Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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RONNEBURG C.3. (Pils Rauna)

I.

Die Ronneburg (mhd./mnd. Rowneborch, Runenburg) liegt auf einem hohen Bergrücken am linken Ufer der Raune, einem linken Nebenfluß der Livländischen Aa, 23 km nordöstl. → Wendens. Sie ist nach dem Fluß benannt. Sie war festeste Burg und Res. für die lett. Seite des Erzstifts Riga. Im 15. Jh. residierten die Ebf.e hier bevorzugt. - LV.

II.

Die R. ist in dem Teil der lett. Landschaft Tholawa entstanden, der dem Erzstift auf Dauer verblieben ist. Es war später Amt in der lett. Seite des Erzstifts.

Urkundl. erwähnt wird die Burg zuerst 1381, sie dürfte einige Jahrzehnte vorher entstanden sein. Eine Kirche stand etwa 500 m entfernt. Ein Hakelwerk ist erst seit dem späten 15. Jh. belegt, es war dann ein Städtchen nach Rig. Recht. Die wirtschaftl. Aufgabe wird in einer Grundversorgung der ebfl. Burg bestanden haben. Während des Nordischen Krieges wurde es so stark zerstört, daß es nicht wieder aufgebaut wurde.

III.

Die Burg bestand aus einem kastellähnl. Haupthaus und einem zumeist jüngeren Vorburggelände und Umfassungsmauern.

Namen von Architekten sind nicht bekannt. Die Benennung von Bauherren ist dadurch erschwert, daß der Baubeginn aus Stilgründen in eine Zeit gesetzt wird, in der die Ebf.e vorwie- gend außer Landes weilten (vor 1374). Zu Beginn des 16. Jh.s war es v. a. der Ebf. Jasper Linde, der Erweiterungs- und Umbauten veranlaßt hat.

Ob die Burg in der Mitte des 14. Jh.s etwa unter Ebf. Fromhold von Fifhusen (1348-69) entstanden ist, wird sich im einzelnen nicht klären lassen. Abweichend von der zeitgenöss. Vierflügelanlage des → Deutschen Ordens, wie sie v. a. Landmeister Eberhard von Monheim hat bauen lassen, wurden in R. nur zwei längere Flügel im N und S sowie ein kürzerer Westflügel errichtet. Die Räume blieben zunächst ungewölbt. Nach 1418, als mit Johannes Ambundii die Ebf.e wieder ständig im Lande weilten, wurden die ebfl. Burgen stärker befestigt. In dieser Zeit sind die größere Vorburg östl. desHaupthauses und die kleineren Vorburggebäude im W und S entstanden. Die Erhöhung der Außenmauern und ihre Ausstattung mit Rundtürmen zur Abwehr von Feuerwaffen erfolgte Anfang des 16. Jh.s. Die Burg ist mehrmals vom Orden eingenommen worden (1479, 1522, 1556). 1577 kam sie in russ. Hand, ehe sie von der Krone Polen übernommen wurde. Aus schwed. Besitz gelangte sie im 17. Jh. in private Hände und ist seitdem verfallen. Bedeutende Mauerreste des Haupthauses sind noch heute zu sehen.

Das Haupthaus hatte am freien Ende des Südflügels seine Kapelle, es folgten der Kapitelsaal, im W der Remter und im N das Dormitorium. An der Nordwestecke wurde ein quadrat. Turm zuletzt entdeckt. Der Raumbedarf war geringer als bei einem Konventshaus des Ordens, was sich in der Größe des Bauwerks niedergeschlagen hat. Die aufwendigere Ausstattung mit Sterngewölben im Kapitelsaal und die steinernen Kreuzgangreste stammen erst aus der Zeit von Jasper Linde.

Auch die R. stellte Herrschaftsarchitektur dar, auch wenn diese im Vergleich zu den Res.en des → Deutschen Ordens bescheidener ausfiel. Die Baubemühungen von Jasper Linde zeigen, daß dieser Ebf. sowohl die milit. Notwendigkeiten seiner Zeit gesehen hat als auch einen Blick für gehobene künstler. Ausstattung hatte.

Quellen

Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch I,1-12, 1853-1910, II,1-3, 1900-14, III,1-3, 1910-38.

Baltisches historisches Ortslexikon, 2, 1990, S. 517-518. - Burgenlexikon für Alt-Livland, 1, 1922, S. 104. - Mettig, Constantin: Baltische Städte, Riga 1905. 2. ND Hannover-Döhren 1990, S. 373-378. - Murbach 1988, hier S. 77. - Vītola, Tatjana: Raunas pils rekonstrukcijas mēgͨinājums [Rekonstruktionsversuch der Burg Rauna (Ronneburg)], in: Ose, leva: Latvijas viduslaiku pilis, Bd. 1: Pētījumi par Rigas arhibīskapijas pilīm [Lettlandsmittelalterliche Burgen, Bd. 1: Untersuchungen zu den Burgen des Erzbistums Riga], Riga 1999, S. 241-257. - Tuulse 1942, S. 206-211.