Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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MARIENBURG C.3.

I.

Marienborch (1346) (= Burg der Maria); Merghenborch (1370); Marienborge (1382); Marienborg (1641); Marienburg (1800) - Hochstift Hildesheim - Res. 1559-1562. - D, Niedersachsen, Reg.bez. Hannover, Kreis Hildesheim.

II.

Die unter Bf. Heinrich III. (1331-63) erbaute, 1346 erstmals erwähnte Wasserfeste im Sumpfgebiet der Innerste, beherrschte die Straße von → Hildesheim nach Goslar und bedeutete somit eine latente Bedrohung der Stadt → Hildesheim, die sich der bfl. Gebotsgewalt weitgehend entzogen hatte. Das "Chronicon Hildesheimense" erwähnt, daß 1346 Bf. Heinrich III. 12 Talente Hildesheimer Pfennige für Steinmetzen, Zimmerleute und Bauarbeiter zum Abschluß des Baus der »Marienborch« aufgewendet habe. Mehrfach verpfändet, kann die M. gegenüber→ Steuerwald allenfalls nur den Rang einer Nebenres. gewinnen. Das wird deutlich, als Bf. Henning von Haus 1480 auf das Bm. Verzicht leistete und seinen Sitz von → Steuerwald bis 1487 auf der M. nahm. Im Zuge der Verpfändungen gelangte die M. in den Besitz des Domkapitels und wird 1449 ausdrückl. als »Haus« des Kapitels bezeichnet. Nur kurzfristig wurde die M. Res., als der 1557 gewählte Bf. Burchard von Oberg sie 1559 im Gewaltstreich einnahm. Bereits 1562 aber mußte er diese Burg, die das Domkapitel 1540 von dem damaligen Pfandbesitzer, Hans von Reden, eingelösthatte, seinem Domkapitel wieder zurückgeben, das Burg und Amt bis zur Säkularisation innehatte.

III.

1346 begann der Bau der mächtigen Wasserburg unter Wüstlegung des alten Dorfes Tossum und unter völliger Mißachtung der Rechte des Kl.s Marienrode, das der Bauherr Bf. Heinrich III. erst nach Intervention P. Benedikts XII. entschädigte. Aus der Gründungszeit des dreiflügelig um einen Innenhof gruppierten Baus stammen der Bergfried und das den Nordflügel bildende sog. »Hohe Haus«, ein auf zwei massiven Untergeschossen ruhender fünfgeschossiger Bau mit einem Festsaal mit Fenstersitzen im vierten Geschoß. Eine mit Maßwerkfenster verschönerte Mitteln.diente, wie erhaltene Altarreste verdeutlichte, als Kapelle (die M. gehörte kirchl. zur Pfarrei Itzum). Auf massiven Untergeschossen wurden östl. dieses Gebäudes 1663 das Brauhaus und daneben weitere Wirtschaftsbauten vom Domkapitel errichtet.