VOLLENHOVE C.3.
I.
Fulnaho (944), Fullenho (1133), Wllenho (1134), Vullenho (1146), Volnho (1159), Vollenho (1329) - Schloß und Stadt - Stift Utrecht (Oversticht); Bf.e von Utrecht - das Schloß war bevorzugter Aufenthaltsort der Bf.e im Oversticht vom 13. Jh. bis 1528. - NL, Prov. Overijssel.
II.
Stadt auf einer höheren Erdmoräne nahe der Küste (locus maritimus 1133) der ehemaligen Zuiderzee, nördl. von Zwolle und Kampen und südwestl. von Steenwijk. 944 schenkte Kg. Otto I. das Jagdrecht in dem Wald Fulnaho dem Bf. von Utrecht. Ca. 1050-1100 gab es dort eine kleine Kirche, die zw. 1100 und 1175 dreimal vergrößert wurde. Bf. Gottfried von Rhenen (1156-78) errichtete dort neben der Kirche ein Schloß, bes. um das Oversticht gegen die Friesen zu schützen und dasGrenzgebiet, das aus Sumpfland bestand, zu markieren. Viell. befand sich dort ein früheres bfl. Jagdhaus, aber es gibt dafür keine Beweise. Der Bf. betraute eine Gruppe von Ministerialen mit der Burgheit. Aus dieser Gruppe der Borgmannen entwickelte sich wahrscheinl. die spätere Ritterschaft des Kwartier van V., die ihre später bisweilen schwach befestigten Häuser (havezaten) in der Gegend des Schlosses errichteten. Das Schloß wurde mehrmals belagert, so 1309 als die Einw. von Stellingwerf in einem Konflikt mit dem Bf. versuchten, V. zustürmen.
Nach der Verpfändung des Oversticht an den Hzg. von → Geldern (1336-46) gab Bf. Johann von Arkel 1354 in einem Versuch der Konsolidierung der um V. gelegenen Siedlung Opten Kamp Stadtrecht. Die Stadt V. war als eine Art Bastide, wo sich die meisten havezaten durch die Ausweitung der Siedlung Opten Kamp innerhalb der Mauern befanden, eine Ausnahme im Fbm. Der Bf. ernannte den Schultheiß, oft denselben wie den Kastelein, die Bürger ernannten die Schöffen. 1492 war V., das im 15. Jh. eine Blütezeit aufgrundvon Fischerei und Handel erlebte, mit einem breiten Graben, Erdwällen, Türmen und vier Toren versehen. V. war der bevorzugte Aufenthaltsort der Bf.e, wenn sie im Oversticht weilten. Dies geschah jedoch nicht oft (weniger als ein Monat pro Jahr und bisweilen gar nicht; erst seit der zweiten Hälfte des 15. Jh.s), meistens in Jahren polit. Spannung oder wenn der Bf. Streit mit der Stadt → Utrecht oder dem Nedersticht hatte. Während eines solchen Streites starb Bf. Rudolf von Diepholz 1455 in V.; sein Herz und seineEingeweide wurden in der dortigen Kirche bestattet.
V. war der Amtssitz eines Kastelein bzw. Drost bzw. Rentmeisters und Schultheissen, wo es jurist. klaringen, polit. Verhandlungen, die Kontrolle vieler Rechnungen und bisweilen auch Landtage (so 1518) gab. Oft war der Drost auch Rat des Bf.s und bisweilen Deichgf. Diese Kombination der Ämter gab dem bekanntesten Drost (seit 1502), dem aus → Bamberg gebürtigen Georg Schenck von Tautenburg, dem späteren Feldherrn und Statthalter der → Habsburger, die Gelegenheit, seine eigene Macht auszuweiten. Dabei war der Einfluß derdrei IJsselstädte in V. geringer als in Salland. Der Kastelein sollte dem Bf. mit zwölf Dienern einen Monat lang Kost geben, wenn dieser auf dem Schloß weilte. Der Bf. sollte jedoch Torf stellen und zwei Heumieten aufschichten. Nach 1528 wurde die Stadt V. Res. der habsburg. Statthalter und zeitw. auch Sitz eines Rathofes für Overijssel, Drenthe und Lingen mit einem Kanzler und Räten (1553-80). Der niederländ. Aufstand beendete dies jedoch.
III.
Da es keine archäolog. Untersuchungen gegeben hat und das Schloß selbst abgerissen wurde, ist wenig bekannt. Das Oldehuis hatte einen großen, rechteckigen Donjon (12. Jh.?) mit einer ovalen Ringmauer mit Wohnsitzen und Seitengebäuden und einem Graben, wahrscheinl. inspiriert durch die Kaiserpfalz in Nimwegen. Die Kapelle des Schlosses war dem hl. Odulf gewidmet (gen. 1383). 1504/05 kannte V. ein Vortor, eine Vorburg mit einem langen Stall und einem mit Pfeilern versehenen Stall des Hofmeisters, beide mit Dachpfannen gedeckt;der Donjon mit seiner Wendeltreppe hatte jedoch ein Schieferdach. Weiter gab es ein Zimmer für die Wachmannschaft, einen Gemüsegarten, einen Bauernhof, Heumieten, ein Backhaus, einen Puthof, Fleisch- und Bierkeller, eine Milchkammer, eine Flaschenkellerei, eine Küche, eine Kapelle, eine Fleischerei, ein Kinderzimmer, zwei Schreibzimmer, darunter eines für den Drost, eine Stube, einen Saal, ein bfl. Zimmer, eine Ridderkamer, eine Silberkammer und ein Gefängnis, wo auch Kleriker eingesperrt wurden. 1521 zählte V. ein Bischofszimmer, Zimmer für denGerichtsvollzieher, den Jäger, den Kaplan und drei Räte, eine Rechtkaemer, eine Schreib- und eine Badstube, eine neue und eine alte Kapelle, eine Bücherei (ohne Bücher, aber mit Textilien!) usw.
Das Schloß V. blieb im 17. und 18. Jh. militär. genutzt. Danach war es Hospital, Gefängnis und Baumwollweberei. Zw. 1823 und 1830 wurde der Graben mit der Zuiderzee verbunden. Unklar ist, ob der Donjon damals abgerissen wurde. 1854 wurde das Oldehuis verkauft und teilweise abgerissen, um den Hafen von V. zu vergrößern. Spätere Erweiterungen des Hafens und der Bau von Wohungen ließen die letzten Reste verschwinden.
Quellen
Rekeningen van het bisdom Utrecht, 1-3, 1926-32.
Literatur
1000 jaar kastelen in Nederland, 1996. - Janssen 1976. - Kalveen 1974. - Mensema, Albertus J./Mooijweer, Jannes S.: Havezaten van Vollenhove. Marxveld, Oldenhof en Oldruitenborgh, Zwolle 1989. - Rutgers 1970. - Schneider 1994. - Stenvert/Kolman/Olde Meierink 1998. -Sterk 1980. - Westra van holthe, J.: Vollenhove en haar havezathen, 1354-1954, Assen 1958.