Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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HOFGESCHICHTSSCHREIBUNG

A.

Gegenstand der höfischen Geschichtsschreibung, die sich im Reich seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bis ins 16. Jahrhundert in der Regel als Geschichte einzelner Fürstenhäuser entwickelt hat, ist die Dynastie und ihr Herkommen. Die Chroniken zielen darauf, der fürstlichen Dynastie eine möglichst alte Herkunft zu verschaffen, das durch Aufzeigen einer ununterbrochenen Sukzession oder genealogischen Folge zurück bis zu ihren Ursprüngen verfolgt und historisch begründet wird. Eine solche Geschichtsschreibung erfüllte in erster Linie legitimatorische Funktionen für die Stabilität der Landesherrschaft, in deren Rahmen sich im Reich der frühmoderne dynastische Fürstenstaat ausbildete. Demgegenüber stellt die Geschichtsschreibung im Umkreis der geistlichen Fürsten, deren Herrschaft nicht auf dem Prinzip dynastischer Legitimierung beruhte, ein Sonderproblem dar (dazu: Müller, Bistumsgeschichtsschreibung).

Die Chronistik, die im Umkreis der weltlichen Fürstenhöfe entstand, gründet auf der historischen Überlieferung der Dynastie und gestaltet diese nach den Interessen des jeweils regierenden Fürsten. Gleichzeitig orientiert sie sich aber auch an der Hofgesellschaft, jenem System der Helfer und Diener, das auf Bedürfnisse des Fürsten bei der Ausübung seiner Herrschaft reagierte. Sie lieferte vielfältige Identifikationsangebote für diese sozialen Gruppen, die der Fürst in sein Herrschaftssystem einzubinden suchte. Gerade der territoriale Adel, der sich einerseits oft als eine selbständige, das Land vertretende Größe empfand, andererseits im Spannungsfeld des Wettbewerbs konkurrierender Dynastien um dessen Loyalität stand, konnte seine gesellschaftliche Führungsrolle am Hof und im Land durch die von der Geschichtsschreibung vermittelten Traditionen und Emotionen bestätigt sehen. Ihre Texte vermochten den ideellen Zusammenhalt des sozialen Systems des Hofes zu stützen, sein Regelsystem zu erklären und geschichtlichen Wandel zu reflektieren. Sie entwarfen ein Geschichtsbild, das die Vorstellung einer gemeinsamen Vergangenheit mit der im Land regierenden Dynastie artikulierte, das Gefühl der Verbundenheit mit besonders glanzvollen Repräsentanten dieser Dynastie evozierte und an gemeinsame kulturelle und gesellschaftliche Leitvorstellungen appellierte. Darüber hinaus konnte die Historiographie aktuelle politische Interessen stützen, indem sie sich historischer Traditionen bediente, diese auf konkrete Ziele umformte und mit benachbarten Formen von Schriftlichkeit zusammenbrachte, die im Umkreis des Hofes zirkulierten.

Entstehung

Und doch blieb die Geschichtsschreibung, die sich im Umkreis der spätmittelalterlichen Fürstenhöfe entwickelte, vielerorts noch lange durch das Spannungsfeld bestimmt, welches durch die Herrschaftsansprüche der Dynastie einerseits und die territoriale Realität des Landes andererseits erzeugt wurde. Dieser Widerspruch bindender und trennender Kräfte, der in der Begegnung von Land und Herrschaft am Hof angelegt war, konnte bisweilen nur mühsam historiographisch überbrückt werden. Dies zeigt sich in zwei widerstreitenden Modellen der Geschichtsschreibung, die in den Fürstentümern des spätmittelalterlichen Reiches lange nebeneinander herliefen. Im Mittelpunkt des ersten historiographischen Modells steht die Geschichte des Landes. Als Materialien und Bausteine entsprechender Darstellungen dienten zum einen die universalgeschichtliche Überlieferung, die in den geistlichen Zentren des Landes gepflegt, aktualisiert und mit regionalen oder lokalen Bezügen fortgesetzt wurde, zum anderen die historischen Traditionen der herrschenden Dynastien, die lange in ihren Hausklöstern im Kontext der liturgischen Memoria bewahrt und bearbeitet wurden, und nicht zuletzt das ganze Ensemble von Äußerungsformen eines wie auch immer gearteten Stammes-, Landes- oder Eigenbewußtseins, das über lange Zeit hinweg in Rechtsgewohnheiten erhalten geblieben war, an herausgehobenen Orten und Institutionen haftete oder in der mündlichen Überlieferung tradiert wurde und erst spät in der gelehrten Geschichtsschreibung seinen schriftlichen Niederschlag fand (Johanek, Weltchronistik).

Eine eigentliche dynastische Geschichtsschreibung, und damit ist das zweite Modell bezeichnet, konnte aus derartigen historischen Traditionen aber erst entstehen, wenn sie unabhängig von den Hausklöstern und abgelöst vom Kontext der liturgischen Erinnerung im Interesse des Fürsten und des fürstlichen Hofes aufgezeichnet wurde (Moeglin, Memoria; Moeglin, Entwicklung). Die hochmittelalterliche Klostergeschichtsschreibung, jene Mixtur von Gründungsgeschichte, Stiftergedenken und Dokumentation der klösterlichen Rechtstitel, ging zwar auch auf die Haustradition der Gründerfamilie ein, aber nicht vorrangig im Interesse der Stifter, sondern der monastischen Gemeinschaft, deren Zielen sie in der Regel unterworfen blieb. Die Motive reichten dabei von der Rechtssicherung des klösterlichen Besitzes, der durch die Stifter und Tradenten zusammengekommen war, über die Memoria des Gründergeschlechts, bei der die Klostergeschichte mit der → Genealogie der Gründungsfamilie verknüpft werden konnte, bis hin zur Vermittlung von Vorbildern an die Klosterinsassen durch die erbauliche Beschreibung der Frömmigkeit der Stifterfamilie. Nicht selten appellieren Werke dieser Art an die Stifterfamilie, um diese an ihre Pflichten gegenüber ihrer Gründung zu erinnern und halten ihr einen Spiegel vor, der ihnen zeigt, wie sie sich in kritischen Situationen des Klosters oder Stifts zu verhalten habe. Sie haben unter Umständen die Stifterfamilie zum Adressaten, die aber nicht ohne weiteres als Publikum oder gar als Auftraggeber gelten kann (Kastner, Frühformen; Patze, Klostergründung; Johanek, Funktion). Texte wie die sog. ›Zwettler Bärenhaut‹, die die Geschichte der niederösterreichischen Kuenringer ausführlich und in einem repräsentativen, illustrierten Kodex aufzeichnet, stehen häufig im Kontext besitzsichernder Dokumente und Texte der Memoria. Sie werden aus dem Kloster heraus an die Adressaten vermittelt, sind aber nicht von vornherein für die Zirkulation innerhalb eines außerklösterlichen Publikums gedacht und schon gar nicht für die Verbreitung durch den Hof der Stifterfamilie bestimmt.

Ein frühes und einzigartiges Zeugnis für eine vom Hof ausgehende Aufzeichnung adeligen Geschichtsbewußtseins stellt die ›Historia Welforum‹ dar, die im ausgehenden 12. Jahrhundert die Familientradition und die höfische Lebenswelt der süddeutschen Welfen erstmals aus der Sicht des Adelshauses selbst zusammenfassend darstellt. Der anonyme Verfasser hat sich zum Ziel gesetzt, »die Geschlechterfolgen unserer (d. h. der welfischen) Fürsten (generationes principum nostrorum) von den Anfängen bis zur Gegenwart zu erforschen«, und erzählt, wie sie »dieses Haus mit vielen Gütern und Rechten regierten und lange Zeiten hindurch aufeinanderfolgend seinen Namen in verschiedenen Ländern durch Tüchtigkeit bekannt gemacht haben«. Da er den ersten Träger des Namens Welf erst in der Zeit Karls des Großen finden konnte, setzt seine Erzählung zwar erst mit diesem Fürsten ein, projiziert aber in Anknüpfung an die Sage von der trojanischen Herkunft der Franken die Anfänge des welfischen Hauses und Geschlechts in vorchristliche Zeit zurück. Durch Landnahme und Errichtung eines festen Wohnsitzes (habitatio certa) gestärkt, hätten die Welfen – der Verfasser nennt sie nostri – ihre Macht weiter ausgedehnt und in verschiedenen Gegenden immer mehr Güter und Rechte erworben, seien reicher als Könige geworden und hätten eine königsgleiche Stellung erreicht (Historia Welforum, c. 1).

In dieser Darstellung sind bereits alle Züge angelegt, die charakteristisch für die dynastische Geschichtschreibung sind: Sie fußt auf der → Genealogie der Dynastie, die das Rückgrat für die Darstellung der rechtmäßige Herrschaftsnachfolge bildet. Und zur Überbrückung von Überlieferungslücken oder zur Glättung von dynastischen Brüchen suchte man die Verbindung mit älteren prominenten Herrschergeschlechtern zu be- legen oder durch genealogische Konstruktionen deren Abstammung von prestigeträchtigen Persönlichkeiten der antiken Geschichte oder von mythischen Gestalten in grauer Vorzeit nachzuweisen (Kellner, Ursprung; Melville, Vorfahren; Moeglin, Bewußtsein). Da die Verfasser- und Auftragssituation des Werkes nicht mit letzter Sicherheit zu klären ist (Becher, Verfasser), kann es allerdings nur eingeschränkt und darüber hinaus als ein sehr isoliertes Beispiel für die Entwicklung einer vom Hof ausgehenden dynastischen Geschichtsschreibung gelten. Seine Wirkung blieb zudem auf die klösterlichen Zentren der Welfen beschränkt, in denen es wieder in die traditionellen Muster der monastischen Geschichtsschreibung zurückgeholt wurde, denen es entstammte.

In den Kloster- und Stifterchroniken wird zwar ganz offensichtlich auf die Haustradition der jeweiligen Geschlechter zurückgegriffen, in sie geht ein, was diese selbst über ihr Herkommen und ihre Vergangenheit wußten oder zu wissen glaubten. Die klösterliche Geschichtsschreibung gibt diese Traditionen jedoch nicht ungebrochen wieder, sondern sie werden den Zielen nutzbar gemacht, die diese historiographische Gattung verfolgte. Die Rückwirkungen dieser monastischen Gestaltung der adligen Haustradition auf die Dynasten und ihre Höfe läßt sich kaum fassen. Sie blieben wohl lange im Bereich der mündlichen Kommunikation verhaftet. Erst seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert wurde das Potential der klösterlichen Geschichtsüberlieferung durch die höfische Geschichtsschreibung entdeckt und für die Darstellung der Geschichte der Dynastie aus der Sicht des Hofes und zur Propagierung ihrer politischen Ambitionen nutzbar gemacht (Johanek, Schreiber).

Welche Impulse vom Fürstenhof zur Gestaltung der → Genealogie und Geschichte der regierenden Dynastie (→ Hofgeschichtsschreibung) ausgingen, welche Legitimationsstrategien dabei verfolgt wurden und in welchen Formen derartige Darstellungsmuster in eine größere Öffentlichkeit transportiert wurden, läßt sich anhand der Geschichtsüberlieferung der Wittelsbacher illustrieren, der im 15. Jahrhundert neben den Habsburgern einzigen Großdynastie im Reich mit prinzipiell eigenständiger politischer Handlungsfähigkeit.

Bei den Wittelsbachern finden sich die ersten Ansätze zu einer dynastischen Geschichtsschreibung, in der ältere Traditionen über den Ursprung des Landes mit einer Geschichte der in ihr regierenden Dynastie verknüpft wurden, in ihrem Hauskloster Scheyern. Hier wurde auf herzogliche Initiative im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts ein Freskenzyklus mit einer → Genealogie der Stifterfamilie in der fürstlichen Grabkapelle und eine kommentierende deutschsprachige Inschriftentafel angebracht (→ Inschriften). Obwohl der Text dieser sog. ›Scheyerer Fürstentafel‹ weitgehend der Klostertradition entsprach, ist er das erste schriftliche Dokument, in dem die Geschichte der Grafen von Scheyern-Wittelsbach aus der spezifischen Sicht des Hofes aufgezeichnet worden ist. Durch einige kleine, aber entscheidende Korrekturen der → Genealogie wird die Dynastie der Wittelsbacher durch die behauptete Abstammung von den Karolingern glorifiziert. Gleichzeitig wird der Nachweis geführt, daß die Wittelsbacher seit Karl dem Großen als legitime Herzöge in Bayern herrschten, denen nur durch Unrecht eine Zeitlang das Herzogtum entzogen worden sei. Die Belehnung Ottos von Wittelsbach mit dem bayerischen Herzogtum wird daher nicht als der Anfang einer neuen Dynastie gedeutet, sondern als Rückkehr des Herzogtums zum legitimen Geschlecht Karls des Großen (Moeglin, Ancêtres, S. 75ff.; Studt, Tradition, S. 209f.).

Den Weg derartiger Darstellungen vom Kloster zum Hof markieren die Arbeiten des gelehrten Geschichtsschreibers Andreas von Regensburg. Seine umfangreichen historiographischen Sammlungen und Darstellungen zeigen deutlich, daß Andreas über seinen klösterlichen Lebensraum im Augustinerchorherrenstift St. Mang vor den Toren der Stadt Regensburg hinausgewachsen war. Er hat in allen ihm erreichbaren Klöstern eine intensive Sammeltätigkeit entfaltet, um die dort gefundenen historischen Materialien zu umfangreichen Chroniken zusammenzufügen. Dabei ist er u. a. auch auf die ›Scheyerer Fürstentafel‹ gestoßen, die er bereits als ein durch Provenienz, Alter und Schrift beglaubigtes Zeugnis über die Vergangenheit der wittelsbachischen Dynastie betrachtete. In seiner ›Chronik von den Fürsten in Bayern‹ hat er die darin entdeckten genealogisch-dynastischen Traditionen der Wittelsbacher erstmals mit der gelehrten universal- und landesgeschichtlichen Überlieferung zusammengebunden und auf den Fürsten und seinen Hof ausgerichtet.

In der Vorrede seiner ›Bayerischen Fürstenchronik‹ berichtet er selbst über deren Entstehungsumstände. Im Jahre 1425 habe er Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt anläßlich seines Besuches in Regensburg einen von ihm angefertigten Stammbaum der Wittelsbacher ab Herzog Otto von Wittelsbach überreicht. Der Herzog habe ihn daraufhin aufgefordert, eine Chronik der bayerischen Herzöge zu verfassen. Nach eigenen Worten hat Andreas bereits selbst eine solche Chronik vor dem Hintergrund seiner universalchronistischen Recherchen geplant (siehe unten B.I.). Es ist ein deutliches Indiz für das ausgesprochene Interesse des Fürsten an einer genuin höfisch-dynastischen Geschichtsschreibung, daß er diese Aufgabe der Vergangenheitsdarstellung in den eigenen Umkreis gezogen hat. Mit seiner Initiative reagierte Ludwig in einer Zeit der durch Erbfolgestreitigkeiten bestimmten Rivalität der bayerischen Teilherzogtümer auf den wachsenden Legitimationsdruck, dem sich die einzelnen Linien des wittelsbachischen Herzogshauses ausgesetzt sahen. Ein besonderes Interesse an der → Genealogie mußte der Ingolstädter Herzog haben, der als Erstgeborener gegenüber seinen Vettern den alleinigen Erbanspruch auf den verwaisten Straubinger Landesteil stellte. Und tatsächlich hat Andreas dem Herzog historisches Argumentationsmaterial zur Verfügung gestellt. Denn ein großer Teil seiner Chronik liest sich wie eine Stammbaumerläuterung, in der es um die innerwittelsbachischen Streitigkeiten, um Gebietsverluste und -erwerbungen, um Landesteilungen und Krieg gegen die Nachbarn geht. Dabei orientiert sich die Darstellung an den politischen und dynastischen Interessen des Ingolstädter Herzogs.

Der von Andreas gebotene Text beschränkt sich aber nicht darauf, dem Fürsten und einem kleinen Kreis von gebildeten oder gelehrten Experten in Rat und Kanzlei Herrschaftswissen zu bieten, sondern er nimmt in neuartiger Weise die Hofgesellschaft insgesamt in den Blick. Denn der gelehrte Verfasser rechnet auch mit einem literaten Laienpublikum, so daß er seine Chronik zweisprachig verfaßt hat. Ein Vergleich der lateinischen mit der volkssprachlichen Vorrede zeigt deutlich, daß Andreas diese Hofgesellschaft in differenzierter Weise mit Geschichtswissen bedienen will. In der lateinischen Fassung situiert er seinen Text in der Sphäre der herzoglichen Kanzlei: Er wendet sich an den Herzog als dessen Sekretär (modo epistolaris officii), der ihm einige vertrauliche Ratschläge geben will (paucis verbulis quasi quibusdam susurriis confabulari). In der deutschen Fassung tritt er hingegen in der Rolle des Unterhalters des Fürsten auf, mit dem er in kurzweiligen Worten sprechen will (siehe unten B.I.; dazu Schneider, Aspekte, S. 132f.).

Über die deutliche Orientierung an einem höfischen Publikum gibt eine vom Verfasser selbst mitgeteilte Episode interessanten Aufschluß. In der Fortsetzung seiner Chronik berichtet Andreas, daß er 1431 anläßlich eines Aufenthalts am Straubinger Herzogshof, wo er wichtige Angelegenheiten seines Klosters zu regeln hatte, von den milites und nobiles bestürmt worden sei, ihnen zu verraten, was er weiter in seiner Chronik schreiben werde. In diesem Moment erschien auch der Fürst, der ihn leutselig an den Schultern umfaßte und dieselbe Frage stellte (siehe unten B.II.). Diese Anekdote verrät sowohl das literarische Selbstbewußtsein des Autors, der weniger als Vertreter seines Klosters auftritt als vielmehr mit dem Interesse seines Publikums am Fortgang seines Werkes spielt, als auch die Zusammensetzung dieses Publikums: Es sind der Fürst selbst, v. a. aber die politische Elite des Landes, die in der Chronik aktuelle historische Informationen, Belehrung und Unterhaltung suchen.

In dieser Hofgesellschaft gewinnt der Geschichtsschreiber die autoritative Position eines authentischen Interpreten und Vermittlers von historischer Überlieferung. Und so wurde nicht die ›Scheyerer Fürstentafel‹, sondern Andreas' zweisprachig konzipierte ›Chronik von den Fürsten zu Bayern‹ zur Grundlage für weitere historisch-dynastische Geschichtsdarstellungen, die im Laufe des 15. Jahrhunderts an den Höfen der wittelsbachischen, teilweise heftig rivalisierenden wittelsbachischen Vettern entstanden. Im Zusammenhang mit Erbfolgestreitigkeiten, dem Vordringen des Teilungsprinzips und der daraus entstehenden Rivalität der einzelnen Teilherzogtümer, die zu einer beschleunigten Residenzbildung führte, ist die Förderung einer staats- und dynastiestabilisierenden Geschichtsschreibung durch die Landesherren zu sehen.

Dieser Vorgang der Transformation der klösterlichen Geschichtsüberlieferung, die sich auch der → Genealogie und Geschichte ihrer Stifter widmete, in eine genuin dynastische Geschichtsschreibung, die auf Anregung und im Umkreis der Fürsten verfaßt und rezipiert wurde, läßt sich auch andernorts verfolgen: So wurde beispielsweise die Geschichte der Landgrafen von Thüringen aus dem wettinischen Hause nicht mehr im alten Hauskloster der Ludowinger in Reinhardsbrunn geschrieben, das sich seinerseits den wettinischen Erben als Grablege andiente, sondern in der Residenzstadt Eisenach. Dort entstand zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine dichte Folge von Arbeiten zur Legitimierung der »neuen« wettinischen Dynastie, die in Thüringen nach dem Tod Heinrich Raspes im 13. Jahrhundert das ludowingische Erbe angetreten hatte (Studt, Land, S. 178 und 181f.). Darauf basierten auch die deutschsprachigen Chroniken des Johannes Rothe, die er an Mitglieder der Thüringer Hofgesellschaft bzw. in einem Reimprolog an die regierende Landgräfin gerichtet hat (Honemann, Johannes Rothe).

In Mecklenburg verfaßte 1378 im Auftrag Herzog Albrechts II. Ernst von Kirchberg die ›Mecklenburgische Reimchronik‹, die für die → Genealogie der Mecklenburger Herzöge auf lateinischen Aufzeichnungen aus ihrer Grablege in Doberan basierte (Scheibe, Geschichtsbild). Und bereits der anonyme Verfasser der ›Braunschweigischen Reimchronik‹, die Herzog Albrecht I. von Braunschweig (1252-79) gewidmet ist, betont, daß er in den Klöstern und Stiften des Landes fieberhaft nach alten Quellen gesucht habe (Braunschweigische Reimchronik, V. 80-86, S. 460; dazu Patze, Mäzene, S. 334ff.).

Allerdings bleibt der Stellenwert derartiger Reimchroniken, von denen die ›Braunschweigische Reimchronik‹ als wohl ältestes volkssprachiges Beispiel höfischer Geschichtsschreibung gelten kann, im Gesamtensemble der Geschichtsüberlieferung des Hofes noch lange höchst unklar. Sie waren in erster Linie an mündliche Kommunikationszusammenhänge gebunden, und ihre Überlieferung läßt nicht erkennen, ob sie wichtige politische Funktionen für den Fürsten hatten oder das Denken und Handeln des Publikums bestimmten.

Diese Beobachtungen lassen sich am Beispiel der Rezeption zweier Chroniken des 15. Jahrhunderts bestätigen, die im gleichen gesellschaftlichen Kontext – am Heidelberger Kurfürstenhof – entstanden sind, und das gleiche Thema – das Herkommen und die Geschichte Friedrichs I. von der Pfalz –, jedoch auf ganz unterschiedliche Weise behandeln. Während sich für die ›Pfälzische Reimchronik‹ des Michel Beheim, die primär für den Liedvortrag konzipiert ist, keine Hinweise auf ihre schriftliche Rezeption am Hof finden lassen, gibt es für die Prosachronik des höfischen Geschichtsschreibers Matthias von Kemnat etliche Zeugnisse der schriftlichen Tradierung und des schriftlichen Gebrauchs durch Mitglieder des Hofes (Studt, Fürstenhof, S. 160-176; Müller, Rede).

Erst mit einem neuen Literalisierungsschub im ausgehenden 14. und v. a. im 15. Jahrhundert wird die Hofgesellschaft in vielen Bereichen der Lebenspraxis zum lesenden Hof. Und erst jetzt vermag die Geschichtsschreibung die einzelnen Glieder des Hofes direkt zu erreichen, die Bindung an den Fürsten und seine Dynastie zu verstärken. Dies zeigt auch die Überlieferung der höfischen Chroniken, die – soweit es die bisherige Aufarbeitung erkennen läßt – durchaus auch im Umkreis des Hofes, und zwar nicht allein in der Sphäre der gelehrten Benutzung durch Experten der schriftlichen Verwaltung, sondern auch des Adels, der den Hof konstituierte, benutzt worden sind (Studt, Fürstenhof, S. 144-153).

Autorentypen

Vor dem Hintergrund dieser bildungsgeschichtlichen Entwicklungen gewinnt der höfische Geschichtsschreiber eine neue Stellung sowohl im Gefüge der Hofgesellschaft als auch im Ensemble der Vermittlungsformen von geschichtlicher Überlieferung.

Im deutschsprachigen Bereich gab es bis zum Ende des 15. Jahrhunderts nicht das offizielle Amt des Hofhistoriographen wie in Burgund, wo Herzog Philipp der Gute im Jahre 1455 mit Georges Chastellain den ersten amtlichen Geschichtsschreiber der Burgunderherzöge berief, sondern nur Historiographen am Hofe, deren Werk im Auftrag des Fürsten, unter seiner Gönnerschaft oder auch nur im engeren Umkreis des Hofes entstand (Vermaseren, Ambt; Johanek, Hofhistoriograph). Die meisten von ihnen waren zwar mit höfischen Ämtern betraut wie die Hofkapläne Johannes Rothe, Matthias von Kemnat und Wiegand Gerstenberg, die in thüringischen, pfälzischen bzw. hessischen Diensten standen, oder die Prinzenerzieher Veit von Ebersberg, Johannes Nuhn und Johannes Aventin in Bayern bzw. in Hessen. Aber selten gehörten sie zu den eigentlichen Entscheidungsträgern und waren wie der Landshuter Hofmeister Hans Ebran von Wildenberg institutionell an den fürstlichen Rat oder die Kanzlei gebunden. Hinsichtlich ihres sozialen Status' waren sie äußerst inhomogen, und sie gehörten eher selten der Adelsgesellschaft an, in der sie sich aber bewegten und für die sie schrieben. Doch über die offenen Klientelnetze des Hofes gelang es ihnen, eine einflußreiche Stellung in der Hofgesellschaft zu gewinnen. Das zeigt die Karriere des Münchener Bürgers, Kunsthandwerkers und Wappenmalers Ulrich Füetrer, der aufgrund seiner Expertenschaft in der höfisch-ritterlichen Literatur schließlich im Zentrum des Literaturgesellschaft der Münchener Residenzstadt agierte (Grubmüller, Literaturzentrum, S. 415-418; Bastert, Hof, S. 139-151). Nicht nur ihre Position, sondern auch ihre Werke zeigen graduelle Unterschiede in der Nähe zum Hof und zum Fürsten. Während die ›Chronik von den Fürsten aus Bayern‹ des Niederadligen Hans Ebran von Wildenberg wohl ohne offiziellen Auftrag entstanden ist und trotz der starken Identifikation mit der → Genealogie des wittelsbachischen Herzogshauses eine gewisse Distanz zum Hof erkennen läßt, bedient Ulrich Füetrers im Auftrag Herzog Albrechts IV. verfaßte ›Bayerische Chronik‹ bedingungslos die politisch-dynastischen Interessen seines Fürsten (Moeglin, Ancêtres, S. 172-192; Gottschalk, Geschichtsschreibung, S. 92-100).

Doch so verschieden Herkunft und Karrieren bei Weltlichen wie Geistlichen beschaffen sein mochten, gewöhnlich waren sie fest in die Lebenswelt des jeweiligen Hofes integriert. Ihre Geschichtsschreibung spiegelt die höfischen Ideale, die in den Traditionen der ritterlichen Welt wurzeln. Sie bezeichnen, wenn auch gewöhnlich nur in Andeutungen und knappen Verweisen, die Anknüpfungspunkte der dynastischen Geschichte zur fiktionalen Literatur der höfischen Epik, wie beispielsweise Johannes Nuhn, der mit Stoffen aus dem karolingischen Sagenkreis wie demjenigen über Wilhelm von Orléans den Landgrafen von Hessen eine karolingische Herkunft verschafft, oder Gert von der Schüren, der die Grafen von Kleve vom Schwanenritter Elias ableitet. Daneben gibt es weitere Berührungspunkte zu hoforientierter Literatur wie → Genealogien mit Fürstenreihen und heraldischer Preisdichtung, Panegyrik, Festbeschreibungen (→ Höfische Feste und ihr Schrifttum) etc., aber auch zu nichtschriftlichen Medien wie Wappenreihen, Ahnengalerien und Denkmälern (Studt, Symbole). Aber nur der Hofhistoriograph vermochte diese Überlieferung zusammenzufassen und ihr eine bestimmte Deutungsrichtung zu geben. Mit der Wendung Als ich die cronigk han gelesen bezieht sich etwa der Verfasser eines textierten wittelsbachischen Stammbaums auf die gelehrte Buchtradition, die er in erläuternden historiographischen Beischriften zu dem Pawm des geschlächts der herren von dem haws zu Bayern in eine einfachere Form gebracht hat (Moeglin, Ancêtres, S. 168-171 und fig. IV; Studt, Tradition, S. 217).

Durch die gelehrte Durchdringung und die Kodifizierung der dynastischen Traditionen des Fürstenhauses gilt der Historiograph als wichtigste Autorität für das Wissen über die Vergangenheit. Am Heidelberger Hof vergleicht sich Matthias von Kemnath in der Vorrede zu seiner Chronik selbstbewußt mit den Hofkünstlern Alexanders des Großen, durch die der Herrscher sein Andenken zu sichern gesucht habe. Dem Maler Apelles, dem Bildhauer Phidias und dem Erzgießer Lysipp, die die Geschichte bildlich dargestellt haben, stellt er den Geschichtsschreiber Kallistenes gegenüber, der von Alexander bevorzugt worden sei, um seine Taten in lenger vnd ewiger gedechtnus zu bewahren. Denn es ist allein der Geschichtsschreiber, der mit buchstaben vnd geschrifften die Überlieferung zu einer waren historien macht, die noch in menschlich gedechtnus ist (siehe unten B.III.).

Mit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts ist ein Wandel in der Stellung des Hofhistoriographen zu beobachten, der sich bereits in der Rolle und dem Selbstverständnis des Matthias von Kemnat anzudeuten beginnt: Parallel zur Etablierung einer neuen Intellektuellenschicht innerhalb der Helferkreise der fürstlichen Landesherren, die sich v. a. aus den gelehrten Räten und Juristen rekrutierte, ist unter den fürstlichen Historiographen immer häufiger der Typus des humanistisch gebildeten Beamten vertreten, der nicht mehr nur allein am Hof, in der Kanzlei, sondern als »poeta« auch an der Universität, den hohen Schulen oder der Akademie des Landes seinen Wirkungskreis fand. Hier unternahmen die Geschichtsschreiber in landesherrlichem Auftrag systematische Quellensammlungen und historische Forschungen sowohl zur Geschichte des Landes als auch des fürstlichen Hauses (Johanek, Hofhistoriograph; Strohmeyer, Höfische und ständische Geschichtsschreibung; Studt, Dynastiegeschichte).

Themenfelder und Funktionen

Die von den Historiographen im Umfeld des landesherrlichen Hofes behandelten Themenschwerpunkte sind von den spezifischen Aufgaben bestimmt, die der Geschichtsschreibung im Gesamtensemble der hoforientierten Literatur zukommt. Ihre Funktionen lassen sich mit drei Leitbegriffen umschreiben, die auf das Wesen fürstlicher Herrschaft und höfischer Existenz zielten: Legitimation, Panegyrik und den großen Komplex von Instruktion, Identifikation und Unterhaltung.

1. Die Legitimation zielt in erster Linie auf die Dynastie, auf deren Traditionen, Rechten und Leistungen die jeweilige fürstliche Herrschaft fußt. Den Kern der höfischen Chroniken bildet die Einbindung der fürstlichen → Genealogie in das chronologische Gerüst der Universalgeschichte, das häufig durch die Sukzession der Kaiser und Päpste seit Christi Geburt gebildet wird. Diese typische Verbindung der adligen Hausüberlieferung mit dem allgemeinen schriftlichen Geschichtswissen zeigt bereits die bayerische Chronik des Andreas von Regensburg, in der sich die → Genealogie der Wittelsbacher mit der Darstellung der Geschichte der Päpste und Kaiser verschränkt, die Andreas aus der gelehrten Geschichtsschreibung exzerpiert hat (ausgeplümet und zesamgestragen), um daraus von einer frischen gedächtnüss wegen und lob der hochwirdigen und lobsamen in der fürsten sipp zu Bayren […] von den fürsten zu Bayren ein cronik zusamtragen (siehe unten B.I.). Auch Matthias von Kemnat bezieht sich in seiner Vorrede auf Universalgeschichtsschreibung, die er insbesondere mit den Autorennamen bzw. Werkbezeichnungen cronick der Kaiser, cronica flores temporum und cronica Martiniana markiert. Die Exzerpte daraus hat er dann mit der dynastischen Geschichtsschreibung der Wittelsbacher zusammengeschmiedet, die er im wesentlichen bereits in Form der cronica der pfaltzgraffen und herren von Baiern (siehe unten B.III.), nämlich des Andreas von Regensburg, zur Verfügung hatte.

In dieser Historiographie wird der Darstellung der fürstlichen Dynastie Vorrang eingeräumt, geht es doch darum, die Spitzenahnen des Fürstengeschlechts an ein möglichst illustres Herkommen zu binden. »Ursprung und Herkommen« wird seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert geradezu eine Gattungsbezeichnung für genealogische Chroniken, in denen die Abstammung regierender Fürstenhäuser von den Trojanern, römischen Adelsfamilien, den Karolingern oder von Spitzenahnen mit vergleichbarem Prestige konstruiert wird (Althoff, Fiktionen; Lhotsky, Apis Colonna; Graus, Troja; Melville, Troja). Die um 1480 entstandene ›Chronica und altes Herkommen der Landgrafen zu Thüringen und Hessen und Markgrafen zu Meißen‹ des Johannes Nuhn widmet sich in einem ersten Teil, der mit der Geschichte Roms einsetzt und bis zum Ausgang der karolingischen Herrschaft im Frankenreich geführt ist, dem alten Herkommen der Fürstenhäuser und Adelsfamilien, die in Hessen und den benachbarten Territorien geherrscht haben. So wurden die Askanier von Ascanius abgeleitet, der aus der römischen Adelsfamilie der Orsini stammte und in Sachsen die Burg Aschersleben gebaut habe, die Markgrafen von Meißen galten als Nachfolger der Goten, die Grafen von Henneberg führten ihre Herkunft auf die römischen Colonna zurück, während die Landgrafen von Hessen genealogisch an die Karolinger angesippt wurden.

Häufig werden → Genealogie und Sukzession von Amtsträgern ineinandergeworfen und Kontinuität behauptet, um Lücken zwischen Ursprung und Gegenwart zu überbrücken. Durch die Identifizierung der Geschichte der herrschenden Dynastie mit der Geschichte des Territoriums wurde Legitimität gestiftet. Dies zeigen besonders die intensiven genealogisch-historischen Forschungen, die im Auftrag Maximilians I. durch Jakob Mennel und einen großen Mitarbeiterstab unternommen wurden. Durch komplizierte genealogische Manipulationen und graphische Deduktionen wurde der relativ jungen Dynastie der Habsburger, die den österreichischen Länderkomplex regierte, ein hohes Alter verschafft und ihre beanspruchte Gleichrangigkeit mit bedeutenden europäischen Fürstenhäusern und den französischen Königsdynastien bestätigt (Mertens, Geschichte).

Überhaupt erfuhren im 16. Jahrhundert derartige Ursprungsgeschichten eine ungekannte Konjunktur. Auch wenn der kritische Sinn der Humanisten zwar manche ins Reich der Fabel zurückwiesen, wurden gleichzeitig neue Konstruktionen entworfen, die mit noch glanzvolleren Ursprüngen aufwarten konnten. Der Legitimationszwang der Dynastie durch Darstellung ihrer → Genealogie hat in den fürstlichen Territorien bis zum Ende des Alten Reiches bestanden. Aus der Frühen Neuzeit ist eine Flut genealogischer Deduktionen überliefert, die bei politischen und reichsgerichtlichen Auseinandersetzungen Anwendung fanden.

Allerdings beruhten die Legitimationsbemühungen der Hofhistoriographie nicht allein auf dem Vorstellungskomplex von »Ursprung und Herkommen«, auch wenn dies als strukturbildendes Motiv die Darstellung dominierte, sondern sie schöpfte v. a. in den gegenwartschronistischen Teilen der Chroniken auch aus historisch-politischen Materialien, die der Sphäre der fürstlichen Kanzlei und Diplomatie entstammten. Die Historiographen füllten Argumentationsmuster und Schlüsselbegriffe der politischen Praxis mit historischem Inhalt und fügten sie zu einem zusammenhängenden System zusammen (Studt, Fürstenhof, S. 352ff. und 381-385).

2. Panegyrik

Es liegt an der engen Bindung des Historiographen an den Hof und seinen Fürsten, daß er die Träger, insbesondere den jeweils regierenden Vertreter der Dynastie panegyrisch beschreibt. In Frankreich und Burgund wurde von einem Hofhistoriographen erwartet, daß er als »chroniquer« oder »indiciaire« dem regierenden Fürsten überall hin folgte, damit er dessen admirables gestes par escriture authentique aufzeichne. Davon unterschied sich der angesehenere »historien«, der seine besonderen literarischen Fertigkeiten und seine rhetorische Bildung in den Dienst des Fürsten stellte, um ihm, seinen Taten und dem Glanz seines Hofes ein bleibendes Denkmal zu setzen (Guenée, Histoire, S. 1013). Dieser Einfluß der literarischen Vorbilder und stilistischen Normen des italienischen Humanismus auf die höfische Geschichtskultur ist auch an einigen deutschen Fürstenhöfen nachweisbar, in vollster Ausprägung am Hofe Maximilians, der seine humanistisch gebildeten Sekretäre in sein Ruhmeswerk eingebunden hat (Müller, Gedechtnus, S. 55ff.) Am Heidelberger Hof, einem frühen Zentrum der Humanismusrezeption, richtete Matthias von Kemnat sein Geschichtswerk ganz auf den Nachruhm seines Fürsten aus, dessen Lebensbeschreibung er den größten Teil seiner Chronik gewidmet hat. Nach dem Vorbild der → Lobrede, die der humanistische Poet Peter Luder dem Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen gewidmet hat, vergleicht sich der humanistisch orientierte Geschichtsschreiber trotz seiner rhetorischen Bescheidenheitstopik selbstbewußt mit dem griechischen Geschichtsschreiber Kallistenes, der für das »gedechtnus« – dieser Begriff fällt insgesamt fünfmal – Alexanders des Großen gesorgt habe. Matthias bezeichnet dieses antike Vorbild seiner eigenen Kunst als einen gekronten vnd geblumten poeten und wollredener, einen »poeta laureatus«, der vom Herrscher privilegiert ist und diesem dafür zum Herrscherlob verpflichtet ist. Und so bekundet auch Matthias von Kemnat gegenüber seinem Fürsten, er wolle das selbig dein lob mit warheit, dich vnd deiner vorvordern biss in die himmel zu heben (siehe unten B.III.; vgl. dazu Müller, Rede; Studt, Fürstenhof, S. 178ff.).

3. Didaxe

In der mittelalterlichen → Fürstenspiegelliteratur wird allgemein auf den Nutzen von Geschichtskenntnissen für den Herrscher abgehoben. In dem → Fürstenspiegel, den der italienische Humanist Petrus Antonius Finariensis für Friedrich den Siegreichen von der Pfalz verfaßte, wird betont, daß Friedrich Tag und Nacht die Taten Hektors, Hannibals und Phyrrhus' gelesen habe, um deren Ruhm und Tugend nachzustreben (Singer, Fürstenspiegel, S. 68; Studt, Fürstenhof, S. 397). Der Hofhistoriograph, der diesen Heroenkult bedient, indem er die Taten seines Fürsten mit denen seiner Vorbilder vergleicht und damit die zeitliche Kluft zwischen den historischen Exempeln und der fürstlichen Gegenwart überbrückt, liefert damit nicht nur ein Herrscherlob, sondern gleichzeitig Maßstäbe für das Handeln des Fürsten. Es ist Aufgabe der Geschichtsschreibung, diese Maßstäbe anhand der Reihe von vorbildlichen, tugendhaften, heiligen oder sonstwie verdienstvollen Vorfahren und Vorgängern zu erläutern, an denen sich der Fürst und seine adligen Helfer, die seine Regierung mittrugen, orientieren konnten. Aber auch in den gegenwartschronistischen Teilen der Chroniken finden sich sentenzenhafte, bisweilen auch kritische Kommentare, in denen der erzieherische Anspruch des Hofhistoriographen zum Ausdruck kommt. Bei aller Anhänglichkeit an die hessischen Fürsten verzichtet etwa Johannes Nuhn nicht darauf, Pflichtvergessenheit, Verschwendungssucht oder den Einfluß schlechter Ratgeber als warnende Beispiele offen zu rügen, und in der Vorrede seiner ›Chronica und altem Herkommen‹ wird das Konzept des Tugendadels exemplifiziert, um den Fürsten und seine adligen Helfer am Hof an ihre öffentlichen Aufgaben und ihre Verpflichtung gegenüber den Taten der Vorfahren zu erinnern (Johannes Nuhn, c. 12-14, S. 303-305).

Doch abgesehen von diesen zentralen Anliegen, die sich auf die fürstliche Regierungspraxis richten, zielt die höfische Geschichtsschreibung in viel umfassenderer Weise darauf, der Hofgesellschaft einen Spiegel ihrer exklusiven Kultur vorzuhalten und ihr Normen höfischer Verhaltensweisen zu vermitteln. So gerät etwa die Chronik des Matthias von Kemnat zum Demonstrationsfeld für Idealbilder ritterlich-höfischer Erziehung, christlicher Tugenden und humanistischer Bildung, und die umfangreichen Exzerpte aus zeitgenössischer Traktatliteratur, etwa einer → Tischzucht über die Gestaltung eines idealen Gastmahls, ferner aus Dossiers der Kanzlei und Schrifttum der Hofverwaltung dienen der allgemeinen Verständigung über höfische Werte, Tugenden und Pflichten (Studt, Fürstenhof, S. 300ff., bes. 417). Darüber hinaus bieten eingestreute Anekdoten, Personenlisten, Landesbeschreibungen, panegyrische Gedichte usw. vielfältige Identifikationsmöglichkeiten sowohl für die traditionellen adligen als auch die neuen humanistisch gebildeten Funktionseliten des Hofes. Aufgrund ihres weiten Quellenspektrums gerät die Chronik zum Integrationsfeld von hoforientierter Literatur und bietet nicht nur instruktiven, sondern ganz allgemein unterhaltsamen Lesestoff für ihre Besitzer.

Konkurrierende Modelle

Neben den Hofhistoriographen begannnen gegen Ende des Mittelalters gebildete Amateure oder auch gelehrte Autoren als Angehörige jener gesellschaftlichen Gruppen, die beanspruchten, neben dem Fürsten das Land zu vertreten, ihrem Gefühl eines Landes-, regionalen oder Heimatbewußtseins zunehmend auch in historiographischer Weise Ausdruck zu verleihen. Die Überzeugung, seit unvordenklichen Zeiten auf demselben Gebiet gewohnt zu haben, und der Stolz auf die von den Vorfahren der Bewohner dieser terra vollbrachten großen Taten veranlaßte sie, die von ihnen selbst erlebte oder erfahrene Geschichte sowie die von ihnen zusammengetragenen historischen Traditionen mit der gesamten erreichbaren historischen Überlieferung zu verbinden, in den Ablauf der Universal- und Reichsgeschichte zu integrieren und diese aus eigener Perspektive zu deuten. Diese Geschichtsschreibung bediente sich meist der Form der Chronik, die zugleich dynastisch und regional gebunden war. Denn die Geschichte des Territoriums wurde immer auch auf die Reihe der Herrscher bezogen, die in ihm regierten. So bildete die Sukzession der Fürsten vor dem dahinter durchscheinenden universalhistorischen Geflecht der Papst- und Kaiserreihen gleichsam den Leitfaden der historischen Darstellung, an dem sich der Verlauf der Geschichte des Landes entwickeln ließ. Vor diesem Horizont erscheint die Existenz eines selbständig regierenden Herschergeschlechts, dessen Schicksal mit dem des Landes identisch ist, als Zeugnis einer regionalen Identität. Auch wenn die Fürsten zunehmend das legitimatorische Potential erkannten, das eine solche Landesgeschichtsschreibung für ihre dynastische Propaganda bieten konnte, ist deren Entstehung doch zunächst unabhängig von den Interessen der regierenden Dynastie zu sehen. Die Autoren konnten durchaus eine kritische Haltung gegenüber einzelnen Vertretern der Fürstenfamilie einnehmen, unabhängig von ihrem grundsätzlichen Anliegen, die Tradition des Landes in der Geschichte seiner Fürsten zu verankern. Wie weit diese Identifikation des Landes mit seinen Fürsten reichte, hing jeweils von Präsenz, Einfluß und Akzeptanz der regierenden Dynastie ab (Johanek, Weltchronistik, S. 290f. und 306f.; Moeglin, Bewußtsein; Mertens, Landeschronistik; Strohmeyer, Geschichtsschreibung).

In der neueren historiographiegeschichtlichen Forschung ist die Geschichtsschreibung der Städte als Quelle für den landesfürstlichen Hof noch nicht hinreichend gewürdigt worden. Zum einen liegt dies an der Übermacht der historiographischen Überlieferung, die aus den Reichsstädten stammt und die sich aus dem besonderen Interesse nach historischer Legitimierung und Speicherung von Erfahrung für das politisch unabhängige Ratsregiment erklären läßt. Zum anderen sind die – zweifellos ungleich schmaler überlieferten – Zeugnisse, die aus den Residenzstädten stammen, von der Editionspraxis eher stiefmütterlich behandelt worden. Doch die verstreuten Chroniken und historiographischen Aufzeichnungen, die wie die Werke des Johannes Rothe in Eisenach oder die ›Landshuter Ratschronik‹ von der Identifikation der Residenzstadt bzw. ihrer politischen Führungsschichten mit dem Fürstenhof, oder aber auch von Konflikten zwischen Stadt und Fürst zeugen (Dirsch-Weigand, Stadt; Studt, Funktionen), weisen darauf hin, daß auch in der städtischen Überlieferung noch wichtige Quellen für den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fürstenhof zu erschließen sind.

B.

I. Andreas von Regensburg, Chronik von den Fürsten zu Bayern, Prolog

a) Lateinische Fassung

In nomine domini incipiunt cronica de principibus terre Bavarorum

Magnifico et excellenti domino Ludowico comiti palatino Reni, duci Bavarie et comiti in Mortain, karissimo domino suo, frater Andreas presbiter monasterii S. Magni confessoris in pede pontis Ratisponensis oraciones suas cum ardore sincerimisse karitatis.

Serenissime princeps et domine, dudum deo donante cronicis Romanorum pontificum et regum ad utilitatem precencium et futurorum exflorando collectis ad laudem et memoriam recenciorem virorum gloriosorum in generacione principum Bavarie, utpote Karoli Magni, Heinrici sancti, Romanorum Augustorum, et ceterorum quoddam eciam opusculum de cronicis principum Bavarie colligere cogitavi.

Ex quo vero serenitas vestra post datam vobis nunc figuram de genealogia principum Bavarie, que ab Ottone avo Ludowici IV. Romanorum imperatoris incipit, hoc a me pusillo modo exegit, quod dudum facere desideravi, liceat michi parvulo cum ingenuitate vestra modo familiari more epistolaris officii paucis verbulis quasi quibusdam susurriis confabulari.

Cum acta predecessorum ideo scripturis commendentur, ut posteri ipsa ruminando pertractantes ad eorum laudabilia acta fervencius excitentur, forma felicitatis humane, quam felicitatem alii opes, alii honores, alii potenciam, alii gloriam sive nobilitatem, alii voluptates opinantur, quomodo ista felicitas a vera felicitate et summo bono distare videatur, attentis priscorum hystoriis pulchrius eluscit. […].

Scriptum Martino papa V. presidente, Sigismundo Romanorum, Ungarie, Bohemie, Croacie et Dalmacie etc. rege regmante, anno domini millesimo quadringentesimo vicesimo quinto feria 6. in die exaltacionis sancte crucis.

Andreas von Regensburg, Werke, S. 505f.

b) Deutsche Fassung

Im nam des herren hebt sich an cronik von fürsten zu Bayren

Dem grosmächtigen und hochgeboren herren Ludweig, pfalczgraff bey Rein, herczog in Bayren und graff zu Mortain, seinem allerliebsten herren, bruder Andre, priester des goczhawss zu sand Mang am fuess der prukken zu Regenspurg, sein gepet mit prunst allerlauteristen lieb.

Durchleuchtigister fürst und herr, nachdem und ich von gottes gaben dy croniken von päbsten und römischen kaysern durch nucz wegen der gegenwurtigen und auch der chunftigen hab ausgplümet und zesamgetragen, so hab ich darnach von einer frischen gedächtnüss wegen und lob der hochwirdigen und lobsamen in der fursten sipp zu Bayren, als Karoli, der genamt ist Magnus, das als vil gesprochen ist sam der gross, und des heyligen sant Heinrich, dy bayd römisch kayser gewesen sein, und der andern, auch willen gehabt, von fürsten zu Bayren ein cronik zesamtragen.

Nu seindimal ewer durchleuchtikait, nachdem und ich ew nu geben hab ein figur der fürsten sipp zu Bayren, dy sich anhebt an herczog Otten, kayser Ludweigs der vierden ahnherren, von mir ewren kleinen nu begert, das ich lengst hab willen, so lat das ewrem freyem adel ein wolgevallen sein, das ich mit churczweiligen warten sam in gehaymen gesprächh ein wenig mit ew reden wil.

Unserer vorvorderen tat und hänndel werdent darumb geschriben, das ir nachkomen dy selben indrukchen und durchüben süllen, als das sy hicziklich zu iren löblichen werkchen erwekcht werden. Wenn das also geschiecht, so prüft man wol dy menschlich sälikait, dy ettlich also vor in haben, das sy ligent sey an reychtum, ettlich an wirdikait, ettlich an gewalt, ettlich an löblichait oder adel, ettlich an wollust, wie dy selb sälikait gegen der waren sälikait und dem höchsten guet ein underschayd hab, das wirt lautterlich geoffenwart, wenn man der alten hystori innichlich durchschawent ist. […]

Das ist geschriben, da Martinus des nams der fünft pabst ze Rom sas und Sigismundus römischer und zu Ungern, Beheym, Croacie, Dalmacie etc. künig herschent was, da man zalt von Kristi gepurt vierczehenhundert jar und darnach im sibenten und zwainczkistem jar der freytags an des heyligen kreücz tag, als das erhöcht ward.

Andreas von Regensburg, Werke, S. 591f.

II. Andreas von Regensburg, Bericht über den Aufenthalt am Straubinger Hof am 20. Oktober 1431 (nur in der lateinischen Fortsetzung der Chronik von den Fürsten zu Bayern)

Item pro defensione bonorum et iurium monasterii ego unacum confratre meo, domino Conrado Forchamär, dominum Ernestum ducem Bavarie Strawbigne constitutum accessi. Et factum est sabbato post festum S. Luce ewangeliste, dum starem in stuba maiori, que est in castro, inter milites et nobiles ipsis querentibus, quid in cronicis scriberem de rebus gestis, ipse dux Ernestus retro accedens et a tergo brachiis suis super humerum meum positis sicque me amplectens aiebat: Quid est, quod proxime in cronicis voltis scribere? At ego aliquantulum dissimulans, ut principem plus excitarem, dixi me nescire. Ad hec princeps: Dicite, quid boni proxime cronice voltis scribere? Ad hec ego: Princeps graciose, est causa, propter quam presens sum. Quam si graciose audieritis, hoc erit bonum, quod proxime pro cronicis scribam. Ad hec princeps: De hoc non quero. At ego: Est michi hoc potissimum bonum, ut in causa monasterii a vobis graciose exauditus bonorum rerum apud fratres meos, a quibus missus sum, bonus sim nuncius, et istud desideratissime scribam.

Dominis autem, qui tunc astabant, et presertim Johannes Satelpoger Geltefing michi suffragantibus princeps dixit: Dicite, quid habetis tractare? At ego: Princeps graciose, propter areas, per quas ductum est fossatum in pede pontis Ratisponensis, ad serenitatem vestram veni petens, ut tamquam advocatus iura monasterii dignemini manutenere. Tunc gloriosus ille princeps intulit: Libenter istud faciam, peciitque sibi dari causam in scriptis. Quod et feci. Et quia dixi, quod hanc causam essem scripturus tamquam potissimum bonum, ideo eam hic pro cronicis scripsi, ut ad notitiam pervenit posterorum.

Andreas von Regensburg, Werke, S. 574f.

III. Matthias von Kemnat, Chronik Friedrichs I. von der Pfalz, Vorrede

Dem durchleuchtigen hochgeborn, streitbarlichen herren, den man nent den menlichen fursten, herren Friederichen pfaltzgraff bei Rein, hertzog in Baiern, des romischen reiches churfurst und ertzdruchssess, meinem allergnedigsten heren, wunsch ich Mathes von Kemnet, in geistlichen rechten bacculaurius, seiner gnaden caploin, gluck, heil und den sigk.

Allergnedigster, herr, hochgebroner furst! Ich hab zum dicker mall bedacht vnd gelesen die geschicht deiner vorfordern, die gar schimbarlichen gefarn haben inn aller wollthat vnd streittbarlichen geschichten, vnd, wiewoll die wollthat vnd vberwintlichkeit derselbigen deiner vorfordern grossmechtig ist gewesen, iedoch du, aller vberwintlichster furst, hast du die selbigen bei vnsern zeiten alle groß vbertroffen.

Die bemelt sach ist mir Mathis ein vrsach, hie in einer kurtz warlich zu beschrieben ettlicher mass die geschicht der bepst, der kaiser, ettlicher heiligen, ettlicher geschicht der pfaltzgraffen, der herren von Baiern, von Beham, von Franckenrich, vnd vil ander fursten vnd herren mehre.

Ich finde auch geschrieben, das Alexander magnus, da er die wellt bezwang, furt er mit ime Apellem den maler, Phirgottolem den bildschnitzer vnd Lysippum den ertzgisser, das iglicher sein geschicht nach seiner kunst abeformt vnd macht. Jedoch betracht der selb Alexander, das sein wolthatt vnd schinbarliche geschichte in lenger vnd ewiger gedechtnuss belib, soman sein geschicht mit buchstaben vnd geschrifften abformbt. Hierumb furt er mit ime Calistenem, den gekronten vnd geblumten poeten vnd wollredener, der alle sein streitbarlich gedechtnuss in ewig deutschnuss macht vnd zu einer waren historien macht, die noch in menschlicher gedechtnus ist.

Also ich Mathias, o du aller vnuberwindtlichster furst, wiewol mein kunst vnd gedechtnus krangk vnd mager ist, auch nicht geschetzt gegen den, die die grossthatt der fursten beschrieben haben, yedoch, so ich dein geschicht, dein streitt, dein vnuberwintlichkeit, dein ehre vnd tugent gesehen hain, dabei vnd darmit gewesen bin das merertheill, begere ich das selbig dein lob mit warheit, dich vnd deiner vorfordern wolthatt biss in die himmel zu heben

vnd hab dies historigbuch genomen vnd ausgetzogen, mit namen genant: Papanist, cronick der kaiser, passional der heiligen, cronica flores temporum genant, cronica Gottorum, cronica der herren von Franckreich, cronica Strabonis des kriechischen buchschriebers, commentaria Julii des kaisers, cronica Martiniana vnd Spartiana, cronica Francisci Petrarche, cronica der pfaltzgraffen vnd der herren von Baiern, vnd han das genomen aus vil andern bewerten cronicken vnd versigelten warhafftigen brieffen, besunderlich auch der konig von Behem,

vnd ich beger auch hiemit, mich zu straffen, wo ich zu vil oder zu wenig gesetzt hain, das man das ausdilge, vnd besunderlich von den wil ich gestrafft sein, die mehre historien gelesen haben, dan ich.

O menlicher Friedrich, o Friederich, aus des monde in ernstlichen sachen kein onwarhafft wort nie funden ist, der alleweg gesickt hat vnd nie vberwunden ist, nem hin von mir durfftigen vnd lamen diener, deinen willigen caploin, den du aus dem kotth erhaben vnd ertzogen hast, mit frolichem gemut vnd hertzen diss klein historigbuch mit grosse muhe zusamen gesetzt, vnd das gesucht, das man nent arteticam vnd podagram, mich vnd mein gelidder verlesset oder gnediger wirt,

wil ich vnderstehen, dein geschicht vnd wolthatt hoher zu beschreiben.

Vale.

Matthias von Kemnat, Chronik, S. 3f.

C.

Quellen

Andreas von Regensburg, Sämtliche Werke, hg. von Georg Leidinger, München 1903, ND Aalen 1969 (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. NF 1). – Braunschweigische Reimchronik, hg. von Ludwig Weiland, in: MGH Dt. Chron. II, 1877, S. 430-574. – Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg, hg. von Hermann Diemar, Marburg 1909, 2. Aufl. 1989 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 7). – Ernst von Kirchberg, Mecklenburgische Reimchronik, hg. von Christa Cordshagen und Roderich Schmidt, Köln u. a. 1997. – Gert van der Schueren, Clevische Chronik, hg. von Robert Scholten, Kleve 1884. – Des Ritters Hans Ebran von Wildenberg Chronik von den Fürsten aus Bayern, hg. von Friedrich Roth, München 1905, ND Aalen 1969 (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. NF 2,2). – Historia Welforum, hg. von Erich König, Stuttgart u. a. 1938 (Schwäbische Chroniken der Stauferzeit, 1). – Johannes Nuhn, Chronica und altes Herkommen der Landgrafen zu Thüringen und Hessen und Markgrafen zu Meißen, Teilabdruck in: Selecta juris et historiarum, hg. von Heinrich Christian Senckenberg, Bd. 3, Frankfurt 1735, S. 301-514. Die Überschriften der ersten elf dort ausgelassenen Kapitel bei: Müller, H.: Joseph Imhofs Hessische Chronik, in: Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde 18 (1881) S. 394f. – Johannes Rothe, Thüringische Weltchronik, hg. von Rochus von Liliencron, Jena 1859 (Thüringische Geschichtsquellen, 3). Eine Edition der viel einflußreicheren ›Thüringischen Landeschronik‹ wird von Sylvia Weigelt vorbereitet. – Landshuter Ratschronik, hg. von Theodor Heigel, in: Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Bd. 15, 2. Aufl., Göttingen 1963, S. 245-366. – Liber fundatorum Zwetlensis monasterii. »Bärenhaut«. Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat der Hs. 2,1 des Stiftsarchivs Zwettl, hg. von Karl Brunner, Graz 1981 (Codices selecti, 73). – Matthias von Kemnat, Chronik Friedrichs I., hg. von Konrad Hofmann, in: Quellen zur Geschichte Friedrichs I. des Siegreichen Kurfürsten von der Pfalz, Bd. 1, München 1862, ND Aalen 1969 (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, 3,2), S. 1-141, und Bd. 2, München 1863, ND Aalen 1969 (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, 3,2), S. 304-315. – Michel Beheim, Pfälzische Reimchronik, hg. von Konrad Hofmann, in: Quellen zur Geschichte Friedrichs I. des Siegreichen Kurfürsten von der Pfalz, Bd. 2, München 1863, ND Aalen 1969 (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, 3,2), S. 1-258. – Ulrich Füetrer, ›Bayerische Chronik‹, hg. von Reinhold Spiller, München 1909, ND Aalen 1969 (Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. NF 2,2). – Wiegand Gestenberg von Frankenberg 1457-1522. Die Bilder aus seinen Chroniken, hg. von Ursula Braasch-Schwersmann und Axel Halle, Marburg 2007 (Untersuchungen und materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte, 23).

Eine neuere Überblicksdarstellung steht noch aus; vgl. daher immer noch: Lorenz, Ottokar: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, Bd. 1-2, 3. Aufl., Berlin 1886, ND Graz 1966; ferner die Fallstudien in dem Tagungsband: Les princes et l'histoire du XIVe au XVIIIe siècle, hg. von Chantal Grell, Werner Paravicini und Jürgen Voss, Bonn 1998 (Pariser Historische Studien, 47), und die Lexikonartikel zu den einzelnen genannten Autoren, in: Verfasserlexikon Iff., 2. Aufl., 1978ff. – Althoff, Gerd: Genealogische und andere Fiktionen in mittelalterlicher Historiographie, in: Fälschungen im Mittelalter. Internationaler Kongreß der Monumenta Germaniae Historica, München, 16.-19. September 1986, Bd. 1, München 1988 (Monumenta Germaniae Historica. Schriften, 33,1), S. 416-441. – Bastert, Bernhard: Der Münchner Hof und Fuetrers ›Buch der Abenteuer‹. Literarische Kontinuität im Spätmittelalter, Frankfurt am Main 1993 (Mikrokosmos, 33). – Becher, Matthias: Der Verfasser der ›Historia Welforum‹ zwischen Heinrich dem Löwen und den süddeutschen Ministerialen des welfischen Hauses, in: Heinrich der Löwe. Herrschaft und Repräsentation, hg. von Johannes Fried und Otto Gerhard Oexle, Ostfildern 2003 (Vorträge und Forschungen, 57), S. 347-380. – Dirsch-Weigand, Andrea: Stadt und Fürst in der Chronistik des Spätmittelalters, Köln u. a. 1991. – Gottschalk, Maren: Geschichtsschreibung im Umkreis Friedrichs I. des Siegreichen von der Pfalz und Albrechts IV. des Weisen von Bayern-München, Diss. phil. München 1989. – Graus, František: Troja und die trojanische Herkunftssage im Mittelalter, in: Kontinuität der Antike im Mittelalter, hg. von Willi Erzgräber, Sigmaringen 1987, S. 25-43. – Grubmüller, Klaus: Der Hof als städtisches Literaturzentrum. 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