TISCHZUCHTEN
A.
1. Definition
Der Terminus »Tischzucht« steht weithin für Texte, die - meist in der Form von Aufforderung und Mahnung – vom rechten Verhalten bei Tisch handeln (Merker, Tischzuchtenliteratur; Harmening, Tischzuchten; Masser, Tischzucht; Ehlert, Tischzuchten). Mittelhochdeutsch zuht bedeutet »Erziehung«, »Anstand«. Tischzuchten sind folglich Erziehungs- und Anstandslehren zu rechtem Benehmen bei Tisch. Dazu gerechnet werden auch Texte, die über angemessenes Verhalten bei Hof unterrichten und dabei dem Tischverhalten besondere Aufmerksamkeit schenken (Haferland, Höfische Interaktion). Hinsichtlich ihrer Funktion ähneln die Tischzuchten den (früh-)neuzeitlichen courtesy books, Anstands- und Manierenbüchern (Müller-Oberhäuser, Norture newe founde). Ein Gattungsbewußtsein »Tischzucht«, ablesbar an der Titelgebung, läßt sich erst ab dem 14. Jahrhundert in Deutschland nachweisen.
2. Inhalte und Quellen
In den mittelalterlichen Tischzuchten versammeln sich Verhaltensanweisungen ganz unterschiedlicher Art: medizinisch-diätetische Ratschläge, hygienische Anweisungen, Ermahnungen zur Rücksichtnahme auf die Empfindungen der anderen, Gebote zur Körperkontrolle und Selbstbeherrschung, Hinweise zur Vermeidung von Streit bzw. zur Förderung einer harmonischen friedfertigen Atmosphäre, Anleitungen zu angemessener verbaler Kommunikation, Bemühungen um ein schönes Erscheinungsbild. Damit schließen die Texte an verschiedene Diskurse an: Religion, Medizin, Hygiene/Reinlichkeit, Herrschaft, Moral, Geselligkeit/Sozialität, Konfliktvermeidung und -bewältigung, Ästhetik.
Die Frage, auf welche literarischen Quellen die mittelalterlichen Tischzuchten zurückgreifen, ist ungeklärt (Nicholls, Matter of courtesy, S. 161-176). Im Mittelalter selbst konstatieren wir ein dichtes Geflecht wechselseitiger Abhängigkeit, doch inwieweit wir mit klassisch-antiken (Ovid, Ars amatoria; Plutarch, Tischgespräche) oder religiös-biblischen Quellen (Jesu Sirach 31,12-32,17) zu rechnen haben, entzieht sich unserer Kenntnis.
Es scheint einen gewissen Grundbestand von Benimmregeln in arabischer, jüdischer (Altes Testament und Petrus Alphonsi) und christlicher Kultur gegeben zu haben, der in Sentenzen, Sprichwörtern, Exempeln verbreitet war und der im Mittelalter vor allem über den Lateinunterricht vermittelt wurde. Einige Exzerpte in deutscher Übersetzung mögen dies verdeutlichen.
»Wenn man die Hände vor dem Essen gewaschen hat, soll man außer den Speisen nichts mehr berühren, solange das Mahl dauert; man soll kein Brot essen, bevor die anderen Gerichte auf den Tisch kommen, damit man nicht als unbeherrscht gilt; nicht einen so großen Bissen auf einmal nehmen, daß die Stücke zu beiden Seiten des Mundes herunterfallen, damit man nicht als Freßsack angesehen wird« (aus: Petrus Alphonsi, Disciplina clericalis).
»Schlucke den Bissen nicht herunter, bevor du gut gekaut hast, damit du nicht erstickst; trinke erst dann, wenn du den Mund leer hast, damit man dich nicht für einen Trunkenbold hält; sprich nicht mit vollem Mund, damit nicht etwas aus der Mundhöhle in die Luftröhre gerät und zur Ursache deines Todes wird; wenn du eine Speise, die dir gefällt, in der Schüssel siehst, die vor deinem Tischnachbarn steht, nimm sie dir nicht, damit man dir nicht schlechtes, bäurisches Benehmen vorwirft; nach dem Essen wasch dir die Hände, weil das hygienisch ist und höfisch-manierlich« (aus: Petrus Alphonsi, Disciplina clericalis).
»Du sollst saubere Finger und gesäuberte Nägel haben; nicht sollst du die Ohren oder Nase mit bloßen Fingern berühren« (aus: Quisquis es in mensa).
»Nicht beiße in das Brot, das du auf den Tisch zurücklegen willst; wische nicht deine von Schleim feuchte Nase mit der Serviette ab; wische nicht mit der Serviette deine Zähne und deine tränenden Augen ab; trockne nicht deine feuchten Hände mit der Kleidung, mit der du bedeckt bist. Während du ißt, sollst du nicht den Ellenbogen auf den Tisch legen, sondern du sollst aufrecht dasitzen und dem dienen, der neben dir sitzt. Wenn du einen Becher nimmst, soll er mit beiden Händen gefaßt werden und an beiden Seiten, nicht am Rand gehalten werden. Blase nicht in deinen Trank oder deine Speise, damit du nicht beides mit deiner Spucke zu beflecken scheinst. Wer seine Nase säubern oder gerade sich räuspern will, soll den Schleim weit weg werfen, damit nicht irgend jemanden ein Erbrechen überkommt« (aus: Facetus cum nihil utilius).
»Adlige Leute sollen nicht zu zweit aus einem Löffel schlürfen. Es gehört sich nicht, aus der Schüssel zu trinken, sich über die Schüssel zu beugen, beim Kauen zu schmatzen. Wer ein Stück abbeißt und den Rest wieder in die Schüssel wirft, ißt wie ein Bauer. Einen abgenagten Knochen wieder in die Schüssel zu legen, ist ein Verstoß. In den Senf und in die Sauce soll man nicht mit den Fingern greifen. Beim Essen rülpsen und ins Tischtuch schneuzen, gehört sich nicht; auch beim Essen schnaufen und schmatzen, verstößt gegen die Zucht. Beim Essen soll man nicht reden. Man soll bei Tisch auch nicht streiten. Es verstößt gegen die guten Sitten, das Brot beim Schneiden an den Leib zu halten. Man soll nicht mit der bloßen Hand in das Saucengefäß greifen« (aus: Tannhäuser, Hofzucht).
»Willst Du Salz haben, nimm es nicht mit der Hand, sondern erinnere Dich Deiner Erziehung und nimm es mit dem Messer; trinke nicht, solange Du noch Speise im Mund hast; du sollst nichts Nachteiliges über das Essen verlauten lassen« (aus: Liederbuch der Clara Hätzlerin).
3. Literarische Vielfalt
Entsprechend der Disparatheit der formulierten Verhaltensregeln präsentieren sich die mittelalterlichen Tischzuchten als ein recht disparates Textkorpus (Nicholls, Matter of courtesy, S. 177-197, bietet eine Zusammenstellung einschlägiger Texte; Gieben, Robert Grosseteste; Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten, S. 94-96):
1. Die (meist kurzen) selbständigen lateinischen Tischzuchten bzw. Verhaltensschriften (›Disticha Catonis‹; ›Facetus cum nihil utilius‹; ›Quisquis es in mensa‹; Reinerus, Phagifacetus; ;Urbanus magnus‹, ›Doctrina mense‹, Grosseteste (?), Stans puer ad mensam, und andere); sie sind zweifelsfrei für Lateinschüler bestimmt und im Grammatikunterricht verwendet worden (Henkel, Übersetzungen lateinischer Schultexte). D. h., diese Texte verfolgen nicht allein das Ziel, den Jungen rechtes Benehmen beizubringen, sondern dienen als Mittel zum Zweck des Grammatikunterrichts. Erwachsene als Adressaten kommen für diese Texte jedenfalls kaum in Betracht. Daß in ihnen dennoch Verhaltensanweisungen gegeben werden, die der Lebenswelt der Lateinschüler nicht entsprechen (»Liebe die Gattin, Fliehe die Hure«), kann mit dem Bemühen erklärt werden, in der Schule ein Stück Lebenshilfe zu vermitteln (Henkel, Übersetzungen lateinischer Schultexte, S. 267).
2. Die volkssprachlichen selbständigen und unselbständigen Manierenschriften bzw. Hofzuchten des 13./14. Jahrhunderts (Thomasin von Zirklaere, Wälscher Gast, V. 185-1166; Konrad von Haslau, Der Jüngling; Tannhäuser, Hofzucht); hier haben wir mit Erwachsenen und Jugendlichen als Rezipienten zu rechnen (siehe unten).
3. Die Masse der (kurzen) selbständigen volkssprachlichen Tischzuchten des 14. bis 16. Jahrhunderts; sie ist für die Erziehung der Kinder gedacht und wird zuhause oder im Schulunterricht verwendet (Jacobus Köbel; Rossauer Tischzucht; Innsbrucker Tischzucht): zahlreiche Texte erhalten den Titel »Kinderzucht«. Hinsichtlich der Adressatenschicht schließt diese Textgruppe an die erste an, was angesichts der zahlreichen Übersetzungen bzw. Entlehnungen aus den lateinischen Schultexten des Mittelalters nicht verwundert (Zarncke, Der deutsche Cato; Henkel, Übersetzungen lateinischer Schultexte; Henkel, Disticha Catonis; Henkel, Tischzucht und Kinderlehre; Henkel, Was soll der Mensch tun?; Brunken, Catho; Brunken, Liber Faceti). Im 15. und 16. Jahrhundert begegnen auch zweisprachige Tischzuchten, in denen die deutsche Übersetzung dem besseren Verständnis des lateinischen Textes dient (Sebastian Brant und Seb. Heyden). Es ist aufschlußreich, daß diese Tischzuchten in der Überlieferung mit Grundtexten der religiösen Unterweisung oder mit anderer propädeutischer Literatur (Freidank, Bescheidenheit; Jansen Enikel, Weltchronik; Cato deutsch) oder mit lateinischen (!) Standardwerken zusammenstehen.
4. Die umfangreichen, teilweise sehr detaillierten (lateinischen, italienischen und französischen) Manierenschriften des 16./17. Jahrhunderts (unter anderem Stefano Guazzo, La civil conversazione [1567-1570]; Giovanni della Casa, Galateo [1558]; Antoine de Courtin, Nouveau traité de la civilité [1671]) sind vornehmlich für Jugendliche geschrieben. In diesen Texten sind auch Abschnitte für rechtes Tischverhalten enthalten. Da diese Textgruppe konzeptionell und funktional (nicht für den Schulunterricht) von den anderen drei Textgruppen stark abweicht, wird sie im Folgenden nicht weiter berücksichtigt.
5. Außer den genannten überliefern zahlreiche weitere Textgattungen einige Vorschriften für rechtes Tischverhalten. Es sind: Novizentraktate (Hugo von St. Viktor; David von Augsburg); Chroniken (Matthias von Kemnat, Fürstenchronik); Moraltraktate (Johann von Garland, Morale scolarium). Allein dieser Umstand läßt vermuten, daß sich das Anwendungsgebiet der Tischregeln nicht auf einen sozialen Raum (etwa den Hof) einengen läßt.
4. Geschichte der Textgattung
Insgesamt ist heute die Bedeutung der Klöster und Kleriker für die Gattung der Tischzuchten und indirekt auch für die Ausformulierung höfischer Verhaltensformen unumstritten (Bumke, Tannhäusers »Hofzucht«, S. 205; Voigt, Forschungen zu den selbständigen deutschsprachigen Tischzuchten, S. 61-64; Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten, S. 97-101). In den monastischen Novizentraktaten (z. B. Hugos von St. Viktor) sieht man sogar die Grundlage für die höfischen Verhaltensregeln (Nicholls, Matter of courtesy).
Die gesamte mittelalterliche Tischzuchtliteratur muß aus einer lateinischen Texttradition hergeleitet werden. Der vom Judentum zum Christentum konvertierte spanische Arzt Petrus Alphonsi hat schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts Regeln für höfisch-höfliches Benehmen bei Tisch zusammengestellt (z. B. »Du sollst kein Brot essen, bevor die anderen Gerichte auf den Tisch kommen, damit Du nicht als unbeherrscht giltst«; Disciplina clericalis, II 26).
Die disparate Vielfalt volkssprachlicher und lateinischer Tischzuchten zu einer Geschichte zu ordnen, dürfte allerdings schwerfallen (Masser, Tischzucht; Harmening, Tischzuchten; Voigt, Forschungen zu den selbständigen deutschsprachigen Tischzuchten, S. 58-76; Ehlert, Tischzuchten). Dies umso mehr, als auch die zahlreichen Texte mit zu berücksichtigen wären, in denen zwar Tischregeln enthalten sind, diese aber nur einen relativ kleinen Teil des Textganzen ausmachen.
Eines scheint jedoch sicher zu sein, daß die mittelalterliche Tischzuchtliteratur mit lateinischen Exemplaren beginnt, auch wenn die Datierung ins 12. Jh. nicht für alle einschlägigen Texte gesichert ist:
– Petrus Alphonsi, Disciplina clericalis
– ›Urbanus Magnus‹
– ›Quisquis es in mensa‹
– ›Facetus (cum nihil utilius)‹
– Reinerus Alemannicus, Phagifacetus (wohl erste Hälfte 13. Jahrhundert)
Die ›Disticha Catonis‹, die im 3./4. Jahrhundert n. Chr. entstanden und seit karolingischer Zeit textuell greifbar sind, bieten nur vereinzelte Anweisungen zum Trinken und dürfen nicht als Tischzucht vereinnahmt werden.
Die ersten deutschsprachigen Tischzuchten bzw. Texte mit ausführlichen Passagen über Tischsitten datieren erst aus dem 13. Jahrhundert: Thomasin von Zirklaere, Wälscher Gast (ca. 1215); Tannhäuser, Hofzucht (Mitte 13. Jahrhundert?); Konrad von Haslau, Der Jüngling (1280/90). Während für diese Texte ein rhetorisch-literarischer Anspruch angenommen werden darf und somit eine öffentliche Aufführung nicht auszuschließen ist, engt sich der Verwendungszusammenhang der späteren deutschsprachigen Tischzuchten (Rossauer, Innsbrucker, Ulmer Tischzucht; Jacob Köbel; Sebastian Brant) immer mehr auf den Schulunterricht bzw. Leseunterricht ein. Dabei kommt es zu vielerlei Interpolationen und Kontaminationen sowohl in der lateinischen wie in der volkssprachlichen Texttradition und zu zahlreichen Übersetzungen ein und derselben lateinischen Texte (z. B. der ›Disticha Catonis‹ und des ›Facetus cum nihil utilius‹; vgl. Henkel, Übersetzungen lateinischer Schultexte).
Im 16. Jahrhundert werden Tischzuchten häufig parodistisch umgeformt, sowohl auf Latein wie in der Volkssprache (»Grobianische Tischzuchten«, hg. von Schirokauer und Thornton 1957).
5. Forschungsansätze
Angesichts der Tatsache, daß Essen und Trinken in vielen Kulturen nicht bloß einen Akt der Nahrungsaufnahme darstellt und der Lebenserhaltung dient, sondern ein kulturelles und gesellschaftliches Ereignis ist, liegt es nahe, daß sich auch Kulturhistoriker, Geschichtswissenschaftler und Soziologen für die Bedingungen interessieren, die dieses Gemeinschaftserlebnis regeln. Denn damit ein gemeinschaftliches Essen in harmonischer Atmosphäre verläuft, bedarf es verschiedener Anstrengungen aller Teilnehmer. So muß z. B. sichergestellt sein, daß mögliche Ängste Einzelner, sie könnten beim gemeinschaftlichen Mahl zu kurz kommen, abgebaut werden und daß den egoistischen Antrieben einzelner Tischgenossen, sich die besten Speisen zu sichern, wirkungsvoll begegnet wird. Damit sich alle Teilnehmer eines Mahles wohl fühlen und damit die Gefahr von Streit und Konflikten gebannt ist, müssen gewisse Spielregeln beachtet werden. Diese werden in den Tischzuchten formuliert. Gutes Benehmen ist kein Selbstzweck, sondern hat die Befriedung der Tischgemeinschaft zum Ziel. Das »Schmieröl«, das die Verwirklichung dieses Ziels ermöglicht, läßt sich als »Höflichkeit« bezeichnen. Dieses Prinzip »Höflichkeit«, das zahlreichen Verhaltensnormen zugrundeliegt, impliziert ein Verhalten, das allen Tischgefährten das Gefühl vermittelt, ihnen werde die soziale Anerkennung und Rücksichtnahme zuteil, die sie insgeheim für sich beanspruchen. Dazu gehört die Bereitschaft, dem Ekelempfinden der Tischnachbarn Rechnung zu tragen. Auch wenn sich Höflichkeitsregeln mit dem sozialen Wandel verändern, so besitzen noch heute viele der mittelalterlichen Tischregeln ihre Gültigkeit (nicht mit dem Ellbogen sich auf den Tisch aufstützen; dem Nachbarn zuerst eine Speise anbieten; nicht mit vollem Mund sprechen; nach dem Essen nicht an den Zähnen herumstochern, usw.). Der Vergleich von Tischzuchten aus verschiedenen Jahrhunderten kann Aufschluß geben über unterschiedliche Modelle sozialer Interaktion bei Tisch.
Es zeichnen sich recht verschiedene Forschungsinteressen rund um die Tischzuchten ab.
a. Im Vordergrund kulturhistorischer Forschung stand lange Zeit und steht noch das Bemühen, etwas über die Speisen und Nahrungsgewohnheiten der mittelalterlichen Menschen zu erfahren: Wie sah der Speisezettel bei den verschiedenen sozialen Schichten aus? Wann wurde gegessen? In welcher Reihenfolge kamen die Speisen auf den Tisch? Inwiefern wurden bestimmte Speisen für eine medizinische Behandlung von Krankheiten verwendet? Dieser Forschungsrichtung geht es vor allem um die »Sachgeschichte« (siehe die Arbeiten von Paczensky; Dünnebier; Laurioux; Schubert; Hammond; Albala; Hirschfelder; Rummel; Düwel, Über Nahrungsgewohnheiten; Voigt, Forschungen zu den selbständigen deutschsprachigen Tischzuchten, S. 79-82; Kolmer/Rohr; Bütterlin; Wiegelmann; Morel und andere). Hier interessiert das Essen als Akt der Nahrungsgeschichte.
b. Die geschichtswissenschaftliche Forschung fragt vor allem nach den sozialen Funktionen und Implikationen dieses Gemeinschaftsereignisses »Mahl«. Welche Aufgaben übernahm das gemeinsame Essen in Religion, Politik, Wirtschaft und Kultur? Dem Mahl konnten frieden-, bündnis- und gemeinschaftsstiftende Funktionen zuwachsen (Althoff, Der friedens-, bündnis- und gemeinschaftsstiftende Charakter des Mahles; Oexle, Mahl und Spende; Brüggen, Von der Kunst, miteinander zu speisen). Doch bedurfte es bestimmter Bedingungen, daß die soziale Interaktion »gemeinsames Mahl« zum gewünschten Ziel führt. Für die Geschichtswissenschaft stellt sich überdies die Frage, inwiefern bestimmte Tischsitten rein standesspezifisch konzipiert sind und der sozialen Distinktion dienen. Bei diesem Forschungsansatz geht es um das Essen als Faktor und Indikator der Gesellschaftsgeschichte.
c. Als Indikator für einen Wandel der Gefühlsgeschichte wertete Norbert Elias in seinem Buch über den Prozeß der Zivilisation die Tischzuchten aus. Er glaubte, eine Zunahme der Scham- und Peinlichkeitsschwelle sowie der Affektkontrolle im Umgang der Menschen seit dem Spätmittelalter feststellen zu können (Elias, Prozeß der Zivilisation). Während sich im Mittelalter die Menschen während des Essens wenig zivilisiert benommen hätten, sei vom 16. Jahrhundert an der Ekel vor bestimmten Körperausscheidungen (Rülpsen, Schneuzen, Spucken) der anderen gestiegen, was sich auch an der Verwendung von Messer und Gabel ablesen lasse. Die körperliche Distanz zwischen den Menschen beim Essen habe sich vergrößert.
Da Elias' These heute noch zahlreichen kulturgeschichtlichen Studien zugrundeliegt (z. B. Düwel, Über Nahrungsgewohnheite,. S. 138ff.), erscheint eine kritische Stellungnahme angebracht. Denn Elias sind gravierende Fehler unterlaufen (Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten, S. 85-93): 1. Wir wissen heute, daß Texte nicht nur als Reflexe der sozialen Realität zu verstehen sind. Die Lehren der Tischzuchten können in übertreibender bzw. in satirischer Absicht formuliert worden sein. Überdies muß der Umstand, daß die Tischzuchten bestimmte Verhaltensweisen einfordern, nicht heißen, daß diese Normen nicht bereits umgesetzt sind. Insbesondere normative Quellen können auch ein Verhalten einfordern, das schon längst praktiziert wird. Jedenfalls ist die Auswertung der Quellen durch Elias im Sinne eines 1:1-Verhältnisses von Praxis und Literatur (Elias, Prozeß der Zivilisation, S. 77 und 84) fragwürdig. 2. Weil Elias davon ausging, daß die mittelalterlichen Tischzuchten für Erwachsene angefertigt worden seien, in diesen Texten aber recht »primitive« Anstandsnormen verkündet wurden, schloß Elias, daß die Erwachsenen im Mittelalter auf einem recht niederen Verhaltensniveau miteinander kommunizierten. Heute wissen wir, daß gerade die ersten Tischzuchten im Lateinunterricht für Kinder Anwendung fanden. 3. Elias hat die lateinischen Tischzuchten des 12. Jahrhunderts ausgeblendet und dadurch den »Sitz im Leben« der Tischzuchten falsch eingeschätzt. Er suchte die Anfänge der Zivilisierung in der Adelskultur. Doch die ersten mittelalterlichen Tischzuchten sind nicht an den Hof gebunden, sondern an einen klerikalen Erziehungsrahmen: als Lektüre im Lateinunterricht. Auch in Hugos lateinischem Novizentraktat (ca. 1120/30) werden Tischregeln vermittelt. Schon deshalb ist der Ansatz Elias', die Gebote und Verbote der Tischzuchten hätten sich zunächst an den großen Feudalhöfen herausgebildet (Elias, Prozeß der Zivilisation, S. 79), zu korrigieren. Die lateinischen Tischzuchten des 12. Jahrhunderts waren allesamt für den klerikal organisierten Lateinunterricht bestimmt (Henkel, Übersetzungen lateinischer Schultexte, S. 30ff.). Durch das Ausblenden der lateinischen Tischzuchten kam es auch zu der erwähnten Fehleinschätzung der Adressatenschaft. Die von Elias unterstellte Entwicklung, wonach im Mittelalter noch die Erwachsenen »zivilisiert« werden mußten, in der Frühen Neuzeit nur noch die Kinder, hat so nicht stattgefunden (Elias, Prozeß der Zivilisation, S. 82). 4. Elias hat eine selektive Analyse der Tischzuchten vorgenommen und sich auf solche Phänomene wie Schneuzen, Rotzen, Spucken, »Winde lassen«, konzentriert. Darin vermeint Elias nur Naivität, Einfachheit, Spontaneität im Leben der damaligen Menschen zu erkennen. Doch finden sich in den Tischzuchten eine Menge anderer Anweisungen, die eine sehr hochstehende Eßkultur verraten.
d. Das philologische Interesse an den Tischzuchten hat zwar in den letzten zehn Jahren zugenommen, doch fehlt bis heute eine Übersicht über den Gesamtbestand der mittelalterlichen Tischzuchten. Über die Überlieferung, Übersetzungen und Kommentierungen zahlreicher lateinischer Tischzuchten sind wir einigermaßen zuverlässig unterrichtet (Nicholls, Matter of courtesy; Henkel, Übersetzungen lateinischer Schultexte; Henkel, Disticha Catonis; Henkel, Was soll der Mensch tun?; Glixelli, Quisquis es in mensa; Gieben, Robert Grosseteste). Die Abhängigkeitsverhältnisse in der Überlieferung deutschsprachiger Tischzuchten sind ebenfalls weitgehend geklärt worden (Winkler, Selbständige deutsche Tischzuchten). »Der Zusammenhang der deutschen und lateinischen Texte bedarf allerdings noch genauerer Untersuchung« (Bumke, Tannhäusers »Hofzucht«, S. 205).
e. Eine literaturwissenschaftliche Analyse der Tischzuchten auf ihren etwaigen rhetorisch-ästhetischen Wert hin ist bislang nur in Ansätzen erkennbar.
In dem Moment jedoch, in dem sich die Einsicht durchsetzt, daß die mittelalterliche Tischzuchtliteratur nicht allein dazu verfaßt wurde, um die Menschen auf bestimmte neue, feinere Tischsitten zu verpflichten – weil die Praxis feinen Benehmens bei Tisch sich schon früher nachweisen läßt (z. B. »Ruodlieb« und historiographische Texte aus dem 11. Jahrhundert) –, stellt sich die dringliche Frage nach weiteren Funktionen der einschlägigen Texte. Überdies: Wenn die lateinischen Tischzuchten für Kinder bzw. Jugendliche verfaßt wurden und daraus gefolgert werden kann, daß die Erwachsenen (bzw. die Lehrer) die Tischregeln beherrschten, stellt sich die Frage, weshalb dann überhaupt noch (volkssprachliche) Tischzuchten für Erwachsene angefertigt werden mußten. Diese Fragen schließen die Notwendigkeit ein, nach den literarisch-diskursiven Voraussetzungen, Bedingungen und Absichten zu fragen, die das Entstehen der Tischzuchtliteratur begünstigten – über ihre bloße Belehrungsfunktion hinaus (Müller-Oberhäuser, Norture newe founde; Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten).
Wenn die Tischzuchten nicht mehr nur als bloßer Reflex oder als reine Projektion einer Tischkultur gelten können, sondern ebenso als Teil einer Textkultur in Betracht gezogen werden, muß sich das Interesse von den Inhalten und Gegenständen der Texte weg verlagern hin auf die Faktoren, die die Art und Weise des Redens selbst und auch die »Aufführung« der Texte betreffen. Es ist folglich nach den charakteristischen Merkmalen dieser Textkultur zu fragen: ihren diskursiven Traditionen, ihren rhetorisch-literarischen Vorbildern, ihren motivlichen Topoi und den gesellschaftlichen Implikationen der Kommunikation durch Texte. Es geht um die Faktoren, die einerseits die Entstehung und Verwendung der Tischzuchten steuern, die sich andererseits zwischen die Verhaltenspraktiken bei Tische und die Tischzuchten stellen und diesen Texten ein Wirkungspotential verleihen, das über die bloße Belehrung von Verhaltenspraktiken hinausreicht.
6. Funktionen der Tischzuchten
Entsprechend der Vielfalt der Texte haben wir mit recht unterschiedlichen Funktionen der Tischzuchten zu rechnen (undifferenziert bei Veijalainen, Fest und Tischzucht, S. 195-269; wenig bei Voigt, Forschungen zu den selbständigen deutschsprachigen Tischzuchten, S. 78f.).
Je nach Alter der Adressaten (Kinder/Erwachsene) (bei volkssprachlich-höfischen Texten des 13. Jahrhunderts allerdings zweifache Adressatenschaft; vgl. Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten, S. 95), je nach sprachlichem Medium (Latein/Volkssprache), je nach schriftlicher oder mündlicher Vermittlung und Rezeption (Schulunterricht/öffentlicher Vortrag), je nach »Aufführungsort« eines Textes (Schule/Kloster/Hof) und je nach sozialem Stand der Adressaten (adlig-höfische/nichtadlige Personen und Gruppen) erfüllen die Texte je andere Funktionen. Neben Belehrung und Unterhaltung sind noch weitere Funktionen denkbar. Dabei spielt der Aspekt der Selbstrepräsentation eine große Rolle. Schon der Nachweis, nicht nur zu essen und zu trinken, sondern sich auf diskursiver Ebene über diesen bloßen Akt der Nahrungsaufnahme zu erheben, kann für Reputation sorgen. Mögliche ironische oder parodistische Töne in der lehrhaften Darbietung der Tischregeln verstärken überdies die angestrebte Distanz zum Gegenstand: Man unterwirft sich nicht dem Freßtrieb, sondern macht ihn zum Gegenstand literarisch-gesellschaftlicher Kommunikation. Somit trägt nicht nur das feine Benehmen bei Tisch zur sozialen Distinktion bei, sondern auch die Art und Weise des Sprechens über so alltägliche Dinge wie Essen und Trinken.
Beachtung verdient besonders die funktionale Differenz von lateinischen und volkssprachlichen Tischzuchten.
7. Lateinische vs. volkssprachlich-höfische Tischzuchten
Während in den lateinischen Manierenschriften die einzelne Person als Einzelkämpfer in einer feindlichen Umwelt vorgestellt wird (mit entsprechender Betonung der Wichtigkeit von Freundschaften), findet sich in den volkssprachlichen Manierenschriften eine starke Betonung der Gemeinschaft, auch des Lernens in der Gemeinschaft (wobei der Respekt vor Frauen als Gemeinschaftsaufgabe mitgemeint ist).
Die lateinischen Lehren (›Disticha Catonis‹; ›Facetus cum nihil utilius‹; ›Urbanus magnus‹; Reinerus, Phagifacetus) thematisieren in viel größerem Ausmaße das rechte Verhalten in einer Zweierbeziehung, besonders in der Freundschaft. Dagegen tritt das Thema der Freundschaft nur vereinzelt in volkssprachlichen Manierenschriften auf. Die einschlägigen lateinischen Texte des 12./13. Jahrhunderts zielen auf den Einzelnen. Zahlreiche Regeln gelten dem Dienst gegenüber dem Hausherrn, vor allem aber dem Mißtrauen gegenüber Individuen. Überall lauern Gefahren, Feinde, Fallen, Verleumdung. Gerade deshalb erlangt das Thema Freundschaft einen so hohen Stellenwert. Freundschaft scheint den einzigen Schutz gegen die gefährliche Umgebung zu bieten. Den einschlägigen lateinischen Texten fehlt als gemeinschaftsbildender Bezugspunkt der Hof.
Die auf den Einzelnen ausgerichtete Perspektive kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß die lateinischen Manierenschriften Ratschläge für alle möglichen Lebenslagen, Berufe und sozialen Stände vermitteln. Sie unterrichten darüber, wie sich ein Richter, ein Arzt, ein Laie, ein Geistlicher, ein Alter, ein Junger, ein Herrscher usw. zu verhalten habe. Deshalb überrascht es nicht, daß einige lateinische Manierenschriften Regeln für »alle Menschen« (omnis homo) anbieten. Die Vorstellung, Verhaltensregeln für eine soziale Elite zu formulieren, sucht man hier vergebens. Diese Texte können und wollen keine gruppenbildende, integrierende Wirkung entfalten.
Weil die lateinischen Tischzuchten bzw. Manierenschriften einzelnen Berufen bzw. Ständen für einzelne Lebenssituationen bestimmte Verhaltensregeln bieten, mangelt es ihnen an allgemeingültigen moralischen Werten. Oberstes Prinzip allen Handelns bilden nicht - im Unterschied zu volkssprachlich-höfischen Texten – Werte wie triuwe, kiusche, mâze, milte, güete, sondern jede Situation diktiert ihre eigenen Spielregeln. Daraus resultieren die pragmatischen, kühl kalkulierenden und utilitaristischen Verhaltensregeln: »Handle mal so, mal so, wie es der Augenblick gerade erfordert« (›Disticha Catonis‹ I 7); »sei dir stets selbst der Nächste« (›Disticha Catonis‹ I 40); »heuchle zuweilen Dummheit, wenn der Moment es erfordert« (›Disticha Catonis‹ II 18); »sei mißtrauisch gegenüber den Aussagen anderer« (›Facetus cum nihil utilius‹, 23); »es gibt keinen Freund auf dieser Welt« (›Facetus moribus et vita‹, 433f.). Folglich hat man sich in jeder Situation vor jedem Menschen in Acht zu nehmen. Gerade deshalb, weil jede Situation für sich gemeistert werden muß und weil jeder davon ausgeht, daß der andere auch nur seine eigenen Ziele verfolgt, stecken die lateinischen Verhaltensregeln voller Mißtrauen. »Ein Mensch ist gefährlicher als alle Tiere« (›Disticha Catonis‹ IV 11).
Den volkssprachlichen Hofzuchten hingegen liegt die Überzeugung zugrunde, die angeredeten Personen bildeten eine ideale Gemeinschaft, die sich auszeichnet durch eine gemeinsame Wertwelt (Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten, S. 115-128). Der Umstand, daß die Hofzuchten eine Anzahl von Menschen mit »Ihr« ansprechen, macht verständlich, weshalb diese Texte auf das Mißtrauen verzichten können: In ihrer Perspektive sind die »Anderen« nicht Feinde, sondern die Mitglieder einer sich durch Benehmen und Moral auszeichnenden Gesellschaft. Während die lateinischen Tischzuchten Einzelne für einzelne Situationen »präparieren«, richten sich die volkssprachlichen Texte an ein als einheitlich gedachtes höfisches Publikum generell. Soziale Differenzierungen entfallen weitgehend. Und indem sie die potentiellen Adressaten als Gemeinschaft ansprechen, tragen sie zur Bildung dieser Gemeinschaft bei. Denn mit ihrer Anrede an ein undifferenziertes »Ihr« und »Euch« integrieren sie die Personen der sozial diffusen Hofgesellschaft zu der einen virtuellen Gemeinschaft: Literatur schafft allererst höfische Gemeinschaft.
Schließlich deutet auf ein (intendiertes) Gemeinschaftsbewußtsein auch der Umstand hin, daß die volkssprachlichen Texte um die Notwendigkeit wissen, über das gehörte Wort hinaus sich mittels des Beobachtens von lebenden Vorbildern rechtes Verhalten anzueignen. Diese Vorbilder werden wie selbstverständlich in dem sozialen Kontext der angeredeten Personen vorausgesetzt. Also wird eine audiovisuelle Erziehung als Teil des »Lernens in der Gemeinschaft« mitgedacht. Während sich im Lateinunterricht der Nachvollzug der Lehre in Form von Lesen, Nachsprechen und Nachschreiben ereignet, bildete im laikal-höfischen Erziehungsprogramm der Text nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger war das Beobachten der anderen und das Nachahmen am eigenen Körper: Thomasin von Zirklaere verweist in seiner Hofzucht (Wälscher Gast, V. 185-1166) auf die Notwendigkeit des Sehens und Hörens, also der Beobachtung dessen, was die anderen tun (Wälscher Gast, V. 615-621, 648f.). In einer in zahlreichen Versionen verbreiteten deutschen Hofzucht wird sogar eingeräumt, daß man über die gegebene Lehre hinaus die Menschen bei Hof beobachten solle, da man gar nicht alle Lehren im Text vermitteln könne (Von der hoff zucht, in: Codex Karlsruhe 408, hg. von Schmid, S. 453-459, V. 137-146; vgl. auch »Ulmer Hofzucht«, hg. von Keller, S. 534). Damit aber werden die volkssprachlichen Tischzuchten von der Aufgabe der Belehrung teilweise entlastet und für andere Aufgaben frei (Integrierung sozialer Schichten; Repräsentation; der Akt der »Aufführung« des Textes ist wichtiger als ihr Inhalt).
Die hier nur angerissenen Differenzen zwischen lateinischen Manierenschriften und volkssprachlichen Hofzuchten zwingen zu Präzisierungen an der (generell durchaus berechtigten) Forschungsthese vom engen Zusammenwirken klerikaler und laikaler Institutionen und Personen bei der Entstehung der höfischen Kultur (Schnell, Mittelalterliche Tischzuchten, S. 97-100; Schnell, Die höfische Kultur des Mittelalters). Zumindest hinsichtlich der »Performance« und der Inhalte der Erziehungsschriften sind Abgrenzungen vorzunehmen.
Die unterschiedliche Funktionalisierung lateinischer und volkssprachlicher Tischzuchten schließt nicht notwendigerweise einen Unterschied zwischen klerikalem und laikalem Adel hinsichtlich ihres Benehmens bei Tisch ein. (Wie angedeutet, müssen Tischkultur und Textkultur nicht in allem konvergieren.). Sollten die Hofkleriker aufgrund ihrer Ausbildung einen Vorsprung besitzen, so wird das Prinzip Nachahmung für eine Nivellierung gesorgt haben. Aufgrund der engen kulturellen und auch funktionsbedingten Kommunikation zwischen Laienadel und Weltklerus in dem fraglichen Zeitraum (10. bis 12. Jahrhundert), darf man annehmen, daß den adligen Laien an einem Bischofs- oder Königshof die feinen Tischsitten nicht unbekannt geblieben sind. Zumindest der mit den Hofklerikern verkehrende Laienadel wird von den feinen Tischsitten »infiziert« worden sein. Angesichts der - sicher nicht nur literarisch ausgefochtenen – Rivalität zwischen »clericus« und »miles« im Hochmittelalter dürfen wir annehmen, daß sich die laikalen Höflinge rasch die Tischsitten der Kleriker angeeignet haben, falls ihnen ein solches feines Benehmen überhaupt fremd gewesen sein sollte. Also sind auch für die Laien dieselben Tischmanieren vorauszusetzen, wie sie die lateinischen Tischzuchten anmahnen – auch wenn volkssprachliche Tischzuchten erst aus späterer Zeit datieren.
Dann aber wäre in der Tat das Anfertigen von volkssprachlichen Tischzuchten überflüssig geworden, sofern diese allein das Ziel verfolgten, einen neuen Verhaltensstandard einzuführen. Wieder ist die These vom poetischen und repräsentativen Mehrwert die einzige Lösung für diesen Sachverhalt. Auch wenn z. B. in Tannhäusers »Hofzucht« Jugendliche über rechtes Benehmen belehrt werden, so fungiert dieser Text für die gleichfalls angesprochenen Erwachsenen zugleich als Ausweis ihrer – gegenüber anderen sozialen Schichten – hochstehenden Tischkultur. Über die z. T. einfachen Tischregeln, die dennoch in rhetorisch-sprachlich anspruchsvoller Form daherkommen, können sich die Erwachsenen schon amüsieren.
8. Ideales Verhalten bei Tisch: Ästhetik und Kommunikation
Nach den Funktionen der Texte sind abschließend die Funktionen der in den Texten vermittelten Verhaltensweisen nochmals kurz in den Blick zu nehmen. Daß die inhaltlichen Aussagen der Tischzuchten ein breites Spektrum an Aspekten abdecken, wurde bereits angedeutet (siehe oben Abschn. 2), und daß sie u. a. auf ein harmonisches, friedfertiges Miteinander hinzielen, wurde ebenfalls angesprochen (siehe oben Abschn. 5b). Hier sollen zwei Themen der Tisch- bzw. Hofzuchten kurz vorgestellt werden, die in der Forschungsdiskussion über mittelalterliches Tischverhalten meist unterbelichtet werden. Denn bekanntlich hat Norbert Elias, dessen einschlägige Beschreibung der Tischsitten noch immer wirksam ist, die Tischzuchten vor allem als Zeugnisse für den Prozeß der Zivilisation gelesen, d. h. für eine Änderung der Verhaltens- und Affektstandards. Demnach verdankt sich die Kultivierung des Essens einer Affektzügelung (Elias, Prozeß der Zivilisation, S. 79f. und 85) und der Steigerung der Scham- und Peinlichkeitsschwelle (Elias, Prozeß der Zivilisation, S. 89). Meines Erachtens sind weitere Aspekte für die Ausformulierung der Verhaltensregeln verantwortlich.
a. Ästhetik und Körperkontrolle: Die in den Tischzuchten formulierten Normen für die Körperkontrolle etwa gehen nicht immer in der Forderung nach Affektkontrolle auf. Ein wichtiges Ziel der Körperkontrolle scheint zu sein, den Betrachtern einen schönen Anblick zu bieten. Denn die Schönheit des Körpers wird durch proportio, compositio (membrorum) erreicht, d. h. durch die ideale Körperhaltung, bei der alle Einzelglieder die ihnen zugedachte Funktion erfüllen. Der Körper darf sich nicht in unkontrollierten, diffusen Bewegungen ergehen, sondern gefordert wird eine streng funktionelle Arbeitsweise der einzelnen Körperglieder: So sollen z. B. die Hände nicht reden, der Mund nicht hören, die Augen nicht essen, usw. Ausführlich und systematisch befaßt sich mit der compositio, der geordneten Haltung der Körperglieder, Hugo von St. Viktor in seinem Novizentraktat (Hugo von St. Viktor, De institutione novitiorum, cap. 12 [Sp. 941f.] und cap. 18 [Sp. 949]). Bezeichnend ist, daß die Formel boni mores der lateinischen Texte in volkssprachlich-höfischen Texten (Thomasin von Zirklaere, Wälscher Gast; Gottfrieds Tristan) als schoene site übersetzt wird. Umgekehrt wird in zahlreichen lateinischen Tischzuchten des 12. bis 15. Jahrhunderts eine diskriminierte Verhaltensweise als turpis (häßlich) bezeichnet (Sulpicius Verolanus, V. 16-20, 23f., 62, 87; ›Urbanus magnus‹, V.1019, 1058, 1101,1109, 1184). In der lateinischen Tischzucht ›Doctrina mense‹ (13./14.Jh.) heißt es, beim Essen soll alles turpia vermieden werden (V. 52), und ein Unwissender werde, nachdem er die Kunst gelernt habe, »schöner trinken« (pulcrius bibat, V. 54). Die Innsbrucker Tischzucht (Fassung f, hg. von Weller, S. 52, V. 86f.) gebietet: Unnd halt yn [den Löffel] hoflich bei dem stil / Unnd bring yn schön auß dem mund.
Solche Verhaltensregeln wie »beim Lachen nicht die Zähne sehen zu lassen«, »bei Tisch aufrecht dazusitzen«, »nicht die Ellbogen auf den Tisch zu legen«, »die eigenen Kleidungsstücke nicht zu bekleckern«, »mit temperierter Stimme zu sprechen«, haben weniger mit Affektkontrolle oder mit Ekelempfinden zu tun, sondern mit einem ästhetischen Empfinden der Anderen, auf das Rücksicht genommen werden soll (Brüggen, Von der Kunst, miteinander zu speisen, S. 246f.). Dazu gehört auch, daß Thomasin von Zirklaere (Wälscher Gast, V. 439ff.) dazu ermahnt, eine Frau möge ihre Augen und ihren Kopf ruhig halten, ein Mann solle beim Sprechen seine Hände ruhig halten. Ebenso das Gebot des Johannes Sulpicius de Veroli (De moribus puerorum carmen juvenile V. 30), die Körperglieder nicht zu bewegen (nec tua membra move). Während Elias nur Ekel gegenüber Körperausscheidungen und Ekel gegenüber Schmutz sieht, ist die Kehrseite der Medaille hervorzuheben: Die im Mittelalter schon nachweisbare hohe ästhetische Sensibilität läßt Ekel aufkommen. Ästhetik und Ekel bedingen sich wechselseitig (schönes Beispiel ist Piccolomini, De miseriis curialium [1444]; vgl. Schnell, Ekel als Lust). Ästhetik und Körperkontrolle sind also für das Mittelalter zusammenzusehen: das Schönheitsempfinden einer kleinen Elite schlägt sich unter anderem in der Forderung nach Körperkontrolle nieder (freilich wirken noch andere Diskurse auf die Forderung nach Körperkontrolle ein.).
b. Kommunikation: In den Tischzuchten geht es nicht nur um den rechten Umgang mit Speisen und Eßinstrumenten, um Sauberkeit und Hygiene des Einzelnen, sondern auch um das störungsfreie Miteinander bei Tisch, um soziokommunikative Anforderungen: Die Ermahnung zur Heiterkeit einerseits, die Ermahnung zur Vermeidung aller Äußerungen, die den Tischgefährten bitter aufstoßen könnten, andererseits (›Quisquis es in mensa‹; Grosseteste (?), Stans puer ad mensam), machen deutlich, welch große Bedeutung der verbalen Kommunikation beigemessen wurde. In diesem Punkte schließen die mittelalterlichen Tischzuchten an eine bis in die Antike zurückreichende Diskussionstradition (Plutarch, Macrobius) an, in der verhandelt wurde, welche Themen bei welchen Tischnachbarn angeschnitten werden durften (Schnell, Gastmahl und Gespräch). Oberstes Gesetz aller einschlägigen Ratschläge war das Wohlbefinden der Anderen. So stellt sich das gemeinsame Mahl nicht nur als ein Akt der Nahrungsaufnahme, der Hygiene und der Affektkontrolle dar, sondern auch als ein gesellschaftlicher Vorgang, dessen Gelingen von der Einhaltung bestimmter Regeln der verbalen Kommunikation abhing.
B.
I. Quisquis es in mensa (12. Jh.?)
a) Lateinische Fassung
Quisquis es in mensa, primo de paupere pensa;
Nam cum pascis eum, pascis, amice, Deum.
Nescit homo plenus, quam vitam ducat egenus,
Nemo cibum capiat, donec benedictio fiat,
Nec capit sedem, nisi quam vult qui regit edem.
Donec sunt posita tibi fercula mandere vita,
Et mundi digiti tibi sint unguesque politi.
In disco tacta non sit bucella redacta,
Non tangas aures nudis digitis neque nares.
Non mundes dentes ferro acuto ad comedentes.
Sal non tangatur esca quo vase locatur.
Si potes hec repeto in mensa ructare caveto.
Esse scias vetitum in mensa ponere cubitum.
Lege mandatur ne parapsis ad osque ponatur.
Qui vult potare debet prius os vacuare
Et sint illius labia tersa prius;
Nec tacere possum, ne dentibus laceret ossum.
Non dicas verbum cuiquam quod ei sit acerbum,
Ne possit quis irasci vel discordia nasci.
Vultu sis hilaris, nullum tamen irridearis.
Si pauce loqueris, gratior sodalibus eris.
Mensa submota, manus ablue, postea pota.
Privetur mensa, qui spreverit hec documenta.
Text nach: Quisquis es in mensa, hg. Glixelli, S. 28f. (Hs. A);
einige Parallelen bei: Robert Grosseteste (?), Stans puer ad mensam;
vgl. auch Gieben, Robert Grosseteste.
b) Deutsche Fassung
Wer auch immer zu Tisch ist, soll zuerst an den Armen denken;
Denn wenn du diesen ernährst, ernährst du, Freund, Gott.
Ein satter Mensch weiß nicht, welches Leben ein Bedürftiger führt.
Niemand soll vor dem Segen mit dem Essen beginnen,
Und nicht soll er Platz nehmen außer auf jenem, den ihm der Hausherr anweist.
Fange nicht zu essen an, bis dir die Schüsseln vorgesetzt sind,
und saubere Finger und gesäuberte Nägel sollst du haben.
Der Bissen, der in der Schüssel berührt worden ist, soll nicht zurückgelegt werden.
Nicht sollst du die Ohren oder Nase mit bloßen Fingern berühren.
Nicht sollst du vor den Tischgenossen die Zähne säubern mit einem scharfen Eisen.
Das Salz im Salzgefäß soll nicht mit einer Speise berührt werden.
Wenn du trinkst, dies wiederhole ich, hüte dich am Tisch zu rülpsen.
Du sollst wissen, daß es verboten ist, die Ellbogen auf den Tisch zu legen.
Gesetzlich angeordnet ist, daß eine Schüssel nicht zum Mund geführt wird.
Wer trinken will, muß vorher den Mund leeren und vorher sind dessen Lippen abzuwischen.
Nicht kann ich verschweigen, daß er einen Knochen nicht mit den Zähnen zerfleische.
Nicht sollst du irgendeinem ein Wort sagen, das diesem bitter aufstößt,
damit nicht irgendeiner zürnt oder Streit entsteht.
Befleißige dich einer heiteren Miene, lache dennoch niemanden aus.
Wenn du wenig sprichst, wirst du deinen Tischgenossen umso angenehmer sein.
Wenn der Tisch aufgehoben ist, wasche erst die Hände, später trinke.
Der soll vom Tisch ferngehalten werden, der diese Lehren mißachtet.
II. Tannhäusers Hofzucht (13. Jh.)
9. Kein edeler man selbander sol
mit einem leffel sûfen niht;
35daz zimt hübschen liuten wol,
den dick unedellîch geschiht.
10. Mit schüzzeln sûfen niemen zimt,
swie des unfuor doch maneger lobe,
der si frevellîchen nimt
40und in sich giuzet, als er tobe,
11. Und der sich über die schüzzl habet,
sô er izzet, als ein swîn,
und gar unsûberlîche snabet
und smatzt mit dem munde sîn.
4512. Sümlîch bîzent ab der sniten
nach gebûrischen siten
und stôzents in die schüzzel wider;
sülh unzuht legent die hübschen nider.
13. Etlîcher ist alsô gemuot,
50daz erz wider in die schüzzl tuot,
swenn er daz bein genagen hât;
daz habet gar für missetât.
14. Die senf und salsen ezzent gern,
die sulen des vil flìzic sîn,
55daz si den unflât verbern
und stôzent niht den vinger drîn.
15. Der riuspet, swenn er ezzen sol,
und in daz tischlach sniuzet sich,
diu beide ziment niht gar wol,
60als ich des kan versehen mich.
16. Swer snûdet als ein wazzerdahs
und smatzt als ein gebûrisch Sahs,
sô er izzet, als etlîcher phliget,
wie gar der sich zuht verwiget!
6517. Der beide reden und ezzen wil,
diu zwei werc mit einander tuon,
und in dem slâf wil reden vil,
der kan vil selten wol geruon.
18. Ob dem tisch lât das rehten sîn,
70sô ir ezzent, daz sümlîche tuont.
dar an gedenkent, friunde mîn,
daz nie kein sit sô übel stuont,
swelh man daz brôt legt an den lîp
und snîdet sam diu kranken wîp.
7519. Und werd iu brâht ein empelîn
mit salz, swenn ir ezzen gêt,
sô sült ir niht grîfen drîn
mit blôzer hant, daz übel stêt.
Tannhäuser, Hofzucht, Str. 9-19 (V. 33-78),
hg. von Heinz Kischkel, Tübingen 1998, S. 300-302.
III.
DEr nv jn súlcher gewíssen sei,
Daz ym wóne zúcht vnd ere bey,
Den bijt ich durch den willen mein,
Daz er ez laß an zórn sein,
5Ob ich straeff die júngen kynt,
Die noch bei syeben jaren synt
Vnd noch nit gewißen hant
*Noch keyn zúcht ist be kant.*
Wer nú von zúchten hóret gern,
10Der sol díse vnzúcht verbern.
Mercket, alz ir zú tische gat,
Dye hende nit vn gezwagen lat.
Sneyt die negel ab den henden,
Seint sie zú lanck, daz sie euch icht schenden.
15Wolt ir nit siczen alz ein gaúch,
So en láßt dye gurtel von dem paúch.
Wólt ir zú hófe brot sneyden,
So solt ir daz vermeyden:
Secz ez nicht an die brúst
20Nach der krancken weibe gelúst,
Die dar zú zwýngt ir krang nót,
Daz ist zú hofe eyn michel spót.
Nyeman selb ander saúffen sol
Mit eynem loffel, daz steet wol.
25Wer sich úber die schúßel habt
Vnd gar vnsúberlichen snabt
Mit dem mvnd alz ein swein,
Der sal bei anderm fyehe sein.
Wer snavdet alz ein júnger láchß
30Vnd smeczet alz ein waßer dachß,
So er ißet alz etlicher pflícht,
Wie gar sich zúcht der selbe erwígt.
Etlich beißent ab den snýtten
Nach gar [en] paúrischem sýtten
35Vnd stóßens jn die schúßel wieder,
*Sulch vnzúcht laßent die húbschen ligen.*
Etlich seint so freßig gar,
Daz sie irs múndes nit nement war
Vnd beißent in ir selbes hant,
40Súlch vnzúcht ist den húbschen vnbe kant.
Von der tische zucht, in: Codex Karlsruhe 408,
hg. von Ursula Schmid, Bern u. a. 1974, S. 151f. (V. 1-40).
C.
Quellen
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Literatur
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