FLUGBLÄTTER
A.
Höfe und Residenzen, Fürsten und Herrscher stehen in vielfältiger Weise in Relation zu typographischen Medien. Im Zentrum dieses Verhältnisses manifestieren sich in der Regel eng miteinander verbundene Ambitionen von Machtausübung, Kontrolle, Herrschaftsstabilisierung und Selbstdarstellung.
Nicht selten wird die Ansicht vertreten, die neuen typographischen Medien hätten wesentlich zur Emanzipation der Bevölkerung – genau genommen müßte man einschränkend vom Bürgertum sprechen – und der Überwindung des absolutistischen Systems beigetragen (vgl. dazu Habermas, Strukturwandel, S. 248-266). Gleichzeitig steht aber auch außer Zweifel, daß sie mindestens ebenso stark zur Stabilisierung des Systems beigetragen haben, zumal viele Obrigkeiten und »Volksaufklärer« sich in einer Sache oftmals einig waren: »Man wollte die elementare Grundausbildung der Bevölkerung nicht völlig verhindern, aber sie sollte zur Formung des gehorsamen und wirtschaftlich effektiven Untertanen beitragen« (Münch, Lebensformen, S. 513). Neben der emanzipatorischen Kraft der neuen Kommunikationsverhältnisse, die möglicherweise ihren Höhepunkt in der Habermas'schen räsonierenden »bürgerlichen Öffentlichkeit« erreicht hatte, wurden daher von der Obrigkeit die typographischen Medien auch zur »Herstellung eines homogenen Untertanenverbandes« (Münch, Lebensformen, S. 495) genutzt.
Durch jene Disziplinierungsaufgaben, die (typographische) Medien erfüllen, werden diese zu einer weiteren »Normierungsmacht« im Prozeß der Entstehung des modernen Staates (Foucault, Überwachen und Strafen, S. 396). Durch die Verbreitung von Normen, die in der Folge zu gesellschaftlichen Konventionen werden können, werden Untertanen einem Normierungsdruck ausgesetzt, der eine Befolgung der Regeln in der Gemeinschaft notwendig macht, um nicht die Strafe der Ausgrenzung, Verhöhnung und Bloßstellung zu riskieren.
Als Motor des gesamten Prozesses von Information und Kommunikation fungiert das Interesse am Neuen, die Neugierde, und zwar sowohl seitens des Publizisten, gleichgültig ob Zeitungsherausgeber, Journalist oder Flugblattproduzent, der aufgrund der Gesetze des Marktes ständig über Neues und Interessantes berichten muß, als auch seitens des Lesers, Hörers oder Sehers, der seinerseits nur an Neuem oder wenigstens Varianten des Neuen interessiert ist. Beide, Produzent und Rezipient befinden sich in einem diskursiven Verhältnis, das bestimmt ist durch die Neugierde.
Die Neuigkeit wird zum eigentlichen Medium, zum Träger und Vermittler von Macht und Herrschaft. Auf der denotativen Aussage der Neuigkeit sitzen Subcodes, konnotative Informationen der Machtausübung und Normierung. Der Inhalt der ersten Signifikation, der Neuigkeit, wird (zusammen mit den Einheiten, die ihn übermitteln) zum Ausdruck eines weiteren Inhalts (vgl. Eco, Semiotik, S. 84). Somit wird bspw. mit einer Nachricht über Türken oder einem Bericht über Jesuiten neben der Basisinformation des Ereignisses, die Neuigkeit übermittelt, gleichzeitig jene Codierungskonvention abgerufen, die auf die Signifikanten »Türken« und »Jesuiten« rekurrieren.
Die Menschen der Frühen Neuzeit waren nicht zuletzt wegen der Neuigkeit der eigentlichen Neuigkeitsvermittlungsmaschine besonders aufnahmebereit. »Alles, was das tägliche Einerlei unterbrach, wurde begierig aufgenommen, jeder Fremde bestaunt, jedes außergewöhnliche Geräusch registriert. Dem Klappern von Pferdehufen und der Einfahrt eines Wagens widmete man dieselbe Aufmerksamkeit wie Newen Zeitungen, Kampfspielen, exotischen Tieren, durchziehenden Gauklern oder musikalischen Aufführungen« (Münch, Lebensformen, S. 493). Im selben Augenblick waren diese Menschen aber auch von einem beträchtlichen Mißtrauen gegenüber allem Unbekannten geprägt: »Neugier und Narrheit lagen eng beieinander: Narren vnd Affen wollen alles ergaffen« (Münch, Lebensformen, S. 494).
Entstehung – Frühphase
Flugblätter, verstanden als typographische Kommunikationsmittel, sind ein Phänomen, das Gutenbergs Erfindung als Voraussetzung benötigte. Wenngleich es davor neben handschriftlichen auch schon gedruckte Blätter gab, können diese Produkte etwa aus Gründen des Vertriebs, der sozialen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt auf Grund des Ausmaßes der Verbreitung nicht in dem Sinne als Flugblätter verstanden werden wie jener Medientypus, der sich im Laufe des 16. Jahrhunderts heraus gebildet hatte.
Selbst die Drucke der Inkunabelzeit verfolgten noch die überlieferten Kommunikationspraktiken und unterschieden sich daher sowohl inhaltlich als auch formal von den Flugblättern, Flugschriften, Pasquillen und Pamphleten des 16. und 17. Jahrhunderts. Falk Eisermann bringt es treffend auf den Punkt: »Die Druckerpresse war in der Hinsicht kein beliebig eingesetzter Replikator, kein ubiquitäres Instrument der Massenkommunikation, sondern ein »Special event«-Medium, dessen Gebrauch eher auf das Außergewöhnliche einer kommunikativen Handlung denn auf ihre Alltäglichkeit hindeutet« (Eisermann, Blätter, S. 310).
Als ein frühes Beispiel einer derartigen Special-Event-Publikation kann eine 1474 veröffentlichte Ausschreibung über die Verlängerung des allgemeinen Landfriedens als einer der ersten Drucke aus dem unmittelbaren Umfeld Kaiser Friedrich III. genannt werden. Der Sohn Friedrich III., Kaiser Maximilan I., gilt als der prominenteste Vertreter der politischen Elite, der sich des Buchdrucks schon in seiner »Frühphase« bediente. Veröffentlicht wurden sowohl Einblatt- als auch Libelldrucke zu wichtigen reichspolitischen Ereignissen wie Königswahl, Reichstage oder Reformgesetze (Eisermann, Blätter, S. 300).
Der Wandel zum Massenkommunikationsmittel
Ob Flugblätter tatsächlich Massen angesprochen und bewegt haben oder nicht, wobei sich im übrigen die Frage nach einer quantitativen Definition von Masse aufdrängt, sei hier noch nicht zur Diskussion gestellt. Entscheidend ist, dass im Laufe des 16. Jahrhunderts, nicht zuletzt in Verbindung mit der Reformation, eine Entwicklung des Flugblattes vom »Special event«-Medium zu einem Alltagsmedium festzustellen ist. Evident wird dies, wenn man einen Blick auf die Aufgaben und Leistungen von typographischen Medien in der Frühen Neuzeit wirft. Michael Schilling etwa nennt eine Vielzahl von Funktionen, die das illustrierte Flugblatt zu erfüllen imstande war und beklagt daher mit Recht die Reduktion der frühneuzeitlichen Publizistik auf ein rein propagandistisches Medium. Die Verabsolutierung dieser Funktion stelle eine »irreführende Verengung des inhaltlichen und funktionalen Spektrums dar. Das illustrierte Flugblatt der frühen Neuzeit war situationsbezogen und trug Gebrauchscharakter. Es besaß einen ›Sitz im Leben‹ und war Bestandteil der Alltagskultur« (Schilling, Bildpublizistik, S. 2). So sieht Schilling das Flugblatt als Ware, als Nachrichtenmedium, als Werbeträger, als Mittel zur Politik, im Prozess der frühneuzeitlichen Vergesellschaftung, im Dienst christlicher Seelsorge und schließlich als Kunststück.
Als ein wesentlicher Aspekt erscheint mir die Betonung des Warencharakters des Flugblattes. Im Gegensatz zur heute üblichen Gepflogenheit, an allen möglichen Hausecken, an Straßenbahnstationen, in Briefkästen und an Wohnungstüren mit Flugblättern, d. h. Foldern, Infomaterial, Broschüren, Reklame- und Werbeblättern etc. beglückt zu werden, galten die frühneuzeitlichen Flugblätter als wirtschaftliche Massenprodukte, mit denen auf direktem Weg Geld verdient, vielfach der Lebensunterhalt ganzer Familien erwirtschaftet werden mußte (vgl. Deutsche illustrierte Flugblätter, Einleitung, S. VIII: »Die moderne Erfahrung, daß Flugblätter kostenlos verteilt werden, widerspricht dem, was in der frühen Neuzeit üblich war: Ein Flugblatt erreichte nur dann viele Leser und Betrachter, wenn es sich gut verkaufen ließ, wenn es also durch sein Thema, oft vermittelt durch sichtbares Aushängen und weithin vernehmbares Ausrufen oder Singen, Käufer anzulocken vermochte.«). Schon die Entwicklung und Verwirklichung seiner Erfindung hatte Johannes Gutenberg eine Menge an Investitionen abverlangt, »[d]ie Entwicklung des Truckwercks war so gesehen alles andere als ein glücklicher Fund. Sie ist vielmehr das Ergebnis eines zähen jahrelangen Experimentierens, bei dem keinerlei Kosten und Unbill gescheut wurden und die ohne die Mitarbeit einer Vielzahl von Spezialisten, Graveure, Goldschmiede, Drechsler u. a. schwerlich zu einem erfolgreichen Abschluß gekommen wäre« (Giesecke, Buchdruck, S. 68). Aber auch nachdem die Erfindung einmal realisiert worden war, war das Drucken selbst weiterhin sehr kostenintensiv und daher rentierte sich der Druck nur bei massenhafter Erzeugung identischer Exemplare. Daraus folgt wiederum ein Wandel in den herkömmlichen Verkaufs- und Vertriebsformen, d. h. von nun an mußte man für den anonymen Käufer eines freien Marktes produzieren und so hatten die Autoren natürlich die Geschäftsinteressen der Verlage, i. e. den Absatz der Drucke zu berücksichtigen, weshalb »ein guter Teil, wenn nicht der größte Teil der Flugblattexte« im Hinblick auf den Markt geschrieben wurde (Schilling, Bildpublizistik, S. 16). Dies galt freilich nicht ausschließlich für den Bereich der Flugblätter, sondern für grundsätzlich alle Druckwerke. Eine Besonderheit der Flugblätter stellt aufgrund ihrer Kürze jedoch die häufig festzustellende Tatsache dar, daß »[…] sich die Autorschaft eines Flugblattes mit anderen Herstellungsfunktionen verbunden hat, also der Verfasser mit dem Verleger, Drucker, Briefmaler oder Stecher identisch ist. Hans Folz, Albrecht Dürer und Pamphilus Gengenbach sind nur die bekanntesten Beispiele für eine solche Personalunion« (Schilling, Bildpublizistik, S. 16).
Mit der Durchsetzung des »freien« Marktes als Vertriebssystem für die typographische Information während des 16. Jahrhunderts entstand »eine welthistorisch neue und ganz unwahrscheinliche Form kommunikativer Vernetzung« (Giesecke, Buchdruck, S. 27). Auch wenn wir die Rezipientenseite, also die Frage nach der Menge der Empfänger der typographischen Informationen noch nicht berücksichtigen, so kann sowohl aufgrund der massenhaft erzeugten Drucke, als auch im Hinblick auf die nunmehr gegebene Vernetzungsmöglichkeit der Informationen grundsätzlich von einem Massenkommunikationsmittel gesprochen werden. Nachdem oben jedoch schon darauf hingewiesen wurde, daß der überwiegende Teil der Drucke unter Berücksichtigung der Marktanforderungen produziert wurde, kann ebenso davon ausgegangen werden, daß der Großteil der Produkte wohl auch abgesetzt werden konnte. Letztlich scheinen wir wiederum bei der Forderung nach einer quantitativen Definition von »Masse« angelangt zu sein, wobei es eine Eigenart historischer Betrachtungsweisen zu sein scheint, vergangene Phänomene (Kulturen, Gesellschaften, Ereignisse, Erfindungen usw.) meistens in Kontrast zu gegenwärtigen, d. h. »modernen« zu sehen. Eine Kontrastierung zu Vorvergangenem geschieht hingegen selten. Mit anderen Worten, ein Vergleich der Menge produzierter Drucke der Frühen Neuzeit mit der Eskalation heutiger Druckproduktion führt notwendigerweise zu einer anderen Auffassung von »Massenproduktion« als dies zum Beispiel ein Vergleich mit der begrenzten Anzahl von mittelalterlichen Handschriften ergeben würde.
Flugblätter als Medium fürstlicher Repräsentation
Die hierarchische Gesellschaft der Frühen Neuzeit wurde bekanntlich nicht in erster Linie durch den Besitz des Einzelnen konstituiert, sondern vielmehr durch seine jeweilige Geburt in einen bestimmten Stand. »Was die ständischen Gruppen voneinander trennte, war ihr unterschiedlicher Anteil am symbolischen Kapital der Ehre (P. Bourdieu), das in jedem Stand in sehr differenzierter Quantität zur Verfügung stand« (Münch, Lebensformen, S. 75). Diese Quantität an Ehre nahm selbstverständlich von unten nach oben zu. Je höher der Stand, um so notwendiger war freilich auch die Demonstration der ihm zustehenden Ehre nach außen. Genau diesem Zweck diente nun auch der zur Schau gestellte Prunk hoher Standespersonen, Landesherren und Fürsten, demonstriert durch jeweils standesgemäße, d. h. der jeweiligen Position in der Hierarchie der ständischen Gesellschaft und dem jeweiligen »symbolischen Kapital der Ehre« entsprechende Häuser, Kleidung oder auch in genau geplanten Festen (→ Höfische Feste und ihr Schrifttum) und Zeremonien. »[F]ür den barocken Fürsten war das Leben von Geburt bis zum Tode eine Folge von Repräsentationsfesten, und das strenge Zeremoniell dieser stilisierten Lebensauffassung konnte nur durch die ›grotesken‹ Elemente, die eine unterbewußte Entspannung zuließen, durchbrochen werden« (Vocelka, Manier, 142).
Typographische Kommunikationsmedien wie Flugblätter und Flugschriften ermöglichten nun eine Potenzierung der Selbstdarstellung frühneuzeitlicher Fürsten. Wenn beispielsweise ein illustriertes Flugblatt von der Wahl des Erzherzog Matthias zum Römischen Kaiser berichtet (vgl. Paas, Broadsheet P-174 bis P-178) oder eine ›Newe Zeitung‹ seinen Einzug (→[Reichsstädtische] Einzugsordnungen und Einzugsberichte; Feste zu besonderen Anlässen – Einzug) in eine Stadt anläßlich eines Reichstages beschreibt – Newe Zeitu[n]g von dem Reichstag 1613. Im Augusto zu Regenspurg gehalten. Kurtze Beschreibung / Welcher gestalt Kay. May. Matthias vnser aller Gnedigster Herr etc. Sampt andern Churfürsten / Graffen vnd Herren / zu Regenspurg auff den Reichstag ankommen/ allda stadlichen von E. E: Rath vnnd Bürgerschafft / mit vberliefferung der Schlüssel empfangen worden / vnd was sich sonsten bey solchem Einzug und Ankunfft begeben und zugetragen. Beneben Ertzhertzogs Leopoldi Einzug zu Regenspurg. Gedruckt zu Augßburg bey George Willern / Im Jahr 1613 –, so braucht nicht erst betont zu werden, daß dabei eine möglichst starke Medienpräsenz nicht etwa zum Ausbau von Marktanteilen oder auch nur zu deren Sicherung dient (»Das Standesethos hebt sich hier noch klar und deutlich von dem Wirtschaftsethos der berufsbürgerlichen Schichten ab«, vgl. Elias, Höfische Gesellschaft, S. 157), sondern allein der Untermauerung und Festigung des Anspruches auf Herrschaft des Fürsten, einer Herrschaft, die zudem – wie immer wieder betont wurde – gottgegeben war: »Mit der Repräsentation der Majestät wurden die sittlichen Ideen veranschaulicht, die den Staat belebten, stellte sich eine Ordnung dar, die als eine Ordnung Gottes aufgefaßt wurde. In dem Glanz, der den Herrscher umgab, sollte sinnfällig das Bild Gottes, des Weltkaisers verkörpert werden. Durch die Person des Fürsten wurden Gott und die Welt miteinander verbunden und in der Repräsentation der Majestät wurde diese Verbindung offenbar« (Straub, Repraesentatio, S. 5).
Ein interessanter Sonderfall hinsichtlich der königlichen Legitimation und gottgegebenen Ordnung liegt ohne Zweifel beim böhmischen »Winterkönig« vor. Da man sich in Böhmen, und nicht nur dort, sehr wohl im Klaren darüber war, daß die Absetzung Ferdinands II. und die Wahl Friedrichs V. von der Pfalz nicht ganz den Gepflogenheiten der Zeit entsprach, war man von Seiten der Aufständischen besonders bemüht, durch standesgemäße Zeremonien und Feste, insbesondere natürlich im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten (→ Feste zu besonderen Anlässen – Krönung) in Prag, die Legitimität des neuen böhmischen Königs zu betonen. Unterstützung fand dieses Vorhaben in entsprechenden typographischen Produkten, worin nicht zuletzt auch die Begeisterung der Bevölkerung über den König und sein Fest (→ Höfische Feste und ihr Schrifttum) in entsprechender Weise hervorgehoben wurde (vgl. dazu die Vielzahl der positiven von Böhmen lancierten Flugblätter über Friedrich V., von seiner Wahl, seiner Krönung (→ Feste zu besonderen Anlässen – Krönung) bis zur Allegorie von der »Rettung eines verwundeten Löwen durch einen anderen Löwen« bei Paas, Broadsheet, P-432 bis P-457; auch Harms, Flugblatt, 150-154.) Eine solche Beschreibung kommt nach der üblichen Aufzählung, wie viele Menschen, Pferde, Trommler und Trompeter zusammen mit dem neuen König feierlich in Prag eingezogen sind und nach der Schilderung der enormen Begeisterung des Volkes zu dem vielsagenden und auch hintergründigen Schluß: Jn Summa alles so prächtig vnnd herrlich / auch alles so glücklich abgangen / dergleichen nie bey keinem Römischen Keyser geschehen (Gewisse Beschreibung deß ansehenlichen Königlichen Einzugs zu Prag) (→[Reichsstädtische] Einzugsordnungen und Einzugsberichte; Feste zu besonderen Anlässen – Einzug). Die dahinter stehende Botschaft ist einfach zu erahnen. Im übrigen wird in derselben Flugschrift auch das Problem der relativ massiven politischen Isolation der neuen böhmischen Machthaber angesprochen und in der allgemeinen Euphorie der Königskrönung mittels der Person Bethlen Gabors tröstlich relativiert: Vnd hat der Fürst in Siebenbürgen Bethlehem Gabor / jhre Königliche Mayestät in Böhmische sprach [!] zu der Böhmischen Cron gratuliert, vnd darbey durch ein ansehnliche Botschaft / welche jhro May: köstliche praesenten praesentirt, notificirt vnnd angedeutet / […] sich in der Persohn zu jhro Mayestät: nach Prag begeben wölle / vnd mit J. M. ewige verbündnuß zu begeben / entschlossen wer (Gewisse Beschreibung deß ansehenlichen Königlichen Einzugs zu Prag) (→[Reichsstädtische] Einzugsordnungen und Einzugsberichte; Feste zu besonderen Anlässen – Einzug).
Die Repräsentation des Adels benötigte den expliziten Hinweis auf das negative Kontrastbild nicht, denn dieses war tägliche Realität, die Normalität der vom Adel getrennten Gesellschaftsgruppen. Die Schattierungen dieses Kontrastes waren für die eine Gruppe mehr, für die andere weniger stark wahrnehmbar. Als das primäre Ziel galt daher die Betonung der eigenen Einzigartigkeit, dem »Abhebungsbedürfnis des Adels« in entsprechender Art und Weise Rechnung zu tragen. »Die Etikette ist für den König nicht nur Distanzierungs- sondern auch Herrschaftsinstrument. […] Nicht um eine bloße Zeremonie handelt es sich, sondern um ein Instrument zur Beherrschung der Untertanen. An eine Macht, die zwar vorhanden ist, aber nicht sichtbar im Auftreten des Machthabers selbst in Erscheinung tritt, glaubt das Volk nicht. Es muß sehen, um zu glauben. Je distanzierter ein Fürst sich hält, um so größer wird der Respekt sein, den sein Volk ihm entgegenbringt« (Elias, Höfische Gesellschaft, S. 178).
Größtmögliche Distanz und zugleich wirksame Demonstration von (königlicher) Macht, darin steckt das enorme Potential von massenmedial unterstützter Herrschaft und Regierung, ein Potential, das in der Frühen Neuzeit wohl schon erkannt und auch genutzt wurde, aber erst im Laufe der Zeit, parallel mit der Weiterentwicklung der Techniken massenmedialer Kommunikation, in ihrer Gesamtheit zur Anwendung gelangte.
Medial vermittelte Machtdemonstration und Disziplinierung
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert hatte der Souverän der gesamten Gesellschaft sein Gesetz mittels der gefolterten, verstümmelten oder zerstörten Körper der Verbrecher aufgezwungen. »[…] Die Gerichte waren eifrig bemüht, den Untertan zu erziehen und seine Leidenschaften zu beherrschen […]« (Muchembled, Kultur des Volks, S. 204f.). Jede Form der körperlichen Bestrafung hatte eine bestimmte Funktion zu erfüllen und mußte auch mit dem begangenen Verbrechen korrespondieren: »Die Grausamkeit der Strafe mußte der Gräßlichkeit des Verbrechens entsprechen, durch sie wurde es erkannt, abgeurteilt und gesühnt« (Dülmen, Theater des Schreckens, S. 181). Sie benötigte aber auch die Öffentlichkeit, denn erst die Anwesenheit von Zuschauern machte das »Schauspiel des Todes« (vgl. Dülmen, Schauspiel des Todes, S. 203-245) zu einem Akt herrschaftlicher Machtdemonstration und Abschreckung. Durch die sinnliche Wahrnehmung des Quälens, Entehrens und Vernichtens eines »bösen Leibes«, wurde zugleich der Leib jener Menschen, die Öffentlichkeit konstituieren, »in dem möglichen Widerstand gegen die Herrschaft der Seele geschwächt, sozusagen abgeschreckt« (Schild, Der gequälte und entehrte Leib, S. 160).
Durch (massen)mediale Berichte und Darstellungen solcher Aufführungen des »Theaters des Schreckens« erfolgte wiederum eine Vergrößerung der daran teilnehmenden Öffentlichkeit und somit eine Potenzierung der zugrundeliegenden Absicht. Als Beispiel dafür sei die auch in deutschsprachigen Flugblättern und Flugschriften stark vertretene Hinrichtung des Königsmörders Francois Ravaillac erwähnt.
Königsmord stellte klarerweise ein überdurchschnittlich schweres Verbrechen dar, da dabei der Täter sich nicht »nur« an einem Menschenleben vergeht, sondern zugleich die gottgewollte Autorität des Herrschers mißachtet. Dementsprechend mußte auch die Strafe ausfallen. Ein Appendix zur ›Klagschrift der Kron Franckreich / vber den betrübten Todt König Heinrichs des Vierdten‹ (Klagschrifft Der Kron Franckreich) gibt allen, die nicht selbst in Paris daran teilnehmen konnten, Auskunft darüber, was gestalt der Königsmörder zu Pariß ist öffentlich justificiret worden. Wir lesen also: Erstlich hat man jhm das Messer / damit er den König entleibet / in die Hand gegeben / vnd mit einem brennenden Windliecht die Hand also lebendig abgebrandt. Darüber er sich nicht hat entsetzt / sondern noch trotzig gesagt: Es gerewe jhn der Todt nicht / vnd wenn ers nicht gethan hette / so olte ers noch thun. […] Folgends hat man jhm mit glüenden Zangen an vnterschiedlichen örten gezwickt / vnd hernach mit einem Messer einen Schnitt vber die Brust vnd Hertz gegeben / darein heiß Bley vnd Oel gegossen / vnd endlich mit vier Pferden von einander gerissen (Appendix vnd erzehlung / was gestalt der Königsmörder zu Pariß ist öffentlich justificiret worden, vgl. Dülmen, Theater des Schreckens, S. 128: »Da aber Pferde selten einen Mann auseinanderreißen konnten, gelang die Vierteilung erst, wenn der Henker die Gelenke einschnitt«).
Die Vierteilung als die vorgesehene Strafe für Landesverräter und Königsmörder ist »nur in wenigen Fällen belegt«, wurde aber um so intensiver als Strafe beschrieben. Sie stellte gemeinsam mit dem Rädern und Zerstückeln »regelrecht blutige Schlachtfeste dar, wobei die Idee der Vergeltung und Abschreckung« eindeutig im Vordergrund stand (Dülmen, Theater des Schreckens, S. 127). Im Gegensatz dazu fungierten die Verbrennung, das Ertränken und das Lebendig-Begraben, also die völlige Auslöschung des Missetäters, als »Reinigungsrituale« der Gesellschaft: »Die Gesellschaft reinigte sich von Verbrechen, die vor allem die religiös-sittliche Ordnung in der Weise verletzten, daß Unheil für die Gesellschaft zu befürchten war, wenn sie nicht entsprechend gesühnt wurden« (Dülmen, Theater des Schreckens, S. 121). Bemerkenswert ist im Falle Ravaillacs, daß hier beide Formen kombiniert wurden. Neben der physischen Vernichtung des Täters durch die dafür vorgesehene Vierteilung, dachte man offenbar an die Notwendigkeit der reinigenden Vernichtung der Täterhand durch die Naturgewalt des Feuers, eben um sicherzugehen, dass dieselbe künftig kein Unheil mehr anrichten möge.
Auf Flugblättern, deren Bildteile die einzelnen Stationen der Hinrichtungszeremonie darstellen, wobei das Zentrum dieser Abbildungen die gerade begonnene Vierteilung des Verurteilten bildet, wird ein allgemeiner Volkszorn beschrieben, da nämlich viele des vmbstantz so vber den hingerichten so gar verbittert gewesen / die stück seines Leichnams mit Karren vber die gassen geschleifft / mit stecken darauff geschlagen / vnnd den Todt des Königs sehr beweynt vnd geklagt / Endlich sein die Stück des hingerichten am Richtplatz […] verbrant vnnd zu Aschen gemacht worden […] (Warhafftige Beschreibung / wilcher gestalt Francisco Rauaillart von Angelosme bürtig wegen Er Henrico des vierten Königs von Franckreich vnd Nauarra also vffsetziger weise erstochen / zu Paris ist hingericht worden, Paas, Broadsheet P-146).
Die Botschaft der Flugschrift ist eindeutig: das Volk steht geschlossen gegen Verbrecher, Königsmörder im Besonderen.
Kritik an Hof und Herrscher
Im Vergleich zum Papst, der vor allem während der Reformationszeit Ziel massiver Angriffe und schärfster Polemik durch Flugblätter war, sind derartige Publikationen gegen weltliche Fürsten nicht allzu häufig vertreten.
Wenn Kritik am Herrscher – insbesondere natürlich am Kaiser – geübt wurde, dann zurückhaltend und meist verschlüsselt, häufig in Form der Allegorie oder auch der Fabel.
Als Beispiel dafür sei das illustrierte Flugblatt mit dem Titel ›Ein sehr kurtzweilige vnd hochnutzliche Fabel / von der Tyranney‹ (vgl. Deutsche illustrierte Flugblätter, hier Bd. 2, S. 137) angeführt.
Der Text des Flugblattes gliedert sich in die drei Teile einer kurzen Inhaltsangabe zu Beginn, der eigentlichen Fabel sowie einer sehr ausführlich gehaltenen Moral. Unterhalb der Überschrift findet sich eine relativ klein gehaltene Illustration, die einen Fuchs vor der Höhle eines Löwen zeigt. Vor dieser Höhle sind Kadaver und Knochen von erbeuteten Tieren zu erkennen. Eine hügelige Landschaft mit Nadelbäumen, kahlen Laubbäumen und einer Burg auf dem hintersten der Hügel bilden den Hintergrund der Grafik.
Das Flugblatt thematisiert das Überhandnehmen der Gewaltherrschaft (Tyranney) und warnt vor den Gefahren, die einem widerfahren können, sobald man mit Hof oder König zu tun hat. Wie in der Fabel üblich, steht der Löwe für den König und dieser will seine drei Hofräte, den Wolf, den Esel und den Fuchs auf die Probe stellen und nach ihrer Meinung über seinen Königspalast befragen, in dem jedoch ein unerträglicher Gestank herrscht. Der Wolf begeht den Fehler zu ehrlich zu sein, indem er auf den Gestank hinweist, der Esel hingegen meint mit Schmeicheleien sich aus der Gefahr reden zu können. Am Ende werden beide vom verärgerten Löwen – dem König – getötet. Wie zu erwarten, weiß nur der – in der Fabel immer – schlaue Fuchs mit der Problematik umzugehen und kann durch List sein Leben retten.
In der anschließenden Deutung der Fabel wird allerdings genau dieser Umstand beklagt. Es sei überaus bedenklich, daß die Gewaltherrschaft am Hof solche Ausmaße angenommen habe, daß es lebensgefährlich sei, die Wahrheit zu sagen und daher Betrug und Lüge an der Tagesordnung seien. Dem Leser wird empfohlen, so weit es möglich ist, den Hof zu meiden. Besteht jedoch die Notwendigkeit am Hofe sein zu müssen, so soll trotz aller Gefahren stets ehrlich gehandelt und auf Gott vertraut werden:
Der setz auff Gott sein zuversicht:
Vnd bleib getrew / in seiner pflicht /
An Gott / vnd seiner Obrigkeit:
Liebe das Recht / vnd die Warheit:
Vnd sey in allem thun beflissen /
Das er behalt ein gut Gewissen.
Aus dem Text läßt sich nicht erschließen, an welchen Hof der Verfasser seine Kritik richten wollte bzw. ob er überhaupt an einen konkreten Hof dachte. »Da Bild und Text eine klare Verankerung in einer bestimmten historischen Situation vermeiden, wird man sich auf die Annahme beschränken müssen, daß das Blatt von manchem Leser als politisch aktuell verstanden werden konnte, daß es aber auch durch seine überzeitlichen Belehrungen die Leser befriedigt haben dürfte« (Deutsche illustrierte Flugblätter, hier Bd. 2, S. 137, Kommentar).
B.
I. Ein sehr kurtzweilige vnd hochnutzliche Fabel / von der Tyranney
Jnnhalt.
Die Fabel redt von Tyranney:
Zeigt / wie es so gefährlich sey /
Bey Hoff zureden außher frey.
DEr Löw / als aller Thier ein König /
Hielt etlich seiner Räht argwönig /
Vnd meint er hett vrsach genug /
Daß er sie straffen möchte mit fug:
Gedacht allein / wie ers angriff /
Daß jhm derselben keinr entlüff:
Besorgte / mach er ein Proceß /
Sie möchten sich außreden / deß /
Was er bringt wider sie auff dban:
Drumb griff er sei sach also an:
Weyl an der zahl waren nur drey /
Da Wolff der erst war an der Reyh /
Dann der Esel / zu letst der Fux /
Ließ er sie all drey bscheiden flux /
Bey Hoff sich gsambt zustellen eyn:
Vnd gab der sach ein solchen schein:
Wie jhm fürkom ein handel schwer /
Da er jhrs Rahts nottürfftig wer.
Als sie nun kamen zu der stett /
Vnd er sie wohl empfangen het:
Wußt / daß sein Höle vbel stunck:
Fragt er den Wolff / was jhn bedunck /
Von seinem Königklichen Pallast?
Den Wolff sein zung bald überrast:
Besorgte sich keiner gefaar /
Vnd sprach: Herr König es ist waar /
Schön vnd zierlich ist der Pallast:
Allein dunckt mich / er stinck zu fast!
Vnd eh er recht besah das ort /
Faßt jhn der Löw bey disem wort.
Sprach: Schmähest mich in meinem Hauß /
Was therst / wann ich dich ließ darauß?
Zerriß jhn stracks in seinem Grimm.
Vnd wendt zum Esel seine Stimm.
Sag: wie gefallt dann die mein Hoff?
Der Esel/ den die forcht betroff/
Antwortet. Herr / wie mich bedeucht /
Jn ewerm Sal es lieblich reucht.
Meint jhm solt nit gehen wie dem Wolff.
Doch aber jhn solchs wenig holff.
Dann zornig fuhr jhn an der Lew.
Esel / du bist mir nit getrew:
Was mir der Wolff zu vil gesagt;
Sagstu zu wenig / als verzagt:
Dein schmeichlerey / vnd deß Wolffs trutz /
Schaffet euch beiden gleichen nutz!
Der Löw den Esel auch zerriss.
Fuchs gdacht zuhalten sein gebiss /
Als jhn der König auch gefragt:
Sprach er: Mein Herr / der schnupp mich plagt /
Daß ich rieche keinen geruch:
Vnd mangelt mir jetz mein schnupthuch /
Welchs in der eyl ich ließ dahinden.
Der Löw meint auch vrsach zufinden /
Daß er erhaschen köndt den Fuchs.
Sagt: Du bist vrsach deß Geruchs /
Durch deinen schnupp / welcher durchloff /
Mit seinem gstanck den ganzen Hoff.
Herr König / sprach der Fuchs in eyl /
Daß euch der zorn nit übereyl:
Laßt mich vor langen mein schnuppthuch;
Als dann erkennet den Geruch.
Der König gab jhm dessen fug.
Der Fuchs braucht schnell disen betrug:
Vnd bracht der Füchßin vnderthuch.
Der Löw sprach: pfuy dich der Geruch
Jst ärger / dann meins Hoffs gestanck:
Nit fählen kans / du bist Todt Kranck /
Oder dein Hauß ist angesteckt.
Daß nun mein Hoff bleib vnbefleckt /
Fahr hin: Komm wider zu der stund /
Alsbaldt du wider bist gesund:
Daß ich mit dir / an statt dern beeden /
Mich mög nach notturfft vnderreden.
Der Fuchs / dem sein list wol erschossen /
Merckte gar leichtlich disen possen:
Daß jhn der Löw auch fressen wölte /
Wenn er sich bei jhm gsund eynstölte:
Bedanckte sich / vnd macht angends
Ein demütige Reverentz:
Nam seinen abschid von dem Hoff.
Doch jhn der Löw nie mehr antroff;
Dann er in sicherheit verschloff.
Erinnerung auß der Fabel.
WO Tyranney nimt überhand /
Findt Gricht vnd Recht nie mehr bestand:
Sonder Gewalt / List vnd Betrug /
Mit falschem schein / hat den vorzug!
Wer dWarheit redt komt in gefahr:
Ja offt wol vmb das Leben gar.
Wirdt dann gebraucht die schmeichelkunst:
So findt sie doch auch kleine gunst.
Sonder man nimt daher erst schein /
Dich zbringen auch in gefahr vnd pein.
Vnd hilfft da nichts / es muß hindurch:
Gleich wie der pflug macht eine furch.
Vnd geht alsdann an solchem ort /
Wie man waar sagt in eim sprichwort:
Daß der / der schlagen wolt ein Hund /
Gar bald auch einen Bengel fund:
Vnd da man schon nit ursach gab /
Nam man sie von eim zaun herab.
Derhalben klug der billich heißt /
Der sich herauß zuwickeln weißt.
Jedoch wie klug er jmmer ist /
So braucht es noch all ränck vnd list.
Vnd wirdt noch gfragt: ob man hab fug /
Gefahr abzuwenden mit betrug?
Zwar manchen ist der solches glaubt /
Der dafür halt es sey erlaubt.
Jch setz an sein ort wie dem sey /
Doch aber findt sich das darbey /
Daß der gstalt dWarheit sich muß leyden:
Welches doch ein jeder Christ solt meyden.
Das best ist: Wer zHoff nit muß seyn /
Daß keiner sich selbs tringe eyn:
So bleibt er sicher vnd wol frey /
Für solcher gfahr vnd Tyranney.
Wer aber je / nach dem Beruff /
Darzu jhn sein Gott selbst erschuff /
Muß seyn bei Hoff / im Raht im Gricht /
(Ohn welches sonst die welt bstünd nicht)
Der setz auff Gott sein zuversicht:
Vnd bleib getrew/ in seiner pflicht /
An Gott / vnd seiner Obrigkeit:
Liebe das Recht / vnd die Warheit:
Vnd sey in allem thun beflissen /
Das er behalt ein gut Gewissen.
Komt dann schon widerwertigkeit /
Gleich selbsten von der Obrigkeit:
Die etwan dein Trew nit erkennt.
Oder wirst von der Welt angrennt:
Die dich verlestert vnd verkleint /
Die anderst redt / vnds anderst meint:
Vnd man drauff (ob man schon nit sicht
Jns Herz) gleichwol ein Vrteil spricht.
Oder was sonsten Gott verhengt /
Daß du mit Creütz wirst angesprengt:
So wirdt jedoch dir Gott beystahn /
Dein Ehr retten vor jederman /
Vnd dir helffen auß aller gfahr /
Gott geb / wie die besteller war:
Dich segnen/ vnd nach disem Leben /
Das Ewig dir zur bkrönung geben.
M. G.
Getruckt im Gräflichen Marckt Embs/ bey Bartholome Schnell/
ANNO, M. DC. XVIII.
Deutsche illustrierte Flugblätter, hier Bd. 2, 137.
C.
Quellen
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