Versorgungsgebäude und Einrichtungen
Neben den in eigens behandelten Versorgungsgebäuden Backhaus, Brauhaus und Fruchthaus und neben der oder den Küchen verfügten die Häuser des Adels über weitere Wirtschaftsräume und/oder -gebäude, deren Anzahl allerdings in hohem Maße differierte. Bes. die kleineren Burgen hatten nur wenige Kammern, während die repräsentativen Res.en des SpätMA und der frühen Neuzeit eine Vielzahl weiterer Räumlichkeiten kannten, die dem Bereich Versorgung zugeordnet werden können, wobei es dann wiederum teilw. zu einer deutlich räuml. Trennung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden kam.
Speisekammer(n) und ein oder mehrere möglichst kalte Keller dienten der Vorratshaltung von Lebensmitteln, wobei die stets benötigten Nahrungsmittel zumeist in der Nähe oder unter der Küche eingelagert waren, um die Wege kurz zu halten. In den Kellern konnte – falls überhaupt – für einige Tage Fleisch frisch gehalten werden. Dort lagerten zudem, bes. wenn im Herbst die Anlagen bevorratet wurden, u. a. getrocknetes, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch, die Kohlköpfe bzw. das (Sauer-)Kraut, Zwiebeln, Erbsen, die Fischvorräte; auch getrennte Fleischkeller bildeten keine Ausnahme. Das stets benötigte Salz hingegen mußte unbedingt trocken aufbewahrt werden, so daß auch eine Lagerung in Nischen des Kamins überliefert ist. Ohnehin war auch der Wein möglichst kühl zu lagern, und die Weinkeller der bedeutenden Res.en beanspruchten großen Raum, um die unterschiedl. Qualitäten für Bedienstete und Herrschaft sowie Gäste – vom einfachen und zumeist sauren Landwein bis hin zu den teuren und süßen Südweinen – vorrätig zu haben; Bier und Most sind gleichfalls in kühlen Kellern haltbarer.
Entweder mußten die Kellerräume in den Untergrund getrieben werden oder man konnte sich natürl. Gegebenheiten zu Nutze machen und Höhlen zu diesem Zweck umfunktionieren. Mit dem Wachsen und der Vergrößerung der Bauwerke finden sich auch eigene Kellerhäuser mit zumeist überdachten Eingängen. Gelegentl. lassen sich Keller außerhalb der Mauern nachweisen, deren Eingang freilich bes. geschützt und verborgen werden mußte. Seltener belegt sind eigene Brotkammern und Lagerräume für Mehl.
Ebenfalls innerhalb der Mauern lagen zumeist die Getreidespeicher, wobei diese dem landwirtschaftl. Bereich zuzurechnenden Gebäude im Gegensatz zu den festen Häusern in der Regel aus Holz errichtet worden, und sie daher nach ihrem Zerfall ungleich schwieriger archäolog. nachzuweisen sind. Das Getreide mußte analog zu kommunalen Kornspeichern regelmäßig umgeschichtet werden, um Fäulnis zu verhindern. Eine nicht ebenerdige Aufbewahrung des Korns verringerte der Verlust z. B. durch Mäuse. Analog zu Brunnen finden sich auch in Speichern einfache Hebevorrichtungen wie Seilzug und Haspel. Nicht alle Anlagen verfügten hingegen über eine eigene größere Mühle, sei es eine Wassermühle oder eine Pferdemühle wie auf Greifenstein; zur Grundausstattung gehörten jedoch die Handmühlen. Grundsätzl. erhöhte das Vorhandensein von Mahlvorrichtungen die Chancen bei Belagerungen, da innerhalb der Mauern so relativ problemlos Mehl gewonnen werden konnte.
Allerdings bestimmte bei den Höhenburgen stets die topograph. Situation die Plazierung der Wirtschaftsgebäude, die sowohl innerhalb von Haupt- oder Vorburg und hier dann zumeist an die Mauer angelehnt wie auch durchaus außerhalb des schützenden Mauerrings liegen konnten, wo sie dann eben bei milit. Auseinandersetzungen gefährdet waren. Nicht selten war der landwirtschaftl. Betrieb gänzl. oder zumindest teilw. aus dem Burggebäude ausgelagert, und konnte als eigenständiger Wirtschaftsbetrieb weiter von der Anlage entfernt liegen. V. a. mit dem Aufkommen von Repräsentativbauten verschwinden diese Betriebe seit dem 16. Jh. aus deren unmittelbaren Umkreis. Zur Versorgung notwendig waren weiterhin Scheunen (Heu und Stroh), Ställe für Rindvieh und Schweine, seit der Verbreitung der Schafzucht im 15. Jh. auch für diese Nutztiere. Neben den Gebäuden für Einzelzwecke gab es kombinierte Stallbauten mit zumeist darüber gelegenen Wohnräumen von Knechten und Bediensteten. Doch auch das zahlreiche Kleinvieh wie Hühner, Enten, Gänse oder Kapaune mußte untergebracht werden. Das Vieh konnte im Fall einer Bedrohung in die Burganlage verbracht werden. Prinzipiell innerhalb der Mauern lagen hingegen die Pferdeställe. Befanden sich die gesamten Gebäude hingegen in der Burganlage, kam es zu denjenigen Lebensumständen, die Ulrich von Hutten so bitter und anschaulich, wenngleich wohl mit deutl. Übertreibung geschildert hat. Und auch die (Jagd-)Hunde mußten ihren Platz finden.
Mit der weiteren Verbreitung und der effektiveren Nutzung der Artillerie im Verlauf des 16. Jh.s errichtete man eigene Zeughäuser für die Unterbringung von Kanonen und Munition sowie Pulver, was bei Beschuß jedoch ein erhebl. Gefahrenpotential barg. Bis zu diesen Neuerungen reichten einfache Kammern zur Unterbringung der Waffen aus.
Des weiteren finden sich handwerkl. Betriebsstätten in den Anlagen, wobei die Metall- und Holzverarbeitung neben der Nahrungsmittelgewinnung im Mittelpunkt standen. Aufgrund der hohen Nachfrage waren es v. a. Schmiede, die hier tätig waren. Gleichfalls hoch war die Nachfrage nach Produkten der Küfer wie Holzfässer, die aber überwiegend gekauft worden sind.
→ vgl. auch Abb.59
Literatur
Kunstmann, Helmut: Mensch und Burg. Burgenkundliche Betrachtungen an ostfränkischen Wehranlagen, 2., erg. Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1985. – Meyer, Werner: Landwirtschaftsbetriebe auf mittelalterlichen Burgen, in: Adelige Sachkultur des Spätmittelalters, Wien 1982 (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Phil.-Hist. Kl., 400; Veröffentlichungen des Instituts für mittelalterliche Realienkunde Österreichs, 5), S. 377-386. – Uhl, Stefan: Wirtschafts- und Wohnbauten, in: Burgen in Mitteleuropa, I, 1998, 1, S. 307-310.