SCHLEUSINGEN C.7.
I.
Slusungen, 1232 Kop.; 1235 Or., diese Schreibweise bleibt bis in die zweite Hälfte des 15. Jh.s dominierend; Sleusungen 1317; Slusingen 1461; die heutige Schreibweise setzt sich im 16. Jh. durch. Der Ortsname S. gehört zu den in der Region häufigeren Namen auf -ingen/-ungen, die sich zumeist an Gewässernamen orientieren. Im konkreten Fall war allerdings nicht der - in einiger Entfernung am Ort vorbeifließende - Fluß Schleuse, sondern ein vom nahe gelegenen Prämonstratenserstift Veßra angelegtesFischwehr (sclusa) namengebend (Lorentzen 1932, S. 37). - S., am Südwestrand des Thüringer Waldes 15 km südl. von Suhl gelegen, gehörte bis 1583/1660 zur gefürsteten Gft. Henneberg. Kreis Hildburghausen/Thüringen. - Die Bertholdsburg liegt am Rand der Stadt. S. war vom letzten Viertel des 13. Jh.s bis zum Erlöschen des Grafenhauses 1583 Hauptres. der Gft. Henneberg-S., deren Inhaber seit 1310 im Besitz bestimmter fsl. Vorrechte waren. - D, Thüringen, Kr. Hildburghausen.
II.
S. liegt auf einem Höhenrücken zw. den beiden Flüssen Erle und Nahe, die bei S. zusammenfließen und etwa 1 km unterhalb in die Schleuse (alter Name: Vesser; rechter Nebenfluß der Werra) münden; 350-400 m ü.d.M. Das Gelände fällt nach N, W und S zu diesen beiden Flüssen steil ab. Die Burg liegt an der Spitze des Höhenrückens; die Siedlung schließt sich östl. an. Bei S. tritt die sog. Frauenstraße von → Nürnberg nach Erfurt (über → Coburg, Hildburghausen, S., Frauenwald und Ilmenau) in den Thüringer Wald ein. Der Boden (Buntsandstein) istwenig ergiebig.
Aus der Herleitung des Ortsnamens ergibt sich, daß S. erst nach Gründung von Veßra (1131) angelegt worden sein kann. Um diese Zeit hat, wie Erstbelege für Dörfer der näheren Umgebung (u. a. Erlau, 1144) zeigen, der Landesausbau in der Region eingesetzt. Daher ist »[...] die älteste Siedlung Schleusingen weit vor ihrer ersten Nennung [...] entstanden [...]« (Patze 1968, S. 382). S. hat bald eine regionale Bedeutung gewonnen. Ein am Fest der hl. Apostel Simon und Juda (28. Okt.) gehaltener Jahrmarkt mit Marktrecht und zugehörigem Marktzoll sowie in undvor der Stadt (stad), auch von Fremden (gesten) erhobener Zoll werden im ältesten Urbar der Gft. erwähnt (um 1365, ThStAM GHA III Nr. 384 Bl. 25); diese Quelle nennt darüber hinaus umfangreiche Einkünfte in der Stadt, mehrere Mühlen, ein Spital und eine Badestube. Angaben zur Struktur der Handwerke sind ihr nicht zu entnehmen.
Die Anlage einer Saigerhütte (an der Straße Richtung Erlau/Suhl) war zunächst wohl weniger durch örtl. Bergbau, sondern durch die gesicherte Brennstoffversorgung und die Lage an der Straße Erfurt-Nürnberg bedingt; die erste Belehnung 1461 erfolgte zugunsten eines Nürnberger Bürgers (ThStAM GHA III Nr. 482); Belege für den - wohl zeitw. unterbrochenen - Betrieb der Hütte stammen aus dem gesamten 16. Jh. 1508 erhielt ein Bürger die Genehmigung für den Bau eines Kupferhammers (Gessner 1861, S. 76). 1563 versuchte man, das nötige Kupfer am Ort zu gewinnen.
Die Gf.en von Henneberg besaßen seit 1216/26 das Berg- und Münzregal (HUB I, 1842, Nr. 26 und 27; Heus 1999, S. 12). Anders als noch die ältere Literatur hat Heus (Heus 1999, S. 119ff.) nachgewiesen, daß eine Münze in S. erst seit der ersten Hälfte des 15. Jh.s betrieben worden ist; einschlägige Akten liegen seit 1473 vor.
Wg. des späten Erstbelegs fehlen Angaben zu Gau und Gft.; die älteren, westl. S. im Werratal gelegenen Orte gehörten zum Grabfeld. Kirchl. war S. bis zur Durchführung der Reformation (1543) Teil der Diöz. → Würzburg, Landkapitel → Coburg; ein Pfarrer ist in S. bereits 1235 belegt.
Ersterwähnung 19. Mai 1232 (HUB V, 1866, Nr. 5; RDHT III, 1925, Nr. 265), dort als villa bezeichnet. Dies setzt bereits eine gewisse Infrastruktur am Ort voraus. 1235 urkundete Jutta, ehemalige Mgf.in von → Meißen, jetzt Gf.in von Henneberg, zusammen mit dem Ehemann Gf. Poppo, dessen Sohn Heinrich und dem gemeinsamen Sohn Hermann in S.; Zeugen u. a. Abt, Prior, Kämmerer und Kustos von Bildhausen, ein Würzburger Domherr und Johann Pfarrer zu S. (RDHT III, 1925, Nr. 546). S. muß bereits angemessene Möglichkeiten zur Unterbringung dieser Personen gebotenhaben, da man die Urk. auch im nur 7 km entfernten, beschenkten Kl. Veßra hätte ausstellen können.
Am 7. März 1268 bestimmte Gf. Berthold von Henneberg († 1284) Burg und Stadt S. (Slusungen castrum cum civitate) zum Leibgeding seiner Ehefrau (HUB I, 1842, Nr. 38; RDHT IV, 1936, Nr. 164). Ihm fiel S. bei der Teilung von 1274 zu. Berthold oder sein gleichnamiger, 1310 vom Kg. mit bestimmten fsl. Vorrechten ausgestatteter Sohn († 1340) haben den Ausbau von Burg und Stadt S. vorangetrieben; die Burg wird daher in der Neuzeit Bertholdsburg gen.
Eine ab 1316 betriebene Gründung eines Kanonikerstiftes, das v. a. der Unterbringung des Kanzleipersonals dienen sollte, scheiterte am Widerstand des Johanniterordens, dem Gf. Berthold 1291 den Patronat der Pfarrkirche geschenkt hatte. Das Stift ist schließl. in Schmalkalden errichtet worden (Germanica Sacra. NF, 36, 1996, S. 25-30).
Mir dem Jahr 1285 setzt die Liste der gfl. Vögte in S. ein (Pusch 1932, S. 88, Nr. 36; zahlr. Belege des 14. und 15. Jh.s); sie waren die Stellvertreter des Gf.en vor Ort. Ab etwa 1400 tritt zudem ein Amtmann auf (HUB IV, 1861, Nr. 108; die bei Zickgraf 1944, S. 234 aufgeführten Amtmänner aus dem 14. Jh. führten tatsächl. den Titel Vogt). Der Vogt saß dem Stadtgericht vor; diese Funktion übernahm spätestens mit der Erneuerung der Statuten (1496) ein vom Gf.en ernannter Stadtrichter (Gessner 1861, S. 37).Daneben gab es ein in S. ansässiges, für die umliegenden Dörfer zuständiges lantgericht tzu Slusungen (1354: HUB V, 1866, Nr. 223).
Ein Stadtsiegel ist erstmals 1299 belegt (sigillum [...] civitatis: Schultes 1794, S. 185, Nr. 9); ein Abdr. ist nicht erhalten. Daraus zu erschließen sind Anfänge einer bürgerl. Selbstverwaltung, zu deren Struktur nichts bekannt ist. Eine formelle Stadtrechtsverleihung ist nicht belegt; 1316 wird S. in einer deutschsprachigen Urk. als stat bezeichnet (HUB I, 1842, Nr. 68). Zw. 1406 und 1415 erließ die Gräfinwwe. Mechtild, zu deren Wittum Burg und Stadt S. gehörten, Statuten, die, weilverbrannt, 1496 erneuert wurden (Gessner 1861, S. 36f.; Lorentzen 1932, S. 60). 1415 sind Bürgermeister und Rat mit 12 Mitgliedern belegt (HUB VI, 1873, Nr. 33). Ein jüngeres Stadtsiegel zeigt das Wappen der Gf.in Mechtild, es dürfte im Zusammenhang mit der Verleihung der Statuten angefertigt worden sein (Beleg von 1430: Lorentzen 1932, S. 60f., Abb. nach S. 100). S. blieb klein; 1572 lebten in der Stadt 143, in der Vorstadt 157 waffenfähige Männer; daraus ist eine Bevölkerung von 672 bzw. 738 Personenerrechnet worden (Mauersberg 1938, S. 47).
Der Zusammenhang zw. Burg/Schloß und Stadt war sehr eng. Ein Teil der Häuser und Höfe der Stadt war Zubehör von Burglehen; sie dürften von den Inhabern, durchweg Niederadligen, an ortsansässige Bürger zur Nutzung überlassen worden sein. Spannungen zw. der Stadt und der Res. scheint es nicht gegeben zu haben.
III.
Die Res. S. in engerem Sinne bestand aus der im Laufe von Jh.en zum Schloß ausgebauten Bertholdsburg. In unmittelbarer Nähe befanden sich die Pfarrkirche von S., deren ex paterna successione ererbten Patronat Gf. Berthold im März 1291 dem → Johanniterorden schenkte (HUB I, 1842, Nr. 51), und die auf eine Stiftung des Gf.en Berthold zurückgehende Johanniterkommende (Gessner 1861 S. 8).
Baumaßnahmen sind erst ab 1450 im Detail dokumentiert (Vogteirechnungen, von Geßner noch in Schleusingen benutzt, seit 1898 im LHA Magdeburg, Rep. A 33 Ka Nr. 1ff.); gen. werden dort zahlr. Handwerker. Leiter der Arbeiten war 1509 Anton von Brunn, der als Junker tituliert wird, möglicherweise also adliger Herkunft war (ThStAM GHA III Nr. 227); er errichtete auch das Barfüßerkloster in S. (ThStAM GHA IV Nr. 33). Namentl. bekannt sind einige der Künstler, die die Grabdenkmäler der letzten Gf.en geschaffen haben: den Auftrag für den Grabstein der im Mai 1558 gestorbenen Gf.in Elisabeth erhieltim Dez. 1558 der Goldschmied und Bildhauer Sigmund Bihlinger (so schrieb er sich selbst) aus → Innsbruck, der im März 1559 eine Teilquittung ausstellte (ThStAM GHA Urk.-Nachträge Nr. 2240 und 2243, Zitate daraus bei Bechstein 1843, S. 14f., vollständig zitiert von Koch 1905, S. 398). Entgegen der Literatur, die diesem Bildhauer auch die übrigen, nach 1566 gefertigten Denkmäler zuschreibt, ist allerdings festzustellen, daß zumindest der Grabstein des Gf.en Georg Ernst nicht von Bihlinger, sondern von dem 1573 inS. tätigen Bernhard Ell aus Schweinfurt geschaffen worden ist (Koch 1905, dessen Quelle ThStAM GHA VI Nr. 534). Die Mehrzahl der heute in der Ägidienkapelle der Stadtkirche zu S. aufgestellten Grabdenkmäler, darunter auch das der Gf.in Elisabeth, sind 1566 aus Veßra nach S. gebracht worden (Fotos: Grossmann/Witter/Wölfing 1996, S. 212-223).
Aus den Umständen der ersten urkundl. Nennung von S. geht hervor, daß bereits 1235 die gfl. Familie und etl., z. T. geistl. Zeugen am Ort - vermutl. in einer Burg - angemessen untergebracht werden konnten. Aus dem 13. Jh. stammen Teile der Bausubstanz im Keller und im Erdgeschoß eines Bauteils im NW der Anlage; vermutl. handelte es sich um einen Wohnbau. Von der Stadt hin dürfte die Burg durch einen Halsgraben getrennt gewesen sein (Langenbrink 1996, S. 173). Eine Aussage dazu, ob die Burg bereits von Gf. Berthold († 1284) oder erst von seinem gleichnamigen Sohn(† 1340) ausgebaut worden ist, ist mangels Quellen nicht mögl. (einschlägige Archivalien, von denen Langenbrink unter Berufung auf Rossteuscher 1994, S. 9 spricht, gibt es nicht). Spätestens die Verleihung gewisser fsl. Vorrechte (1310) und die Rolle, die Gf. Berthold in den nächsten Jahrzehnten in der Reichspolitik spielte, dürfte zu Baumaßnahmen größeren Umfangs Anlaß gegeben haben. Einschlägige Quellen sind allerdings nicht erhalten geblieben. Im Aug. 1337 hielten sich Ks. → Ludwig, mehrere Rfs.en und Gf.en in S. auf(Füsslein 1983, S. 426 und Anm. 2). Offenbar reichten die inzw. vorhandenen Gebäude aus, diese Personen und ihre Begleitung für mehrere Tage angemessen unterzubringen.
1353 ist die gantze Statt Schleusingen dornstag nach Nativitatis Mariae [12. Sept.] jämmerlich abgebrant (Spangenberg 1599, S. 202). Dendrochronolog. auf die 1360er Jahre dat. Baumaßnahmen an der Burg waren wohl dadurch veranlaßt. Das ältere Gebäude aus dem 13. Jh. wurde um das heutige Zwischengeschoß und das erste Obergeschoß erhöht; Keller und Erdgeschoß wurden eingewölbt (Langenbrink 1996, S. 174). Dies und der Kauf der halben Herrschaft Schmalkalden (1360) hat die Finanzkraft desHauses Henneberg-S. offenbar so angespannt, daß die Vormünder der Gf.en Heinrich und Berthold am 23. Nov. 1367 Schloß, Haus und Stadt S. mit Zubehör an Friedrich, Balthasar und Wilhelm, Mgf.en von → Meißen und Lgf.en in Thüringen, verpfänden mußten; eine Auslösung sollte nicht vor nächstem Walpurgis erfolgen (Schultes 1791, UB S. 158f., Nr. 129). Die von Schultes (Schultes 1794, S. 105) aus dieser Urk. hergeleitete langfristige Verpfändung (Auslösung demnach 22. Juni 1540: Schultes 1794, UBS. 355f., Nr. 245; übernommen durch Gessner 1861, S. 17) wird durch die Tatsache widerlegt, daß die Gf.en von Henneberg in S. kontinuierl. Urk.n ausstellten. Am 2. Mai 1406 vermittelte der Mgf. von → Baden einen Vergleich zw. seiner Schwester Mechtild Gf.in von Henneberg und deren Sohn Gf. Wilhelm. Burg und Stadt S. mit ausführl. aufgezähltem Zubehör wurden Mechtild auf Lebenszeit überlassen; Rechte der Hzg.e von → Sachsen können demnach nicht mehr bestanden haben (HUB IV, 1861, Nr. 152). Im Aug. 1425 ließ Gf.in Mechtild inestuario eiusdem castri ihren letzten Willen festhalten (HUB VI, 1873, Nr. 217). Im Juli 1445 schlichteten in S. die Brüder Friedrich und Wilhelm, Hzg.e von → Sachsen, Albrecht Mgf. von Brandenburg und Ludwig Lgf. von Hessen zw. Gf. Heinrich von Henneberg und dessen jungem Neffen Wilhelm (HUB VII, 1873, Nr. 219).
In der ersten Hälfte des 15. Jh.s ist das Schloß erweitert worden; der mittlere Bereich des Nordflügels kann dendrochronolog. um 1435 dat. werden; er enthielt einen Gewölbekeller und mind. drei Geschosse. Anschl. entstand der Südflügel mit den drei, das Bild der Bertholdsburg bis heute prägenden Türmen. Diese Baumaßnahmen können aus den seit 1450 (mit kleinen Lücken) erhaltenen Vogteirechnungen dokumentiert werden (Gessner 1861, S. 50ff.): 1450 wurde an zwei Türmen und den Zwingern gearbeitet, 1457 an den Pfeilern der Schloßbrücke, an Frauenstube, Frauenkammerund zwei Kemenaten. Damit erreichte die Anlage ihre heutige Ausdehnung (Langenbrink 1996, S. 176). 1452 erhielt ein Glasmeister aus Judenbach eine größere Summe - wohl für die Glasscheiben in einem Repräsentationsraum; 1518 wurde ein neues »Stüblein« für den Gf.en Wilhelm errichtet; 1538 wurde am Schloßturm gearbeitet; 1542 führte ein Brand zur Zerstörung des Daches über des alten Herrn Gemach; 1563ff. wurden für erste Ehefrau des Gf.en Georg Ernst die Schloßgärten mit einem Labyrinth angelegt(Gessner 1861, S. 118); 1571 werden drei neue Türme am Schloß erwähnt. Die ohnehin nicht konsequent durchgeführte Verlegung der Res. nach → Untermaßfeld (1547) hat demnach nicht zur Einstellung der Baumaßnahmen in S. geführt. Zw. 1583 (Erlöschen des Grafenhauses) und 1660 wurden ledigl. Ausgaben für den notwendigen Bauunterhalt notiert. Diese Baumaßnahmen des 16. Jh.s führen dazu, daß zu den Räumen und der Ausstattung um 1500 Aussagen nicht mögl. sind.
Neben der unmittelbar am Schloßgraben gelegenen Kirche lag der zur Bertholdsburg gehörige Wirtschaftshof (Gessner 1861, S. 8). Das älteste Urbar, um 1365 entstanden, erwähnt in S. mehrere Höfe, ein Backhaus, zwei Mühlen und eine Badestube, die sich in Händen des Gf.en befanden bzw. von diesem verliehen wurden (ThStAM GHA III Nr. 384 Bl. 25). Eine 1445 belegte Mühle an der Schleuse, also südl. der Stadt, wurde 1518 in eine Papiermühle umgewandelt; 1536 wurde sie an einen neuen Inhaber verliehen (Gessner 1861 S. 77;Lorentzen 1940).
Das Vorhandensein einer Stadtbefestigung bereits für 1268 ergibt sich aus der Bezeichnung civitas für S. Das älteste Urbar (um 1365) erwähnt das obere Tor; daraus kann auf die Existenz mind. eines weiteren Tores geschlossen werden. Die erste Nachricht über die komplette Stadtbefestigung stammt allerdings erst aus dem Jahr 1504; damals wurde die Bewachung der einzelnen Abschnitte auf die Bürger verteilt (Dersch 1922).
Da 1235 ein Pfarrer erwähnt wird, bestand bereits eine Kirche. Am heutigen Standort soll zu Beginn des 14. Jh.s ein Neubau errichtet worden sein, den 1307 der Mainzer Weihbischof Berthold von Henneberg (1267-74 schismat. Bf. von → Würzburg, † 1312) geweiht haben soll (Schultes 1794, S. 107; S. fehlt allerdings in der Liste der von ihm geweihten Kirchen, Kapellen und Altäre bei Germania Sacra. NF 4, 1969, S. 18f.). Die Pfarrkirche - genauer: deren Obergeschoß (lobium) - wurde zugleich als Burgkapelle genutzt: als 1318 einSohn des Gf.en in den → Johanniterorden eintrat (HUB V, 1866, Nr. 76), stiftete dieser [...] duas missas in ecclesia parrochiali predicti oppidi Slusungin, unam [...] in eadem ecclesia in lobio, quod dicitur Borchkirche [...] Im Jahr 1411 wurde in der Burgkapelle ein Altar zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit gestiftet (HUB IV, 1861, Nr. 194). Bereits 1318 ist eine südl. der Kirche gelegene Ägidienkapelle belegt, in die 1566 die gfl. Familiengruft verlegt wurde. Zuvor war allerdings ab 1485 ein wesentl. Umbau der Kirche erfolgt, die 1498 neugeweiht wurde (Gessner 1861, S. 25).
Die Existenz eines Spitals geht aus der Nennung einer Spitalmühle im ältesten Urbar (um 1365) hervor. Es bestand noch 1577, da es in der Stiftungsurk. des Gymnasiums erwähnt wird (Nachlaß Wahle); 1423 wird ein »neues Spital« in St. Kilian bei S. erwähnt (HUB VI, 1873, Nr. 186).
In den Gebäuden des 1502 gegründeten (Gessner 1861, S. 59), seit 1545 von den Mönchen verlassenen Barfüßerklosters gründete Gf. Georg Ernst 1577 ein Gymnasium, das bis 1868 im Kl. blieb (Gessner 1861, S. 125f.). Bereits in den Jahrzehnten zuvor hatte sich der Gf. um den Ausbau des Schulwesens in seinem Territorium intensiv gekümmert.
Quellen
Siehe die entspr. Angaben im Text. - HUB. - Die ältesten Lehnsbücher der Grafen von Henneberg, bearb. von Johannes Mötsch und Katharina Witter, Weimar 1996 (Veröffentlichungen aus thüringischen Staatsarchiven 2). - RDHT. - Spangenberg 1755. - ThStAM GHA Urkunden. - ThStAM GHA III Akten. - ThStAM GHA Hennebergica aus Gotha, Urkunden. - ThStAM GHA Hennebergica aus Magdeburg, Akten. - ThStAM Nachlaß Dr. Hermann Wahle, Weimar: Druckfahnen eines Aufsatzes zur Stadtgeschichte vonSchleusingen (1937).
Literatur
Bechstein, Ludwig: Die Denkmäler der Grafen und Gräfinnen von Henneberg, in: Einladungsschrift zur elften Jahresfestfeier des Hennebergischen alterthumsforschenden Vereins in Meiningen, 1843 S. 6-15. - Dersch, Wilhelm: Die Schleusinger Wehr und Wacht während des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges 1504, in: Schriften des Hennebergischen Geschichtsvereins 13 (1922) S. 1-8. - Füsslein 1905. - Germanica Sacra. NF, 36, 1996. - Gessner 1861. -Grossmann/Witter/Wölfing 1996. - Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 9, 1989, hier S. 382-385. - Heus 1999. - Koch, Ernst: Ein bisher unbekannter Bildhauer von Denkmälern der Grafen von Henneberg, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte. NF 15 (1905) S. 397-405. - Langenbrink, Max: Über drei Jahrhunderte Residenz der Henneberger ... Zur Baugeschichte der Bertholdsburg in Schleusingen, in:Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 11 (1996) S. 169-192. - Lorentzen, Theodor: Ursprung und Anfänge der Stadt Schleusingen, Meiningen 1932. - Lorentzen, Theodor: Die Papiermacherei in der vormaligen Grafschaft Henneberg, in: Aus der Praxis des Papiermachers 4 (1940) S. 127-156. - Mauersberg, Hans: Besiedlung und Bevölkerung des ehemals hennebergischen Amtes Schleusingen, Würzburg 1938. - Pusch 1932. - Rossteuscher, Fritz: Chronikder Stadt Schleusingen, Schleusingen 1994. - Schultes 1788/91. - Schultes 1-2, 1794/1804. - Germania Sacra. NF 1, 1962, 4, 1969. - Wendehorst 1964. - Wölfing, Günther: Geschichte des Henneberger Landes zwischen Grabfeld, Rennsteig und Rhön, Hildburghausen 1992 (Veröffentlichung des Hennebergischen Museums, 1 - Sonderveröffentlichung des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins, 1). - Zickgraf 1944.