IBURG C.3.
I.
Viberg (8. Jh.) Yburch (1225), etwa 15 km südl. von → Osnabrück und 30 km nordöstl. von → Münster - Hochstift Osnabrück - Stiftsburg und Minderstadt - Residenzschloß der Bf.e von Osnabrück (1437) 1508-1666. - D, Niedersachsen, Reg.bez. Weser-Ems, Kr. Osnabrück (Land), Bad I.
II.
Die I. liegt zusammen mit dem gleichnamigen Benediktinerkl. strateg. günstig auf einem Vorberg der Dörenberggruppe des Osning-Gebirges am Paß des Fernweges von → Osnabrück nach → Münster. Sie ist die älteste Burg im Hochstift und vereinigte die Aufgaben von Schutzburg, Res. und Kl. in einer Anlage. Bf. Benno von Osnabrück († 1067) begann dort mit dem Bau einer Burg, den sein Nachfolger Benno II. (1069-88) während des Sachsenaufstandes fortsetzte, wodurch der bfl. Landesausbau gesichert werden sollte. Die Klostergründung erfolgte 1080/81. Im12. Jh. kam es zum Streit zw. Bf. Arnold von Osnabrück und dem Gf. Simon von Tecklenburg über die Burg, der in einem Vertrag von 1180 beendet wurde. Die Burg war danach unangefochten die Hauptburg und der verwaltungsmäßige und milit. Mittelpunkt des bfl. Territoriums. Aufgrund ihrer Lage im Bm. besaß I. aber bereits im 14. Jh. keine strateg. Bedeutung mehr für die Landesverteidigung. Im 14. Jh. war die Burg Sitz des Amtes I., im SpätMA stieg sie auf zum Zentrum der bfl. Territorialherrschaft. Einzelne Bf.e des 15. Jh.s residierten in I., aber erst zu Beginn des 16. Jh.s wurde die Burg zurHauptres. der Bf.e von Osnabrück. Auch das Kl. spielte weiterhin eine bedeutende Rolle für die Bf.e. Nach dem Brand des Domes i. J. 1100 wurden die Reliquien vorübergehend in der Benediktinerabtei aufbewahrt. Zudem diente die Klosterkirche zeitweilig als Grablege für die Bf.e, Gottschalk von Diepholz († 1119) und Engelbert von Isenburg († 1250) wurden hier bestattet. Im SpätMA wurde die Burg gelegentl. verpfändet und erlangte erst Ende des 15. Jh.s ihre Bedeutung als Res. zurück, bevor sie seit 1508 zur Hauptres. der Bf.e von Osnabrück wurde.
Der »Flecken I.«, die spätere Stadt Bad Iburg, entstand um die Wende des 12. und 13. Jh.s. 1359 erhielt I. durch Bf. Johann II. von Hoet (1349-66) das Weichbildprivileg verliehen, durch das Burg und Burgort mit einem Rat unter Leitung des bfl. Amtmannes zusammengefaßt wurden. Zu Beginn des 16. Jh.s wurde die Ummauerung vollzogen. Um 1667 gab es 99 bewohnte Häuser.
III.
Nach Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloß 1652-58 wieder aufgebaut und ist heute wesentl. in diesem Zustand erhalten, vermutl. auch deshalb, weil ab 1672 die Res. der Bf.e in das neu erbaute Osnaabrücker Schloß verlegt wurde. Der bedeutendste Ausbau erfolgte unter Bf. Benno II. (1069-88), der hier seinen Bischofssitz und als Vorburg ein Benediktinerkl. errichtete. Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591-1623) baute die Anlage zu einer prächtigen Renaissanceburg aus, um sie den veränderten Repräsentationsvorstellungen derZeit anzupassen. Aus erhaltenen Plänen der Jahre 1776 und 1851 geht die Zweiteiligkeit der Anlage (Burg im W und Kl. im O, die durch den zentralen Hof getrennt werden) deutl. hervor. Sie lassen ebenfalls die verschiedenen Bauteile und Bauphasen der I. erkennen: Burgkern und Kirche aus der Zeit Bennos II., got. Gebäude des Kl.s und den Ausbau der Res. im 16. Jh. Durch den Neubau des Kl.s 1750 wurde diese Gesamtanlage schließl. entscheidend verändert.
1349 zerstörte ein Brand die Burg und das Kl., von dem ledigl. der nördl. Querflügel der roman. Klosterkirche erhalten blieb. Die Burg wurde in der Folge von Johann II. von Hoet (1348-66) wieder aufgebaut. Durch Konrad von Rietberg (1482-1508) erhielt der sog. Bennoturm, der älteste Teil der bfl. Anlage, im wesentl. die heutige Gestalt. Größere Erweiterungen erfuhr das I.er Schloß durch Erich II. von Grubenhagen (1508-32) und Philipp-Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1591-1623). V. a. letzterer entfaltete eine größere Bautätigkeit: eine Kapelle, Bibliothek, Apotheke,Hofkapelle, Marstall, Lustgarten, Lusthaus, Sommersitz, Rennbahn, zwei Mühlen, großer Eßsaal, gewölbtes Gemach, eine Gemäldegalerie mit Porträts der Bf.e werden ihm zugeschrieben. Er schuf den Rittersaal sowie 1595 in seinem Lustgarten, gen. das »Freudenthal«, am südl. Abhang des Schloßberges ein Lusthaus. Während seiner Amtszeit hielt sich u. a. i. J. 1607 eine Gruppe engl. Komödianten am bfl. Hof in I. auf. Es gab mehrere Zugänge vom Schloß zur Klosterkirche, so konnte man von der Kanzlei, die im ersten Stock über dem fsl. Kabinett lag, durch einen Gang, der neben dem Portal auf derWestseite mündete, die Kirche betreten.
Fbf. Franz Wilhelm von Wartenberg (1650-61) ließ 1656 den Rittersaal durch seinen Hofarchitekten Johann Kraft und den ital. Maler Andreas Aloisius Romanus neu ausstatten. Die perspektiv. Deckenmalerei ist die älteste noch original erhaltene nördl. der Alpen. Als Bauschreiber in I. amtierte Johann Buchamb oder Buchheim, von dessen Hand eine genaue Abrechnung über die I. vorliegt. Damals entstand eine gemalte Ahnengalerie der Osnabrücker Bf.e und einiger weltl. Persönlichkeiten, darunter Karl d. Gr. Die Burg I. wird in der beigegebenen Inschrift zum Karls-Porträt als Besitz und Res. Widukindsausgewiesen. Die Bildhauerarbeiten wurden von Christian Gröne, vermutl. aus → Münster, verfertigt. Ein Hirschpark wurde angelegt, der sich ebenso wie der Rittersaal an Schloß → Arnsberg orientiert. Von den Baulichkeiten des Schlosses aus der Zeit vor Franz Wilhelm von Wartenberg blieben erhalten der Verbindungsbau mit dem achteckigen Bergfried, der Teil, vom großen Torbogen, des Haupteingangs bis zum Rittersaal, die Apotheke und der westl. Teil der Wirtschaftsgebäude, die vermutl. aus der Mitte des 14. Jh.s stammen. Unter Bf. Franz Wilhelm erhielt das Schloß dieheutige Gestalt als vierflügelige Renaissanceanlage.
Im Jahr 1500 wurde der Flecken I. unter Konrad von Rietberg (1482-1508) mit einer Mauer umgeben, in der sich drei Tore befanden. Aus der Zeit stammt vermutl. auch der achteckige Turm. Auf einem Stich von 1606 ist die umfangr. Toranlage mit zwei Tortürmen zu erkennen. Beide Türme hatten ein Satteldach. Burg und Kl. besaßen ein gemeinsames Torhaus
Quellen
Niederdeutsche Bischofschronik, 1894. - Ertwini Ertmanni cronica, 1891. - Osnabrücker Urkundenbuch, 1-6, 1892-1989. - Rost, Maurus: Patrimonium S. Benedicti in Iburg, 1669-87, StA Osnabrück, MS 171. - StA Osnabrück, Dep. 6b, Nr. 321; Rep. 100 Abschn. 19, Nr. 2a.
Literatur
Jänecke, Wilhelm: Die Baugeschichte des Schlosses Iburg: insbes. des »Rittersaales«, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Denkmalpflege, Münster 1909. - Poppe, Roswitha: Ein Gang durch die Bauten der Iburg, in: Iburg: Benediktinerabtei und Schloß. Beiträge zum 900. Jahrestag der Klostergründung, zusammengest. von Manfred G. Schnöckelborg, Bad Iburg 1980, 197-246. - Schröter, Hermann: Um- und Ausbauten des Schlosses Iburg unter Franz Wilhelm vonWartenberg, in: Osnabrücker Mitteilungen 67 (1956) 224-232.