FREIBURG
I.
Baden (1028), Badin (1130), Badenwiler (1371). Die Burg B. liegt auf einer vorgelagerten Bergkuppe in der Bergrandzone zwischen Oberrheingraben und Schwarzwald, 4 km östlich der Stadt Müllheim. Sie wird als castrum Baden das erste Mal 1158 in einer Urk. Friedrich Barbarossas gen. Der Name des Ortes und der Burg leiten sich von dem römischen Namen des Badeortes ab, der in den antiken Schriftquellen nicht überliefert wird. Der Name B. für Burg und Ort erscheint erst ab dem 14. Jh. Die Burg inkl. 100 Ministerialen und 500 Mansen war 1147 als Heiratsausstattung der Clementia von Zähringen in die Ehe mit Hzg. Heinrich dem Löwen gegeben worden und gelangte durch Tausch an den staufischen Ks. Gf. Heinrich I. von → Freiburg nutzte die Burg ab 1272 als Res. 1457 gelangte sie mit der zugehörigen Herrschaft B. an die Mgf.en von Hachberg-Sausenberg, 1503 an die Mgf.en von Baden. 1678 wurde die Burg im Holländischen Erbfolgekrieg gesprengt, ist aber noch als eindrucksvolle Ruine erhalten.
II.
Die Burg B. liegt in exponierter Lage westlich des gleichnamigen Ortes und gewährt den Blick über Müllheim und → Neuenburg bis hin zu den Vogesen. Der römische Badeort, dessen Thermen im 19. und 20. Jh. großflächig ergraben wurden, war möglicherw. Verwaltungssitz, hatte aber keine milit. Funktion. Auf den Grundmauern des Podiumtempels wurde die frühma. Kirche errichtet, an deren Standort sich bis heute die Ortskirche befindet. Das Heiligtum für die römischen Staatsgottheiten wird auf dem dominierenden Schloßberg vermutet. Bereits zur Römerzeit wurde in der Umgebung des Bades Erz abgebaut. In einer Urk. Kg. Konrads II., in der er dem Basler Bf. Rechte an gen. Silbervorkommen im südlichen Breisgau übertrug, werden auch die Gruben in B. gen.
Aussagen über die Besitzverhältnisse in B. können vor dem 12. Jh. nicht gemacht werden. Möglicherw. wurde die Burg von zähringischen Ministerialen errichtet, die ab der Mitte des 12. Jh.s mit der Zubenennung de Badin im Umkreis der Hzg.e erscheinen. Aber auch der Basler Bf. kommt in Zusammenhang mit dem Bergbauprivileg als Bauherr in Betracht. Offenbar konnten sich die Hzg.e von Zähringen gegenüber den Basler Bf.en durchsetzen, denn sie gaben 1147 die Burg B. an Hzg. Heinrich den Löwen. Ob die Burg nach 1158 aus staufischer Hand wieder an die Zähringer zurückfiel, ist unklar. Erst 1272 wird sie im Besitz des Gf.en Heinrich I. von → Freiburg erwähnt. Auch die Gf.en von → Freiburg verfügten bis Ende des 13. Jh.s über Dienstleute, die sich nach B. zubenannten. Möglicherw. waren sie freiburgische Vögte auf der Burg. Aus dem 14. und 15. Jh. werden immer wieder Vögte sowohl der Gf.en von → Freiburg als auch (zwischen 1398-1415) der Hzg.e von Österreich in B. gen. Auf sie verweist außerdem möglicherw. ein Vogthaus im Ort B.
III.
Die heute noch erhaltenen Überreste der Burg B. gehen auf die Anlage vom Beginn des 12. Jh.s zurück. Im Laufe der Jh.e wurden zahlr. Erweiterungen und Erneuerungen durchgeführt, denen im 20. Jh. umfangr. Restaurierungen folgten. Fehlende Bauuntersuchungen und Dokumentationen der Restaurierungsarbeiten erschweren eine exakte historische Einordnung der verschiedenen Bauteile.
Die Kernburg paßt sich mit dem ovalen Grdr. dem Bergrücken des Schloßberges an und wird von Wehrmauern bis zum Fuß des Berges umgrenzt. An der höchsten Stelle befindet sich ein Gebäudekomplex, an ihn schließt sich westlich ein lang gezogener Burghof an, der durch einen Torturm abgeschlossen wird. Der vierstöckige Palas erhebt sich auf trapezförmigem Grdr. mit einer Fläche von 90 qm und einer Mauerstärke von 3 m, der mit dem zu rekonstruierenden Satteldach eine Höhe von 30 m erreicht haben dürfte. Er wurde in zwei Phasen während der ersten Hälfte des 12. Jh.s errichtet. Im Erdgeschoß befand sich ein Saal von ca. 5 m Höhe. Auch der zweite Stock stellt einen repräsentativen Raum dar, der wohl mit einem Kamin ausgestattet war. Möglicherw. führte ein Hocheingang in den Palas. Im dritten Geschoß führte wahrscheinlich die Tür in der Nordaußenwand zu einem Laufgang, der vom Palas über die Ringmauer zum Torturm und wieder zurück verlief. In das vierte, nur zum Teil erhaltene Stockwerk gelangte man über eine Wendeltreppe in der westlichen Ecke der Südaußenmauer. Die Anlage aus der Mitte des 12. Jh.s kann als typische zähringische Ministerialenburg angesprochen werden, die sich an den herrschaftlichen Vorbildern der Schlösser von Burgdorf und → Freiburg orientierte.
An den Palas schließen sich im NW zwei rechteckige Gebäude jeweils an deren Schmalseiten an. Das südlichere reicht heute noch 13 Meter hoch und besaß zwei Geschosse. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Burgkapelle in Form einer Saalkirche, die bald nach dem Palasbau errichtet wurde. Das Terrain nördlich der Kapelle wurde zeitnah zu Palas und Kapelle bebaut und ist als Hof mit einem kleinen Gebäude, das an den Palas angrenzte, zu ergänzen. Im SW des Palas schließt ein weiterer Gebäudekomplex an, der aus einem Erweiterungsbau und einem Turm besteht. Der Turm wurde vermutlich im 12./13. Jh. errichtet und spätestens im 13. Jh. zu dem rechteckigen Gebäude in Richtung Palas erweitert. Im N des Burghofes schloß ein niedrigeres satteldachgedecktes Gebäude an den Palas an, das vermutlich ein Wirtschaftsgebäude (Küche) war.
Der Burghof wird im N und S durch eine Ringmauer umschlossen, im W befindet sich ein runder Turm. Eine Rampe, die innerhalb einer Mauer und Umwallung um den Berg führte, erschloß den Weg zur Burg. Abbildungen zeigen außerdem kleine Türmchen mit Kegeldächern, die in das 15./16. Jh. zu datieren sind. Reste eines Zwingers stammen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, außerdem gibt es Hinweise auf eine Vorburg. 1740 zeigten noch Türstürze die Wappen des Gf.en Egen II. von → Freiburg, seiner Frau Verena von Neuchâtel, des Mgf.en Rudolf IV. von Hachberg-Sausenberg und des Mgf.en Philipp von Baden.
Aus den Jahren 1422 und 1424 sind zwei Inventare der Burg erhalten, in denen die Ausstattung nach Räumen aufgelistet wurde. Demnach verfügte die Burg über 15 Räume: eine Herrenkammer, ein Herrenstüblein, eine Kapelle, eine Kammer des Kellers, eine Kammer des Schreibers, eine Waffenkammer, eine kleine Stube auf dem Vorratshäuschen, eine Kammer der Ritter, eine Kammer auf dem kleinen Stüblin, Küche, Ritterstube, Wächtererker, eine Kammer des Kellers und der Kellerin, eine Torwächterstube und eine Kammer im Kornhaus. Gemäß den Bettstellen konnten bis zu 50 Menschen auf der Burg wohnen. Den Aufzeichnungen nach war die Ausstattung der Burg eher schlicht. Gen. werden Bettzeug und verschiedene Textilien mit Wappen, Waffen (24 Armbrüste, 13 Feuerwaffen sowie ein kompletter Harnisch und verschiedene Harnischteile), sowie eine auffallend reiche Küchen- und Geschirrausstattung, die vermutlich auf die Zeit der Hzg.in Katharina von Burgund zurückgeht, denn diese nutzte zwischen 1398 und 1415 die Burg als österr. Verwaltungssitz.