrschaft, die Herren von Habsberg, zurückging. Im Schloßhof findet sich der ummauerte »Ursprung der Donau« samt »Ausfluß dieses Brunnens« in die Brigach, durch die flußaufwärts eine Furt und über die nahe dem Res.bereich eine Brücke führte. Der Zugang zum gesamten Res.ensemble, das auch noch einen »Lustgarten« wie auch eigens einen »Tiergarten« umfaßte, wurde durch zwei Tore geregelt.

Siehe A. Fürstenberg.