RÖMHILD C.7.
I.
Rot(er)multe 799/800 (Stengel 1958, Nr. 264, S. 376; RDHT I, 1896, Nr. 66); Rootmulti 815 (RDHT I, 1896, Nr. 94); Rotmulti 867 (RDHT I, 1896, Nr. 238); Romulte um 1163 (RDHT II, 1900, Nr. 270; HUB V, 1866, Nr. 2), um 1260 (RDHT III, 1925, Nr. 2862);Romhilt 1289 (Regesta sive Rerum Boicarum Autographa [...], Bd. 4, 1828, S. 415) bis 16. Jh.; Roͤmhilt 1351 (MB 41, Nr. 188). Der Name bezieht sich auf das nördl. der heutigen Stadt gelegene Altenrömhild und bedeutet »braunroter Mergel« (Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde, Bd. 2: Die deutschen Ortsnamen, Bd. 1: Einleitung. Zur Laut- und Formenlehre, zur Satzfügung, Wortbildung und -bedeutung der deutschen Ortsnamen, Heidelberg 1953, S. 267, § 292, zitiert nach Germania Sacra. NF, 36, 1996, S. 196). -Kreis Hildburghausen/Thüringen; Gft. Henneberg-R. Schloß innerhalb der Stadt; Hauptres. zweite Hälfte 15. Jh. bis 1549. - D, Thüringen, Kr. Hildburghausen.
II.
An den Ausläufern des großen und des kleinen Gleichbergs, am Rand des fruchtbaren Grabfeldes, 308 m ü.d.M. Am Rand der Stadt verläuft die Spring, ein Zufluß der Milz, die in die fränk. Saale mündet, einen Nebenfluß des Mains. R. lag an der aus dem Grabfeld (Königshofen) nach Themar und weiter Richtung Thüringer Wald führenden Straße.
Zw. 1385 und 1400 sowie noch einmal zw. 1430 und 1435 arbeitete in R. eine Münze (Heus 1999, S. 99-101). 1418 bestand dort ein als Reichslehen belegter Zoll (HUB VI, 1873, Nr. 74); 1498 bestätigte Kg. → Maximilian den Wochenmarkt und drei Jahrmärkte (Schultes 1788, S. 647, Nr. 116). R. gehörte zum Grabfeld. Diöz. → Würzburg. Archidiakonat und Landkapitel Mellrichstadt.
R. wird erstmals 799/800 urkundl. erwähnt, als die Äbt. Emhild von Milz ihr Kl. und dessen aufgezählten Besitz, darunter R., dem Abt von → Fulda schenkte. Der fuld. Besitz in diesem Raum ist in der Folgezeit an die mit dem Kl. eng verbundenen Vorfahren der Gf.en von Henneberg übergegangen, darunter 1290 auch die Vogtei von Milz (Nachbarort von R.), die bis in die frühe Neuzeit von den Äbten von → Fulda zu Lehen empfangen wurde.
Die zw. R. und dem Großen Gleichberg gelegene, erstmals 1176 erwähnte Hartenburg (RDHT II, 1900, Nr. 513) wurde Sitz einer der aus der Teilung von 1274 hervorgegangenen Linien des Hauses Henneberg. Auf deren Gründer Heinrich († 1317) geht die planmäßige Anlage der südl. von Altenrömhild neu gegründeten Stadt R. zurück; Bürger zu R. werden erstmals 1317 (Köhler 1938, S. 2 und Anm. 9) und 1319 (Schultes 1788, S. 296, Nr. 13) erwähnt. Eine förmliche Verleihung von Stadtrechten ist nicht belegt. Gf. Berthold († 1378), der letzteVertreter der Linie Henneberg-Hartenburg, verkaufte 1371 die noch vorhandenen Reste seiner Herrschaft, darunter die stadt Romhilt (HUB III, 1857, Nr. 109), an einen Vetter aus der Linie Henneberg-Aschach, der diese Ansprüche nach 1378 gegen die Gf.en von Schwarzburg (→ Schwarzburg-Blankenburg) verteidigen mußte. Diese Belastungen zwangen ihn, Burg und Amt → Aschach 1391 an Dietrich von Bibra zu verpfänden (Schultes 1788, S. 496, Nr. 38) und i. J. 1401 an den Bf. von → Würzburg zu verkaufen (GermaniaSacra. NF, 4, 1969, S. 134). Schwerpunkte der Herrschaft wurden somit die Hartenburg und das darunter gelegene R. Gf. Friedrich von Henneberg öffnete im Nov. 1392 seine Schlösser Hartenburg und R. dem Bf. von → Würzburg (MB 44, Nr. 140); demnach gab es in der Stadt bereits einen befestigten Bau. Eine Stadtbefestigung wurde erst um die Mitte des 15. Jh.s angelegt (Köhler 1938, S. 17).
1344 wird ein in der Stadt R. ansässiger Frühmesser erwähnt (Pusch 1932, Nr. 82). Die Stadt gehörte damals noch zur Pfarrei Mendhausen; erst im Juni 1405 wurde die der Jungfrau Maria geweihte Kirche zu R. vom Bf. von → Würzburg zur Pfarrkirche erhoben (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 8). Gf. Georg von Henneberg und seine Ehefrau Johannetta gründeten dort eine 1426 vom Bf. von → Würzburg bestätigte Bruderschaft (Remling 1981, S. 158f.). Anschl. erfolgte ein Neubau der Pfarrkirche, an der das Ehepaar ein Stift mit 12Pfründen einrichtete, das im Febr. 1450 durch den Bf. von → Würzburg bestätigt wurde (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 29). Daneben bestand 1401 eine Kirche zu Altenrömhild mit Petrus-Patrozinium (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 6); 1421 errichtete der Gf. dort ein Spital (Germanica Sacra. NF, 36, 1996, S. 197).
1358 ist erstmals ein Vogt zu R. belegt (Pusch 1932, S. 111, Nr. 90); die Hartenburg war allerdings noch 1419 Amtssitz (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 11). Ein vom Bürgermeister geführtes Stadtsiegel wird erstmals 1414 erwähnt (Pusch 1932, Nr. 102; HUB VI, 1873, Nr. 14). Der älteste erhaltene Abdr. befindet sich an einer von Bürgermeister, Rat und Gemeinde ausgestellten Urk. vom Aug. 1454 (ThStAM Amt Römhild Urk. Nr. 32).
Belege für Spannungen zw. Stadt und fsl. Res. haben sich nicht erhalten.
III.
Kern der späteren Res. R. war das erstmals 1392 erwähnte Schloß (MB 44, Nr. 140). Die Gf.en bewohnten allerdings noch länger die Hartenburg, auf der Gf. Friedrich 1417 eine neue Kapelle errichtete (Köhler 1938, S. 14, Foto des heute in der Stiftskirche befindl. Schlußsteins Abb. 1). Die Errichtung eines Stifts und der Neubau der Kirche waren aber erste Anzeichen dafür, daß man die Verlagerung der Res. nach R. plante, zumal die Wasserversorgung der Burg Hartenberg offenbar problemat. war (Köhler 1938,S. 17 mit Belegen).
Der Baumeister des Schlosses ist nicht bekannt; der Wiederaufbau nach 1540 lag in Händen des Peter Dauth aus Bamberg (Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild, 1904, S. 447; Dehio, Kunstdenkmäler. Thüringen, 1997, S. 1011).
Die Literatur ist sich einig, daß mit dem Neubau des Schlosses um 1465 begonnen wurde. Dem Mittelturm wird allerdings ein höheres Alter zugeschrieben (Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild, 1904, S. 447); er könnte daher noch von dem 1392 bezeugten Vorgängerbau stammen. Die Bauarbeiten dürften sich über einen längeren Zeitraum hingezogen haben. Das am Schloßturm angebrachte, mit der Jahreszahl 1491 versehene Wappen des Gf.en Hermann spricht dafür, daß dieser spätestens nach der Heirat mit Elisabeth von Brandenburg (Okt. 1491) das Schloß bezogen hat(Köhler 1938, S. 22). In den folgenden Jahrzehnten ist das Schloß erweitert und verändert worden (Jahreszahl 1524 am Küchenbau). Im Dez. 1539 brannte es teilw. ab; verloren gingen dabei auch die Getreidevorräte (Augenzeugenbericht bei Köhler 1938, S. 24). Der 1540 begonnene Wiederaufbau ruinierte den Gf.en Berthold, der sich schon zuvor in einer schwierigen finanziellen Situation befunden hatte, völlig; mit ihm und seinem Bruder ist die Linie H.-Römhild i. J. 1549 erloschen. R. verlor seine Residenzfunktion.
Nachdem es unter Hzg. Heinrich von Sachsen-R. († 1710) wieder Res. geworden war, wurde das Schloß nach N (zur Straße hin) erweitert mit dem Ziel, dort die neu zu schaffenden Behörden unterzubringen.
Beim Schloß Glücksburg zu R. handelt es sich um eine vierseitig geschlossene Anlage (Wasserburg), die zw. 1465 und 1491 errichtet wurde. Nach einem Brand erfolgte 1539-46 ein Umbau; aus dieser Phase sind noch Reste der Bauausstattung (Türen, Fenster) erhalten. Kleinere Baumaßnahmen sind 1555 und 1585 bis 1633 belegt. Nach 1676 wurde das Schloß zur Res. für Hzg. Heinrich von Sachsen-R. und zur Unterbringung für die Behörden des neu entstandenen Territoriums ausgebaut; nach dem Tod des kinderlosen Hzg.s (1710) wurde die gesamte Ausstattung aus R. weggeschafft (Bau- und KunstdenkmälerThüringens, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild, 1904, S. 445-459; Dehio, Kunstdenkmäler. Thüringen, 1997, S. 1011-1012). Aus der hier interessierenden Zeit erhalten geblieben ist ledigl. ein Inventar der im Schloß R. vorhandenen Betten aus dem Jahr 1549 (ThStAM Henneberg-Schwarza Akte Nr. 236).
Der Verlust der Residenzfunktion, ein Stadtbrand von 1609 und die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges haben dazu geführt, daß von Architektur und Ausstattung des Res. R. nur wenig erhalten geblieben ist, u. a. geringe Reste der Stadtbefestigung, v. a. aber die nach Ausweis von Bauinschrift und Dokumenten im Turmknopf zw. 1450 und 1470 von einem Baumeister namens Albertus errichtete vormalige Stiftskirche, die sieben Grabdenkmäler von Angehörigen des gfl. Hauses enthält, darunter zwei Bronzedenkmäler aus der Nürnberger Vischer-Werkstatt.
Quellen
Siehe die entspr. Angaben im Text. - MB 41 (Coll. Nova, 14), 44 (Coll. Nova, 17). - HUB. - Regesta sive rerum Boicarum autographa [...], bearb. von Karl H. von Lang, Bd. 4, München 1828. - RDHT. - ThStAM Amt Römhild, Urkunden. - ThStAM Henneberg-Schwarza, Akten.
Literatur
1200 Jahre Römhild. 800-2000. Red. Kerstin Schneider, Römhild 2000. - Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens, 1904. - Dehio, Kunstdenkmäler, Thüringen, 1998. - Germanica Sacra. NF, 36, 1996. - Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 9, 1989, hier S. 382-385. - Heus 1999. - Köhler, Paul: Die Residenzen der Henneberger Grafen der Römhilder Linie, in: Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 1 (1938) S. 1-30. -Pusch 1932. - Remling, Ludwig: Bruderschaften in Franken. Kirchen- und sozialgeschichtliche Untersuchungen zum spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bruderschaftswesen, Würzburg 1981 (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, 35). - Schultes 1788/91. - Schultes 1-2, 1794/1804. - Stengel, Edmund E.: Urkundenbuch des Klosters Fulda, Bd. 1, Marburg 1958 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen undWaldeck, 10, 1). - Wendehorst 1964. - Wölfing 1992.