Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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FREIBURG

C. Freiburg i. Br.

I.

Friburch (1091), forum Friburg (1120), vicus Friburg (1146). Die Burg F. auf dem Schloßberg über der Siedlung F., erstmals 1146 als castrum Frieburc gen., wurde vermutlich bereits von Hzg. Bertold II. von Zähringen (gest. 1111) in Zusammenhang mit dem burgus F. von der nahe gelegenen Burg Zähringen aus errichtet. Anknüpfend an bereits vorhandene Siedlungselemente aus vorzähringischer Zeit hatte Bertold II. lt. Marbacher Annalen i.J. 1091 auf seinem Eigengut eine civita[s] Friburch errichtet. Mit dem Bau der Burg war neben Zähringen ein Zentrum F. getreten. Bis zum Ende der Zähringer ist die Anlage nur selten in den Quellen gen., sie wird aber für die beiden letzten Zähringerhzg.e Bertold IV. und Bertold V., die zwischen 1152 und 1218 regierten, als bevorzugter hzgl. Sitz und Res. angenommen.

Für die Gf.en von → F. wurde mit dem Antritt des zähringischen Erbes 1218 die Burg F. zum Namen gebenden Herrschaftsmittelpunkt und bildete zusammen mit der Stadt F. auch das repräsentative und wirtschaftliche Zentrum der Gf.en bis 1368. Nach dem Verlust der Stadtherrschaft ging auch die Burg an die Hzg.e von Österreich über.

II.

Der F.er Schloßberg, der die Burg bis ins 18. Jh. trug, erhebt sich nördlich des Ausgangs des Dreisamtals in die F.er Bucht. Das Dreisamtal erschließt die Verkehrswege über den Schwarzwald, die den Breisgau mit der Baar und dem Neckarraum verbinden. Sowohl F. wie auch die hzgl. Stammburg Zähringen bildeten Eckpunkte des 1008 von Kg. Heinrich II. an den Basler Bf. vergebenen Wildbannbezirk.

Von der Burg, die Mitte des 18. Jh.s vollständig zerstört wurde, sind heute keinerlei Spuren mehr sichtbar. Unterhalb der Burg befand sich die zugehörige Siedlung, die v.a. von hzgl. Eigenleuten bewohnt war. Der Platz diente dem Handwerk und dem Gewerbe. Zum Burgrechtsbezirk gehörten auch die drei F. umgebenden Dörfer St. Peter, Alt-Adelhausen und Wiehre. Bes. die Wiehre zeichnete sich durch ihre Lage an der Dreisam aus. Seit dem 13. Jh. lassen sich dort Mühlen, Stampfen, Walken, Edelsteinschleifereien und Hammwerkschmieden nachweisen, welche die durch Wehre geschaffene Wasserenergie nutzten. Dieses gewerbliche Element dürfte bereits im 11. Jh. den Charakter dieses Dorfes geprägt haben.

Aus dem Jahr 1120 ist eine Marktrechtsurk. Hzg. Konrads von Zähringen (gest. 1152) für F. überliefert, durch die für die in F. ansässigen mercatores günstige Bedingungen geschaffen und weitere angesehene Kaufleute angezogen wurden. Ebenso wie Bertold II. handelte Konrad bezüglich F. ohne ausdrückliche Billigung des Kgtm.s. Bis zum Ende des 12. Jh. entwickelte sich in F. ein autonomes Gemeinwesen mit einer eigenen Ratsverfassung. Die von den Zähringern vergebenen Rechte wurden anläßlich des Herrschaftswechsels i.J. 1218 im F.er Stadtrodel kompiliert. Das Stadtregiment lag in den Händen einiger weniger Familien, die eine bes. Nähe zum Gf.enhaus auszeichnete. Für sie öffnete sich der Weg zum Ritterstand. 1248 kam es nach inneren Unruhen zu einer Reform der Ratsverfassung, durch die neue, wirtschaftlich potente Familien, die nicht den ritterlichen Ratsgeschlechtern angehörten, Zugang zum Rat erlangten. Im Stadtrecht von 1293 wurden die Rechte des Ratsgremiums der »nachgehenden« Vierundzwanzig neben dem der »alten« Vierundzwanzig endgültig festgeschrieben.

Die F.er Bürger hatten über das Bergbaurecht der Zähringer und danach der → F.er Gf.en Anteil an der Ausbeutung der Silber- und Erzminen im Breisgau. Die vier Fenster des Münster-Langhauses (1330-1340) mit Bergbaumotiven dokumentieren die Beteiligung der F.er Bürger am Bergbau. F. erlebte in der ersten Hälfte des 13. Jh.s einen enormen konjunkturellen Aufschwung, der auf den florierenden Handel und die steigenden Erträge aus dem Silberbergbau zurückzuführen ist. Ab Mitte des 14. Jh.s ging die Beteiligung am Bergbau durch die F.er Bürger spürbar zurück.

Bereits im 12. Jh. ließen die Hzg.e von Zähringen Breisgauer Pfennige prägen, als deren Münzstätte v.a. F. anzunehmen ist. 1233 wird mit Johannes monetarius der erste Münzmeister in F. gen. Münze, Zoll und die höhere Gerichtsbarkeit lagen in den Händen der Gf.en von → F. als den Stadtherren. Im Streit zwischen Egen II. von F. (gest. 1385) und seiner Nichte Klara von → Tübingen (gest. nach 1371) um die Herrschaft F. gab Egen II. die bis dahin als freiburgisches Eigengut verteidigten Rechte an Münze, Zoll und Gericht von F. dem Reich auf und erhielt diese als Reichslehen.

F. bildete das wichtigste wirtschaftliche Zentrum innerhalb der gfl. Herrschaft. Die Gf.en gerieten in immer größere Abhängigkeit von der Stadt und verpfändeten zahlr. Herrschaftsrechte an F.er Bürger. Auch die Ausbeutung der Silberminen lag in den Händen finanziell potenter Familien. Bes. im 14. Jh. kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den Bürgern und ihrem Stadtherrn, die 1366 in eine blutige Fehde mündeten. Die Bürger beschädigten das gfl. Schloß F., kauften sich von der Herrschaft der Gf.en los und unterstellten sich den Habsburgern.

III.

Da das Schloß zu F. in der Mitte des 18. Jh.s vollständig zerstört wurde, sind im Gelände keinerlei Spuren der Burg mehr sichtbar. Durch neuzeitliche Umgestaltungen wurden so massive Eingriffe in die Baustruktur vorgenommen, daß archäologische Untersuchungen vermutlich wenig Aussicht auf Erfolg versprechen.

Anhaltspunkte über die mögliche Gestalt der Burg geben nur wenige Schriftzeugnisse sowie einige frühneuzeitliche Darstellungen aus dem 16. und 17. Jh. (Johann Sattler, H. Rudolf Manuel Deutsch, Georg Sickinger, Matthias Merian). Trotz aller Widersprüche in der Darstellung von einzelnen Gebäudeteilen zeigen alle Abbildungen einen mächtigen Turm als herausragendes Element der Gesamtanlage, die sich über mehrere Geländestufen erstreckte. An den Turm, der sich auf der höchsten Stelle des Felsens erhob, schloß sich südlich ein lang gestreckter Gebäudekomplex an, den man wohl als Palas ansprechen darf. Dieser Bereich könnte die in den Schriftquellen des SpätMAs gen. »obere Burg« darstellen. An Turm und Palas schloß sich die »niedere« Burg an. Die Oberburganlage, wie sie aus den Bildzeugnissen rekonstruiert werden kann, ist in ihrer monumentalen Gestalt von Donjon und Palas mit den zähringerzeitlichen Anlagen von F. i.Ü. und Burgdorf zu vergleichen. Die → F.er Gf.en erweiterten die Burg schließlich im 13. Jh. und bauten sie zu ihrer Res. aus.

Die Schriftquellen bieten nur wenige Informationen zu einzelnen Gebäudeteilen. Bereits in die zähringische Zeit dürfte die dem Hl. Lambert geweihte Burgkapelle zu datieren sein, während die erstmals 1295 erwähnte Michaelskapelle innerhalb der Burgmauern beim Michaelstor Teil der neuen, unteren Burganlage war. Urk.n wurden in einer Kiste in der glirrenen Kammer aufbewahrt, möglicherw. ein Raum in einer der Burgkapellen, in der sich glänzende Sakralgegenstände befanden. Die Burg war durch einen Halsgraben und eine Zugbrücke gesichert, die auch durch die überlieferten Abbildungen bestätigt wird. Zur Burg F. gehörten der Gf.enhof und die Gf.enmühle, die direkt unterhalb des Schloßberges in der Au lagen. Dieser Hof war im 13. Jh. Sitz des gfl. Vogtes in F.

1366 wurde die Burg, die Tschudi später als die schönist vestin die im gantzen tütschen land was bezeichnete, mit Hilfe auswärtiger Söldner von den F.er Bürgern zerstört. Das Schloß wurde offenbar unter den Habsburgern bis zur Mitte des 15. Jh.s erneut aufgebaut und erlangte auch wieder fortifikatorische Bedeutung. Seit 1525 ist eine dauerhafte Burgbesatzung von zwei bis zwölf Mann nachgewiesen. Während der frz. Herrschaft (1677-1679) wurde die Anlage nach Plänen von Sébastien Le Prestre de Vauban umgestaltet.

Quellen

Siehe auch A. Freiburg. – Blattmann, Marita: Die Freiburger Stadtrechte zur Zeit der Zähringer. Rekonstruktion der verlorenen Urkunden und Aufzeichnungen des 12. und 13. Jahrhunderts, Freiburg 1991. – Chronica Mathiae de Nuwenburg, ed. Adolf Hofmeister, Berlin 1955 (MGH SSrerGerm NS 4). – Parlow, Ulrich: Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem südwestdeutschen Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters, Stuttgart 1999. – Sattler, J.: Chronik der Stadt Freiburg im Breisgau, ND der 1698 von J. Schilter herausgegebenen Ausgabe. Nachwort und Transkription von R. Feger, genealogische Tafeln von W. Kuhlmann, Freiburg 1979.

Siehe auch A. Freiburg, B. Freiburg. – Andrae-Rau, Ansel-Mareike: Gundelfingen (Zähringen), in: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau. I. Nördlicher Teil, Halbbd. A-K, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, Ostfildern 2003, S. 160-174. – Bigott, Boris/Wagner Jochen W.: Alltag auf der Burg am südlichen Oberrhein, in: Spätmittelalter am Oberrhein. Alltag, Handwerk und Handel 1350-1500, hg. von Sönke Lorenz und Thomas Zotz, Stuttgart 2001. – Butz, Eva-Maria: Hecklingen im Mittelalter. Von den Leuten des Haggilo bis zur Herrschaft Tübingen-Lichteneck, in: 850 Jahre Hecklingen – ein Dorf feiert seine Geschichte, hg. von Roland G. Foerster, Hecklingen 2000, S. 20-31. – Klein, Ulrich: Die Münzprägungen der Zähringer, in: Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen, hg. von Karl Schmid, Sigmaringen 1990, S. 341-350. – Beck, Erich/Butz, Eva-Maria/Knöbber, Julia: Badenweiler (Müllheim). Beschreibung, in: Burgenbuch des Breisgaus. II. Südlicher Teil, Halbbd. A-K, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, Ostfildern 2009, S. 47-60. – Metzing, Andreas: Hecklingen und die Burg Lichteneck in der Frühen Neuzeit, in: 850 Jahre Hecklingen – ein Dorf feiert seine Geschichte, hg. von Roland G. Foerster, Hecklingen 2000, S. 32-50. – Schadek, Hans: Burg und Stadtbefestigung von Freiburg bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, in: Stadt und Festung. Aufsätze zur Geschichte der Stadtbefestigung, hg. von Hans Schadek und Ulrich Ecker, Freiburg 1988, S. 9-40. – Schadek, Hans/Untermann, Matthias: Gründungs und Ausbau. Freiburg unter den Herzögen von Zähringen, in: Geschichte der Stadt Freiburg. Bd. 1: Von den Anfängen bis zum »Neuen Stadtrecht« von 1520, Stuttgart 1996, S. 57-132. – Schmid, Karl (†): Freiburg 1091? Die schriftlichen Quellen zur Gründungsgeschichte, in: Freiburg 1091-1120. Neue Forschungen zu den Anfängen der Stadt, hg. von Hans Schadek und Thomas Zotz, Sigmaringen 1995, S. 125-149. – Zettler, Alfons: Das Freiburger Schloß und die Anfänge der Stadt, in: Freiburg 1091? Die schriftlichen Quellen zur Gründungsgeschichte, in: Freiburg 1091-1120. Neue Forschungen zu den Anfängen der Stadt, hg. von Hans Schadek und Thomas Zotz, Sigmaringen 1995, S. 151-194. – Zettler, Alfons: Zähringerburgen – Versuch einer landsgeschichtlichen und burgenkundlichen Beschreibung der wichtigsten Monumente in Deutschland und der Schweiz, in: Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen, hg. von Karl Schmid, Sigmaringen 1990, S. 95-176. – Zotz, Thomas: Rinka – Neuenburg. Zum Umfeld einer neuen »Burg« des 12. Jahrhunderts, in: Burgen, Märkte, kleine Städte. Mittelalterliche Herrschaftsbildung am südlichen Oberrhein, Schopfheim 2003 (Das Markgräflerland, 2), S. 15-41.