GENEALOGIEN
A.
Elementare Regeln der Verwandtschaft und ehelichen Allianz gehören zweifellos zu den primären Formen der Kultur (Lévi-Strauss, Strukturen). Das »System der Verwandtschaftsbeziehungen« in archaischen Gesellschaften hat Jürgen Habermas einmal als »totale Institution« beschrieben, da es sämtliche »soziale Zugehörigkeiten« und »Rollendifferenzierungen« regle und eine »Grenze der sozialen Einheit« festlege, nach der sich die Interaktionsformen mit Verwandten und Nichtverwandten strikt voneinander scheiden ließen (Habermas, Theorie, hier Bd. 2, S. 235). Diese im Blick auf archaische Gesellschaften entwickelte Konzeption von Verwandtschaft läßt sich nicht ohne weiteres auf das Mittelalter übertragen: Zwar gibt es auch im Hoch- und Spätmittelalter noch nicht den Pluralismus institutioneller Gefüge wie in der Moderne, doch wird der Geltungsbereich von Verwandtschaft durch sich z. T. mit ihr überschneidende, z. T. konkurrierende hochorganisierte staatliche und kirchliche Institutionen bereits soweit eingeschränkt, daß Verwandtschaft keinesfalls als »totale«, das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmende Ordnung betrachtet werden kann. Andererseits erweist sich der segmentär-familiale Organisationsmodus der Gesellschaft im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit noch als höchst bedeutsam. Dementsprechend sind uns in Schrift und Bild eine Fülle von genealogischen Zeugnissen überliefert.
In erster Linie präsentieren Genealogien Antworten auf die Fragen nach der Stellung des einzelnen innerhalb der Gemeinschaft, denn im Mittelalter ist die Identität des einzelnen in ganz erheblichem Maße durch sein Wissen um seine Eltern und Vorfahren, durch seine Einbindung in Familie und Verwandtschaft bestimmt. Bilden diese personalen Beziehungen von Familie und Verwandtschaft auch den semantischen Kern des Genealogischen, so organisieren genealogische Muster daneben auch weitere Gebiete: Als genealogisch strukturiert erweisen sich nicht nur die vielen Darstellungen von der Entstehung und Entwicklung von Familien, insbesondere von Königs- und Adelsgeschlechtern, sondern auch die Geschichte des Reiches, der Völker, der Städte, der Sprachen und Wörter. Mithin stellen Genealogien ein zentrales Modell der Konstruktion von Geschichte, der Ordnung von Gesellschaft und der Ordnung des Wissens in Mittelalter und Früher Neuzeit dar (Kellner, Ursprung). Mittels der Konstruktion von Blutslinien und Amtssukzessionen, welche mit dem Wandel der politischen Verhältnisse immer wieder umgeschrieben und neu modelliert werden konnten, erweisen sich Genealogien unter dem Anschein, Manifestationen des Natürlichen, des Leiblichen zu sein, als in hohem Maße flexible kulturelle Konstruktionen zur Legitimierung von Macht.
Formen, Begriffe und Abgrenzungen von Verwandtschaft
Der Konstruktcharakter des Genealogischen zeigt sich schon darin, daß die Abgrenzungen von Familie und Verwandtschaft sowohl diachron vom Frühmittelalter bis in die Frühe Neuzeit, wie auch synchron stark variierten. Deutlich ablesbar ist dies an den unterschiedlichen Bestimmungen zu Ehe, Familie und Verwandtschaft, wie sie sich im kanonischen Recht und in den volkssprachlichen Rechtsüberlieferungen finden. Besonders differenziert erscheinen die Regelungen des für juristische Fragen von Ehe und Verwandtschaft zentralen kanonischen Rechts. Daher läßt sich an Entwicklungen dieses Eherechts und damit zusammenhängend an der genealogischen Tradition der sog. »Arbores consanguinitatis et affinitatis« besonders gut verfolgen, in welchem Maße die Grenzen der Verwandtschaft im Verlauf des Mittelalters als variabel betrachtet wurden.
Vom Früh- bis zum Spätmittelalter zeichnet sich hier eine erhebliche Spannbreite der Regelungen ab: Noch um 600 scheinen Eheschließungen ab dem vierten Verwandtschaftsgrad römischer Computation nicht verworfen worden zu sein, während aus Zeugnissen des 8. Jahrhunderts erhellt, daß das matrimonium nun bis zum 7. Grade verboten werden konnte. Konzilsbeschlüsse, Briefe, Poenitentialbücher und andere Quellen zeigen die Uneinheitlichkeit der Bestimmungen während der Karolingerzeit. Den verschiedenen Regelungen entsprachen wiederum je nach den Rechtstraditionen (römisch, germanisch, kanonisch) verschiedene Arten, die Verwandtschaftsgrade zu zählen, und darüber hinaus divergierten auch die Begründungen für den Ausschluß von Verwandtenehen. Am Ende des 11. Jahrhundert wurden Eheverbot und Verwandtschaftsgrenze auf die 7. generatio festgelegt – ein Prozeß, in dem Gratians »Decretum« eine Schlüsselrolle zukam. Da die weitreichenden Verbote und Grenzziehungen in der Praxis, wie eine Fülle von Zeugnissen nahelegen, keine durchschlagende Geltung gewannen, wurden sie im 13. Jahrhundert wieder aufgehoben: So war das Ergebnis des langen und komplizierten Prozesses, daß Innocenz III. auf dem 4. Laterankonzil von 1215 die Ausdehnung der Blutsverwandtschaft und damit auch die entsprechenden Eheverbote vom 7. wieder auf den 4. Grad zurücknahm. Genealogie erweist sich mithin als Ordnungssystem, dessen Rahmen nach den verschiedenen Reflexionsebenen, gesellschaftlichen Kontexten und pragmatischen Erfordernissen verschoben werden konnte.
Biblische Genealogien und genealogische Geschichtsschreibung
Einen wichtigen Horizont für die sich ab dem 12. Jahrhundert etablierende genealogische Geschichtsschreibung (→ Hofgeschichtsschreibung), welche die Geschichte einzelner Fürstenhäuser entwickelt, bildeten die Genealogien des Alten und Neuen Testaments. Eine besondere Rolle spielten hier graphische Umsetzungen der Geschlechtsregister Christi in Form von Stammbäumen und genealogischen Tafeln (Melville, Geschichte). Die ältesten Graphiken zur Genealogia Christi finden sich in Handschriften der bis ins späte 10. Jahrhundert zurückreichenden Überlieferung des Kommentars von Beatus von Liébana zur Johannes-Apokalypse. Die genealogischen Tafeln (etwa in der Pariser Handschrift, Bibliothèque Nationale, Ms. lat. 8878, fol. 5vff.) präsentieren hier eine Abstammungslinie, die vom ersten Menschenpaar über die heilsgeschichtlichen und genealogischen Schlüsselfiguren Noah, Abraham, Isaak, Jacob und David auf Christus führt. Daß die Abstammung Christi hier im großen heils- und profangeschichtlichen Kontext perspektiviert werden soll, zeigt sich auch durch die Integration der paganen römischen Weltherrscher in das graphische System. Bereits in dieser frühen Überlieferung wird auf solche Weise deutlich, wie die Genealogie Christi über das Prinzip der Sukzession geschichtlich »verlängert« werden konnte.
Dies bestätigt sich auch an jenem ›Compendium historiae in genealogia Christi‹ des Petrus Pictaviensis (ca. 1125/30-1205), das man als den für das Spätmittelalter richtungweisenden Prototyp einer Genealogie Jesu beschreiben könnte, als genealogisches Handbuch, das in zahlreichen Handschriften verbreitet war und eine Reihe von Erweiterungen erfuhr. Integriert wurden hier auch sukzessionelle Reihen von Päpsten, die von Petrus bis ins Hoch- und Spätmittelalter führten sowie Linien von römischen Kaisern, die – den Gedanken der translatio imperii voraussetzend – über Karl den Großen bis ins Spätmittelalter reichen konnten. Gerade daran läßt sich studieren, wie die biblischen Genealogien zum Modell der Darstellung von Amtssukzession und Genealogie wurden. Dieses ließ sich auf die Profangeschichte und damit auch auf die dynastische Geschichtsschreibung (→ Hofgeschichtsschreibung) übertragen.
Traditionsgeschichtlich bedeutsam wurde in diesem Kontext die Idee von der Abstammung Christi aus der Wurzel Jesse (Jes 11,1f.; 11,10; 53,2). Graphische Darstellungen der Genealogia Christi als Baum Jesse lassen sich ab dem späten 11. Jahrhundert nachweisen, im Hoch- und Spätmittelalter finden sie zunehmende Verbreitung: Häufig zeigt der Bildtyp eine liegende Figur Jesse, aus deren Körper wie aus einer Wurzel ein Baum bzw. ein baumartiges Gebilde mit Repräsentationen von Vorfahren Christi erwächst. Über die hier zugrundeliegende Idee des Baumes und seines organischen Wachstums betonen die Wurzel-Jesse-Darstellungen die vertikale Richtung genealogischer Entwicklungen.
Die bei der Darstellung der biblischen Genealogien akzentuierte Vertikalität paßt zur These von der Umstrukturierung des Adels ab dem 10. und 11. Jahrhundert von lockeren Verwandtschaftsgruppen zu Dynastien (Schmid, Gebetsgedenken). Dieser Prozeß, der sich als Wandel des Verwandtschaftssystems von der Horizontalität in die Vertikalität zusammenfassen ließe, manifestiert sich in der Herausbildung von adeligen Herrschaftszentren und Stammsitzen, auf die sich das Familienbewußtsein konzentrierte. Eine gewichtige Rolle spielten in diesem Zusammenhang die Hausklöster als Grablegen für die Familien, da sie den Konnex von lebenden und toten Familienangehörigen gewährleisteten. Wahrscheinlich kann man erst seit dem Hervortreten dieser Geschlechter im Hochmittelalter mit einem genealogischen Bewußtsein der Adelsfamilien im Sinne eines Denkens in diachronen Abstammungslinien rechnen. Zeitlich treten die Genealogien von Adelsgeschlechtern daher gegenüber den Genealogien von Königsgeschlechtern, die uns bereits aus der Karolingerzeit überliefert sind, deutlich später auf. »Adlig sein« heißt zunehmend auf eine Genealogie verweisen zu können. Entsprechend wichtig werden im Hochmittelalter genealogisch geprägte Formen adliger Geschichtsüberlieferung. Diese nehmen unseren Überlieferungsbefunden nach im Spätmittelalter explosionsartig zu, was sicherlich auch mit der enormen Ausweitung des Schriftgebrauchs und damit verbunden der zunehmenden Verschriftlichung des Lebens auch in laikalen Kreisen zu tun hat.
Modi und Funktionen genealogischer Geschichtsschreibung
Genealogische Geschichtsschreibung (→ Hofgeschichtsschreibung) zielt in Mittelalter und Früher Neuzeit auf die Legitimation und Selbstdarstellung von Macht, Herrschaft und Ansehen eines Geschlechts, eines Reiches, einer gens oder einer Stadt. Im Rahmen genealogischer Herrschaftsbegründungen ist es dabei entscheidend, wie weit in die Vergangenheit eine Genealogie zurückreicht und wie lückenlos das Heil von einer Generation in die nächste übertragen wird. Die Konstruktion der Blutslinien sichert die Kontinuität der Reihe und bewirkt, daß Genealogien auf diese Weise stabilitas und Dauer in den Wechselfällen der Zeit zu garantieren scheinen. Die konstruierten, möglichst lückenlosen Generationenketten stellen dabei Entwürfe ›transpersonaler Kontinuität‹ dar, denn ganz im Sinne jener Überlegungen, welche im Rahmen der sog. Korporationslehren (vorwiegend im Spätmittelalter) angestellt wurden, setzen sie den Gedanken der Identität einer Gesamtheit, einer universitas, ins Bild, welche trotz personalen Wechsels, trotz der Vergänglichkeit ihrer Glieder, bestehen bleibt (Kantorowicz, Körper). Die Rechtmäßigkeit von genealogisch begründeter Macht beruht allerdings nicht allein auf der Kette der Vorfahren im Blut, sondern auch auf der Kontinuität der Amtsinhaber, der lückenlosen Kette der Vorgänger. Ideal konstruierte Genealogien kanalisieren die Blutslinien so, daß sie mit den jeweiligen Amtssukzessionen zur Deckung kommen: Die Reihe der Vorgänger im Amt und der Vorfahren im Blut fallen dann zusammen (Melville, Vorfahren).
Ist die Legitimität der Macht im Rahmen einer genealogisch fundierten Herrschaftsform in jeder Generation neu zu hinterfragen und über die Kontinuität des Blutes und die Amtssukzession zu begründen, so stellt sich das Problem noch ungleich schärfer im Blick auf die Anfänge einer Gemeinschaft. Die Frage nach dem »Spitzenahn« bildet sozusagen die crux jeder genealogischen Ordnung, denn einerseits soll er den Beginn einer genealogischen Linie markieren, andererseits aber ist er der genealogischen Systematik gemäß über seine Ahnen zwangsläufig wiederum selbst in eine Generationenkette eingebunden, die sich über den vermeintlichen Ursprung hinaus zurückverfolgen läßt. Die Genealogie eines Geschlechts droht sich daher stets aufzulösen in der universalen, gleichzeitig gültigen christlichen Ordnung der Verwandtschaft aller Menschen von Adam her.
Daher muß mit dem »Spitzenahn« gewissermaßen gegen die Logik der genealogischen Sukzession ein Neubeginn inszeniert werden, indem er zu einem Gründer stilisiert wird, der besonderes Legitimationspotential mit- und einbringen kann. Eine weit verbreitete Denk- und Argumentationsfigur ist die Bindung der Gründergestalten an den Raum der Transzendenz: Der »Spitzenahn« kann ein Halbgott, ein Heros (wie etwa der Heros eponymos der origo gentis-Geschichten), entsprechend ein Heiliger (z. B. Karl der Große oder der heilige Arnulf) oder auch ein Gralsgesandter (Lohengrin) oder ein Dämon (Melusine) sein. Indem der Gründer aus den bloß horizontalen genealogischen Verbindungen der Menschenwelt gelöst und gewissermaßen vertikal in die Nähe des Göttlichen gerückt ist, wird er mit besonderem mythischem Heil ausgestattet, von dem – durch die Übertragungen im Geblüt – auch seine Nachkommen zehren können. In den mittelalterlichen genealogischen Darstellungen des Adels ist es daher gerade die Berufung auf einen solchen «Spitzenahn«, welche zusammen mit einer möglichst langen und möglichst lückenlosen Kette der genealogischen Glieder vom Ursprung her die dynastischen Ansprüche auf Macht, Herrschaft und Ansehen begründen und insofern legitimieren soll.
Eine andere Möglichkeit, das Problem des Ursprungs zu entschärfen, liegt in der Ansippung einer Dynastie an ein besonders privilegiertes älteres Geschlecht. So behaupten Adlige, um ihre Stellung zu legitimieren, immer wieder ihre Herkunft aus königlichem und kaiserlichem Geblüt, so scheuen sich die Karolinger nicht, sich nach der Entmachtung der Merowinger als deren Verwandte auszugeben, und im Spätmittelalter gibt es ganz in solchem Sinne kaum ein Geschlecht, das sich nicht der Verwandtschaft mit Karl dem Großen rühmte. Dementsprechend dokumentiert der Reinhardsbrunner Chronist die verbreitete Praxis dieser Bindung an die Karolinger um 1350: Nam, ut in cronicis invenitur, omnes reges Francorum et Germanorum, sed et principes, duces et comites istarum provinciarum, scilicet in Thuringia, in Bavaria, in Franconia, in Pannonia, in Carinthia, in Bohemia, in Moravia, in Suevia, in Saxonia, in Frisia, in Lotharingia, sed et omnes nobiles Alamanorum originem duxerunt a genere Carolorum (›Genealogia principum Reinhardsbrunnensis‹, in: MGH SS 30,1, S. 658). Über Karl den Großen konnten die Konstruktionen von Kontinuitäten dann sogar bis zu den Trojanern reichen, bis zu antiken Göttern und Heroen und bis zu den biblischen Genealogien.
Auf reichsgeschichtlicher Ebene ist hier etwa auf die eindrucksvollen Entwürfe eines Kaisergeschlechts, einer imperialis prosapia, von Jupiter bis zu den Stauferkaisern zu verweisen, wie sie Gottfried von Viterbo in seinem ›Speculum regum‹ oder im ›Pantheon‹ im 12. Jahrhundert entwickelt. Unter den genealogischen Aufzeichnungen der Adelsgeschlechter sind die einzigartigen Zeugnisse welfischer Haushistoriographie hervorzuheben. Die genealogischen Überlieferungen zu den Welfen setzen bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ein und folgen dann in ungewöhnlicher Dichte und medialer Vielfalt aufeinander: Texte, Bilder und Denkmäler ergänzen sich gegenseitig als Formen welfischer Memoria. Vergleichbare genealogische Manifestationen sind uns weder von den früheren königlichen Geschlechtern der Karolinger, Ottonen und Salier überliefert, noch auch von den großen Familien des 12. Jahrhunderts wie den Kapetingern und Plantagenets oder den Staufern als den welfischen Antipoden (Oexle, Memoria). Die welfische Hausüberlieferung eignet sich daher in ganz besonderem Maße, Aufschlüsse über die Identitätskonstruktionen eines adligen Geschlechts im Übergang vom frühen zum hohen Mittelalter zu gewinnen. Sie zeigt, wie sehr sich die fama der Gegenwart eines Geschlechts und seine erhoffte Zukunft aus der Erinnerung an die Vergangenheit speisen und wie sich die jeweiligen Herrschaftsansprüche der Gegenwart aus den Entwürfen der eigenen Genealogie ableiten. Zugleich wird auch im Wandel welfischer Memoria vom Hoch- zum Spätmittelalter deutlich, wie die genealogischen Linien den jeweiligen Herrschaftsverhältnissen angepaßt werden können. Die Welfen werden von einem Geschlecht, das sich als königsgleich verstand, zu sächsichen Landesherren.
Die Verlagerung des Herrschaftsschwerpunktes der Welfen von Süd- nach Norddeutschland und die jeweils veränderten Rahmenbedingungen ihrer Machtausübung spiegeln sich ebenso im kontinuierlichen Ausbau Braunschweigs zur Residenz seit den Tagen Heinrichs dem Löwen wie in der Abfolge der Grablegungsorte (Weingarten, Steingaden, Königslutter, Braunschweig) und in den welfischen Text- und Bildzeugnissen. Die sehr frühe ›Genealogia Welforum‹ (um 1125) legt ebenso wie die sog. ›Sächsische Welfenquelle‹ (um 1130) und auch die wohl am oberschwäbischen Hof Welfs VI. entstandene einzigartige ›Historia Welforum‹ (um 1170) den Schwerpunkt auf die Welfen als süddeutsches Adelsgeschlecht und die süddeutsche Welfenherrschaft. Dagegen werden in den Manifestationen der Memoria Heinrichs des Löwen zunehmend königliche und kaiserliche genealogische Kontexte akzentuiert, wie sich besonders in seinem berühmten ›Evangeliar‹ zeigt. Diese Tendenz verstärkt sich noch unter Otto IV. und manifestiert sich etwa in den ›Otia imperialia‹ des Gervasius von Tilbury. Nach der Gründung des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg (1235) wird die Genealogie der Welfen dann auf ihre Abstammung von den regionalen gentilen Eliten der sächsischen Familien (Brunonen, Billunger, Liudolfinger) zugeschnitten, während die süddeutschen Herkunftslinien marginalisiert werden (›Cronica ducum de Brunswick‹; ›Chronicae principum Brunsvicensium‹; ›Chronica principum Saxoniae ampliata‹; ›Braunschweigische Reimchronik‹). Zugleich verliert die Hervorhebung einer königsgleichen Position an Bedeutung. Gerade die Überlieferungen im Umfeld der Welfen zeigen daher eindrücklich, in welch hohem Grade die Genealogie eines mittelalterlichen Geschlechts modulierbar war. Dies wird an den verschiedenen Inszenierungen der Ursprünge des Welfengeschlechts ebenso deutlich wie in den Verlängerungen des Geschlechts in die zeitliche Tiefe – bis in die sächsische Stammesgeschichte, bis auf das antike Rom oder sogar bis auf den trojanischen Krieg.
Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit werden die genealogischen Entwürfe im Kontext dynastischer Geschichtsschreibung (→ Hofgeschichtsschreibung) noch kühner. Zahlreiche adlige und auch bürgerliche Familien, welche ihrerseits die adligen Legitimierungsmuster adaptieren, greifen – wie an der Fülle von Zeugnissen der Haushistoriographie besonders sichtbar wird – auf genealogische Stabilisierungen ihrer Macht und ihres Ansehens zurück, doch in hochadligen Kreisen wird der Genealogie mitunter ein Stellenwert eingeräumt, der bis zu ihrer Institutionalisierung als »Wissenschaft« bei Hofe führen kann. Vorbildhaft sind hier die Brabanter und Burgunder Genealogien (Melville, Vorfahren).
Überragend und maßstabsetzend zugleich sind die genealogischen Entwürfe und Forschungen am Hof Kaiser Maximilians I., denn im Kontext seiner umfassenden Projekte herrscherlicher Repräsentation nehmen genealogische Darstellungen und Legitimierungen von Macht eine zentrale, geradezu programmatische Rolle ein: Die wissenschaftliche Erschließung der genealogischen Vorgeschichte sowie der verwandtschaftlichen Verflechtungen des Hauses Habsburg wird auf die Initiative des Kaisers hin gelehrten Mitarbeitern (wie Konrad Türst, Johannes Fuchsmagen, Ladislaus Suntheim, Johannes Stabius, dem Abt Johannes Trithemius aus Sponheim, Johannes Cuspinianus, Konrad Peutinger und Jakob Mennel) anvertraut, welche als »Hofgenealogen« institutionalisiert werden und – im Dienst des Herrschers operierend – auf ausgedehnten Reisen (→ Feste zu besonderen Anlässen – Reise; → Gesandtschafts- und Reiseberichte) genealogische Spuren in Dokumenten verschiedenster Art sammeln, kritisch vergleichen und auswerten sollen. Dabei kommt es im Verlauf von Maximilians Großprojekten zu zahlreichen Veränderungen des genealogischen Programms, die vom Wechsel der genealogischen Ableitung der Habsburger von verschiedenen vornehmen römischen Familien zur Fundierung des Geschlechtes über den Trojanermythos und zur Ableitung von Noah reichen und sich in den vielfachen Modellierungen und Umstrukturierungen der genealogischen Linien zeigen. Es handelt sich um multimedial angelegte genealogische Projekte, welche sich in Fest (→ Höfische Feste und ihr Schrifttum), Schrift, Bild und Monument manifestieren.
Die Quellen zeigen deutlich, daß die Stimmigkeit und Genauigkeit der genealogischen Ableitungen im Umfeld Maximilians diskutiert wird: Unter den gelehrten Mitarbeitern am Hof entwickelt sich ein Diskurs über das Genealogische. So wird in den Debatten zwischen Stabius, Mennel, Suntheim und Trithemius letzterer für seine genealogischen Fabeleien zur Rechenschaft gezogen und angegriffen, mit dem Argument, er verschmelze nicht Zusammenhängendes zu einer vermeintlichen Einheit. Um kritischen Zweifeln gegenüber den von ihm in Auftrag gegebenen Genealogien vorzubeugen und sie gegen Skepsis zu immunisieren, bestellt Maximilian ein Gutachten bei der Wiener Theologischen Fakultät, das die Rückführung der genealogischen Linie bis Noah und die Übereinstimmung mit den Genealogien des Alten Testaments bestätigen sollte (Gutachten der Wiener Theologischen Fakultät von 1518, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 10298).
Was »früher« einfach »geglaubt« wurde, muß im Übergang in die Neuzeit immer aufwendiger «bewiesen« werden, und gerade darin liegt eine gegenüber dem hohen Mittelalter neue Dimension der genealogischen Unternehmungen Maximilians. Professionalisierung und Verwissenschaftlichung sollen die genealogischen Entwürfe gegen Zweifel abdichten. Doch die immer weiter gesteigerten Aufwände, die offensichtlich betrieben werden mußten, legen ex negativo den Finger auf den wunden Punkt der sich sogar im Umfeld Maximilians regenden Skepsis. Zweifellos spielt in diesem Kontext humanistisches Geschichtsverständnis und ein neuer, kritischer Umgang mit den Quellen eine entscheidende Rolle. Immer wieder werden verschiedene Quellengattungen gegeneinander gehalten, in ihrem Wahrheitswert verglichen und abgewogen, werden Ergebnisse durch neue Quellenfunde und antiquarische Sammlungen ergänzt, abgesichert oder korrigiert.
Dieser Vorgehensweise zeigt sich auch Jakob Mennel, der Verfasser des umfangreichsten genealogischen Opus am Hof Kaiser Maximilians, der ›Fürstlichen Chronik‹, verpflichtet. Mennels ›Fürstliche Chronik‹, welche im Auftrag Maximilians I. verfaßt und dem Kaiser im Jahre 1518 überreicht wurde, entfaltet in 5 großformatigen Büchern die Genese des Hauses Habsburg. Das zentrale Anliegen der Chronik, gedechtnus durch genealogische Geschichtsschreibung (→ Hofgeschichtsschreibung) zu sichern, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bücher: Mennel setzt bei der Entstehung der Welt ein und führt die genealogischen Linien über Noah, die Trojaner und die Merowinger bis auf den habsburgischen Gründer Ottpert und von diesem bis in die Zeit Maximilians. Es kommt ihm darauf an, eine kontinuierliche Abstammungslinie von möglichst langer Dauer zu konstruieren. Genealogische Geschichtsschreibung (→ Hofgeschichtsschreibung) entfaltet sich als Konkurrenzmodell und als Strategie der Überbietung anderer zeitgenössischer Herrscherhäuser.
Die Besonderheit der genealogischen Gesamtkonstruktion liegt darin, daß das Blut aller Herrscherhäuser Europas in die Dynastie Habsburgs integriert wird. Die Geschichte des Hauses Habsburg wird von Mennel über die Verknüpfung der Genealogien mit anderen Herrscherhäusern mit der Geschichte des deutschen Reiches zur Deckung gebracht. Ziel der ›Fürstlichen Chronik‹ ist es, so resümiert Mennel selbst, darzulegen wie zu sampt den unzalbaren obberürten geslechten des andern unnd des drytten buochs die geblüet der kunig von Franckhreich, Engelland, Castilia, Hyspania, Portugalia unnd der hertzogen von Normandia, Landcastria, Wallia, Clarencia, Bockhingamia, Cloucestria, Excestria, Austria, Burgundia, Borbunia, Bavaria, Brabancia, Cleve unnd der grafen von Andegania, Hannonia, Derby, Richmont, Habspurg unnd ander hie so schnelligklich zesammen geflossen sind unnd wirt insonderheit bey solchen bomen im ledsten gemerckht wie Engelland, Portugall, Castilia, Hyspania mit Habsburg durch den heyrat zu ainem blut unnd flaisch worden sind (Fürstliche Chronik, Buch 3, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 3074, fol. 179r/v).
Die Genealogien der »Fürstlichen Chronik« gewinnen durch die Verknüpfung verschiedener Blutslinien und sukzessioneller Reihen, durch die Einbindung einer immensen Zahl von Vorfahren und Vorgängern, geradezu enzyklopädischen Charakter. Dies manifestiert sich auch in der Vorstellung, das Heil der Habsburger ließe sich steigern, indem man die Dynastie nicht mit einem, sondern mit einer großen Zahl von Heiligen verwandtschaftlich verknüpft. Die enzyklopädische Quantifizierung des Heils, die Verbindung mit »allen möglichen Heiligen«, tritt an die Stelle der Einspeisung von Transzendenz über die Ableitung von dem Einen, Besonderen. Als Problem zeichnet sich ab, daß dieser genealogische Großentwurf, in dem alles vornehme und heilige Blut zusammenlaufen soll, in die Gefahr einer Entdifferenzierung von Verwandtschaft gerät. Wenn die Chronik letztlich in der Suggestion einer Zeitkonstruktion aufgeht, hier seien alle mit allen verwandt, droht der genealogische Entwurf gerade den angestrebten Anspruch auf Geltung, Fundierung und Legitimierung von Macht einzubüßen. In dieser Spannung zwischen kühner Übersteigerung des Genealogischen und drohendem Geltungsverlust sind die genealogischen Entwürfe im Umfeld Maximilians situiert und darin zeigen sie exemplarisch eine Signatur der Epoche.
B.
I. Historia Welforum, cap. 1
a) Lateinische Fassung
Generationes principum nostrorum summa diligentia investigantes ac multum in diversis chronicis et historiis sive antiquis privilegiis quaerendo laborantes nullum nominatim ante Gwelfonem comitem, qui tempore Karoli Magni fuerat, invenire poteramus. Necessario igitur narrationis huius seriem ab eodem incipere oportebat. Scimus tamen ex plurimis circumstantiis et alios ante eum fuisse, qui hanc domum etiam ante susceptam christianitatis fidem magnis divitiis et honoribus gubernaverunt et nomen suum per diversas provincias, utpote per longa tempora alii aliis succedentes, magna industria dilataverunt. Nam ut in antiquissima quadam historia reperimus, isti a Francis illis originem duxerunt, qui, quondam a Troia egressi, sub Francione et Turcho regibus supra ripas Danubii iuxta Traciam consederunt et civitatem Sicambriam nominatam ibi aedificaverunt, manseruntque ibi usque ad tempora Valentiniani imperatoris. A quo inde expulsi, eo quod tributa Romanis iuxta morem ceterarum gentium solvere recusabant, egressi inde sub Marchomiro, Sunnone et Genebaudo ducibus venerunt et habitaverunt circa ripam Reni in confinio Germaniae et Galliae. Illis ergo loca illa occupantibus, isti ob multitudinem eorum nimiam ab eis recesserunt et terras has paene inhabitabiles et, ut adhuc cernitur, nemorosas cum multis sibi adhaerentibus habitare coeperunt. Quod si cui minus credibile videatur, legat historias gentilium, et inveniet omnes fere terras violenter ab aliis captas et possessas. Hoc Troiani, postquam expulsi a suis sedibus fuerant, facere solebant, hoc Gothi et Alani, hoc Huni et Wandali, hoc et Longobardi et ceterae nationum gentes, sed maxime septentrionales.
Igitur potiti terra et habitatione certa confortati, nostri vires suas ultra protendere et in diversis provinciis praedia et dignitates sibi accumulare coeperunt. Unde et in tantum ditati sunt, ut, divitiis et honoribus regibus praestantiores, ipsi quoque Romano imperatori hominium facere recusabant; et viribus propriis confisi, omnes terminos suos per se magna industria et fortitudine defendebant. Domum quoque suam regio more ordinaverant, ita ut quaeque officia curiae (id est ministeria dapiferi, pincernae, marscalci, camerarii, signiferi) per comites vel eis aequipollentes regerentur. […]
b) Deutsche Fassung
Den Geschlechterfolgen unserer Fürsten sind wir mit höchstem Fleiße nachgegangen und haben uns dabei mit Suchen in verschiedenen Chroniken und Geschichtsbüchern wie auch in alten Urkunden viel abgemüht, konnten aber keinen mit Namen genannt finden vor dem Grafen Welf, der zur Zeit Karls des Großen gelebt hat. Notwendig mußte daher diese Erzählung mit ihm beginnen. Wir wissen indes aus vielen Umständen, daß es vor ihm schon andere gegeben hat, die sogar noch vor Annahme des christlichen Glaubens in großen Reichtümern und Ehren dieses Hauses Häupter gewesen sind und ihren Namen, während langer Zeiträume einer dem andern folgend, in verschiedenen Ländern durch ihre große Tüchtigkeit bekannt gemacht haben. Denn wie wir in einem alten Geschichtsbuche finden, stammen sie von den Franken ab, die einst aus Troja ausgewandert waren und sich unter den Königen Francio und Turchus an den Ufern der Donau in der Nachbarschaft Thraciens niedergelassen hatten, wo sie nach Erbauung der Stadt Sikambria geblieben sind bis auf die Zeit des Kaisers Valentinian. Von diesem vertrieben, weil sie sich weigerten, gleich allen übrigen Völkern den Römern Tribut zu zahlen, zogen sie unter den Herzogen Marchomir, Sunno und Genebaud an das Ufer des Rheins und nahmen im Grenzstrich zwischen Germanien und Gallien ihren Wohnsitz. Während sie dieses Land besetzten, trennte sich unser Geschlecht von ihnen – zusammen wären sie allzu viele gewesen – und siedelte sich mit seinem großen Anhang in dieser unserer, recht unwirtlichen und, wie noch heute zu sehen, von Wald erfüllten Gegend an. Wem dies nicht recht glaublich scheint, der lese die Geschichten der heidnischen Völker; da wird er finden, daß fast alle Länder gewaltsam von Fremden erobert und in Besitz genommen worden sind. Dies pflegten die Trojaner zu tun, nachdem sie aus ihren Sitzen vertrieben worden waren, dies die Goten und Alanen, dies die Hunnen und Wandalen, dies auch die Longobarden und die übrigen Volksstämme, besonders aber die des Nordens.
Als Herren eines Landes und durch festen Wohnsitz in ihrer Kraft gestärkt, begannen die Unsrigen ihren Machtbereich weiter auszudehnen und in verschiedenen Gegenden immer mehr Güter und Würden zu erwerben. Dadurch wurden sie so reich, daß sie, an Besitz und Ehren Königen voranstehend, selbst dem römischen Kaiser die Lehenshuldigung verweigerten; und der eigenen Kraft vertrauend, verteidigten sie alle ihre Grenzen ohne fremde Hilfe mit großer Rührigkeit und Tapferkeit. Auch ihr Hauswesen richteten sie auf königliche Weise ein, dergestalt, daß sie alle Hofämter, nämlich die Stellen des Truchsessen, des Schenken, des Marschalls, des Kämmerers und des Bannerträgers, durch Grafen oder diesen Gleichgestellten versehen ließen. […]
Text und Übersetzung nach: Historia Welforum, S. 2-5.
II. Jakob Mennel, Fürstliche Chronik, genannt Kaiser Maximilians Geburtsspiegel, Buch 1
Titul diser cronickh
Diß cronickh soll genant werden die fürstlich cronickh kayser Maximilians geburt spiegel uß der ursach, das darinn desselben hochloblichen geslechts von vil großmechtigen kinigen, fürsten und herren geburt, ursprung unnd herkommen sampt andern vil mörckhlicher sachen als in aym klaren spiegel mit lautterm schein gesehen werden.
Tailung der cronickh
Dieweil tailung der bücher gar ain grossen behelff gibt grünthlich zeverstan davon man schreybt, darumb so tail ich nach zal der ußwendigen menschlichen fünff synn diß fürstlich cronickh in fünff büecher.
Im ersten buoch wird ich sagen vom ursprung der kinigklichen stat Troya mit kurtzer einfüerung ethlich troyanischen historien, sovil derselben zu diser cronickh dienstbar sind, unnd will damit kommen uff den haidnischen stammen Hectors unnd denselben allain in der slechten absteigenden linien biß uff den jungen fürsten kung Karlin von Hyspania, E[uer] kay[serlichen] m[ajestä]t eltesten sons son, lassen; unnd daneben ethlicher juden unnd haiden kinig unnd denselben nach der bäpst unnd kayser regierungen als contemporalen mit ir jarzal in form unnd gstalt, wie dann solchs sampt andern figuren under dem VIII. titul durch den augenschein hienach gesehen, wirt anzaigen.
Im andern buoch wird ich mich der haidenschafft entslahen unnd bey dem gedachten kinig Clodoveo als dem ersten cristenlichen kinig von Franckreich den vordrigen stamen nit alain in der absteigenden schlechten linien wievor, sonder auch mit seinen esten unnd schossen biß uff kayser Maximilians zeitten ußbraiten mit erzelung vil mercklichen hystorien, die dann, bisher weit zerströwt, alhie in ordnung gestölt sind. Ob aber yemands von dem berüerten haidnischen stamme weytter zelesen anfechtung hat, der mag es in den hystorien der hochberüempten Helny Garfredi Johannis anny, Rottuli Wilhelmitarum, hystorie Tungrorum unnd andern altten hystoriographen, daruß ich dann solchen haidnischen stammen gezogen hab, suochen unnd sich daselbs verer dann hie zemelden not sey ersehen.
Im dritten buoch werden gepflantzt ethlich fruchtbarlich gewechs, so uß den vorberüertten esten und schossen entsprossen sind, dardurch gar vil treffenlich geslecht, die gemelttem kayser Maximilian mit natürlicher sipschafft verwandt sein, langezeit verborgen, an tag komen.
Im vierden buoch seint pfawen und pfawenspiegel, darinn mit lustigem augenschein gesehen, wie sich kayser Maximilians geslecht von vil hundert jaren her durch die hoch adellichen heyrat gemeret hat, mit kurtzer bedeutung darbey der eegemecht wappen, auch stamme unnd namen, sovil ich der untzher erfaren hab.
Im fünfften unnd ledsten buoch, dieweil der allmechtig in seinen ußerwölten heyligen gelopt unnd geert wil werden, so hab ich mir fürgenomen, sein göthlichen gnaden zudanckh und zu glückhafftigem besluß diser fürstlichen cronickh, ethlich fruchtpar legenden der seligen unnd heyligen habspurger fruntschafft zebeschreyben mit loblicher anzaigung ir angebornen tugenden, wie ich dann solchs von vil dreffenlichen gotzheusern weit unnd brait zesamen gelesen hab.
Aber ee ich das erst buoch angreiff, begegnen mir zway ding vorzesetzen. Zum ersten, dieweil in diser fürstlichen cronickh vil seltzamer hendel von altten geslechten unnd geschichten bissher verborgen an tag bracht sollen werden, davon sich menger also hoch befrembden unnd verwundern möcht damit, wa glaubwirdig kuntschafften und gezeugknus derselben hierinn nit dargestölt, das sy von den mißtrawen offt verkert oder gar widerfochten möchten werdenn; darumb solchs zeuverhieten, so hab ich zugezeugkhnus aller nachgeschryben ding die altten unnd newen autores zusampt den stifften unnd schryfften, darauss diß werckh genomen ist, allermengklich nit wollen verhaltten unnd wil mich damit uff dieselben referieren. Dar nach und zum andern will ich nach erzelung derselben ain kurtzen eingang thun mit der schöpffung gottes unnd dardurch komen uff den ursprung unnd herkomen aller menschen geschlecht, mich darnach bald wenden uff mein anfengklich fürnemen.
Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 3072*, fol. 5v-8v
(leicht normalisierte Transkription).
C.
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