STOLP C.7. (Słupsk)
I.
Der Name von Land und Stadt S., auch Stolpa, Stolpe, Ztolp u. a., wohl abgeleitet vom Fluß Stolpe, 1278 Slupa, 1281 Stolpa, wird gedeutet als Pfosten im Sinne von Wehr im Fluß. Erster urkundl. faßbarer Herr im Lande S. (Ztolp) ist 1227 Hzg. Barnim I. von Pommern aus dem Greifengeschlecht, wohl in Nachfolge der Ratiboriden, einer Seitenlinie der Greifen, wenig später verdrängt durch Hzg. Swantopolk II. von Pomerellen. Für denMittelpunkt des Landes, die Burg S., wird 1236 ein Kastellan gen. Neben Danzig und Schwetz gehörte sie zu den Hauptburgen der Samboriden. In den Wirren nach dem Tode Mestwins II. von Pomerellen 1295 erlangten die Swenzonen die Herrschaft über Burg und Land S. 1307 begaben sie sich unter die Lehnshoheit der → Brandenburger Mgf.en, die die inzw. entstandene dt. Siedlung 1310 mit lüb. Recht bewidmeten. Um 1317 wurden die Länder S., → Rügenwalde und Schlawe an Wartislaw IV. von Pommern-Wolgast abgetreten. Bis zum Aussterben der Dynastie verblieb die Herrschaft bei denGreifen. Die Pfandherrschaft des → Deutschen Ordens über Burg, Stadt und Land S. 1329-41 blieb Episode. Bei der Teilung des Hzm.s Pommern-Wolgast 1368/1372 gelangte der Teil jenseits, d. h. östl. der Swine an Bogislaw V. und seine Nachkommen. Von den Nachbarn - dem → Deutschen Orden und Polen - auch als Hzg.e von S. bezeichnet, wurde der Name in Pommern zunächst nicht verwendet. Erst in der Literatur bürgerte er sich später zur Benennung des Teilhzm.s ein. Die eigenständige Herrschaft erlosch 1459 mit dem Tod Hzg. Erichs I., zuvor Kg. der nord. Reiche. DieNachfolge in S. trat Erich II. von Pommern-Wolgast an, dessen Wwe., Sophia von Pommern-S., nach einem Vergleich mit ihrem Sohn Bogislaw X. ihren Witwensitz 1485 von → Rügenwalde nach S. verlegte, wo sie 1497 starb. Bei der erneuten Teilung des zwischenzeitl. unter Bogislaw X. vereinten Hzm.s Pommern 1532 gehörte S. zum → Stettiner Landesteil. 1600-23 war das von Hzg. Johann Friedrich von Pommern-Stettin in der Stadt erbaute bzw. ausgebaute Schloß Sitz seiner Wwe. Erdmut von Brandenburg. Deren Wittum ging nach ihrem Tod an die Schwester des letzten Pommernhzg.s, Anna,verheiratete von Croy, über, die, ebenfalls Wwe. und in der Nutzung ihres lothring. Wittums gehindert, hier eine standesgemäße Ausstattung erhielt und bis zu ihrem Tode 1660 in S. residierte. Ihr Sohn, Ernst Bogislaw von Croy, der in gutem Einvernehmen mit dem neuen brandenburg. Landesherren stand, erbte die Ländereien seiner Mutter. - PL, Wojewodschaft Pomorskie.
II.
Die Stadt S. liegt am Fluß Stolpe, 18 km von der Mündung in die Ostsee entfernt, an der Flußquerung einer alten Landstraße. Am rechten Ufer entwickelte sich vor der slaw. Burg eine Siedlung, 1269 gen., in der sich 1281 eine Peterskirche befand. Auf der linken Seite des Flusses entstand bei der Nikolaikirche die planmäßig angelegte dt. Niederlassung, für die 1276 ein Schulze gen. wird. Mestwin II. von Pomerellen veranlaßte die Gründung eines Dominikaner- und eines Prämonstratenserinnenkl.s. Die Verleihung des lüb. Rechtes durch die → BrandenburgerMgf.en und die Ausstattung mit 200 Hufen und Privilegien, wie zehnjährige Abgabenfreiheit, freier Verkehr auf der Stolpe bis zum Meer und das Recht des Heringsfanges, schufen 1310 die rechtliche Grundlage für den wirtschaftl. Aufschwung 1341 war die Stadt mit der Ritterschaft in der Lage, eine bedeutende Summe zur Lösung aus der Pfandherrschaft des → Deutschen Ordens aufzubringen. Sie erwarb in der Folgezeit umfangreichen Grundbesitz, verschiedene Dörfer, den Hafen Stolpmünde sowie den die Stolpe rechts und links bis zum Hafen säumenden Landstreifen. S. wurde Hansestadt,trieb Handel bis Flandern, Holland und England und war Münzort, an dem landesherrl. - inwieweit städt. ist umstritten - Münzen geschlagen wurden. Enge Beziehungen gab es zu Danzig. Im Bund mit den Städten → Rügenwalde und Schlawe suchte man sich gegen Übergriffe zu behaupten. Die Stadtmauer mit vier Toren, Marienkirche und Rathaus waren äußerl. Zeichen einer erfolgreichen Entwicklung, die durch einen Stadtbrand 1477 unterbrochen wurde. Auch in den folgenden Jahrhunderten verheerten Brände mehrfach die Stadt. Dem Bemühen der Landesherren, eine Burg innerhalb der Stadtmauern auf demMühlenhof zu errichten, widersetzte sich die Stadt lange Zeit erfolgreich. 1392 nutzte die Stadt Geldverlegenheiten der Hzg.e, um von Bogislaw VIII. die Zusicherung zu erhalten, den Bau eines Schlosses auf dem Mühlenhofe einzustellen und keine Schlösser in Land und Stadt zu errichten. Erst unter Bogislaw X., dem es auch anderweitig gelang, die städt. Rechte zu beschneiden, mußte sich die Stadt 1507 dem Bau eines fsl. Hauses fügen. Kirchenrechtl. gehörte die Stadt zum Bm. → Cammin.
III.
Über das Aussehen der rechts der Stolpe gelegenen hzgl. Burg, die offenbar noch bis zum Anfang des 16. Jh.s bewohnbar war und vermutl. der Wwe. Hzg. Erichs II., Sophia von Pommern, als Witwensitz gedient hat, ist nichts überliefert. Das am südöstl. Stadtrand gelegene Schloß geht auf ein wanhus zurück, das Hzg. Bogislaw X. trotz gegenteiliger Beteuerungen 1507 erichten ließ. Unter Hzg. Johann Friedrich wurde es 1580-87 von dem ital. Baumeister Wilhelm Zacharias, der wohl auch den Umbau der nahegelegenen und später noch mehrfachveränderten Schloßmühle leitete und zuvor am → Stettiner Schloß tätig war, zum repräsentativen Renaissancesschloß um- und ausgebaut. Das Schloß ist ein rechteckiger Bau mit einem in der Mitte zur Hofseite hervortretenden Treppenturm. Nach einem Verzeichnis von 1682 gehörten zur Schloßanlage einst Haupthaus, Küchenbau, Marstall, Kirchengang, Torbau, Kanzlei nebst Renterei und ein neues Haus. Hinzu kam die Schloßkirche. Im eigentl. Schloß wurden vier Säle, ein gewölbter Rittersaal sowie 89 Stuben und Kammern gen. Durch Verfall, Um- und Anbauten und Nutzungen u. a. als Getreidespeicher,Zeughaus und Magazin wurde es stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Restaurierung von 1958-65 bemühte sich, das Schloß dem ursprgl. Zustand anzunähern. Seit 1965 befindet sich in seinen Räumen und in der Schloßmühle das Regionalmuseum. Die Wwe. Hzg. Johann Friedrichs, Erdmut von Brandenburg, ließ die verfallene und unweit des Schlosses gelegene Kirche des Dominikanerkl.s wiederherstellen, im Barockstil ausstatten und 1602 als evangel. Schloß- und Johanniskirche zum Andenken an ihren Gemahl neu weihen, was die Darstellung des Paares auf dem Altar der Kirche unterstreicht. In ihr befinden sichdie barocken Grabmäler Anna von Croys aus der letzten Greifengeneration und ihres Sohnes Ernst Bogislaw von Croy. Ihre Prunksarkophage stehen heute im Museum im Schloß.
Quellen
Pommersches Urkundenbuch, 1-11, 1881-1990.
Literatur
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