HOFORDNUNGEN
A.
Als Hofordnungen gelten »vom jeweiligen Herrn erlassene Bestimmungen, die feststellen, (1) welche Ämter es in seiner Haushaltung gibt, (2) wer sie innehaben soll, (3) mit welchem Gefolge bzw. mit welcher Entlohnung sie zu versehen sind, (4) was zu tun ist und (5) in welcher Form dies zu geschehen hat«. Nicht als Hofordnungen gelten »Anordnungen Außenstehender über den Hof, seien es Herrschaftskonkurrenten, Schiedsrichter oder Stände […] sowie Beschreibungen Dritter«, wobei eine potentielle Einwirkung Letzterer auf das Entstehen von Hofordnungen nicht in Abrede gestellt wird (Paravicini, Europäische Hofordnungen, S. 9). Als teilweise problematisch im Sinne dieser engen Definition erscheinen Grenzfälle, z. B. Hofordnungen regierender Fürsten für die räumlich abgeteilten Nebenhöfe der Herrschaftsnachfolger oder in Verhandlungen mit den Ständen geschaffene Ordnungen. Ein Blick auf die Überlieferung zeigt, daß ein Teil der erhaltenen deutschen Hofordnungen Höfe von Herrschaftsnachfolgern betrifft (Widder, Amberger Hof, S. 275).
In europäischer Perspektive zeigt die Überlieferungschronologie ein West-Ost-Gefälle: Frühe umfassende Regelungen wie in England (Lachaud, Order), Frankreich (Lalou, Ordonnances), Mallorca (Kerscher, Strukturierung) und Burgund (siehe: Hofordnungen der Herzöge von Burgund) fehlen für das deutsche Reich bis zum 15. Jahrhundert fast vollständig. Die bislang bekannten Stücke mehren sich in der zweiten Jahrhunderthälfte (Überblick bei Widder, Hofordnungen), eine breite Überlieferung setzt erst im 16. Jahrhundert ein. Abhängigkeiten deutscher Hofordnungen von west- und südeuropäischen Vorbildern werden vermutet, sind aber bislang weder systematisch noch vergleichend untersucht.
Die deutschen Hofordnungen des Mittelalters sind nach systematischen Editonsversuchen des frühen 20. Jahrhunderts (siehe: Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts) durch das fast zeitgleiche Verschwinden der Höfe als politische und kulturelle Zentren aus dem Blick der Forschung geraten. Erst in jüngerer Zeit haben im Zuge der Arbeiten der Residenzenkommission an der Göttinger Akademie der Wissenschaften Bemühungen eingesetzt, Überlieferung, Norm und Praxis dieser Texte vergleichend zu untersuchen (siehe: Höfe und Hofordnungen). Eine systematische Sammlung und Erschließung aller bekannten Stücke aus dem mittelalterlichen römisch-deutschen Reich steht noch aus. Die bislang bekannten Texte betreffen nahezu ausschließlich Fürstenhöfe bzw. deren Nebenhöfe und sind durchweg volkssprachlich. Eine bestimmte Überlieferungsform ist – abgesehen davon, daß sie ausnahmslos archivalisch überliefert sind – nicht feststellbar. Für einzelne Höfe ist allerdings durchaus eine modifizierte Fortschreibung der Ordnungen nachweisbar (vgl. z. B.: Die Hofordnungen der Herzöge von Burgund; ferner frühneuzeitliche Beispiele bei: Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts). Aufgrund des Fehlens vergleichender Untersuchungen sind Aussagen über Textabhängigkeiten zwischen verschiedenen Höfen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Es lassen sich keine Pauschalantworten dafür finden, welchen Aufgaben Hofordnungen dienten und ob bzw. inwieweit sie Normen setzten bzw. Normalität reflektieren. Es wäre zu undifferenziert, sie lediglich als Belege für eine in der höfischen Gesellschaft rasch fortschreitende Sozialdisziplinierung aufzufassen, obwohl in ihnen fast immer die Disziplinargewalt einzelner Hofämter, besonders die des Marschalls, geregelt wird. Stattdessen wäre zu untersuchen, ob in der ihm obliegenden Exekution des »Hofrechtes« ein Entstehungsursprung von Hofordnungen im Rahmen eines spätmittelalterlichen Verschriftlichungsprozesses liegt (Widder, Hofordnungen im Niedersächsischen Reichskreis, S. 481f.). Daneben finden sich fast immer Verfügungen über die dem Hofpersonal zustehenden Leistungen an Geld und Naturalien. In diesem Zusammenhang wurden Hofordnungen auch als »verkappte Sparsamkeitserlasse« (Schubert, Steuer, S. 8f., siehe aber auch Ewert, Hilsenitz, Finanzdokument). bezeichnet, veranlaßt durch ständischen Druck oder bestimmte Umstände, die dazu zwangen, die fürstliche Hofhaltung einzuschränken und zu kontrollieren. Leistungsfestschreibungen dienten aber nicht nur der Kostendämpfung, sondern auch der Rechtssicherheit des Hofpersonals. Es überrascht daher kaum, wenn sich innerhalb oder im Umkreis von Hofordnungen Personalverzeichnisse (meist mit weiteren Angaben wie die Zahl der zu beköstigenden Diener oder Pferde), ferner eigene Kost- und Gagenlisten (Kruse, Hof, Amt und Gagen) sowie Futterzettel (→ Küchen- und Speisezettel [Küchenbücher, Küchenregister]/Futterzettel) finden.
Ihre Entstehung verdankten die einzelnen Hofordnungen meist spezifischen Umständen. Dies konnten Herrschaftsteilungen, Vormundschaftsregimente, akute Finanznot und damit einhergehender Druck seitens der Landstände sowie die Einrichtung eines abgeteilten Nebenhofes des designierten Herrschaftsnachfolgers sein. Anachronistisch wirkt dagegen die dem Denken des 19. Jahrhunderts verhaftete Annahme, aus Hofordnungen lasse sich ein »Organigramm« des Hofes mit Spiegelung einer frühen Behördenstruktur und entsprechendem Instanzenzug erschließen. Gerade die in vielen Hofordnungen stereotypen Regelungen und Nennungen einzelner Chargen lassen viel eher vermuten, daß ihnen mit der Abbildung eines Hofes ein hoher Symbolwert eigen war. Mit einer Hofordnung konnte Standesqualität demonstriert bzw. dokumentiert werden; dies konnte für den Königs- bzw. Kaiserhof im Kontext der europäischen Königshöfe ebenso gelten, wie für vom Verlust der fürstlichen Standesqualität bedrohte dynastische Seitenlinien und aufstiegsorientierte Herrschaften. Hofordnungen waren damit ein Element symbolischer Selbstdarstellung wie Leistungsbehauptung, verschriftlichten Leitideen, festigten soziale Zusammenhänge und schufen somit eine eigene Ebene der Kohärenz (Widder, Hofordnungen im Niedersächsischen Reichskreis, S. 480f.).
Im 16. Jahrhundert nimmt die Dichte der überlieferten Ordnungen stark zu (siehe: Deutsche Hofordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts; Höfe und Hofordnungen). Gleichzeitig ist eine Ausdifferenzierung der Textgattung zu beobachten: Neben die mit der Organisation des alltäglichen Lebens und Arbeitens am Hof, d. h. den mit der fürstlichen Haushaltung im engeren Sinne befaßten Ordnungen, treten seit Beginn des 16. Jahrhunderts verstärkt eigenständige Hofrats- und Kanzleiordnungen. Die Klassifizierung der Texte bleibt jedoch weiterhin eine moderne, da in den meisten Fällen eine zeitgenössische Überschrift oder Benennung der Quellen fehlt.
Während die allgemeinen Hofordnungen vor allem den Hof als Sozialsystem, dessen Disziplinierung und wirtschaftliche Organisation und zum Gegenstand haben, nehmen die Hofratsordnungen ein Stück weit die Herrschaftsausübung selbst in den Blick. Indem sie Sitzungs- und Sprechzeiten des fürstlichen Rates sowie dessen Verhalten in Abwesenheit des Herrn regeln, tragen sie wesentlich zur Konstituierung und organisatorischen Verfestigung dieses Gremiums bei. Demgegenüber befassen sich die Kanzleiordnungen mit dem Aufbau der fürstlichen Verwaltung indem sie die täglichen Arbeitsabläufe regulieren, Weisungsbefugnisse klären und das Verhalten in bestimmten Situationen vorschreiben. Die Grenze zwischen Hofordnungen und verschriftlichten Eiden der einzelnen Amtsträger bleibt jedoch fließend, oft sind die Eidesformeln in die Ordnungen inseriert (z. B. Neudegger, Kanzlei-, Raths- und Gerichtsordnung) (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung).
Im Rahmen der Konfessionalisierung gewann die Regulierung der Tagesabläufe bei Hofe noch eine zusätzliche Bedeutung, da eine Hofordnung aufgrund der von ihr getroffenen Regelungen zum Gottesdienst einen der formalen Akte bei der Einführung der Reformation bzw. der Gegenreformation in der jeweiligen Herrschaft darstellen konnte (Widder, Hofordnungen im Niedersächsischen Reichskreis, S.470, 489-491).
B.
Die Hofordnung für den kurpfälzischen Nebenhof in Amberg 1474
Die Ordnung liegt im Geheimen Hausarchiv zu München unter der Signatur »Korrespondenzakt Nr. 959« als Teil eines zusammengehefteten und mit einem Pergamentdeckel versehenen Konvolutes verschiedener Schriftstücke. Diese betreffen die Ehe zwischen dem kurpfälzischen Erbprinzen Philipp »dem Aufrichtigen« (1448-1508) und Margarethe (1456-1501), einer Tochter Herzog Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut, und ihr im Februar des Jahres 1474 abgehaltenes Beilager in der oberpfälzischen Stadt Amberg. Der Band wurde nicht erst im Zuge neuerer archivarischer Ordnungsarbeiten zusammengestellt, da der Pergamentumschlag der ansonsten aus Papier bestehenden Handschrift mit zeitgenössischer Schrift den Titel aufweist: Myns gnedige herrn hertzog Philips heyradsbrief etc. vnd ordenunge. Darunter findet sich die hier vorgestellte älteste kurpfälzische Hofordnung. Sie trägt keinen Titel, wohl aber im Text eine Art Selbstbezeichnung, wenn der regierende Kurfürst in einer inserierten Urkunde von all ordnu(n)g spricht, die er vns(er)m sone geben han vnd geben werden zu anschickunge siner person, sines hoffs vnd siner ampt. Aus dem Überlieferungszusammenhang geht hervor, daß der Hofordnung Vorverhandlungen zwischen Prinz und herzoglichen Räten vorausgegangen waren (Widder, Der Amberger Hof, S. 292f. mit Anm. 132).
Die Ordnung betrifft den Hof des kurpfälzischen Herrschaftsnachfolgers Philipp. Ihm wurde nach seiner Vermählung ein abgeteilter Nebenhof im oberpfälzischen Amberg eingerichtet. Dieser lag räumlich weit entfernt von dem seines Onkels und Stiefvaters Friedrich I. (gest. 1476), der vornehmlich in Heidelberg residierte. Die Hofordnung von 1474 konstituierte einen funktionsfähigen und standesgemäßen Hof, dessen Selbstständigkeit jedoch eingeschränkt blieb zugunsten Friedrichs I. In der Hofordnung begegnen neben der bereits angesprochenen Kontrolle und Regulierung eines erwachsenen Herrschaftsnachfolgers und seines Hofes auch die Elemente Kostenkontrolle und –reduktion.
Die Amberger Hofordnung von 1474 spiegelt keineswegs den gesamten Hof wider. In der Reihenfolge des Textes werden in eigenen Abschnitten behandelt: 1) Marschall; 2) Räte, die ein Amt ›zu Hofe' haben; 3) Kanzleisekretär (mit Unterschreiber); 4) Kammer- und 5) Haushofmeister (in Personalunion, aber mit separat ausgewiesenen Aufgaben- und Kompetenzbereichen); 6) Frauenhof- und Frauenkammermeister (in Personalunion, aber ohne separat ausgewiesene Aufgaben- und Kompetenzbereiche); 7) Frauenhofmeisterin; 8) Gesellen, die »nicht Rat sind und ein Amt haben«, sowie 9) Frauendiener.
Die Ordnung regulierte vornehmlich das adelige Hofpersonal und verfolgte primär das Ziel, Philipps und Margarethes adeliges Hof- und Verwaltungspersonal auf Loyalität gegenüber dem herrschenden Kurfürsten einzuschwören. Die einzige Ausnahme von diesem adeligen Adressantenkreis bildete die Kanzlei, der – wie in den protokollarischen Anweisungen der Ordnung zum Ausdruck kommt – im Gegensatz zu den übrigen Chargen adliges Personal fehlte. Aus dem Inhalt des Abschnittes geht hervor, daß die Kanzlei neben der von ihr abgetrennten Finanzverwaltung die sensiblen Bereiche des Hofes bildeten und daher ebenfalls sorgfältig kontrolliert werden sollten. Mit den Regelungen zur Kanzlei tritt uns die früheste, für die Kurpfalz überlieferte Kanzleiordnung entgegen.
Die neun angesprochenen Einzelkapitel sind jeweils mit Überschriften versehen. Das erste mit dem Titel Wie der marschalck bestelt ist vnd er globt vnd gesworn hat in si(mi)li forma der hoffmeister mutat(is) mutandis ist die Kopie der Bestallungsurkunde (→ Dienerbriefe und Dienerbücher) des Erkinger von Rotenstein zu des hochgebornen fursten vnsers lieben sons hertzog Philips pffaltzgrauen bij Rine (et)c. marschalcke. Ihr Aussteller ist nicht Philipp, sondern der regierende Kurfürst Pfalzgraf Friedrich I. bei Rhein. In indirekter Rede finden sich Angaben über den Inhalt des Eides, den der Marschall bezeichnenderweise Friedrich über sein Amt geleistet hatte (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung). Es folgen Ausführungen über seine Aufgaben, seine Kompetenzen sowie seine Besoldung und Versorgung bei Hofe. Es ist zu beachten, daß in der Urkunde keineswegs das gesamte Aufgabenspektrum des Marschallamtes umrissen oder definiert wird. Stattdessen heißt es lapidar: Item er soll auch sinen zettel, der das marschalck ampt in sunderheit berurt, der ime vß vnserm ampt regist(er) verzeichent geben werden soll, ernstlich vnd vesticlich nachkomen, den halten vnd hanthaben(n), wie wir ime den jetz vbergeben oder hinfůr beßern, mynnern oder meren werden nach gelegenheit vnd vns(er)m gefallen alles ongeüerde. Die konkrete Amtsführung regelte offenbar ein anderes Schriftstück, das im Text als Zettel bezeichnet wird.
Aus einer Bemerkung innerhalb der ersten Überschrift geht hervor, daß auch dem Hofmeister eine analoge Bestallungsurkunde ausgestellt werden sollte bzw. worden war. Diese Hinweise auf schriftliche Bestallungen begegnen bei den übrigen Hofchargen nicht mehr und dürften auf die Bedeutung des Marschalls und Hofmeisters im Rahmen des Systems »Hof« hinweisen (→ Dienerbriefe und Dienerbücher).
Das zweite Kapitel ist wie die meisten übrigen formal anders aufgebaut. Hier sind es nicht mehr Abschriften von Bestallungsurkunden (→ Dienerbriefe und Dienerbücher), sondern die in indirekter Rede paraphrasierten Eide (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung), die die einzelnen genannten Chargen bei Amtsbeginn bezeichnenderweise wieder dem regierenden Fürsten Friedrich dem Siegreichen zu leisten hatten. Gleichzeitig wurden damit die jeweiligen Aufgaben- und Verhaltensanforderungen umschrieben oder es wurde darüber hinaus wieder einmal auf sonstige schriftliche Vereinbarungen verwiesen.
Das zweite Kapitel handelt vom Eid der »Räte die ein Hofamt bekleiden« (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung). Ähnlich verhält es sich daran anschließend im Falle des Kammermeister- und Haushofmeisters sowie dem des Frauenhof- und Frauenkammermeisters. Hof- und Kammermeisteramt des Prinzen wie seiner Gemahlin wurden jeweils von einer Person in Personalunion bekleidet. Auch die Frauenhofmeisterin, die »Gesellen, die nicht Rat sind und Amt haben« sowie die Frauendiener hatten jeweils einen mit konkreten Handlungsanweisungen und Inhalten versehenen Amtseid zu leisten. In Form von Nachträgen wurde nur vermerkt, wer zu welchem Termin den entsprechenden Eid geleistet hatte (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung). Als einzige Ausnahme können die Bestimmungen des Kapitels zur Kanzlei gewertet werden, wo ein Hinweis auf den Amtseid des (nichtadeligen) Sekretärs fehlt. Die meisten Abschnitte enden mit Angaben über die Höhe der Besoldung und der sonst vom Hofe aufzubringenden Leistungen.
Die einzelnen Eidesleistungen (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung) erfolgten nicht alle zum selben Zeitpunkt, doch verzeichnen die zeitgenössischen Nachträge detailliert die jeweiligen Termine. Sieht man einmal von der auf den 1. Januar 1474 datierten Urkunde für den Marschall Erkinger von Rotenstein ab, der ein Eid (→ Feste zu besonderen Anlässen – Eid und Huldigung) desselben vorausgegangen war, dann datieren die der Sonstgenannten auf die Zeit zwischen dem 22. und 28. Februar, dem 1. März sowie dem 26. Juni 1474.
Zur Gültigkeitsdauer lassen sich nur indirekte Aussagen machen. Über den 26. Juni 1474 hinausgehende Nachträge und Gebrauchsspuren fehlen in der Handschrift. Möglicherweise deshalb, da ihr vornehmlicher Zweck, die Kontrolle des Jüngeren durch das »Familienoberhaupt«, in dieser Form nicht aufrechtzuerhalten war. Ein weiterer Grund für die kurze Geltungsdauer der Ordnung bildeten sehr wahrscheinlich die politischen Zeitumstände, die eine derart umfassende Kontrolle Philipps nicht mehr zuließen. Die Schwächung der ohnehin schwierigen reichspolitischen Lage Friedrichs des Siegreichen seit der Bannung durch Kaiser Friedrich III. auf dem Reichstag zu Augsburg Ende Mai 1474 sowie die demonstrative Bevorzugung Philipps durch den Kaiser auf der Landshuter Hochzeit (→ Feste im Lebenslauf – Hochzeit) im Jahr darauf dürften neben der angeschlagenen Gesundheit des Pfälzer Kurfürsten dafür verantwortlich gewesen sein, daß die Hofordnung, die nicht nur die höfischen Amtsträger, sondern auch den Erbprinzen selbst unter der Kontrolle des Älteren halten sollte, nicht lange in Gebrauch blieb.
Handschriftenbeschreibung: Papier-Orig. [?], zeitgenöss. Gebrauchshandschrift, als separate Papier-Lage eingebunden in eine zeitgenössische Sammelhandschrift mit dem Titel: Myns gnedige herrn hertzog Philips heyradsbrief etc. vnd ordenunge. München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Geheimes Hausarchiv, Korrespondenzakt 959, unfoliiert [= Lage 4, fol. 1r-10v]; Druck: Widder, Der Amberger Hof, S. 296-305.
Bemerkungen zur Edition: Um die beiden Textschichten (Hofordnung – Notizen von einer anderen Hand über die vorgenommenen Vereidigungen) voneinander abzuheben, gleichzeitig aber ihren funktionalen Zusammenhang deutlich werden zu lassen, wurde im Haupttext für die späteren Notizen eine andere Drucktype (nicht kursiv) gewählt. Kürzungen im Text wurden aufgelöst, diese aber der Kenntlichkeit halber in runde Klammern gesetzt. Auf die Angabe der Zeilenenden wurde verzichtet. Die Interpunktion ist zum größten Teil modern. Sie wurde ausschließlich im Hinblick auf eine bessere Verständlichkeit des Inhaltes vorgenommen und blieb daher auf das Nötigste beschränkt. Um die Darstellung nicht unnötig kompliziert werden zu lassen, wurde auf einen doppelten Anmerkungsapparat für textkritische und allgemeine Bemerkungen verzichtet (siehe dazu die Edition von Widder, Der Amberger Hof, S. 296-305).
[Lage 4, fol. 1r:]
Wie der marschalck bestelt ist vnd er globt vnd gesworn hat
in si(mi)li forma der hoffmeister mutat(is) mutandis
Wir Friederich vonn gotts gnaden pffaltzgraue bij Rine, hertzog inn Beyern, des heiligen romischen richs ertzdruchses vnd curfurste, bekennen, das wir vnsern lieben getruwen Erckinger von Rotenstein zu des hochgebornen fursten vnsers lieben sons hertzog Philips pffaltzgrauen bij Rine (et)c. marschalcke vffgenomen vnd bestalt haben.
Vnd er hat vns daruff globt vnd zu den heiligen gesworn, vns vnsern lebtagen gantz vß vnd solange er vnsers sons marschalck blibt als eynem pffaltzgraue(n) bii Rine, des heiligen romische(n) richs ertzdruchses vnd curfursten vnd rechtem regirendem heubt der Pffaltz getruw vnd holt zusin, vnsern schaden zu warnen, vnsern from(m)en vnd bestes getruwlich zu werben vnd besunder nach allen sinen synnen und besten vermogen verhuten vnd darfur sin, das zussen vns vnd vnserm sone nit irrunge, vnwille noch widderspann entstee, noch ycht darzuGestrichen: diene(n). reytzen, dienen oder erwassen mag. Vnd ob er von iemant ein solichs verstunde, der damit vmb ginge wer der were nyema(n)t vßgenome(n), das er mit fliß darfur sy vnd solichs zustunt an vns langen lassen wolle, vnsern bescheit dauon entpfaen vnd sich deshalten.
Und sost in allen andern sache(n), die nit widder vns vnd vnser furstenthum vnd der verschribunge zuschen vns vnd vnserm lieben sone sint, soll er als eyn marschalck vnsers lieben sons sinem marschalck ampt getruwelich vor sin, demselben vnserm sone getruwe vnd holt sin, sinen schaden warnen, from(m)en und bestes getruwelich werben, vns vnd vnserm sone nach sinem besten verstentnis raten, dienen vnd gewarte(n) vnd vnsern rat vnd heymlikeit ewigklich verswigen.
Item er soll auch zum fried vnd gerechtikeit geneigt sin, vns(er)n sone als e(ine)m angenden fursten vnderwisen alles, das sich zu synem furstlichen stat, sinen eren vnd nutz vnd zu frieden vnd gemach sinen landen vnd luten geheischt, vnd das er all ordnu(n)g, wir vns(er)m [fol. 1v:] sone geben han vnd geben werden zu anschickunge siner person, sines hoffs vnd siner ampt, getruwlich wolle helffen hanthaben, das den nachkome(n) werd, souil ime das vermogelich ist vngeuerlich. Vnd wo er das durch sich selbs vnd vnsern sone nit hanthaben mochte, soll er an vns langen lassen, vnsern rat vnd bescheit entpfaen vnd dem folge thun; er soll auch ein vffmercken han, womit solichs zubessern were, das er vns vnd auch vnsern sone des vnderricht, das es auch zum besten angeschickt werde.
Item er soll auch kein schencke, gabe, myet od(er) mitwane von sins ampts wegen nemen von iema(n)t, der fur vns oder vnserm sone zu handeln hette oder versehenlich zutun gewynne(n) mochte, vnd sunderlich von allen den, die in vnser furstenthum gehören vnd darzu gewant sin in keyne(n) weg, es were dan, das ime der wyne in stetten oder sost ein maß wyns oder zwo vnd deßglich(en) geschanckt wurde, mag er neme(n) vnd nit darüber.
Item er soll auch sinen zettel, der das marschalck ampt in sunderheit berurt, der ime vß vnserm ampt regist(er) verzeichent geben werden soll, ernstlich vnd vesticlich nachkomen, den halten vnd hanthaben(n), wie wir ime den jetz vbergeben oder hinfůr beßern, mynnern oder meren werden nach gelegenheit vnd vns(er)m gefallen alles ongeüerde.
Vnd vmb solichen sinen dinst soll er jars haben vnd ime vß der cam(m)er vnsers sons werden vnd gefalle(n) lxxx gulden zu sold vor pferd vnd sich rustig zu halten vnd mit iiii pferden vnd person, cost vnd futeronge vom hoff han solange er marschalck ist vnd sin jar vnd sold angeen vff den sondag Esto michi schirstfolgend alles vngeuerlich.
Des zu vrkunde haben wir vnser secret an diesen brieff thun hencken. Datum Heydelberg vff den heiligen jarstag anno d(omi)ni m°cccc°lxxq(ua)rto.Heidelberg, 1474 Januar 1.
[fol. 2r:]
Diesen eyd thün die rette, so ampt haben zü hoff
Er soll globen vnd sweren vnserm gnedige(n) h(e)rn hertzog Friederich pffalzgrauen bij Rine vnd curfursten sine(r) leptage vnd solange er amptma(n) blibt als eynem rechten regierenden heubt der Pffaltz getruw vnd holt zusin, schaden zuwarne(n), fro(m)men vnd bestes getruwlich zuwerben vnd besunder nach allen sinen synne(n) vnd best(en) v(er)moge(n) verhuten vnd dafur sin, das zussen dem selben vnserm gnedigen h(e)rn pffaltzgraue Friederiche(n) vnd vnserm gnedigen h(e)rn siner gnad(en) sone hertzog Philips nit irrunge, vnwille noch widderspanne entstee noch icht das darzu reytzen, diene(n) oder erwasse(n) möge. Vnd obe er von iemant ein solichs verstunde, der damit vmbginge wer der were nyemant vßgenome(n), das er mit fliß darfur sy soviel yme v(er)moglich ist vnd solichs zustunt an vnsern h(e)rn pffaltzgraue(n) Friederich(en) langen lassen wolle, sin bescheit von ime entpfahen vnd sich des halten.
Vnd sost in allen andern sachen, die nit widder sin(er) gnaden vatter, sin furstenthum vnd verschribunge zussen ir beider sint, soll er als ein amptma(n) vnd diener des ampts sine(r) ampt vnd dinst getruwlich vorsin, demselb(en) vns(er)n gnedig(en) h(e)rn hertzog Philips getruw vnd holt sin, sine(n) schaden warnen, sinen from(m)e(n) vnd bestes getruwlich werben vnd ir igkliche(n) nach siner best(en) verstentnis raten, diene(n) vnd gewarte(n) vnd iren rat vnd heymlikeit ewiclich verswigen.
Item er soll auch zum frid vnd gerechtikeit geneigt sin, vnsern gnedigen h(e)rn hertzog Philips als ein angende(n) fursten vnderwisen alles, das sich zu sinem furstenthu(m), state, sine(n) eren vnd nutz vnd zu frieden und gemach sine(r) landen vnd luten geheischt vnd das er all ordnu(n)g vnser gnedig(er) h(e)r pffaltzgraue Friederich sine(m) eigen sone geben hat vnd geben wirdet zu anschikunge siner person, sins hoffs vnd siner ampt getruwlich wolle helffen hanthaben, das den nachkome(n) werd, sovil ime des vermugklich ist vngeu(er)lich. Vnd wo er das durch sich selbs vnd auch vns(er)n gnedig(en) h(e)rn hertzog Philipsen nit hanthaben mocht, das soll er an den benant(en) vns(er)n gned(igen) h(e)rn pffaltzgraue Friedrich(en) [fol. 2v:] langen lassen, siner gnaden rat vnd bescheit empfahe(n) vnd dem folg thun. Er soll auch ein vffmercken han, womit ein igklichs zubessern w(er)e, das er beiden obg(enannten) furst(en) des vnderricht, das es auch zum best(en) angeschickt werde.
Item er soll keyn schencke, gabe, myet od(er) mitwane von sins amptes wegen neme(n) von iemant, der fur beiden vnsern gnedig(en) h(e)rn oder ir eyn(en) besund(er) zu handeln hette oder versehenlich zuthun gewyn(n)e(n) mochte vnd in sunderheit von allen den, die in das furstenthum der Pffaltz gehore(n) vnd darzu gewant sin in keyn weg. Doch obe yme der win in stetten oder sust ein maß wins oder zwo oderdeßglich mag er geschenckt neme(n) vnd darvber nit.
Item das er auch sinen amptbrieff oder zettel sin amt berore(n) ernstlich vnd vesticlich nachkomme(n), den hanthaben vnd halten wolle, wie ime der jetz vbergeben wirt von vnsers gnedig(en) h(e)rn pffaltzgr(auen) Friedrichs oder hertzog Philips wegen vnd wie ir gnad(en) den hinfur bessern, myn(n)ern oder meren werd(en) nach gelegenheit vnd irer gnad(en) gefalle(n) alles ongeu(er)de.
Vnd vmb soliche(n) sinen dinst vnd sich selb geritten zu halte(n) fur beslegs, hauw, stro, herberge vnd deßglich(en) soll ime jars zu sold werden […]Hinter werden Rest der Zeile (ca. 5 cm) frei; vermutlich war hier der Nachtrag der entsprechenden Soldsumme geplant. Der Text fährt mit einer neuen Zeile fort. vnd futer, cost vnd kleit fur sich vnd sin knecht zu hoff han.
[fol. 3r:]
Cantzly antreffen Johannes secreta(r)i(us)
Item er soll im slos oder wo myne gnedig(e)n herr(e)n gefellt cantzly halten vnd teglichs zu rechten zijten darinn gen vnd warten vnd was von sendebrieffen, clagezetteln vnd anderm an vns(er)n gnedigen h(e)rn stett, soll er lesen, die an myne(n) gnedigen h(e)rn, sin hoffmeist(er) vnd rette bringen, an die vßrichtunge einßiclich mane(n), daruber rat zuhan, vnd wie man beslußt, daruff antwurt zugeben vnd vßrichtunge zuthun, das soll er begriffen vnd horen lassen, das der bescheit vnd rat nit geandert werde, vnd sich flißen in hangenden sachen, das er die ersten schrifften behalt, vnd alwege zuuor ansehe, das nit eyns widder das ander vßgee.
It(em) was brieffe in vnsers gnedigen h(e)rn hant steen, soll er nit vffen, sunder sinen gnaden zuuor antwerten selbs vff zubrechen.
Item er soll ein secret han vnd das beware(n) vnd nicht damit versiegeln, er habe es dan vberlesen vnd wisse, das es recht stehe.
Item er soll den armen als den ruchen gutlich v(er)horen vnd glich vnd gemeyn sich halten vnd zur gerechtikeit geneygt sin, als er gott darumb antworten soll.
Item er soll sich keyns hadders vnderwinden, an sich zu keuffen teil oder gemeyn daran zuhaben, die vor vns(er)m gnedigen h(e)rn oder durch sin furderniß soll ußgetrage(n) werden.
Item er soll den luten, die brieffe uß der cantzely neme(n), es sy vrtel, furdernis, entscheit oder anders, das gelt der cantzly pflicht zugeben, nit hart sin vnd die lut by eym zemlichen bliben lassen vnd nit vberschetze(n). Vnd das in die cantzly gefelt, [soll] er die zweytel vnd Jacob den dritteil haben.
Item er soll vrtel, entscheit, schuldbrieff, kauffbriefe, lehenbriefe, ordenu(n)ge vnd anders, das hantfesten heißen, registreren vnd die register wol beware(n), nit eyn(en) [fol. 3v:] igklichen daruber lassen vnd auch in der cantzly nyma(n)t lyden dan mynen gnedigen h(e)rn, sinen hoffmeister vnd die sinesine durch Streichung von n verbessert aus sinen. gnade darin bescheit vnd darin gehoren, auch nyema(n)t abeschrifft geben eyncher briefe oder schrifften one iren bescheit.
Item was mit dem grossen siegel versiegelt wirt, das vnser gnediger herre hertzog Philips in gewalt hat, das sol eigentlich von wort zuworte registriert vnd der tag, wan es versiegelt wirt, vffgezeichent werden.
Item alle verschribonge als lehenbriefe, lantgeriechts oder hoffgeriechts vrtel brieffe sollen vßgeen von wegen vnsers gnedige(n) h(e)rn pffaltzgraue(n) Friederichs als pffaltzgrauen vnd curfursten wie dan bißher die ußgangen sint.
Item was ine duchte, myns gnedig(e)n h(e)rn nutz vnd fro(m)men(n) sin, soll er alwege anbringen vnd soll auch sunderlich mit gelt, das myne h(e)rn zustett in(-) oder vßzugeben(n), nit zuthun han, sunder das an eyne(n) ca(m)mermeist(er) wisen inzuneme(n).
Item vber sin cantzlyfelle sollen ime werden jars vß vnsers gnedigen h(e)rn ca(m)mer xv guld(en), ein kleit, so man ander hoffgesinde cleydet, kost zu hoffe vnd zu eynem pferde futer geben an der rören vnd eynen knaben soll man kost geben, den er bestelt, der ime sins pferts wart, den soll er selbs cleyden vnd verlonen(n).
Item Jacob vnderschriber soll auch den gemeyne(n) eydt sweren vnd darzu das er flißig vnd dem secretarien(n) truwlich wolle beholffen sin in my(n)s gnedig(en) herr(e)n sach vnd sin(er) gnad(en) nüttz, das er auch dem secretarie(n) von vns(er)s gnedigen h(e)rn wegen wolle gehorsam sin, eins igklichen bescheits wes dan eynem fro(m)men schrib(er) zustett, vnd das er vns(er)s gnedige(n) h(e)rn heymlichkeit wie er die erfert in ratt, in schrifften oder lesen v(er)swige vnd nyema(n)tDahinter gestrichen lebe. vffenbare dwile er lebt. Auch nyema(n)t abeschriffte vß registern oder andern schrifften gebe sunder bescheit vnsers gnedig(en) h(e)rn, des hoffmeisters [fol. 4:] oder secretarien vnd sich herin halt(e)n als ein getruw(er) schriber gein sinem h(e)rn schuldig und pflichtig ist.
Vnd sin lone soll sin zehen gulden vnd an der cantzly fell soll er han den drittenteil, ein kleit, so man ander hoffgesinde cleydet, kost vom hoffe vnd futer vff ein pfert an der rören.
fDes kamermeisters vnd hußhoffmeist(er)s bescheitVon gleicher Hand mit Kapitelzeichen in leicht vergrößerter Schrift als Überschrift zwischen den Zeilen nachgetragen.
Item Casper Eschenbek soll vff die glubde vnd eyde, er darumb getan hat, das kamm(er)meist(er) vnd hußhoffmeist(er) ampt getruwlich vßriecht(e)n, dem fursin vnd nachgeen als nachfolgt.
Item er soll als ein kamm(er)meist(er) alle rente vnd nutze, die in vnsers gnedig(e)n h(e)rn hertzog Philips kamer gehore(n) es sy von den ampten zu Bey(er)n vnd auch das von vns(er)m gned(igen) h(e)rn pffaltzgraue Friedrich(e)n jars heruff gesant vnd geordent wirdet, emphaen, bewaren vnd versorgen vnd obe er die vor nit hette, ein gute sicher beheltenis machen lassen, da das sicher lige vnd das widderumb mit vernonfften vnd meßiclich von bescheit vnsers gnedigen h(e)rn hertzog Philips vßgeben vnd ermessen, sovil an ime ist, das der state vnd nutzo(n)g eyns das ander von iare zu jare erreich(e)n vnd ertrag(en) moge vnd alls vnnutzlich vßgeben v(er)mit(t)en blib, wo er des abesin mag.
Item er soll nyema(n)t dinstgelt geben od(er) ander schuld, pferd oder schaden vßriechten one heyß zettel vnd von den, die die bezalunge entphaen, qvoytantzen nemen, die vnser gnedig(er) herr(e) hertzog Philips zeichen wirdet mit siner hant.
It(em) er soll golt vor golt vnd gelt fur gelt inneme(n) vnd ußgeben vnd obe er zuzyten des vberschußs an gold genyeßen mochte, der nutze soll vns(er)m gned(igen) h(e)rn zugeen(n).
It(em) er soll alles das silber geschirr, vffsleg, kostlich cleydonge, costlich vmbhenge vnd beitegewant, wurck duch, ruck duch, stulduch, banckpfulben(n) vnd anders, das man in eren vnd zur herlichkeit halten soll, in siner beware haben vnd nyema(n)t damit vmb zugeen zu hilff neme(n) dan die gesworne kam(m)er(-) vnd silberknecht vnd ine beducht darzu nottorftig sin vnd was ime der jetz ingeantwort wirdet, [fol. 4v:] des soll er swen kerffzettel han, vnserm gnedig(e)n h(e)rn oder sinem secretarien in die cantzly eynen geben vnd er den andern behalten. Vnd obe icht daran zubreche, soll er bessern vnd nit vergeen lassen, er soll auch vnderschidlich wissen, was myne h(e)rn vnd was myn(er) frauwen zustett.
Item er soll zu igklichen zijten des noit ist bescheiden, kertzen zu machen vnd das c(on)fect vnd was zur kamer gehort, daran sin, das es bewardt werd vnd nach nutz vnd rettlich vßgeben, den ihenen es zustett vnd die kamer nit zu gemeyn gemacht werde.
Item wes er eynem kuchenschrib(er) oder and(e)rm an gelde gibt furbas zuu(er)rechen, des soll er mit ime alle male kerffzettel machen, er eyne(n) behalt(en) vnd dem er das gelt gibt, den andern lassen vnd so das ußgeben ist, so soll er des kuchenschribers rechenu(n)ge alwege verhore(n) inbysin vnsers gnedig(en) h(e)rn hoffmeist(er) vnd wen er dazu bescheit.
Item vnsers gnedigen h(e)rn kamerknecht solle(n) ime sins bescheits souil die silber kamer vnd das silber warseck, kleidonge vnd anders zubeware(n) vnd vber lant zufore(n) vnd anders berurt, gehorsam sin.
Item er soll ein gemeyn(er) rechenu(n)ge verhorer sin aller ander vnsers gnedig(e)n h(e)ren hertzog Philips vnder amtlut(en), die sin gnaden zuu(er)rechen han, doch mit den ihenen, die ime an der rechenonge von vnserm gnedig(en) h(e)rn yderzijt zugeben werden vnd welich amptlute schuldig bliben, soll er daran sin die schuld von stunt inbracht werde.
Item er soll auch in den rechenu(n)gen vffmerken han vnd wo die inredde bedurffen ernstlich inredde thun vnd was invnordenong(en) bißher hingang(en) were nu furbas abeschaffen vnd wo abezubrechen vnd mit mynderm costen die ampte zubestelle(n) weren, soll er mit rate vnsers gnedig(en) h(e)rn vnd des hoffmeisters thun(n) vnd in allen sachen vnsers gnedigen h(e)rn nutze furwenden vnd furbringe(n) vnd des bescheit emphae(n) vnd sich des halten(n).
[fol. 5r:]
gHußhofmeisterVon anderer Hand als Überschrift nachgetragen.
Von des hußhoffmeister ampts wegen soll er allen costen, der in die kuchen zu hoff gehort an fleisch, fisch, erweiß, stockfisch, heringe, figen, rosin, brieck(en), saltz, smaltz, butt(er), krut, brymele, eyg(e)n, wiltpret, honern, gense(n), wurtzen vnd anderm, was des ist, zu igklicher zijt, so das am besten kauff zu bekome(n) ist, bestellen und beware(n) lassen ey(ne)n zeregediner vnd küchenschriber vnd daran sin, das nicht vergudet oder vnnützlich ußgeben werd, das man mit fugen vnd glympff ersparen mag.
Item er soll schaffen, das zu recht(er) ziit gekocht vnd die spise gut vnd reynclich bereit vnd zu den zijten, der begert wirt, angericht werd vnd besunder, das in vns(er) gned(ig) h(e)rn vnd frauwe(n) kuchen, so frembd lute mit sine(n) gnad(en) eßen, vber ire(n) tisch alle spyse gut sy vnd zu den ere(n) angetragen werde zu recht(en) zijt(en) vnd das auch h(e)rn spise zu solich(e)r ziit gebrucht werde.
Item er soll anschicken eßentreg(er) vnd andere dazu horen, das die warten der disch zu rechten ziiten mit ansetzen vnd vffheben win, broit vnd spise.
It(em) das holtz, kolen vnd das in die kuchen hort zu rechte(en) zijt gefurt werd.
It(em) das die koche ire geschirre, kessel, pfanne(n), hefen, rost, spis, leffel reynclich halten vnd dieselben auch die disch ziene nit zufellet werden lichtferticlich.
Item das die pfort, so man ißet, zugetan vnd nach dem essen widder vffgeslossen werd vnd wer sich sumet, das man dem nit sunderlich vfftrage vnd der lesten als viel als der ersten werden, auch kein silber vßtrage(n) lassen one bescheit my(ne)s gnedig(en) h(e)rn.
Item so man trompt(er) bekompt, das die im somer ein viertel ein(er) stunde vor ix vren vnd im winter ein virtel ein(er) stunde vor x vren zum ymb(i)s vnd abends im som(m)er zu funff vren vnd im wint(er) zu vier vren zum nachtessen zu tisch blasen(n).
[fol. 5v:] Item er oder der kuchenschrib(er) vnd zergediner soll yed(er) eyn(en) slußel zur wortz han vnd keyn(er) ane den and(e)rn vffsließen vnd den kochen abewiegen wieviel sie wurtz bedurff(en) zu yeder ziit in die kuche(n) vnd auch obe myn h(e)r oder frauwe vberlant ryt(en) wurd(en), die wurtz dar geben mit zufůre(n) vnd wes vbert, solle(n) sie widder mit gewicht inneme(n) vnd der kuche(n)schriber das beschriben.
It(em) mit vß(-) vnd inlassen soll er daran sin, das nyema(n)t vß(-) oder ingelassen werd dan der hoffgesinde sy vnd ob myn h(e)r jema(n)t vo(n) rett(en) beschriebe od(er) frembd(e)r h(e)rn bottschafft soll ingelassen werden(n).
Item er soll den wyermeist(ern) vnd fisch(ern) bescheiden, wan fisch not dut, wo er fischen soll vnd wie viel er zu hoff schaffen soll vnd wes man von fischen nit bedurffen, were die zum besten v(er)keuffen vnd das gelt zu der kuchen bestellu(n)g gebruchen lassen.
Item er soll die schefferyen bestell(e)n zu my(n)s gnedig(en) h(e)rn nůtz vnd den nutz auch zum hußkosten bruchen vnd wenden.
It(em) die kuchen vnd dantzhuß soll man abbrechen vnd die bort versorge(n) vnd behalt(en), zu myns h(e)rn nutz zubruchen.
It(em) so ein marschalck nit vor handen were, so soll er vor dem essen geen.
It(em) die jeger, felckener vnd and(e)r soll er manen, zuzijt(en) wilprecht vnd gefogel fur vns(er) gnedige h(e)rn vnd frauw zubekome(n) vber ire(n) tisch vnd so wyt das fur die geste reiche(n) mag, obe man die haben würd.
Item er soll daran sin, das die koche das fleisch zu braten vnd syeden nit vberhauwe(n), sund(e)r die masse, das sy nach anzal des hoffgesinds vnd der geste, das nit halb keßel foll vberbliben; er soll auch die koch anhalt(en), das sie von der supe(n) wegen die fleisch bruwe nit berauben so man anricht, das es verlepert sy.
[fol. 6r:] Item wan man dem gesinde zur wochen slecht gebrate(n)s gibt, an sontag, dinstag vnd dornstag zwey gesotten fleisch, zwey gemüse, ein(en) senff oder saltz vnd die ande(r)n tage ii fleisch vnd zwey gemuse, wie sich das dan am basten schickt vff das rettlichst da bestett es wol mit.
Aber den retten vnd edeln dienern(n) soll man allen tag ein gebrates geben oder zuziit(en) furgebrates ein gebackes, vnd mag doch dem allem abbrechen(n) vnd zugeben wie ine dan bedunckt, das man besteenDer Schreiber verlängerte hier die erste Haste des n unter die Zeile. mag nach gelegenheit eyn(er) jeden ziit.
It(em) er soll anrichte(n), das der edeln knechte ir essen ine selbs antragen vnd des warten, das man daru(m)b nit sunder knecht spisen vnd halten důrffe.
Item es soll jederman zu tysch spisen vnd kein sund(e)r winckel eßen in snythus, marstall oder andere neben gemach folgen lassen, es w(er)e dan ein junffrauw blode, das sie nit zu tisch sitzen mochte, den soll man siechen spise nit versage(n) nach bescheit vns(er)s gnedigen h(e)rn.
It(em) er soll daran sin, wem das almůsen befolhen wirt, das es vßgeben werd den notdorfftigen arme(n) vnd zu rechte(n) ziiten vnd nit nach forteil.
It(em) allen manat soll er den kuchenschrib(er) der kuchen(n) rechenonge horen vnd soll ein hoffmeist(er) oder and(e)r rat, den er gehaben mag, darzu nemen vnd all tag vom kuchenschrib(er) vffgezeichent werden, obe geste gespiset sint vnd wie viel vnd warumb zuziit(en) der coste erhohet werd.
It(em) was man bestellen muß, daran soll er zijtlich zuuor manen, das man es nit vff ein stutz bestell zum düersten, so man es villicht auch nit haben mag.
It(em) er soll der kuchenschrib(er), koche vnd die vß vnd in die kuchen wandeln warnemen, obe eynch(er) mit vntruwen sachen vmbginge, das er es fůrbringe, vnd slecht nyeman in die kuche(n) lassen dan die darin gehoren vnd fur vns(er) gnedige h(e)rn vnd frauwe(n) kein essen decken lassen, es sy dan credentzt.
[fol. 6v:] Item die wechter soll er anriechte(n), das sie tags keufen(n), waschen, dem hußknecht helffen, dischdecken, im somer kulewasser trage(n), holtzhauwe(n), das huß helffen keren, fuer inhetzen vnd der schornstein vnd ofenlocher vnd allenthalben des fühers acht han vnd das nachts zwen wecht(er) vor vnd zwen nach wachen vnd munder sin, des soll der hußknecht sie nachts mit eyn(er) glocken, die gemacht werden soll, wecken vnd die verslaffen vnd nit antwerten, die soll er straffen vnd was me noit ist zu der huß sorge, soll er auch zum besten bedencken, anrichten vnd handeln alles nach sinem best(en) verstentnis vngeu(er)lich.
Notiz von der ersten Nachtragshand.Nota Casp(ar) Eschenbeck ist an die obgemelten ampt vff vns(ers) gnedigen her(e)n widderruffen vnd auch sin selbs vffsagen, das er ein vierteil jares ee er abstet zu thun macht han soll vffgenome(n),vffgenome(n) über der Zeile mit Verweiszeichen nachgetragen. vnd hat gesworn uber die ampt vff montag nach Inuocavit anno (et)c. lxxiiii°1474 Februar 28..i
[fol. 7r:]
Der frauwen hoffmeister vnd ca(m)mermeist(er) Cristoff Scharffenberg(er)
Item er soll globen vnd sweren den nehsten eydt vnd deßme das er vff vnser gnedige frauwe nach bescheit vnsers gnedigen h(e)rn hertzog Philips getruwelich warten vnd ein vffsehen haben wolle vnd ir zu rate(n) vnd sie vnderwisen, wie sie sich gein eynem jeden mit ere erbietonge vnd deßgliche(n) halt(en) solle, damit sie nit zu vil oder zu lutzel thuwe eym igkliche(n) nach sin wirden.
Beim ersten Abschnitt am linken Rand von gleicher Hand nachgetragen.Dieser hat sinen eyt getan vff dinstag nach inuocauit Jahreszahl von anderer Hand am linken Rand nachgetragen, vermutlich zweite Nachtragshand.a(nn)o (et)c. lxxiiiito.1474 März 1.m
Item er soll in dem frauwenzym(m)er, es sy zugegen wer da wolle, nyma(n)t vnzucht gestatten vnd ob iema(n)t so grob were, der icht mit worten oder wercken vnd(er)stund, dem soll er darinn redden vnd wes ime nit folge(n) wolt, an vns(er)n gnedig(en) h(e)rn bringen.
It(em) wes unser gnedige frauwe zu yederziit noit ist oder des sie begert von essender spise, trancke oder anderm, das soll er anbringen vnd furdern(n), auch heissen das ir solichs werd.
It(em) wes vnser gnedige frauwe von geld gefellig ist, soll er emphaen vnd zu ir notdorfft wenden vnd des rechenonge thun vns(er)m gned(igen) h(e)rn hertzog Philips vnd wen sin gnade des bescheit vnd von iren wegen nicht vßgeben dan mit wisse(n) myns gnedig(en) h(e)rn hertzog Philips, es were dan vmb ringe, sachen die frauw(e)n nit gern offenbare(n) vnd doch ir notdorfft w(er)e zuhaben.
Item er soll myne gnedige frauwe wisen, wo sie das nit selbs verstunde, alles das zussen vns(er)m gned(igen) h(e)rn irem gemahel vnd irer zu merer fru(n)tschafft, liebe vnd wolgefallen diene(n) mag.
Vnd in dem allem sich erberlich, getruwlich vnd vffrichtlich halten vnd verkomen, das vnser gned(ige) frauwe(n) nach dem gantze(n) frauw(en) zym(er) nicht vnloblichs moge zugemessen werden vnd wo er verneme, das icht vnzemlichs gewo(r)ben oder zugemut wurd frauwe(n) oder junffrauwe(n), darin soll er zustu(n)t my(n) gned(igen) h(e)rn warnen(n).
[fol. 7v:] Item obe vnser gnedige frauwe iema(n)t schriben lassen wurd, es were wer da wolt, dafur soll er sin, wolt sie aber schriben, dieselbe(n) schrifft(en) soll nit vßgeen dan mit wissen vnsers gnedig(en) h(e)rn, irs gemahels.
It(em) vff das frauwe(n) zymer nit zu gemey(n) werde, so soll es stets besloßen gehalt(en) werden vnd die kamm(er)meyd vnd die vß(-) und zugeen vnderwiesen werden, das sie die gemach nach ine zuthun, vnd soll nyema(n)t vom hoffgesinde auch sost von frembden luten in den gemachen myn(er) frauwen vnd der junffrauwen gelassen werden, vßgescheiden die darin geordent sint, es geschee dan mit wißen vnd willen vns(er)s hern hertzog Philips vnd obe sin gnade sunderlich jemant darin beschied zugeen, doch obe erb(e)r person, sie weren anheymsch oder frembde oder zu myn(er) frauw(e)n von iren frunden oder sost geschickt sie zu gesehen oder befelhe mit ir zu redden hette(n), wan dan die hoffmeisterin oder den hoffmeister beduncken wurd, das es zemlich w(er)e vnd solich person zu ir gelassen werden solt(en), so solle(n) sie dieselben person nit abslag(en) vnd zu myn(er) frauwen lassen kome(n) mit ir zu redden vnd bij ir zuergetzen, wie dan hoffmeister vnd hoffmeisterin bedunckt gut sin, doch soll ir eyns daby sin.
[fol. 8r unbeschrieben]
[fol. 8v:]
Der hoffmeisterin eyt
Item das sie vnserm gnedigen hern hertzog Philips vnd vnser gnedigen frauwen, siner gemahel, getruw, holt, dinstlich vnd gehorsem sin, iren schaden warne(n) wolle, ine getruwelich dienen vnd raten vnd iren rat vnd heymlikeit ewiclich zuv(er)swigen.
Beim ersten Abschnitt am linken Rand von gleicher Hand nachgetragen.No(ta) vff dinstag nach inuocauit hat sie den eyt gethan Jahreszahl von anderer Hand am linken Rand nachgetragen, vermutlich zweite Nachtragshand.anno (et)c. lxxiiiito1474 März 1..p
It(em) das sie ein getruwe flißig vffsehen habe(n) wolle vff vnser gnedige frauwe(n), ir person vnd ir jungfrauw(en), auch ir dien(en) vnd wer joderziit by vnd vmb sie wesen vnd wonu(n)g hat vnd nyema(n)t vnfur, grobkeit, vnzucht oder vnerlichs verhenge(n) vnd vnser gnedig frauw neigen vnd vnderwisen alles des, das vnserm gnedig(en) h(e)rn hertzog Philips lieb, fruntschaffe vnd gefellig ist vnd das sie gott fur augen habe vnd zu allen zuchte(n) angewiese(n) werde nach ir besten verstentnis.
Item obe sie von jema(n)t, wer der w(er)e, erfure oder beducht, der vnfůr, grobheit, vnzuchtvnzucht eingefügt. oder vnerlichs vbte oder vnderstunde, es were gegen frauwe(n) oder jungfr(auwen), darin soll sie ernstlich redden, my(n) gned(igen) h(e)rn warne(n) vnd so sie beducht, das nit vermitt(en) blibe(n) wolt, an vnsern gnedigen h(e)rn bringen, siner gnaden bescheit darin zuemphaen.
Item sie soll vnser gnedige frauwe vnd(er)wisen, wo sie das nit selbs west, deßglichen die jungfrauwe(n) als ine gebůrt, wie sie sich gein fursten, furstynn, ir frunden vnd fremd(en) vnd gein ein(er) yeden person mit ere erbietonge, worten vnd geberden halten sollen vnd obe iemant wyter ging vnd vnzucht det, die person soll sie straffen mit ernstlichen vnd gutigen worten nach dem die sach were.
Item sie soll nyema(n)t gestatten an eynich junffr(auwe) oder kamm(er)magt zu werben in worten oder schrifft(en), das heymlich od(er) verdechtlich ist, sunder durch die knecht vnd meid, die darumb globt han, ein igklichen bescheit thun, vßgeen vnd emphaen lasse(n), [fol. 9r:] das sie wisse, das vnu(er)dechtlich vnd vngeuerlich ein igklich bottschaft zugee.
Item obe der jungfrauwe(n) eyn od(er) me zuzijten abegeen wurden, daby sye selbs nit sin mocht, so soll sie ein reddelich globt magt alweg mit schiken, die vff sie warte(n), ine die gemach vff(-) vnd nach ine zusliesse(n) soll.
Item sie soll alle nacht selbs by den junffrauwe(n) ligen vnd ob sie zuzijt(en) dags selbs ein ziit abegeen wurd vo(n) myn(er) frauwen vnd andern jungfrauwen, so soll sie doch der reddlichsten, der sie gedrut, dwyle befelhen, by vnd mit zusin, das alweg ere vnd zucht furgang habe.
Vnd vor allen dingen wo sie verstunde, das iemant damit vmbginge, vnsern gnedigen h(e)rn pffaltzgraue Friederiche(n) vnd vnsern gnedigen h(e)rn hertzog Philips gegeneynander zu vnwilligen oder zuuerleid(en), das sie dafur sy nach ir besten verstentenis sovil vermůgklich ist vnd das an vnsern gned(igen) h(e)rn pffaltzgrafen Fryed(erichen) lange(n) lassen vnd dauon siner gnaden bescheit empfae vnd sich des halt.
Vnd was sie beduchte von des frauwen zymers wegen zum nutzlichsten zubeßern sin, soll sie anbringen vnd des bescheit nemen vngeuerlich.
Umb solichen iren dinst soll ir werden jars vß der kam(mer) vnsers gnedigen h(e)rn funffzig guld(en), ein hoffkleyt so man ander hoffgesinde cleyt, kost zu hoff fur sich, ir magt vnd iren knecht, doch soll sie den lonen, vnd ir iar soll an vnd vßgeen vff faßnacht.
[fol. 9v:] Item vff das das frauwe(n) zym(mer) nit zugemeyne werd, so soll es stets beslossen gehalten werden vnd die kamm(er)meid vnd die vß(-) vnd ingeen vnderwiesen werden, das sie die gemach nach ine zuthun vnd soll nyma(n)t von hoffgesinde auch sost von frembden lute(n) in den gemache(n) myn(er) frauwe(n) vnd der jungfr(auwen) gelassen werden, vßgescheid(en) die darin geordent sin, es geschee dan mit wissen vnd willen vnsers h(e)rn hertzog Philips, vnd obe sin gnade sunderlich jema(n)t darin beschied zugeen; doch obe erber persone(n), sie wern anheymsch oder frembde od(er) zu myner frauwe(n) von ire(n) frund(en) oder sost geschickt sie zugesehe(n) od(er) befelhe mit ir zu redden hetten, wan dan die hoffmeisterin oder derder über der Zeile nachgetragen. hoffmeist(er) beduncken wurd, das es zemlich w(er)e vnd solich person zu ir gelassen werden solten, so sollen sie die selben person nit abeslagen vnd zu myn(er) frauwe(n) lassen kome(n), mit ir zu redden vnd bij ir zuergetze(n), wie dan das hoffmeist(er) vnd hoffmeist(eri)n bedunckt gut sin, doch soll ir eyns daby sin.
Item gesellen vnd knabe myn(er) frauwe(n) zugeben sin vff sie zu warten, die sollen stets vnd wol warten vff den kirchgang, auch zu dem essen vnd wan das also geschicht, das myn frauw ir nit me bedarff, so solle(n) sie vß dem gemach geen, es w(er)e dan, das sie zuzijten von hoffmeist(er) oder hoffmeisterin beschied(en) wurden, darin zublijben vnd wan sie nit in gemache(n) vff ire(n) dinst warte(n) werd(en), so solle(n) sie doch bescheid(en), wan man irGestrichen: gesinds. gesynne, daz ma(n) sie wisse zufinden.Von anderer Hand in kleinerer Schrift angefügt: solle(n) zueheiß sin vnd vo(n) sich vnzuchtlich od(er) v(er)dechtlich hilt meld(en).
[fol. 10r:]
Die gesellen, die nit rat sin vnd ampt han
Sollen globen vnd sweren zuforderst vnserm gnedigen h(e)rn pffaltzgrauen Friederich als dem heubt vnd rechten regirende(n) curfursten, darnach vnserm gnedig(e)n h(e)rn hertzog Philips, des dien(er) sie sin sollen, getruwe vnd holt zusin, ire(n) schaden warne(n), iren from(m)en vnd bestes getruwelich w(er)ben, heymlich oder offentlich daby oder mit nit sin, auch selbs nit thun in worten oder wercken, das zussen beiden obg(emelten) h(e)rn zu vnwillen reißen oder entsten mag, auch iren dinsten gnug zuthu(n) in allem dem, das ine befolhen ist vnd wirdet vnd sich selbs besund(er) irem rechte(n) h(e)rn pflichtig sin one alle geuerde.
Nachtrag von zweiter Nachtragshand.Schenck Reinhart vo(n) Gemyng(en) hat disen eg(enannten) eyt geta(n) vff dinstag nach esto michi a(nn)o (et)c. lxxiiiito.1474 Februar 22.
Kubarn hat den obg(enannten) eit zuhend(en)Im Text: zuheid(en). gesworn vnd gelobt my(nem) g(nedigen) h(er)n pfaltzgraue(n) vff sontag nach Joh(annis) Baptiste a(nn)o (et)c. lxxiiiito.1474 Juni 26.v
[fol. 10v:]
Frauwenn diener
Sollen den nehsten gesellen eyd auch swere(n) vnd des me, das sie kein vnzucht, grobheit noch vnerlichs, so sie zu disch diene(n) oder sost warte(n) sollen, begeen wollen, auch vor vnser gnedigen frauwen vnd iren junffrauwe(n) nicht schampers noch redd(en) ine erzeigen, das vnerlich ist mit worte(n) noch mit wercken in keyne(m) wegk, sunder alleyn des warte(n), des yne befolhen ist vnd wirdet von vnserm gnedig(e)n h(e)rn hertzog Philips, vnd wan myn(e) frauw(e)n gnad vnd ir junffrauwe(n) geßen hant, so sollen sie vß dem gemach geen vnd doch by der hant blyben, das man sie wisse zufind(en), so ma(n) ir bedarff, sie wurd(en) dan bescheid(en) leng(er) zu bliben alles vngeuerlich.
Nachtrag von zweiter Nachtragshand.Zimerer, furschnider, Johann vo(n) Helmstat, essentreg(er), vnd Swycker vo(n) Schawemb(er)g, wintreg(er),wintreg(er) über der Zeile nachgetragen. haben die obg(emelten) beyd eyde gesworn vff dinstag nach esto michi a(nn)o (et)c. lxxq(ua)rto.1474 Februar 22.z