Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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RIGA C.3.

I.

Riga (lett. Rīga) liegt am rechten Ufer der Düna, 16 km von deren Mündung in die Ostsee entfernt, wo der Rigebach in die Düna mündet. Zur Zeit der Gründung gehörte dieses Gebiet zu dem der Dünaliven, danach zunächst zum Hochstift bzw. Erzstift R., zeitweilig zum Gebiet des livländ. Zweiges des → Deutschen Ordens. In der Spätzeit unterstand es einer gemeinsamen Aufsicht beider Landesherren. Die Bischofsres.en hatten keine topograph. herausragenden Lagen in der Stadt. R. war im 13. und 14. Jh. bevorzugteRes. der Bf.e und Ebf.e. - LV, Hauptstadt.

II.

Der Rigebach verläuft vor seiner Einmündung in die Düna einige 100 m parallel in Gegenrichtung, so daß zw. den beiden Gewässern ein Feld gebildet wurde, auf dem R. gegr. wurde. Die erste Bischofspfalz wurde am linken Ufer des Rigebachs angelegt. Deren Ort ist gesichert, da das Gebäude mit Grundstück 1234 an die Dominikaner zur Gründung eines Kl.s veräußert wurde. Nachdem im zweiten Jahrzehnt des 13. Jh.s mit dem Bau eines neuen, endgültigen Domes außerhalb der ursprgl. Stadt in der Nähe der Düna begonnen worden ist, wurde wohl im dritten Jahrzehntauch die bfl. Res. dorthin verlegt, und zwar westl. vom Kreuzgang und dem Hof des Domkapitels oberhalb des Dünaufers.

Als Bf. Albert 1201 seinen Sitz von Üxküll nach R. verlegte, war dieser Raum nicht menschenleer. Doch standen die hiesigen dörfl. Siedlungen weit hinter den dünaaufwärts gelegenen Dörfern Holme und Üxküll an Bedeutung zurück. Neben den geistl. Einrichtungen gründete Albert eine Handels- und Handwerkerstadt mit dt. Bürgern, die zunächst aus Gotland kamen und sich später aus Dtl. ergänzten. Auch der älteste Bau der altstädt. Pfarrkirche St. Petri entstand bereits zu dieser Zeit. Als die Stadt nach 1210 ihre Befestigung bis zur Düna ausdehnte - nur das Gebiet des neuen Domes blieb nochaußerhalb -, erhielt sie gotländ. Stadtrecht, womit die Lockerung ihrer Abhängigkeit vom Bf. begann. Nach 1220 wurde die Stadtbefestigung weiter dünaabwärts ausgedehnt und umschloß seitdem auch die Bereiche von Bf., später Ebf. und Domkapitel. Noch bevor dieser Raum als Neustadt in die Stadt einbezogen wurde, war mit St. Jakobi dort eine eigene Pfarrkirche für Liven und Letten gegr. worden. Die Pfarrstellen beider Pfarrkirchen wurden vom Domkapitel versehen. 1294/97 erhielt die Stadt Hamburger Recht, das sich in der Mitte des 14. Jh.s durch eine neue Redaktion zu einem eigenem R.er Rechtfortentwikkelte. Seitdem sind die Ratsverfassung sowie die Gilden der Kaufleute und Handwerker deutl. erkennbar. Die Stadt beherbergte den Sitz des 1202 gegründeten Schwertbrüderordens, dessen Rechtsnachfolger, der → Deutsche Orden, 1297 gewaltsam vertrieben wurde. Als dieser 1330 die Stadt zurückeroberte, unterlag sie seitdem der Landesherrschaft des Ordens. 1451 wurde eine gemeinsame Herrschaft zw. Ebf. und Orden vereinbart, ohne daß dadurch die Streitigkeiten beigelegt werden konnten. Andererseits war die Stadt nie mächtig genug, um sich ganz von den beiden Landesherren zubefreien. Nach 1490 konnte der Orden ins- gesamt ein stärkeres Übergewicht durchsetzen. Die Stadt R., seit 1282 als Mitglied der Hanse belegt, hat in deren Rahmen als größte livländ. Stadt eine bedeutende Stellung einnehmen können. Nach dem Ende der livländ. Herrschaftsgemeinschaft 1561 konnte die Stadt zwei Jahrzehnte lang eine Selbständigkeit bewahren, ehe sie sich 1581 der Krone Polen unterstellen mußte.

III.

Die erste Bischofspfalz ist, nachdem die Dominkaner das Gelände 1234 übernommen hatten, von diesen als Kl. mit Kirche umgebaut worden. Das Gebäude der Klosterkirche St. Johannis steht noch heute, doch ist die Architektur des vormaligen Bischofshauses nicht erkennbar. Der zweite Bischofshof wird vor der Veräußerung des ersten beziehbar gewesen sein. Er lag westl. des Domes zw. Gr. Münstergasse, Mönchenstraße, Küterstraße und der dünaseitigen neuen Stadtmauer. 1268 ist von der dem hl. Michael geweihten Palastkapelle die Rede, 1495 wird die Restaurierung einerBartholomäuskapelle urkundl. erwähnt. Einen gewissen Eindruck vermittelt Ebf. Silvester Stodewescher in dem Bericht über seinen Einzug in R., wobei er im Remter der Res. Domherren und Ständevertreter bewirtete. 1452 werden die Nutzungsverhältnisse mit der Stadt neu geregelt. Hier befanden sich die Häuser einiger Stiftsritter und Bürger.

Angesichts der geringen baul. Überreste lassen sich keine Außen- und Innenarchitekten namhaft machen. Auch eine Baugeschichte ist nicht ablesbar. 1547 wurde der Erzbischofshof von einem Schloßbrand erfaßt und zerstört. Nach notdürftiger Instandsetzung bewohnte diesen Ebf. Wilhelm von Brandenburg-Ansbach, der hier 1563 starb. Danach zerfielen die Gebäude und wurden der Stadt vom poln. Kg. Stefan Batori übertragen. Überliefert ist eine teilw. und zeitweilige Nutzung als Kornspeicher. Im 19. Jh. waren infolge von Überbauungen nur noch baul. Reste des ebfl. Hofes zu finden, doch ließen diesekeine vollständigen Gebäude erkennen. Inwieweit die Bf.e und Ebf.e hier um Herrschaftsarchitektur bemüht waren, wird niemals rekonstruierbar werden.

Quellen

Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch I,1-12, 1853-1910, II,1-3, 1900-14, III,1-3, 1910-38.

Baltisches historisches Ortslexikon, 2, 1990, S. 504-510. - Benninghoven 1961. - Bockslaff, Nikolai: Baureste des ehemaligen Bischofshofes, in: Sitzungsberichte der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Rußlands, Riga 1877-81, S. 55-59. - Boockmann, Hartmut: Der Einzug des Erzbischofs Sylvester Stodewescher von Riga in sein Erzbistum im Jahre 1449, in: Zeitschrift für Ostforschung 35 (1986) S. 1-17. - Caune, Andris:Bīskapa sētas Rīgā 13. gs. [Die Bischofshöfe von Riga im 13. Jahrhundert], in: Ose, Ieva: Latvijas viduslaiku pilis, Bd. 1: Pētījumi par Rigas arhibīskapijas pilīm [Lettlands mittelalterliche Burgen, Bd. 1: Untersuchungen zu den Burgen des Erzbistums Riga], Riga 1999, S. 216-240. - Jähnig 1989. - Mettig, Constantin: Geschichte der Stadt Riga, Riga 1897. ND Hannover-Döhren 1967. - Neumann, Wilhelm: Das mittelalterliche Riga, Berlin 1892. ND Hannover-Döhren 1977,S. 57. - Neumann, Wilhelm: Der Dom zu St. Marien in Riga, Riga 1912. ND Hannover-Döhren 1975.