FRAUNBERG
I.
Die Besitzungen der seit 1347 getrennt auftretenden F.er zu F. und F.er zum → Haag umfaßten einen großen Teil des südöstlichen Bayern. Die F.er zu F. hatten v.a. Besitzungen im unteren Isar- und Vilstal und um Altenfraunhofen in der Nähe von Vilsbiburg, wo ihre Vettern, die Fraunhofen, einen Herrschaftskomplex ausbilden konnten, dessen Status und Verfassung nach 1548 für mehr als zweieinhalb Jh.e beim Reichskammergericht anhängig war.
In der Steuerliste von 1597 zahlten die F.er zu F. für ihre Besitzungen F. und Irlbach im Landgericht Straubing und für nicht näher spezifizierte kleinere Besitzungen bei Passau den stolzen Betrag von 65 fl. Standsteuer. Dazu kamen noch sieben fl., die sie für eine kleinere Besitzung im Landgericht Viechtach im Bayerischen Wald steuerten. Aus dieser Liste kann nicht nur die relative Wohlhabenheit entnommen werden, sondern auch der Versuch der F.er zu F., ihre Besitzugen zum einen die Donau entlang auszudehnen, aber auch in den Bayerischen Wald, also den Grenzberiech nach Böhmen auszugreifen.
II.
Aus dem Mitte des 13. Jh.s gebildeten Comitat der Gft. Haag war – auch durch die seit dem 15. Jh. immer wieder erfolgten Bestätigungen – ein umfangr., reichsunmittelbarer Herrschaftskompex im süd-süd-östlichen Bayern entstanden. Zwischen den Landgerichten Erding und Dorfen im N und Wasserburg im S gelegen, umfaßte die Herrschaft mit dem Zentrum → Haag ca. 300 Quadratkilometer mit »unzähligen Landgütern«, wie der Topograph Philipp Apian (1531-1589) schrieb.
Zusammen mit den Besitzungen des Familienzweiges der F.er zu F. verfügte die Gesamtfamilie im Südosten Bayerns über einen mächtigen Herrschaftskomplex, der Macht und Einfluß des Münchner Landesherrn zusätzlich einschnürte, waren doch gerade im Südosten Bayerns auch die Hochstifte Salzburg und Passau reich begütert. Mit der Belehnung dieser Reichsgft. konnte das Herrscherhaus seit 1566 seine Position im SO Bayern dann deutlich verbessern. Die erhaltene Grenzbeschreibung von 1684 nennt 58 vermarktete Grenzpunkte in → Haag, innerhalb derer nahezu 600 Ansiedlungen gezählt werden konnten. Die Karte von 1797 zeigt die Geschlossenheit dieses Herrschaftskomplexes auch noch im 18. Jh. und führt an der Seite eine Liste mit den zahlr. kleinen und größeren Ortschaften und Einzelhöfen auf, was den Reichtum der ehem. Reichsgft. deutlich werden läßt.
Eindeutiger Herrschaftsmittelpunkt waren Schloß und Burg → Haag. Einen zeitgenössischen Eindruck dieses großangelegten Komplexes mit Bergfried, mächtigen Umfassungsmauern und einem in ital. Stil angelegten Schloßpark zeigt das Porträt des Gf.en Ladislaus. Durch ein im linken Teil des Bildes scheinbar geöffnetes Fenster sieht der Betrachter diese große Schloßanlage im winterlichen Weiß. Über dieser Ansicht prangt im Porträt des Ladislaus stolz das Wappen der Gft. – der auf rotem Grund sich aufbäumende Schimmel. Über die Hofhaltung in der großen Anlage haben sich keinerlei Quellen erhalten; es darf jedoch vermutet werden, daß umfangr. Personal unter einem Haushofmeister Burg und Schloß bis zur Übernahme durch die Wittelsbacher Landesherrn aufs Beste versorgten.
Literatur
Demattio, Helmut: Emanzipationssreben adeliger Familien in Altbayern. Das Ringen der Herren von Fraunhofen zu Alt- und Neufraunhofen um Reichsunmittelbarkeit, in: ZBLG 70/1 (2007) S. 109-176. – Denkmäler in Bayern, Bd. 1,2: Oberbayern, hg. von Michael Petzet, bearb. von Wilhelm Neu und Volker Liedke, München 1985. – Greindl, Gabriele: Die landständische Steuerverwaltung im 16. Jahrhundert unter Einbeziehung der Rittersteuer von 1597, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 54/3 (1991) S. 667-729. – Janker, Stephan M.: Grafschaft Haag, München 1996 (Historischer Atlas von Bayern. Altbayern, I,59). – Seelig, Lorenz: Schloß Haag, in: Wittelsbach und Bayern II/2 (Katalog der Ausstellung von 1980), hg. von Hubert Glaser, Nr. 54., S. 41 f., München 1980.