Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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Stiftungen

Spitäler

Bereits die klass. Antike kannte verschiedene Arten von Spitälern wie z. B. für Arme, Kranke, Findelkinder etc. Während das selbständige Spital im byzantin. Raum fortbestand, war das abendländ. Spital im Früh- und HochMA eine nicht selbständige Einrichtung, die zu einem Kl. oder Stift gehörte, die zur Aufnahme von Armen, Pilgern und Kranken verpflichtet waren.

Ab ca. 1130 traten Spitäler als weitgehend selbständige Institutionen vermehrt auf. Dieses Aufblühen zahlreicher Hospitäler wird nach André Vauchez als »Revolution der Nächstenliebe« bezeichnet. Ursache hierfür ist einerseits der Einfluß oder die zeitl. Parallelität mit den neuen religiösen Bewegungen (insbes. den Bettelorden) und die wesentl. spirituelle Orientierung im Umgang mit dem Leid, sowie andererseits die Rolle der Laien, wie etwa dem Hervortreten von Machthabern (Fs.en, stadtbürgerl. Eliten) und die Ausbildung selbständiger Kommunen.

Im SpätMa bestanden eine Vielzahl spezialisierter Institutionen, wie Waisenhäuser, Häuser für Geisteskranke, Großhospitäler etc. Sie wurden vermehrt von vermögenden gesellschaftl. Schichten genutzt und folgl. zu Beginn des 15. Jh.s kaum mehr als Lösung gegen die steigende Armut angesehen. Hinzu kommt, daß die Ausdifferenzierung des spätma. und frühneuzeitl. Hospitals zunimmt. Unterschiedl. sind nicht nur die Insassen der Hospitäler (Pilger, Arme, Alte, Kranke, Pfründner, Findelkinder), sondern auch die Träger (Orden, Bruderschaften, Kommunen) sowie die Funktionen, die ein Hospital übernehmen kann, wie bspw. als Altersheim, Armenhaus, Schule, Geldinstitut oder sogar als Wein- und Bierkeller. Aus diesem Grunde diskutiert die aktuelle sozialhistor. Geschichtsforschung intensiv die Tragfähigkeit des Hospitalbegriffs. Dabei werden ihre Ansätze auch von anderen Forschungsdisziplinen, wie der Archäologie und der Architekturgeschichte, unterstützt. Die verschiedenen Hospitalformen konnten aber auch in gegenseitiger Konkurrenz stehen sowie sich komplementär ergänzen. Aufschlußreich hierfür ist, von der institutionellen Vielfalt der Hospitäler auszugehen, was eine Vielzahl von Themen (Verfassung, Stiftungsbegriff, Finanzen, Normen, Memoria, Medizin, Ernährung, Feste) mit verschiedenen method. Zugangsweisen betrifft. Von dieser Sicht aus präsentiert sich das Hospital an der Schwelle zur Neuzeit als Spiegelbild, aber auch als Mitproduzent sozialökonom. Prozesse.

Während im MA die Krankenpflege auf den ganzen Menschen (cura animae et corporis) ausgerichtet war, tritt im 17./18. Jh. an die Stelle der Caritas die staatl. Wohlfahrtspolitik. Auch aufgrund der Ausdifferenzierung der Medizin, Urbanisierung und Industrialisierung entsteht der moderne Krankenhaustyp.

Künftigen Forschungen bleibt überlassen, räuml. Verteilung und Lage der vormodernen Hospitäler, deren Chronologie und Geographie in breiterem Maßstab auf europ. Ebene auszuarbeiten. Der umfassende Charakter des Gegenstands zwingt dazu, eine »totale Geschichte« (Touati 2004) anzustreben, in der die Daten vollständig gesammelt und miteinander verbunden werden müssen – von der Dekonstruktion der Historiographie, also der Analyse der Bedingungen, unter denen Hospitalgeschichte geschrieben wurde, bis hin zur ständigen Abgleichung mit Dokumenten aller Art.

Die Antoniter, die Chorherren vom Heiligen Grab in Jerusalem und die Hospitaliter vom Heiligen Geist in der Schweiz, hg. von Elsanne Gilomen-Schenkel Basel u. a. 1996 (Helvetia Sacra, 4,4). - Archéologie et Architecture Hospitalières de l'Antiquité tardive à l'aube des temps modernes, hg. von François-Olivier Touati, Paris 2004. – Bulst, Neidhart / Spiess, Karl-Heinz: Sozialgeschichte mittelalterlicher Hospitäler, Sigmaringen (in Bearb.) (VuF des Konstanzer Arbeitskreises). – Dufour, Jean/Platelle, Henri: Fondations et oeuvres charitables au Moyen âge. Congrès national des sociétés historiques et scientifiques. Section d'histoire médiévale et philologie, Paris 1999. - Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich, hg. von Michael Matheus, Stuttgart 2004 (Geschichtliche Landeskunde, 56) (im Ersch.). – Hôpitaux en France, Allemagne et Italie au Moyen âge et aux Temps modernes. Une histoire comparée. – Hospitäler in Frankreich, Deutschland und Italien in Mittelalter und Früher Neuzeit. Eine vergleichende Geschichte, hg. von Gisela Drossbach, München (in Bearb.) (Pariser Historische Studien). – Ospedali e città. L'Italia del Centro-Nord, XIII-XVI secolo. Atti del Convegno Internazionale di Studio tenuto dall'Istituto degli Innocenti e Villa i Tatti. Firenze 27-28 aprile 1995, hg. von Allen J. Grieco und Lucia Sandri, Florenz 1997 (The Harvard University Center for Italian Ranaissance Studies)