Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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FREIBURG

C. Lichteneck

I.

castrum Liethenekke (1290), Lichtenekke (1316), Liehtenegge (1316), Liehtenecke (1338). Die oberhalb des Dorfes Hecklingen (ca. 25 km nördlich von → Freiburg) gelegene Burg wurde am Abhang eines Ausläufers der Vorbergzone, unterhalb des Bergplateaus, erbaut. Vermutlich bereits von Gf. Konrad I. von → Freiburg errichtet, wird die L. das erste Mal 1290 als Wittum für die lothringische Hzg.stochter Katharina erwähnt. Diese Funktion behielt die Burg bis 1356, als Gf.in Anna ihrem Sohn Egen II. von → Freiburg die Anlage übertrug. Im Streit mit seiner Nichte Klara von → Tübingen um die Herrschaft → Freiburg entschädigte Egen diese mit der Burg L. Unter den Pfgf.en von → Tübingen wurde die L. zum Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft. 1675 wurde die Burg von frz. Truppen erobert und zerstört.

II.

Die Burg L. dominiert die Rheinebene im Bereich der so gen. Riegeler Pforte und markiert die nördliche Grenze der Herrschaft der Gf.en von → Freiburg. Das Dorf Hecklingen unterhalb der Burg ist bereits seit dem FrühMA besiedelt und lag im HochMA im Herrschaftsbereich der Gf.en von Nimburg. Vermutlich mit Teilen aus dem nimburgischen Erbe, die Gf. Konrad I. in der zweiten Hälfte des 13. Jh.s aus den Händen des Straßburger Bf.s als Pfandschaft erhalten hatte, konnte er auf Hecklingen zugreifen und die weithin sichtbare Burg errichten. Der Hof des Kl.s St. Ulrich in Hecklingen war vermutlich der zentrale Wirtschafshof. Die Burg wurde von den Gf.en u. a. mit Gütern und Leuten des Kl.s St. Peter im Schwarzwald ausgestattet.

Im 14. Jh., als die Burg zentraler Sitz des Gf.en Gottfried von → Tübingen und seiner aus freiburgischen Haus stammenden Gattin Klara wurde, gehörten zur Herrschaft L., neben dem Zubehör zur Burg, die Hoheit über die Dörfer Hecklingen und Forchheim, je ein Herrenhof in diesen Dörfern sowie vier Leibeigene in Malterdingen. Im 15. Jh. konnte die Herrschaft ausgebaut werden. Die Familie erwarb das Dorf Schelingen, die Ortsherrschaft mit Gerichtsbarkeit sowie das Schloß und den Herrenhof in Umkirch, Stadt und Herrschaft Burkheim sowie die Herrschaft → Limburg mit den Zollstationen am Rhein. Ende des Jh.s umfaßte das Herrschaftsgebiet 500 Haushaltungen. 1547 wurde die Herrschaft → Tübingen-L. in die österr. Landeshoheit am Oberrhein integriert. Aus Hecklingen bezogen die Gf.en von → Tübingen-L. v.a. Geldabgaben und Naturalien (v.a. Wein) sowie Frondienste. Im Dreißgjährigen Krieg wurde Hecklingen schwer verwüstet und nahezu entvölkert.

III.

Die Burg L. ist heute noch als Ruine erhalten. Aufgrund des Erhaltungszustands und der fehlenden Schriftquellen können nur wenige Aussagen zu der baulichen Gestaltung gemacht werden. Bei der Burg L. handelt es sich um eine kompakte Anlage auf einem nahezu quadratischen Grdr. von ca. 30 m Seitenlänge. Im N und O trennt ein 6 m breiter Halsgraben die Burg vom Hang ab. Im N schließ sich ein 10 m breites Vorwerk an, dem ein weiterer 8 m breiter Graben vorgelagert ist.

Der Palas wurde an der Ostmauer mit einer Grundfläche von 16 x 6 m errichtet. In seiner nordwestliche Ecke wurde ein fast oktagonales Fundament eines Treppenturmes mit 2,3 m Durchmesser ergraben. Im südlichen Bereich der Burg befand sich ein dreistöckiger Bau auf einer Fläche von 15 x 7 m, dessen Datierung ungeklärt ist. Hier könnte sich eine Küche befunden haben. Wasserrinnen aus Sandstein leiteten Wasser vermutlich in eine Zisterne. Im W des Burgareals deuten Fundamente eines nahezu quadratischen Baus auf 8 x 8 m auf ein turmartiges Gebäude, das in der Forschung auch als Donjon angesprochen wird. An repräsentativer Ausstattung der Burg ist lediglich ein Sandsteinrelief mit Helmzier von 1521 erhalten.