MÜNSTER C.3.
I.
Erste Siedlung: Mimigernaford (Tiefenbach): Furt der Leute des Mimigern. Dort Anlage eines Kl.s (Monasterium) St. Paulus; Hochstift; Stadt-, Hauptres.
Seit Liudger war Mimigernaford Mittelpunkt des Missionsbezirkes. Als Gründe für diese Wahl wird die geograph. Lage angesehen: An einer bedeutenden Straße von → Utrecht über → Deventer nach O lag Mimigernaford auf einem hochwasserfreien Hügel über der Aa. Das spätere M. lag zudem wohl zentral inmitten von Königsgut, das zur Ausstattung der Diöz. verwendet wurde. (805 Bischofssitz). Das dem Ort den Namen gebende, von Liudger gegründete Kl. wurde schon in der Missionszeit zu einem geistigen Mittelpunkt des westl. → Sachsen.Innerhalb des Residenzortes wechselten die Gebäude und ihre Bevorzugung. Der bfl. Palast an der Domkirche findet seine erste Erwähnung 1085, blieb mind. bis 1263 in Funktion und wurde am 21. Jan. 1364 an seine Pächter verkauft. Am 10. Juli 1280 wird erstmalig der Fürstenhof (domus episcopi) neben dem Michaelistor als bfl. Wohnsitz und Verhandlungsort erwähnt. Seit etwa Mitte des 17. Jh.s wird das Gebäude als Kanzlei bezeichnet, da seine Funktion als Behördensitz in den Vordergrund getreten ist. Fraterhaus und Schloß (Grundsteinlegung 1767) folgen seit 1661als städt. Res.en des Fbf.s. - D, Nordrhein-Westfalen, Reg.bez. M., Kr. M.
II.
Der bedeutende Bf. Erpho (1085-97) wird in M., wo er seinen persönl. Schwerpunkt bei der Kirche St. Mauritz setzte, an der er das erste Kollegiatkapitel in der Diöz. stiftete und der er viele Reliquien aus Palästina mitbrachte, ab dem 14. Jh. lokal als Hl. verehrt. Sein Nachfolger, Bf. Burchard der Rote (1097/98-1118), zunächst ebenso nah zu Heinrich IV. wie sein Vorgänger, wurde nach seiner Hinwendung zu Heinrich V. (1105) aus M. vertrieben. Durch seine auch unter Heinrich V. anhaltende Kaisernähe wurde Stadt und Hochstift M. in den Auseinandersetzungen schwerin Mitleidenschaft gezogen. In der Folge trennte sich die bürgerl. Siedlung von der Domimmunität, die seither bis auf die Kurien der Domherren und zur Domkirche gehörende Bauten frei blieb. Gegenüber Friedrich von Are verzichtete Gf. Heinrich von Tecklenburg († 1157) gegen eine finanzielle Entschädigung durch Bf. und Domkapitel auf die Vogtei, die er über Stift und Stadt innehatte. Bf. Hermann II. sorgte durch mehrere Stiftsgründungen für die Entwicklung der Stadt. Bei immer wieder aufkommenden Konflikten um die Grenze der Domimmunität bestätigte er die von seinem Vorgänger Ludwig getroffeneEntscheidung für die Mitte des Grabens. Der Wiederaufbau M.s nach einem Brand von 1197 förderte das Zusammenwachsen der Stadt. Die damals neuen Befestigungen schlossen den Bispinghof als bfl. Haupthof mit ein, der wohl damals dem Bf. und seiner Dienerschaft als Wohnung diente. Vom münster. Stadtrecht blieb er ausgenommen. Unter Bf. Ludolf von Holte (1226-48) wurde die Hauptres. zeitweilig aus der Stadt auf die Burg Wolbeck verlegt und somit dem Zugriff der erstarkten Bürgergemeinde entzogen. Bf. Everhard mußte am 8. Jan. 1278 den Bürgern alle Handelsangelegenheiten und die Aufsicht überdie Befestigungen des Bispinghofes übergeben, gleichzeitig drang die Stadt durch Teilnahme an der Münzprobe in landesherrl. Recht ein und setzte ihre Teilnahme am münster. Landtag durch. In der Folgezeit gab Everhard endgültig den alten Palast neben der Domkirche auf, in dem nur sein erster Lehentag 1276 stattfand. Drastischstes Beispiel für die immer wieder aufkommenden Konflikte zw. Domkapitel, Bf. und Stadt ist das Wiedertäuferreich 1534/35.
Als Residenzgebäude im Untersuchungszeitraum hat der 1886/87 abgerissene Fürstenhof die größte Bedeutung Der Hof lag am östl. Rand der Immunität. Nach Umbauten unter den Bf.en Otto von Hoya (1392-1424) und Bernhard von Raesfeld (1557-66) präsentiert sich ein dreiflügliger Bau mit einem seit 1536 durch Bf. Franz von Waldeck erweiterten Garten. Im ältesten Teil, dem Ostflügel, befand sich seit 1710 die Hofkammer, vorher war dort ein Rittersaal. In der östl. Hälfte des Hauptgebäudes folgten Kaisersaal, Fürstenstube und Ständekammer, beim Umbau von 1710 zum Repräsentationsraum umgestaltet. Imwestl. Teil des Hauptgebäudes (1364-79 erbaut und von Bf. Florenz bezogen) befand sich die Hofvogtei und Wohnung des Hofpropstes. Im 1607 erbauten Westflügel war die neue Kanzlei und Pfennigkammer untergebracht. Im Garten an der Innenmauer befand sich 1650 die Küche, 1710 durch Waschhaus und Stallungen ersetzt. Durch das Obergeschoß des Fürstenhofes bestand ein Zugang über eine Holzbrücke zur Michaeliskapelle, in der bei seinem ersten Einritt der Bf. ein Gebet zu verrichten hatte. Die Michaeliskapelle wurde am 2. Juni 1112 von Bf. Burchard geweiht, zur Zeit seiner einzigen länger andauerndenRes. in M., die er zu Befestigungen an der Domimmunität nutzte. Der Einzug wurde von der Burg Wolbeck (im SO der Stadt) aus gehalten. Die unzureichende Situation der Räumlichkeiten, der durch zahlr. Umbauten versucht wurde Herr zu werden, wurde von den Landständen immer wieder moniert: In der Wahlkapitulation verpflichtete sich bspw. (der dann nicht gewählte) Bf. Maximilian Heinrich 1650 zu einem Neubau von Kanzlei, Pfennigkammer und Registratur, ansonsten sollte er eine Res. neu bauen. Der seit 1637 in den Domküsterei wohnende Christoph Bernhard von Galen äußerte 1655 dieAbsicht, eine Res. zu bauen, begann im gleichen Jahr mit dem Bau der Zitadelle in Coesfeld und zog 1661 ins Fraterhaus. Dies blieb bis 1773 die Res. der Bf.e, sofern sie in M. waren. Wesentl. in einer bfl. Res. ist die Domkirche. Der Paulusdom in M. wurde 1090 am 2. Nov. nach einem Brand des Jahres 1071 durch Bf. Erpho geweiht. Bf. Suitger (993-1011) erhielt als Schenkung durch Ks. Otto III. Paulusblutreliquien. Am 30. Sept. 1264 wurde unter Bf. Gerhard der Domneubau geweiht. Seine Ausstattung mit Reliquien, Altären und die architekton. Gestaltung war immer wieder ein Schwerpunkt derSelbstdarstellung des geistl. und weltl. Oberhauptes, da sich die Gelegenheit bot, der städt. Bevölkerung und dem Domkapitel die Präeminenz des Bf.s darzustellen. Auf diese Wiese ließ Bf. Erich von Sachsen-Lauenburg (1508-22) einen kostbaren goldenen Bischofshut und -stab anfertigen, die er der Domkirche für seine Nachfolger überließ. Neben weiteren Schenkungen ließ er Westfront und Südwand des Querschiffes umgestalten.
Literatur
Geisberg, Max: Die Stadt Münster, Bd. 1: Die Ansichten und Pläne. Grundlagen und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe, M. 1932. ND 1975 (Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Westfalens, 41,1). - Germania Sacra. NF, 17, 1-3, 1987-89; 37, 1999. - Münster, in: Westfälischer Städteatlas, veröff. von der Historischen Kommission für Westfalen, hg. von Wilfried Ehbrecht, Altenbeken 1993, Lfg. IV, Nr. 3.