TRIER C.2.
I.
Augusta Treverorum (43/44), Treveris (4. Jh.), Treberis (10. Jh.), Trire (vor 1150), Triere (1248), Trier (1321), Tryre (1421), Triel (1473), Treer (15. Jh. ?), als urbs (bis 1139) oder civitas, mhd. stad/stadt/statt bezeichnet. Der nach Augustus und den Treverern benannte Ort wurde nach derGründungssage des 10. Jh.s von einem Trebeta, Stiefsohn der Semiramis, hergeleitet. - Ebfl. Stadtburg südl. an der Domimmunität - Erzstift T. - Res. vom 13. Jh. (zuvor im Dombering) bis 1794. - D, Rheinland-Pfalz, Reg.bez. T., kreisfr. Stadt.
II.
T. liegt am rechten Moselufer verkehrsgünstig in einer 3 km breiten und 15 km langen Talweite sowie an einem Flußübergang (Römerbrücke) und alten Straßenknotenpunkt; im MA führte aber nur ein Nebenzweig der sog. Lampartischen Straße zw. → Straßburg und Antwerpen hierher. Die im Zuge der Neuordnung Galliens um 16 vor Chr. gegründete Stadt erreichte ihren antiken Höhepunkt als Kaiserres. im 4. Jh. Kontinuitätswirksam und bis in die Neuzeit bedeutsam war der seit dem 3. Jh. belegte Bischofssitz. Hinzu kam eine Anzahl von frühen stiftl. undklösterl. Gemeinschaften in Stadt und Suburbium, die den Charakter T.s als geistl. Zentralort prägten. Hauptkirchen waren neben dem Dom die Benediktinerkl. St. Maximin, St. Eucharius/Matthias, St. Martin und St. Marien ad martyres sowie die Stifte St. Simeon und St. Paulin.
Im MA stieg die Zahl der Einw. evtl. auf über 12 000 (1339), lag 1363/64 bei ca. 10 000, ging nach leichtem Anstieg vor 1500 erneut zurück und wird 1542 bei 6000-9000 vermutet. Der Tiefpunkt wurde um 1650 mit kaum mehr als 3000 Einw. erreicht. Die wirtschaftl. Grundlagen der Stadt waren nicht überragend. Der im hohen MA bedeutende Weinabsatz verlor an überregionaler Bedeutung. T.er Tuche stellten aber bis in die Neuzeit ein u. a. über die Frankfurter Messen vertriebenes Exportgut dar. Der Handel innerhalb der Stadt erfolgte bes. auf dem 958 vor die Domimmunität verlegten Markt, an dem sichdie N-S-Achse und der Weg zur Brücke kreuzten.
Die Entstehung und Datierung des 1149 erstmals belegten Stadtsiegels ist strittig. Die Gemeindebildung vollzog sich im 12./13. Jh.; bis 1220 hatte sich das 1169 bzw. 1172 belegte ebfl. Schöffenkolleg zu einem Gerichts- und Verwaltungsorgan der Bürger gewandelt. Bei der Befestigung (neuer Mauerbau im 12./13. Jh.) und Akzise spielte die Stadt 1248 eine wichtige Rolle und übernahm wohl spätestens 1273 die Verantwortung für die Verteidigung. Der Zoll, speziell auf der Mosel, stand dem Ebf. zu; bei der Festlegung der Höhe gab es aber schon im 13. Jh. eine städt. Mitwirkung. Auch bei der Prägungder ebfl. Münze hatten Domkapitel, Ministerialen und Bürger ein Mitspracherecht. Für den Geldwechsel war die zum Hofverband gehörige, von führenden Bürgern besetzte Wechslerhausgenossenschaft zuständig.
Im Verhältnis von Stadt und Stadtherr bzw. Res. blieben Krisen und Konflikte nicht aus. Die Ursachen reichten von Bistumsfehden wie 1242 über Zölle bis zu Immunitätsverletzungen, geistl. Gerichtsbarkeit sowie klerikalen Sonderrechten (1350-54, 1364/65, 1377, 1440) und liefen z. T. mit innerstädt. Unruhen parallel, z. B. 1302/03 (Einführung einer Ratsverfassung). Die harten Zusammenstöße von 1377 begünstigten das längerfristige ebfl. Ausweichen auf alternative Res.en (→ Pfalzel, → Ehrenbreitstein). Nach einer konfliktärmeren Phase ab 1460 kam es im 16. Jh.speziell unter Johann von Metzenhausen (1531-40), Johann von der Leyen (1556-67) (Reformationsversuch 1559) und Jakob von Eltz (1567-81) wieder zu stärkeren Spannungen. Der lange Prozeß um die Reichsunmittelbarkeit endete 1580 mit einer Bestätigung des landesherrl. Status von T.
Ungeachtet dessen gab es enge Beziehungen zw. Stadt und Res., empfingen im späten MA die Ebf.e immer wieder im Palatium Vertreter der Bürger und hielten dort Gericht. Ebenso fungierten Mitglieder der städt. Führungsgruppe für sie als Palastschöffen, als Geldgeber (z. B. im 13./14. Jh. Familie Oeren) und stützten Ebf.e. ihre Stadtherrschaft auf einzelne Bürgerfamilien (Bonifaz/Praudom im 13. Jh.). Auch rekrutierten sich etl. ebfl. Amtsträger und Bedienstete aus der Bürgerschaft und waren umgekehrt städt. Notare und Schreiber gleichzeitig oder zuvor ebfl. Kleriker, Schreiber oder Notare. Fürdie der Palastgerichtsbarkeit unterstehende Gruppe der seit dem frühen 13. Jh. belegten ebfl. Kammerhandwerker wurden 1460 erneut die Aufgaben fixiert.
III.
Die T.er Ebf.e nahmen ihren Sitz zunächst in unmittelbarer Nähe des Domes. Die umgebaute konstantin. Palastaula, aus Königsgut 902 oder danach in ebfl. Besitz übergegangen, diente ihnen jedoch spätestens seit dem frühen 11. Jh. als Stützpunkt und Fluchtburg (asylum), wo sich auch im Bistumsstreit 1008 Adalbero verschanzte, sowie evtl. schon als Amtssitz. 1096 wird das Palatium erneut als asylum Treverorum (und Fluchtort für die Juden) bezeichnet. Spätestens bis 1200 wurde die Anlage burgförmig umgestaltet. Im nichtmehr überdachten Gebäude entstanden im Inneren ein Hofraum und kleinere Bauten sowie in der Apsis ein größerer Wohnturm (sog. Heidenturm). Nachdem bereits Ebf. Arnold (1169-83) Bautätigkeiten hatte durchführen lassen, wurden unter Johann I. (1189-1212) honestas quoque domos episcopales Treveri iuxta Palacium errichtet. Im 13. Jh. nahmen Arnold von Isenburg (1242-59) - speziell im Inneren - und Heinrich von Finstingen (1260-86) Verbesserungen vor. Im 15. Jh. wird für den auch sonst baul. engagierten Johann von Baden (1456-1503) hervorgehoben, daß er denPalast egregia structura structuravit. In dieser Zeit ist auch von einem »obersten« Saal und einem kleinen Repräsentationsraum (parva stubella) die Rede.
Johann von Schönenberg (1581-99) plante bereits die Erbauung eines Renaissanceschlosses und erwarb hierzu Häuser in der Nähe des Bischofssitzes, die er abbrechen ließ. Die Realisierung der (auch inschriftl.) nach dem Patron des Bm.s benannten Petersburg, einer geschlossenen Vierflügelanlage mit polygonalen Ecktürmen im Innenhof, begann jedoch erst unter Lothar von Metternich (1599-1623). Dieser ließ die Ostwand der spätantiken Palastaula niederreißen. Der Bau der dreigeschossigen Hochschloßanlage (Grundsteinlegung 1615), deren Entwurf dem kurmainz. Baumeister Georg Ri(e)dinger zugeschriebenwird, wurde unter Philipp Christoph von Sötern (1623-35, 1645-52) fortgesetzt (u. a. Hofkapelle). Er wurde mit dem Westflügel vollendet, an dessen Außenwand das röm. Mauerwerk bestehen blieb. Unter demselben Ebf. wurde nördl. an das Hochschloß ein Niederschloß angebaut, das u. a. einen prächtigen Marstall enthielt und an dessen Nordwestecke 1647 der sog. Rote Turm als Archiv- und Kanzleibau errichtet wurde. Die Vollendung dieser Bauten erfolgte unter Karl Kaspar von der Leyen (1652-76). Wg. der Verlagerung der Res. nach dem → Ehrenbreitstein fanden danach außer dem Bau einerOrangerie entscheidende Umgestaltungen durch den Rokokobau am Südflügel erst unter Ebf. Johann von Walderdorff (1756-68) statt. Durch diese Um- und Neubauten, die Umnutzung der Anlage und den Abbruch einiger Gebäude mit Auflösung des Kurstaates sowie die Wiederherstellung der als evangel. Kirche genutzten röm. Palastaula im 19. Jh. blieb der Charakter der ma.-frühneuzeitl. Res. nur ansatzweise erhalten.
Quellen
Gesta Treverorum continuata, 1879. - Gesta Trevirorum, 1-3, 1838-39. - Goerz 1-4, 1876-86. - Goerz 1861. - Quellen zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der rheinischen Städte, 1915. - Urkundenbuch Coblenz und Trier, 1-3, 1860-74.
Literatur
2000 Jahre Trier, 1-3, 1985-96. - Clemens, Lukas: Sigillum palatii nostri. Anmerkungen zur frühesten überlieferten Darstellung der Trierer Palastaula (sog. Basilika), in: Kurtrierisches Jahrbuch 35 (1995) S. 56*-70*. - Kerber 1995. - Zahn, Eberhard: Der kurfürstliche Palast, in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 32 (1977) S. 154-165. - Zahn, Eberhard: Die Basilika in Trier. Römisches Palatium - Kirche zum Erlöser, Trier 1991(Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier, 6).