PADERBORN C.3.
I.
Padrabrunno, Patrisbrunna (777), Paterebrunne (1005), Parborna (um 1210), Paderborn (1243 und später). Der Name bedeutet Siedlung an der/den Quelle[n] des Flusses Pader - Bischofshof und Hauptstadt des Fsbm. P. - Hochstift P. - Stadtres. der P.er Bf.e 806- ca. 1275. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. Detmold, Kr. P.
II.
P. liegt am südöstlichsten Ende der Westfälischen Bucht und wird im O vom Weserbergland und im S vom Alme-Afte-Bergland begrenzt. Direkt vor der Stadt kreuzen sich zwei wichtige Handelswege: der west-östl. verlaufende Hellweg und der nord-südl. verlaufende Frankfurter Weg. Vermutl. lag die 776 von Karl dem Großen erbaute Urbs Karoli auf dem Gebiet P.s. Die Burg wurde über dem östl. Becken der Paderquellen errichtet und sperrte den Hellweg. Der Verlauf ihrer Befestigungen ist durch Grabungen gesichert. Im Jahre 806erfolgte die Bistumsgründung mit Hathumar als erstem Bf. 822 erhält die P.er Kirche die Immunität. Im 9. Jh. ist P. häufig Ort fränk. Versammlungen, der Bau der ersten Pfalz geht ebenfalls ins 9. Jh. zurück. Eine Blüte erreicht das Bm. unter Bf. Meinwerk (1009-36). Für seine Amtszeit ist der Bau eines Bischofpalastes, die Gründung des Benediktinerkl.s Abdinghof und die repräsentative Neugestaltung des Westwerks des Doms belegt. Unter Meinwerk sind auch erstmals Domherren als Archidiakone bezeugt. Unter Heinrich II. und Konrad II. wird P. erneut zum bevorzugten Aufenthaltsort für das Kgtm.Konrad II. hatte schon 1028 den P.er Bf.en den Besitz des Münzregals bestätigt. 1173 hält Heinrich der Löwe in P. einen hzgl. Landtag ab. Seit 1180 hielt der → Kölner Ebf. sämtl. Gf.en- und Vogteirechte in der gesamten Diöz. P.s, was in der Folgezeit zu häufigen Konflikten mit den P.er Bf.en führte.
Zeugnisse für einen Markt gibt es erst aus dem 11. Jh., als Konrad II. 1028 das Marktrecht bestätigt, aber bereits in den Quellen des 9. Jh.s wird P. als oppidum bezeichnet. Für den Anfang des 11. Jh.s ist die Marktkirche als existent bezeugt, die jüngere Forschung dat. sie sogar in das 10. Jh. Die Pfarrkirche St. Ulrich wurde erstmals 1183 urkundl. erwähnt. Seinen eigentl. Mittelpunkt fand der Markt in dem 1279 zuerst erwähnten Rathaus; ob dies auf dem gleichen Platz stand wie das vor 1058 genannte domusforensis ist ungeklärt. Im HochMA gehörte P. mit einer ummauerten Fläche von 66 ha zu den kleineren westfäl. Städten. Als zentrale Achse der Stadt diente während des SpätMA die aus dem 11. Jh. stammende Führung des Hellwegs. Die Gemeindebildung kann mit dem Jahr 1238 als abgeschlossen gelten. Damals ist der Stadtrat als Institution erstmals bezeugt. Er wird v. a. von bürgerl. Ministerialen beherrscht, die im Dienste des Bf.s, des Dompropstes und auch des Kl.s Abdinghof standen. 1222 ist erstmals das Stadtsiegel verwendet worden. Wichtigste Einnahmequelle war derGetreidehandel, der allerdings durch das Mühlenmonopol des Domkapitels eingeschränkt wurde. Als führende Stadt des Territoriums festigte P. durch Einungen mit Warburg und Brakel (1345, 1358) sowie mit den Ständen (1413) seine Position. 1475 wurden die zentralen Rechte in einem ksl. Privileg erneut bestätigt.
1103 trat erstmals ein Stadtgf. auf, der ähnl. wie seine Nachfolger eindeutig ein Amtsträger des Bf.s war. Erst 1217 hatte sich die Stadtgemeinde soweit vom bfl. Stadtherrn emanzipiert, daß sie ein gegen diesen gerichtetes Bündnis mit dem Ebf. von → Köln eingehen konnte. 1222 vertrieben die Bürger erstmals den Bf. aus der Stadt, weitere Spannungen im 13. Jh. zw. Stadt und Bf. führten schließl. zur Verlagerung der bfl. Res. von P. in das 4 km entfernte → Neuhaus um 1275. Gleichzeitig mit dem siegreichen Konflikt mit dem Bf., gelingt der Stadt die Entmachtung des Stadtgf.,die bfl. Stadtherrschaft wird damit erhebl. ausgedünnt. 1327 setzte die Stadt im »Privilegium Bernhardi« Bf. Bernhards zur Lippe (1321-41) wichtige Privilegien durch, wie etwa freie Ratswahl, Gewerbeaufsicht und Ratsgericht. Die Einnahme P.s durch Bf. Dietrich von Fürstenberg (1585-1618) i. J. 1604 beendete die Geschichte der autonomen bürgerl. Stadt. Die Hauptres. der Bf.e blieb zwar nach wie vor in Schloß → Neuhaus, aber die Einrichtung und Verlegung der zentralen Behören wie etwa der Regierungskanzlei und des Hofgerichts und deren Personal in die Stadt, transformiertendie Bürgerstadt in die Landeshauptstadt des Fbm.s.
III.
In der Hauptstadt des Bm.s P. war schon verhältnismäßig früh ein Palast vorhanden, der aber offenbar zunächst nur zur Aufnahme hoher Gäste diente. Nach der Zerstörung dieses karoling. Pfalzbaus bei einem Stadtbrand i. J. 1000, begannen die Bf.e des 11. Jh.s mit dem Neubau. V. a. die Baumaßnahmen Bf. Meinwerks (1009-36) lassen das Bedürfnis nach repräsentativer Ausgestaltung der Domburg erkennen. Vor dem repräsentativen Westeingang des Domes entstanden Freiflächen, die auf der Nordseite von der Königspfalz und auf der Südseite vom Bischofspalast gerahmt wurden.Dadurch wurde ein weiter Raum für die kirchl. und herrscherl. Repräsentation geschaffen. Gleichzeitig wurde der Palast der einzige Zugang zum Westeingang des Domes und zur Königspfalz. Ausgrabungen haben die Lage und Größe des Gebäudes verorten können, Aussehen und Ausstattung des Baus werden dagegen aus schriftl. Quellen deutlich. Danach war der Bischofspalast zweigeschossig, mit einem sog. »Winterhaus« im vermutl. heizbaren Erdgeschoß und einem »Sommerhaus« im Obergeschoß. Der Palast besaß zwei Kapellen, eine über der Durchfahrt zum Dom, den Elftausend Jungfrauen geweiht. Die Küchelag vermutl. an der Westseite des Hofkomplexes. 1058 fiel der Bischofspalast einem Brand zum Opfer, der auch große Teile der Stadt zerstörte, ledigl. die Südwand mit zwei repräsentativen Treppenvorbauten ist erhalten. Unter Bf. Imad konnte der Bischofshof wohl rasch wieder aufgebaut werden, welche Veränderungen zum Vorgängerbau vorgenommen wurden, ist nicht bekannt.
1243 ist mit dem Haus des Domdekans das erste Kanonikerhaus belegt, um 1300 finden sich etwa 20 Kanonikerhöfe entlang der Ostgrenze der Domimmunität. Während der W der Domburg vom bfl. Palatium und den bfl. Lehnshöfen dominiert wurde, war der Ostteil dem Domkapitel vorbehalten. Diese Zweiteilung des Dombezirks hatte bis 1336 bestand, als Bf. Bernhard zur Lippe (1321-41) den Bischofshof, der sich im Zustand des Verfalls befand, an das Domkapitel abtrat. Verschiedene Teile des Grundstücks waren bereits von Bernhards Vorgängern veräußert worden. Ein an anderer Stelle geplanterNeubau wurde nie errichtet. 1340 nutzte der Bf. vorübergehend eine am Domkreuzgang liegenden Kurie als Unterkunft und erhielt dann den sog. Sternberger Hof im Südosten der Immunität. Zu diesem Zeitpunkt war die Umsiedlung der Bf.e in die Res. in → Neuhaus aber bereits abgeschlossen. Der Sternberger Hof wurde nur gelegentl. genutzt und erfuhr daher auch wenig baul. Veränderungen. Im 16. Jh. zogen Regierung und Obergerichte dort ein, der Bf. nutzte den Hof fast nur für seinen feierl. Einzüge zum Amtsantritt.
Quellen
Spancken, Carl: Eine für die ältere Topographie der Stadt Paderborn wichtige Urkunde, in: Westfälische Zeitschrift 56 (1898) S. 176-180. - Westfälisches Urkundenbuch, 1, 1847; 5, 1894; 10, 1978-86.
Literatur
Aubin 1911. - Balzer, Manfred: Paderborn im frühen Mittelalter (776-1050): Sächsische Siedlung - Karolingischer Pfalzort - Ottonisch-salische Bischofsstadt, in: Paderborn, 1, 1999, S. 3-198. - Becher, Matthias: Die Pfarrverhältnisse in Paderborn bis zur Pfarreinteilung von 1231 und die frühe Entwicklung der Stadt, in: Westfälische Zeitschrift 148 (1998) S. 261-294. - Ehrenpreis, Stefan/Horstkemper, Gregor: Paderborn imZeitalter der frühmodernen Landesherrschaft und der Konfessionalisierung, in: Paderborn, 2, 1999, S. 61-147. - Hoppe 1975. - Schoppmeyer, Heinrich: Der Bischof von Paderborn und seine Städte. Zugleich ein Beitrag zum Problem »Landesherr und Stadt«, Diss. Univ. Münster 1966. - Schoppmeyer, Heinrich: Die Spätmittelalterliche Bürgerstadt (1200-1600), in: Paderborn, 1, 1999, S. 199-474. - Winkelmann, Wilhelm: Die Königspfalz und die Bischofspfalz des 11. und 12. Jahrhunderts inPaderborn, in: Frühmittelalterliche Studien 4 (1970) S. 398-415.