MUSIK(ER), OPER
A.
Die Flüchtigkeit musikalischer Tätigkeit spiegelt sich noch lange in den Quellen der Musik des Mittelalters und der frühen Neuzeit, rückte eine schriftliche Aufzeichnung doch erst im 10. Jahrhundert überhaupt in den Bereich des Denkbaren (Berger, Hexachord, S. 93). Es kann also nicht allein darum gehen, die überlieferten Kompositionen zusammenzustellen, die das höfische Musikleben jener Zeit bestimmten, sondern erst einmal die Musiker in ihren sozialen Stellungen und Aufgabenfeldern wiederzufinden. Noch 1963 mußte Gerhard Pietzsch darauf hinweisen, daß bis dahin »niemals die für alle quellenkundlichen Forschungen entscheidende Frage gestellt wurde, die Frage nach der geistigen Ordnung, deren Spiegelbild die schriftliche Überlieferung darstellt. Durch die Frage nach den Kräften, die das höfische Musizieren bestimmten, Kirche und Staat, wäre die Struktur des höfischen Musiklebens wie die soziologische Schichtung ihrer Repräsentanten sichtbar geworden« (Pietzsch, Quellen, S. 18) Aus diesem Grund werde ich nur eine kleine Auswahl an Quellen vorlegen, die in beispielhafter Weise einen solchen Einblick erlaubt. Nicht berücksichtigt sind Quellen allgemeiner Art wie Hinweise auf einmalige Besoldungen von Spielmännern (vgl. die zahlreichen Einträge bei Pietzsch, Archivalische Forschungen). Wie bedeutend aber auch dieser Dienst war, soll ein Auszug aus der Beschreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten (→ Feste im Lebenslauf – Hochzeit) Herzog Ludwigs von Württemberg in Stuttgart 1575 verdeutlichen (siehe unten B.I.), der zugleich eindrucksvoll Zeugnis davon ablegt, welche zentrale Bedeutung der Musik bei jedem mehr oder weniger feierlichen Anlaß zukam. Dagegen erfahren wir aus der → Hofordnung der Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle des gleichen Jahres genaueres über den häufig sehr gefährlichen Dienst der Feldtrompeter (Ruhnke, Beiträge, S. 155 und unten B.II.).
Repertoires
Das Nächstliegende, nämlich die Kompositionen insbesondere der weltlichen Musik sind uns aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert nur in ganz wenigen Beispielen überliefert. Dazu gehören vor allem Quellen instrumentaler Überlieferung, für die sich eine Zusammenstellung bei Polk, Instrumental Music, S. 252 findet. Für die späteren Hofkapellen- und Opernensembles lassen sich dann schon eher Repertoirelisten zusammenstellen, die aber oft nur aus einzelnen Ereignissen zusammengestellt werden können, da solche Listen nur selten überliefert sind (vgl. Ruhnke, Beiträge, S. 58f.). Für die liturgische Musik des Kaiserhofes aus der Mitte des 15. Jahrhunderts etwa gibt es ein wichtiges, aber indirektes Zeugnis mit den 5 Trienter Codices (Trento, Museo Provinciale d'Arte im Castello del Buonconsiglio, Ms. 1374-1379 [I-TR 87/92]; vgl. Berger, Trienter Codices, S. 615-627). In seltenen Fällen können wir auf Bibliotheksbestände zurückgreifen, noch seltener in einem so umfangreichen Maße wie bei dem ›Heidelberger Kapellinventar‹ aus dem Jahre 1544 (Lambrecht, Heidelberger Kapellinventar). So hat Adolf Aber eine eindrucksvolle Liste der Bestände der Weimarer Hofkapelle aus den 1660er Jahren vorgelegt, bei der es schwer sein werde, »etwas Wertvolles zu finden, was in der Weimarer Kapelle nicht gespielt oder gesungen worden wäre« (Aber, Pflege der Musik, S. 150-160 und unten B.III.). Das Verzeichnis des Ansbacher Markgrafenpaares Albrecht und Sophia aus dem gleichen Zeitraum scheint dagegen eher die Gegenstände des privaten musikalischen Gebrauchs zu bezeichnen (unten B.IV.).
Hofkantorei
Viele Anweisungen werden anläßlich der Bestallung (→ Dienerbriefe und Dienerbücher) eines Hofkapellmeisters formuliert wie bei der des Johannes von Soest in Heidelberg aus dem Jahre 1476 (unten B.V.). Ein weit ausführlicheres Beispiel, das allerdings nicht im Wortlaut ediert vorliegt, ist die Wolfenbütteler Kantoreiordnung aus dem Jahre 1580, die uns nicht nur Informationen zur Ordnung, sondern auch zur Besetzung und zur Verwendung musikalischer Begleitung im höfischen Leben überliefert, nämlich das »Aufwarten in der Kirche, bei der Tafel und im Gemach, vor Gästen oder auf Reisen (→ Feste zu besonderen Anlässen – Reise; → Gesandtschafts- und Reiseberichte) vor Gastgebern sowie bei Geselligkeiten außerhalb des Hofes« (Ruhnke, Beiträge, S. 174-175). Das Beispiel der Instruktion des Münchner Herzogs Albrecht an seinen Kapellmeister Orlando di Lasso wirft ein genaueres Licht auf die Ausbildung und Erziehung der Sängerknaben (unten B.VI.).
Opernaufführungen
Eine neue Situation ergibt sich mit dem Beginn der repräsentativen Opernaufführungen, die einen ganz anderen, umfangreicheren und vielfältigeren Apparat erfordern. Allerdings soll hier nicht auf die finanzielle Aspekte eingegangen werden, wie sie schon im Artikel »Musik(er)« (Berger, Musik[er]) erwähnt worden waren, sondern auf das grundsätzliche Problem, in Deutschland eine Gattung nach italienischem oder französischem Vorbild einzuführen, worauf kein Geringerer als Martin Opitz anläßlich der ersten Aufführung einer deutschen Oper überhaupt Bezug nimmt (unten B.VII.). Leider ist uns keine einzige Note dieses Stückes überliefert. Das Beispiel wiederum des Ansbacher Hofes zeigt, wie der Markgraf Johann Friedrich von Brandenburg sehr zielstrebig und bewußt den Aufbau eines Opernhauses plante, indem er seinen Kandidaten für das Amt des Musikdirektors, Johann Wolfgang Franck, zunächst zu Studienzwecken nach Italien sandte und ihn erst dann einstellte (unten B.VIII.). Alle weiteren Bestallungen (→ Dienerbriefe und Dienerbücher) erfolgten danach, erlaubten also Franck sich ein Ensemble seiner Wahl zusammenzustellen. Übrigens zeigt das Repertoire-Verzeichnis, daß dort gleichermaßen deutsche, italienische und französische Opern gespielt wurden (Schmidt, Musik, S. 53f.).
B.
I. Nicodemus Frischlin, Sieben Bücher, Von der Fürstlichen Würtembergischen Hochzeit, 1578
[Als der Zug aber vor dem Schloß anlangte] da giengs erst recht gewaltig an, mit Heerbauken vnd den Trommeten, darzu mit den halben Clareten, auch auff den Gängen in all enden höret man mit den Instrumenten ein Engelsüsse Music schon, mit eim lieblichen Klang vnd Thon, mit gar künstlicher Harmoney, vnd wol lautender Symphoney, von den Pusaunen, Zincken hell, von Flöten vnd Zwerchpfeiffen schnell, mit vier, mit fünfen, mit sechs stimmen, mit Saitenspilen, Clavizimmen (Clavicimbel), mit schreiend Pfeiffen vnd Schalmeien, daß eim das Hertze möcht erfrewen, sogar hört man ein lieblich gsang, durch alle gwölb durchdrang der Klang.
Sittard, Geschichte der Musik, hier Bd. 1, S. 17.
II. Hofordnung der Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle des Jahres 1575 (→ Hofordnungen)
Feldttrummeter. Wann wir ziehen, soll ehr im felde und sonst auffwarten und sein Ampt treulich vorrichten, jeder Zeit, wann feurlerm oder aufflauff ist, des orts, da wir vorhanden, bey tag und nacht mit seiner wehre und Trommitte eilende an den orth, da der Marschalck oder deßelben bevhelichaber anzutreffen ist, vorfugen und auffwarten, Zu jeder malzeit und rechten stunde, als zehen und funffe, und wann ihme von dem Marschalcke oder seines abwesens deßelben vorwalter angesaget wirdt, abblasen und sonst ohne nothfelle oder des hoffmarschalcks bevhelich keinen lerm weder in felde, Stetten, Dorffern noch bey thage oder nacht blasen bei ernster straff. – Wann wir mit unserm hofflager vorrucken oder sonst in Zugen seindt, soll ihme aus den Emptern oder Stetten ein klepper jeder Zeit vorschaffet werden.
Ruhnke, Beiträge, S. 155, dort zit. nach
Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts,
hier Bd. 1, S. 142.
III.
1. Ein Foliant Authore Johanne Le Febure.
2. Newe unterschiedliche alte Musicalische Werke, darunter 7 gehefft undt 2 Ungebunden.
3. Evlogodia Sionia Michaelis Praetorij in quart.
4. Johann Stadens Partitura in folio.
5. Concerti Ecclesiastici a 8 in groß octav.
6. Wehklag über die Deutschen a 3 gedruckt in quart.
7. Gaudium Christianum Auth. Michael Altenb.
8. Ludovici Viadani Simphonien a 8 geschrieben in folio. 9 Bücher.
9. 5 von weiß Leder gebundene und geschriebene Bücher.
10. Die Passion geschrieben in 2 groß Regal Folianten.
11. Geystliche Concerten 2. & 3. S. Scheidt 4 Bücher in 4to.
12. Geystliche Concerten 2. theil S. Scheidt 4 Bücher in 4to.
13. Geystliche Concerten 4. theil S. Scheidt 7 bücher in 4to.
14. Corollarium Geystl. Collect. Ambr. Profui in 4to 8 Bücher
15. Kernsprüche Johann Rosenmüllers 7 Bücher in folio.
16. Davids Psalmen H. Schützens in folio 13 Bücher.
17. H. Schützens Chor music in folio 7 Bücher.
18. H. Schützens Symphoniae Sacrae in folio 12 partes.
19. H. Schützens Auferstehung in folio 6 Bücher nebenst der großen Partitura.
20. Kyrie H. Schützens in Regal folio.
21. Canticum B. Simeonis Zweymahl Comp. H. S. (H. Schütz)
22. Salmi Concertati di Simon Vesi 11 bücher in quarto undt Roth gebunden.
22. Sacrae laudes Petro Andr. Ziani 8 bücher in 4to undt gelb geb.
24. Sacra corona a 3 voc. Variorum authorum in groß 4to.
25. 8 geschriebene Stükke Römischer Authorum.
26. Johann Rosenmüllers von Venedig aus drey Stükke.
27. 28 Zusammengebundene Kirchen Stükke H. Schützens darunter 2 Lytaneyen a 5 u. a 6.
28. 30 unterschiedliche von Regenspurg erhaltene Stükke.
29. Etzliche zusammengebundene Stükke darunter Herr Gott dich loben wir, Fest- undt Geburtstages auch zur Communion gerichtete Stükke A. D. (Adam Drese)
30. 30 allerhand Deutsche und Lateinische Kirchen Stükke sambt etzlichen Sonaten unterschiedene Author.
31. 9 Madrigalien oder weltliche Stükke H. S. (Schütz) darunter 3 Jägerliedt A. D. (Drese).
32. Valtin Strobels Erster theil seine Melodien 4 bücher in folio.
33. Valtin Strobels ander theil seiner Melodien 4 Bücher in folio.
34. Ein bundt von Französischer Music.
Adam Drese, Capelmeister, den 4. July Ao. 1662,
Staats-Archiv A. 2041, Bl. 117-120,
abgedruckt bei: Aber, Pflege, S. 151.
IV. Musikalisches Inventar des Markgrafen Albrecht und seiner Gemahlin Sophia
Inventar Albrecht (1668):
Etliche musicalische Stuckh in türkisch papir
Ein Tabulaturbuch vnd drey partes 20 Gesänge
französische Carmina in fünff absonderlichen tomis verschiedener Gesangbücher
Inventar Sophia (1651), fol. 20:
Musicalische Hertzens-Zimbeln Polycarpi Burckhardts ann. 1645 / in duplo
verschiedene Gesangbücher und Psalter
Heldengesänge Gustaphi, durch Eraßmum Wiedmann cantorem vnd Organisten zu Rothenburg gemacht.
Dank- und Lobgesang Erasm. Wiedmann Cantoris und Organist zu Rothenburg 1653
Ein alt Reuegesangbüchlein 1531
Trostgärtlein Joh. Deuceri anno 1626
Inventar Albrecht, fol. 175:
An musicalischen Instrumenten:
Ein Clavicymbel ..
ein Tenorposaun ..
ein Quartposaun ..
ein Pommer, drey Krummhorn, fünff flötten
ein Schalmey, ein fagott
ein Instrument, so der ältere Prinz (Johann Friedrich) gebraucht
zwey Violin, eine Tenorgeige, ein hohes Positiv.
fol. 114funff silberne Trompeten
fol. 237nicht eigens spezifizierte Balletkleider
Staatsarchiv Nürnberg: Rep. 103 a III, Nr. 58 (Sophia) und Nr. 61 (Albrecht),
abgedruckt in Schmidt, Musik, S. 50.
V. Kurfürst Friedrich, Bestallungsdekret (→ Dienerbriefe und Dienerbücher) für Johannes von Soest als Sängermeister, Heidelberg, 22. November 1472
Ordnung der Sengern durch unßern gnd. Hrn. begriffen. Item nach dem wir Johannes Sust zu unserm Sengermeister uffgenommen und Ime bevolhen haben dasselbig flißlich zu versehen also bevelhen wir Ime das noch uff solch meynug als nachfolgt.
Item zum ersten bevelhen wir Ime unnser Senngerknaben das er die ziehen und leren woll zu dem besten und geben im macht wo die strefflich wern die zu strafen doch das die straff zymlich als jungen Knaben zugehort geschee. Er sol sie auch dar zu halten das sie zu allen Amptern die in unser Capellen gesungen werden, gegenwertig syn und was da gesungen werden soll, das sie das wol können vor übersungen haben, uff das kein confuse da geschee.
Item es soll auch der genannt unser sengermeister selbs auch die andern Gesellen wer die syn werden personlich by vorgedachten ampten sin und solichs mit vlys und ernst helffen vollbringen durch iren gesang oder wie sich dann zu yglicher zyt das geburt und ob die gesellen einer oder mer sümig oder fareleßig inn solichen amptern zu singen, oder personlich daby zu syn sie wolten, soll Johannes das allein gütlich untersagen und wo sie das nit abstellen wolten, sol er uns soliches firebringen und sich doch mit ine in keyn zweyung oder kriegung geben. deßglichen sie mit Ime, sunder sie zu beyden teyln sollen unns solchs wo es not wurt entscheiden lassen, deßglichen wo der genant Johannes farleßig sin wolt, sollen die andern solichs Ime auch gütlich undersagen und wo er solichs nit myden würd, sollen sie uns solichs auch fürbringen.
Item wann fremd lüt hie syn, oder etwas nüwes zu singen ist, oder so sie an fremden enden singen, sollen sie alle vor zusamen geen was gesungen werden sol, das flyßlich übersingen und welch sich solche widdern wolt sollen die andern solichs im gütlich undersagen.
Item wir gebietten in ernstlich und wollen solichs stracks von in allen gehabt haben, das ob ir eyner zu dem andern eyn unwillen hat das der von stunde abgestelt werd, sunnder sie sollen gut gesellen syn und freuntlich mit eyn leben uff daß unser Capelle dest stetlicher und erlicher besungen werden got zu lob und das wir des auch Ere haben welcher aber solche überfüre und verachten wölt mit worten oder wercken, es were wenig oder viel so wir das erfürn wolten, wir solches ungestrafft nit lassen und uns gegen inen bewysen das sie sehen wir nitt gefallens darob hetten.
Karlsruhe, Generallandesarchiv, Kopialbuch 473, fol. 223.
Wir Friedrich etc. bekennen etc. fur vns den hochgebornen fursten vnsern lieben sone hertzog Philips etc., das wir vnsern lieben getruwen Johannes von Soist sin leptag zu vnserm sengermeister bestellt vnd offgenommen han, also das er vns vnsern leptag lang vnd nach vnserm tode dem egenanten vnsern sone domit flißlich vnd getrulich gwarten soll in der capellen vnd sust, woe im das von vnsernwegen zu iglicher zyt geburen vnd zu tun beuolhen wirt, daran zu sin vnd zu ordnen, das flißlich, orenlich vnd recht gesungen werde, vnd auch vnserm, bescheidt zu iglicher zyt darinn nachzugeen, auch die knaben wir itzunt han vnd hernach han werden mit fliß durch sich selbs zu leren vnd zu vnderwisen, was zu dem gesange noit ist, sunderlich mit contrapuncten vnd anderm getrulich vnd zum besten, vnd vmb solchen dinst sollen vnd wollen wir ime eins iglichen jars sinen leptagen langk virtzig gulden vß unser kammer geben vnd vßrichten laßen, darzu die cost zu hofe geben vnd jars ein hoffcleidt, so wir ander vnser gesinde cleiden, vngeuerlich vnd ime darzu werden lassen das halbteil, was in die sengerey geschenckt wirt, vnd das ander den gesellen. Vnd der genannt Johannes hat vns daroff globt vnd zu den heiligen gesworen vnd holt zu sin, schaden zu waren, frommen vnd bestes zu werben vnd dem, so obgeschriben ist, mit fliß nachzukommen vnd zu halten, getrulich vnd vngeuerlich. Vnd des zu urkunde han wir vnser secret an diesen brieff tun hencken, Datum Heidelberg off sondag nach Elisabeth anno mcccclxxii.
Karlsruhe, Generallandesarchiv, Kopialbuch 814, fol. 142½,
abgedruckt in: Stein, Geschichte, S. 8-9 Anm. 2.
VI. Instruktion Herzog Albrechts für die Münchner Hofkapelle aus dem Jahre 1563
Erstlichen will vnnser Genediger Fürst vnnd herr p.: mit Gned. Ohren hörte, das die Capellenkhnaben die Zeit, weliche ynen vom Diennst vnnd ybersingen ybrig bleibt, wohl anberiten, vnnd neben der Music auch im latein vnnd annderen freyen kunsten wol abgericht, vnnd vnnderwisen wurden, demnach ist vns. Ft. Genaden ernstlicher will, das Ir zuegeordneter Praeceptor in solchen mit den khnaben erlernen vnnd zuhuldigen […] Derowegen soll Er ab Somer- vnnd WünttersZeit morgens zu 8 Uhr in der gewonlichen Schuell-stuben im Capell-hauß verzufüeren, darin biß mann zu dem Diennst geet, vnnd nachessens von Zwölff- bis aus zwey-Uhr beständige verharren, darZue alle sonntag- vnnd annder Feyertäglicher Feßt den khnaben das Euangelium verlesen, vnnd verteutschen, Inen soliche Zeit nit anZuurlauben, seyn auch nit vagiren noch vmbschwaiffen lassn, sonndern seyn beyeinander ob der Lehrgang behallten. Auch sich selbs von dem diennst nach Lehrung ohn vorwissen vnnd bewilligung deß Capellmaisters nit abwesend machen. Innsonnderhait aber da Er sich zu dem diennst, oder auch spazirn in der Grüene, vnnd sonnsten an ehrliche vnzuurdächtiger ohrt zu ainer beguemben Zeit führen würdt, soll Er alleweg bey Inen bleiben vnnd guetter achtung auff Sye haben, damit Inen nichts beschwerlichs widersacher, noch ettwas vnngebührlichs durch Sye gehanndlet werde. Item da der Capellmaister in ainem Ft. gn. diennst, oder auff vrlaubung von hauß sein wurdte, Sollen die khnaben dem Praeceptore in guetter Zucht zuhallten beuelchen sein, Also daß er Disponths deß abwesenden Capellmaisters statt seyner vnnd vertrette […] Alßdann auch Ir. Ft. gnadt […] füerkomben, das die Instrumentisten die khnaben Ire Instrument zu: vnnd vonn dem diennst, oder auch sonnsten an anndren orth zutragen, vnnd dieselben in annder mehr bringe mit hin: vnnd wider schückhen gebrauchen, darauß Großer Vnordnung entsteht, will Ir Ft. gn. sollches gennzlich abgeschafft: vnnd dem Praeceptor solchs hierfüeran kheines Zwinges Zuegestatten noch zuzusprechen befohlichen haben. Item der Praeceptor soll den khnaben die Terzen, so Er inen vorläget, vleißige resummieren, damit Sy eigentlich die begreiffen vnnd darnach in der grammatic wol geübet werden. Vnnd also Er bißhero über die annzal der Capell-khnaben, noch ettlich mer, vnnd frembde füer sich selbs in die schuell, vnnd sein disciplin genomben, daß solchs Inen hierfüran annderß nit, dann mit vorwissen Vnnsres Genedig: fürßtten, vnnd herrn, oder deß Superintendenten Zuegelassen, vnnd in solchem würdt in alleweg achtung zu haben sein, daß solche privat-schuell[er] den Capell-khnaben an Irem studirn nit verhünderlich seyn […] Zu Vrkunndt haben sich Ire Ft. Genaden mit aigener hanndt Vnndterschriben […] München den 3 may A° etc. 1563, Alb[recht] Herzog in Bayrn.
München, Bayerische Staatsbibliothek, Codex germ. 1962:
Obristen Hofmaisters Instruction,
in der Akte »Instruktionen für die bayerischen Hofbeamten 1463-1729«,
fol. 285v bis 287v,
abgedruckt in: Boetticher, Orlando di Lassos Wirkungskreis, S. 72f.
VII. Martin Opitz, Widmung und Vorrede zur Oper ›Dafne‹ (1627)
An den Leser
Günstiger Leser, wie dieses Drama aus dem Italienischen mehrenteils genommen, also ist es gleichfalls auf selbige Art, und heutigem Gebrauche sich zu bequemen, wiewol auch von der Hand weg, geschrieben worden. Welches der Autor zu seiner Entschuldigung setzt, dem sonst nicht unbekannt ist, was die Alten wegen der Trauerspiele und Comoedien zu befehlen pflegen. Die Fabel aber, darvon hier gehandelt wird, ist bekannt: Dasz nämlich Dafne, des Flusses Peneus Tochter, nachdem sie Apollo aus Liebe verfolget, und zu seinem Willen zu bringen vermeinet, die Erde um Hülffe anruft, welche sie zu sich nimmt, und in einen Lorbeerbaum verwandelt.
An die Hoch-Fürstlichen Braut und Bräutigam bei derer Beilager Dafne durch Heinrich Schützen im 1627. Jahre musikalisch auf den Schauplatz gebracht ist worden.
DAFNE. Auff desz Durchlauchtigen Georg, Landgraf zu Hessen
[…] und Sophie Eleonore,
Herzogin zu Sachsen […] Beilager: durch Heinrich Schützen,
Churfürstl. Sächs. Capellmeistern Musicalisch Schawplatz zu bringen,
[…] aus mehren teils eigener erfindung geschrieben von Martin Opitzen.
(In Vorlegung David Müllers, Buchführers in Breslau),
abgedruckt in: Wolff, Dokumente zur Deutschen Oper, S. 163.
VIII. Bestallungsurkunde des Markgrafen Johann Friedrich von Brandenburg für Johann Wolfgang Franck vom 1. Juni 1673 (→ Dienerbriefe und Dienerbücher)
Seine Hochfürstl: Durchl: Vnser gdster Herr. resolviren sich hiemit auff des Cammer Canzellisten Johann Wolfgang Franckens vnderthänigst supplication in gnaden dahin, daß derselbe seiner bey der Fürstl: Cammer dato gehabten vorrichtungen erlaßen: Hingegen die Direction der Hoffmusic vnd Comedien vber sich nehmen; wo vor Ihme neben der freyen wohnung im hiesigen Hoff Caplaney haus annoch 28 fl. addtition zu seiner vorhin gehabten Besoldung aus der Fürstl: Rentey crafft diß, gereicht werden sollen.
Sign., O., den 1ten Junij 1673
JFMzBr Staatsarchiv
Nürnberg, Ansbacher Bestallungen Nr. 348,
abgedruckt in: Schmidt, Musik, S. 51.
C.
Quellen
Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts, hg. von Arthur Kern, 2 Bde., Berlin 1907 (Denkmäler der deutschen Kulturgeschichte. Zweite Abteilung: Ordnungen. Deutsche Hofordnungen, 1-2). – Generallandesarchiv Karlsruhe, Kopialbuch 814, fol. 142½. – JFMzBr: Staatsarchiv Nürnberg, Ansbacher Bestallungen Nr. 348. – München, Bayerische Staatsbibliothek, Codex germ. 1962: Obristen Hof maisters Instruction, in der Akte »Instruktionen für die bayerischen Hofbeamten 1463-1729, fol. 285v bis 287v. – Nicodemus Frischlin, Sieben Bücher, Von der Fürstlichen Würtembergischen Hochzeit, Des […] Fürsten vnd Herrn, Herrn Ludwigen, Hertzogen zu Würtemberg vnd Theck […] mit […] Dorothea Vrsula, geborner Marggräffin von Baden, [et]c.; zu Stutgart, Anno 1575. im Monat Nouember gehalten; sampt allem, so sich darauff verlauffen […], fleissiger, eigentlicher vnd warhaffter Verzeichnus vnd Beschreibung / Erstlich in Latein beschriben, Durch Nicodemum Frischlinum P. L. vnd Professoren zu Tübingen. Jetzund aber von newem auß dem Latein in Teutsch Vers oder Reimen transferirt, Durch Carolum Christophorum Beyerum von Speir, [Tübingen]: Gruppenbach 1578. – Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 103 a III, Nr. 58 (Sophia) und Nr. 61 (Albrecht). – Trento, Museo Provinciale d'Arte im Castello del Buonconsiglio, Ms. 1374-1379 (I-TR 87/92). – Wolff, Helmuth Christian: Dokumente zur Deutschen Oper von 1627 bis 1697, in: Quellentexte zur Konzeption der europäischen Oper im 17. Jahrhundert, hg. von Heinz Becker u. a., Kassel 1981 (Musikwissenschaftliche Arbeiten, 27).
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