Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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MAGDEBURG C.3.

I.

Magedoburg (805); Magedaburg (942); Magedeburch (1035); Magdeburgk (1244) - Stadt - Erzstift M.; Ebf. von M. - Bischofssitz. - D, Sachsen-Anhalt, Reg.bez. M., Kreis M.

II.

M., gelegen im Nordthüringgau an der westlichsten Stelle der mittleren Elbe, ist erstmals 805/06 als karoling. Befestigg. erwähnt. Zu Beginn des 10. Jh.s in liudolfing. Hand, wurde der Ort unter Otto I. Standort einer Königspfalz und bevorzugter Aufenthaltsort des Herrschers.

Der erste schriftl. Beleg für eine Pfalz gehört ins Jahr 942, doch schon 937 hatte der Kg. ein dem hl. Mauritius geweihtes Kl. in M. errichtet und ihm den kgl. Hof cum aedificio geschenkt. Vom Moritzkl. kam die Pfalz an das 968 errichtete Ebm. M., doch behielt sie auch weiterhin einen festen Platz im Itinerar Ottos und seiner unmittelbaren Nachfolger.

Die Anfänge der Stadt entwickelten sich im Schatten der Pfalz. Siedlungskerne waren ein 968 erwähntes suburbium südl. des Domes sowie die Marktsiedlg. nördl. im Bereich der Johanniskirche, die für das 12. Jh. zweifelsfrei bezeugt ist und mit dem Dombereich bereits durch eine gemeinsame Mauer umgeben war. Bis zum zweiten Jahrzehnt des 13. Jh.s erfolgte eine Erweiterung im N unter Einschluß des Dorfes Frose um die Petrikirche. Neben der so entstandenen Altstadt von untergeordneter Bedeutg. und unter stärkerem erzbfl. Einfluß blieben die Neustadt im N sowie die Sudenburgsüdl. des Domes.

Neben dem bfl. Schultheiß ist bereits im 12. Jh. mit den maiores civitatis eine Vertretung der Bürgerschaft bezeugt, aus der sich das spätere Schöffenkollegium entwickelte. Der seit 1238 bezeugte Rat beschränkte die Schöffen schließl. auf eine rein richterl. Funktion.

Der Aufstieg M.s zu einer der bedeutendsten Städte im nördl. Dtl. vollzog sich über weite Strecken mit Unterstützung des Ebf.s. Zu Konflikten kam es, als der Rat zu Beginn des 14. Jh.s daran ging, Rechte auch in dem innerhalb der Mauern liegenden Dombezirk zu beanspruchen. Rechte an der Stadtbefestigg., Gerichtsbarkeit auf der Domimmunität, Steuern und Abgaben sowie Beeinträchtigungen des städt. Wirtschaftslebens durch den Landesherren bildeten im 14. und 15. Jh. die Reibungsflächen, an denen sich Auseinandersetzungen entzündeten, wobei die Ermordg. Ebf. Burchards III. (1307-25) denHöhepunkt bildete. Nach längeren Unterbrechungen brachen die Streitigkeiten zur Zeit Ebf. Günthers von Schwarzburg (1403-45) wieder aus. Zwar konnte M. sich auch im 15. Jh. weitgehend gegenüber dem Ebf. behaupten, doch scheiterte der Versuch, die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen.

Trotz aller Spannungen blieb M. auch im 15. Jh. neben der Burg → Giebichenstein und dem Schloß → Calbe einer der bevorzugten Aufenthaltsorte des Ebfs. Erst mit der Fertigstellung der Moritzburg in → Halle 1503 verlagerte sich der Schwerpunkt der bfl. Aufenthalte in die Saalestadt. Im 16. Jh. spielte M. als Res. der Ebf.e eine immer geringere Rolle, zumal Ebf. Albrecht von Brandenburg (1513-45) die Einführung der Reformation in der Stadt 1524/25 nicht verhindern konnte. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurde → Wolmirstedt zum wichtigsten Schloßim nördl. Erzstift ausgebaut, während der M.er Bischofspalast verfiel. Die Stadt blieb jedoch Sitz des Domkapitels.

III.

Über den Gebäudebestand der Res. M. im MA informieren nur gelegentl. Nennungen Möglicherw. diente die otton. Pfalz als erste Bischofsres., die jedoch wohl schon 1129 verfallen war. Vermutl. wohnte der Ebf. bereits in dem 1160/68 erstmals erwähnten, auch als moshus oder cenaculum bezeichneten an der Ostseite des heutigen Domplatzes gelegenen Bischofspalast, der im SpätMA durch einen Gang mit dem Dom verbunden war.

Anläßl. einer Inventarisierung aus dem Jahr 1464 werden einige Räume des Palastes gen.: die bfl. Kammer, die danebengelegene dornze, eine weitere Kammer gegenüber, die Silberkammer, die ritterdornze, eine weitere dornze über dem Keller, der Boden, die Küche sowie der Keller. Innerhalb des Palastes lag auch die der Jungfrau Maria und dem hl. Gangolf geweihte Kapelle. An ihr errichtete Ebf. Peter im Zusammenhang mit einem Um- oder Neubau 1373 das Kollegiatstift St. Gangolf, das dem Domkapitel eng verbunden blieb. Der got.Chor der Gangolfskapelle ist erhalten an der Ostseite des Gebäudes Domplatz 2/3 (heutige Staatskanzlei); das Schiff wurde 1906 abgebrochen.

Nördl. des Bischofspalastes befanden sich die Wirtschaftsgebäude der Res., die Küche und der Marstall. Die ebenfalls außerhalb des moshuses sich befindende Küche stand noch in Resten bis in die erste Hälfte des 18. Jh.s. Der ebenfalls nördl. des Palastes gelegene viereckige Bergfried wurde 1637 abgetragen. Östl. von Bischofspalast und Wirtschaftsgebäuden zur Elbe hin lag der Bischofsgarten, der im 14. Jh. als bomgårten, gelegentl. auch als »Tiergarten« bezeichnet wurde.

Im 17. Jh. war der Residenzbezirk schon weitgehend verfallen Ein Teil der Baulichkeiten wurde von dem Administrator Christian Wilhelm von Brandenburg (1598/1608-28) zur Verstärkung der Stadtbefestigungen abgetragen. 1700/0l wurden die Reste des Bischofspalastes abgerissen und durch ein Barockgebäude ersetzt.

Nordöstl. des Domchores und südl. des moshuses hatten sich zur Elbe hin die zum Wirtschaftshof gehörenden Mühlen befunden, deren Reste noch 1432 sichtbar waren. Das dazugehörige Grundstück, der »Möllenhof«, war spätestens seit der zweiten Hälfte des 14. Jh.s der Sitz des bfl. Vogtes in M., der von daher die Amtsbezeichnung »Möllenvogt« führte.

Quellen

Die Magdeburger Schöppenchronik, bearb. von Carl Janicke, Leipzig 1869 (Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, 7). - Urkundenbuch der Stadt Magdeburg, bearb. von Gustav Hertel, 3 Bde., Halle 1892-96 (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, 26-28).

Böttcher, Gert: Die topographische Entwicklung von Magdeburg bis zum 12./13. Jahrhundert. Ein Versuch, in: Erzbischof Wichmann (1152-1192) und Magdeburg im hohen Mittelalter. Stadt - Erzbistum - Reich. Ausstellung zum 800. Todestag Wichmanns, hg. von Matthias Puhle, Magdeburg 1992, S. 80-97. - Geschichte der Stadt Magdeburg, von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Helmut Asmus, Berlin 1977. - Hoffmann, Friedrich Wilhelm: Geschichte der StadtMagdeburg, neu bearb. von Gustav Hertel und Friedrich Hulsse, Bd. 1, Magdeburg 1885. - Hertel, Gustav: Geschichte des Domplatzes in Magdeburg, in: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg 38 (1903) S. 209-280. - Neubauer, Ernst/Gringmuth-Dallmer, Hanns: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Tl. 2, Halle 1956 (Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts, 4). - Schwineköper, Berent: Die AnfängeMagdeburgs (mit Berücksichtigung der bisherigen Grabungsergebnisse), in: Studien zu den Anfängen des europäischen Städtewesens. Reichenau-Vorträge 1955-1956, Sigmaringen 1958 (VuF, 4), S. 389-450.