Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich

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EISENACH C.2.

I.

um 1150: de Isinacha, 1189: Isenacha, 1197: in Ysnacho, 1278: Ysenach, 1529: Eyßenach. Die Deutung des Namens E. ist umstritten und bisher nicht befriedigend gelöst. Meist gilt er als kelt. oder als ursprgl. Gewässername auf ahd. -aha mit dem Bestimmungswort »Eisen«; er bezeichnete zunächst eine heute wüste dörfl. Siedlung (»Alt-E.«) und ging von hier auf die Stadt über. - E. gehörte zur Lgft. Thüringen und stand seitden städt. Anfängen für Jh.e auch in seiner Residenzfunktion in engster Verbindung zur älteren → Wartburg, in deren Schutz die Lgf.en die Stadt gegr. hatten. - Nach dem Erwerb des Erbes der Gf.en Giso und Werner in Hessen (1122/37) durch die → Ludowinger bildeten E. und die → Wartburg die Mitte ihrer hess.-thüring. Lande und wurden seit den 50er Jahren des 12. Jh.s entspr. ausgebaut; wohl seit um 1200 Vorort der lgfl. Herrschaft, wurden sie spätestens seit dem frühen 13. Jh. die bevorzugte Res. der Lgf.en. Seit dem Übergang der Lgft. an die Wettiner(1247-1252) und der endgültigen Trennung von Hessen und Thüringen (1264) fanden sich E. und die → Wartburg zwar in äußerster Randlage im W des Territoriums, blieben aber noch für rd. 100 Jahre wichtigste Res. der thüring. Lgf.en, bis nach der Mitte des 14. Jh.s → Gotha zunehmend an ihre Stelle trat. In der Leipziger Teilung (1485) kamen E. und die → Wartburg an die ernestin. Linie der → Wettiner. Während die → Wartburg nach der Mitte des 16. Jh.s nicht mehr aufgesucht wurde, behielt E. seine Residenzfunktion und war bei den zahlr.Landesteilungen seit dem 16. Jh. wiederholt Sitz wettin. Nebenlinien, so 1596-1638 und 1640-72 des Fsm.s Sachsen-Eisenach (seit 1645 in Personalunion mit Sachsen-Weimar), und 1672-1741 des selbständigen Hzm.s Sachsen-Eisenach, das sodann an das Hzm. Sachsen-Weimar fiel. Künftig blieb E. Nebenres. mit eigener Regierung neben der Hauptstadt → Weimar. - D, Thüringen, Kr. E.

II.

E. liegt am NW-Rand des Thüringer Waldes unterhalb der weithin beherrschenden → Wartburg (über 400 m) in einer breiten Mulde (Karlsplatz 220 m, Frauenplan 235 m) links der Hörsel, die hier von O die Nesse aufnimmt und rd. 8 km nordwestl. E.s in die Werra mündet. Burg und Stadt beherrschen den Zugang vom mittleren Werragebiet in das fruchtbare, seit vorgeschichtl. Zeit siedlungsoffene Thüringer Becken. - Wichtige Fernverkehrswege erreichten E. mit seinen Hörselübergängen: aus dem Rhein-Main-Gebiet im SW mehrere Verbindungen über→ Fulda, über → Hersfeld die »Kurzen Hessen« und über Gießen-Melsungen die »Langen Hessen«, diese vereint mit Straßen aus dem W von → Köln und vom Niederrhein über → Kassel, nachdem sie die nahe Werra südwestl. E.s bei Vacha bzw. Gerstungen/Berka und nordwestl. E.s bei Creuzburg überschritten hatten. Von E. verliefen sie zum Thüringer Becken mit Erfurt und weiter nach O, bes. auf → Leipzig und → Dresden (via regia Lusatiae), sowie nach NO auf → Magdeburg; weniger bedeutend, dochstets benutzt war auch eine N-S-Verbindung vom westl. Harz über E. nach → Nürnberg (bei E.: Weinstraße). Außerdem dienten nicht nur die Werra, sondern nachweisl. seit dem 10. Jh. auch die Hörsel als Schiffahrtswege.

Der Stadt voran ging ein zw. Hörsel und Nesse gelegenes Dorf E. (»Alt-E.«), das eine Peterskirche, vermutl. mit Pfarrrechten, besaß (Erzdiöz. → Mainz, Archidiakonat Dorla); Zeugnisse sind und a. neben Flurnamen wie »Altstadt« (1293: antiqua civitas Isenache) oder »An der Peterskirche« auch Fundamentreste. Die Stadt wurde von den → Ludowingern seit dem frühen 12. Jh. in hervorragender Verkehrslage zu Füßen und im Schutze der → Wartburg angelegt, u. a. durch Umsiedlung des Dorfes Alt-E. und anderer Ortschaften. Zunächstentstand wohl im ersten Drittel des 12. Jh.s westl. des Dorfes E. jenseits der Hörsel eine Ansiedlung von Kaufleuten mit dreiecksförmigem Markt (Karlsplatz, früher »Sonnabendmarkt«) und Nikolaikirche, auf die vermutl. später, doch vor 1189, die Pfarrrechte der Peterskirche von Alt-E. übergingen. Ob der um 1150 im Kl. → Fulda beigesetzte Ritter Berthold de Isinacha - die erste Erwähnung E.s - auf die Marktsiedlung oder noch auf Alt-E. zu beziehen ist, bleibt ungewiß.

Die Marktsiedlung wurde sodann planmäßig nach W durch vier Straßen mit einem neuen, leicht trapezförmigen Marktplatz (Markt, früher »Montags-«, dann »Mittwochsmarkt«) erweitert; auf ihm errichtete Lgf. Ludwig III. in den 80er Jahren, vermutl. 1188/89, als zweite Pfarrkirche die Georgenkirche (1196 zuerst gen.), die künftige Hauptkirche der Stadt. An der S-Seite des Platzes am ansteigenden Hang wurde der Landgrafenhof als städt. Wohnsitz des Lgf.en erbaut. Bisher wurde diese ausgedehnte Plananlage, die einer Neugründung gleichkam, in die Zeit bald nach 1170 unter LudwigIII. (1172-90) dat.; aufgrund der engen Verwandtschaft von Bauskulptur-Resten des Landgrafenhofes mit dem Palas der → Wartburg sind wg. dessen neuer Datierung der Bau des Landgrafenhofes und damit die Plananlage schon bald nach der Mitte des 12. Jh.s, unter Lgf. Ludwig II. (1140-72), anzusetzen; jüngste archäolog. Funde aus dem Bereich des Marktes stützen diesen Ansatz. Gleichzeitig wurde der heutige Bau der ebenfalls in ihrem Bauschmuck eng dem Wartburg-Palas verwandten Nikolaikirche errichtet. Die erfolgreiche Entwicklung des Platzes E. wird an den ersten E.er Brakteaten derLgf.en aus den frühen 50er Jahren - viell. noch im Zusammenhang mit der Marktsiedlung - und dem Anstieg der Münzprägung seit den 70er Jahren deutlich. - Noch im 12. Jh. wurden die beiden älteren Stadtteile, anscheinend wiederum planmäßig, um ausgedehnte Flächen im W und N erweitert und vermutl. unter Lgf. Hermann I. kurz vor oder um 1200 ummauert.

Wohl in den ersten Jahrzehnten des 13. Jh.s kam südwestl. der älteren Marktsiedlung entlang der Straße zur → Wartburg ein weiterer, erhöht gelegener und in sich geschlossener Stadtteil mit der 1246 zuerst gen., unter dem Patronat des → Deutschen Orden stehenden Marienkirche (ehem. am Frauenplan) als dritter Pfarrkirche und mit einem dritten Markt (»Mittwochsmarkt«) hinzu. Als 1266 die Stadtbefestigung erstmals erwähnt wird, war auch dieser Stadtteil am Frauenberg einbezogen. Auf allen Marktplätzen fanden sowohl Wochen- als auch Jahrmärkte statt; deutl. zeigt diesdie Bedeutung des Handels für die ma. Stadt.

1180-89 erscheint E. zuerst als lgfl. civitas; cives bzw. burgenses werden erstmals 1196 gen., darunter Schultheiß, zwei Kämmerer und drei Münzer; Schultheiß und Schöffen bildeten das Stadtgericht. Einen Rat erhielt E. anscheinend erst unter wettin. Herrschaft; der Rat begegnet 1277, Ratsmeister 1286. Die ersten erhaltenen Stadtrechtsbestimmungen verlieh wohl 1246 Lgf. Heinrich Raspe IV., der letzte → Ludowinger; sie wurden 1283 von Lgf. Albrecht bestätigt und erhebl. erweitert; zugl. erhob er E. zumOberhof für sämtl. Städte der Lgft. Thüringen, sodaß der Stadtschreiber 1466 E. die »Hauptstadt« Thüringens nennen konnte. Nicht zuletzt aus diesem Vorrang entstanden bis zum 16. Jh. zahlr. Rechtsaufzeichnungen, so vor 1394 das »Eisenacher Rechtsbuch« des Stadtschreibers Johannes Rothe. Das seit dem letzten Viertel des 13. Jh.s überlieferte Stadtsiegel zeigt den hl. Georg in deutl. Anklang an die von Lgf. Ludwig III. errichtete Georgenkirche und im Gegensatz zu den meisten von den → Ludowingern gegr. Städten, die das Siegelbild des Stadtherrn übernahmen.

Als Residenzstadt wurde E. über die drei Pfarrkirchen hinaus bes. von den → Ludowingern reich mit geistl. Einrichtungen ausgestattet. Lgf. Ludwig III. stiftete vor 1189 bei der Nikolaikirche ein Benediktinerinnenkl. (1196 gen.) und setzte als erste Äbtissin die Schwester seines Vaters ein. Lgf. Hermann I. errichtete im NW die Jakobskirche (ehem. am Jakobsplan) und um 1208 westl. vor der Stadt das Katharinenkl. (ehem. in der Katharinenstr.), besetzt mit Zisterzienserinnen; es sollte als neuer geistl. Mittelpunkt der lgfl. Familie an die Stelle des alten Hauskl.s Reinhardsbrunn(bei Friedrichroda) treten. Der Stifter († 1217), seine Wwe. Sophie († 1238), die hier seit der Heirat ihres Sohnes Ludwig IV. mit Elisabeth 1221 gelebt hatte, sowie ihre Söhne Hermann († 1216) und → Heinrich Raspe IV. († 1247) wurden hier beigesetzt, ebenso der Wettiner Lgf. Friedrich der Freidige († 1323). Lgf. Ludwig IV. und Elisabeth überließen 1225 die Michaelskirche des Landgrafenhofes den Franziskanern zur Gründung eines ihrer ersten Kl. in Dtl. Wahrscheinl. 1240 stiftete → Heinrich Raspe IV. das Dominikanerkl. (Predigerkl.); in ihm wurde nach seinem Tode seinHerz verwahrt. Außerdem errichtete er 1239 in der Nikolaikirche mit allen Geistlichen der Lgft. Thüringen eine Gebetsverbrüderung und Bruderschaft und sicherte ihnen volle Testierfreiheit zu. Der Wettiner Lgf. Albrecht gründete 1294 an der Marienkirche mit Augustinerchorherren ein Kollegiatstift (»Dom«) mit eigenem Immunitätsbezirk (»Domfreiheit«). Lgf. Friedrich II. stiftete 1331 ein zweites, kleines Franziskanerkl. St. Elisabeth außerhalb der Stadt an der Stelle, wo unterhalb der → Wartburg die hl. Elisabeth 1226 ein Hospital eingerichtet hatte(»Elisabethzell«). Als jüngstes Kl. kam 1378 im S vor dem Frauentor das Kartäuserkl. hinzu (ehem. im Kartausgarten). Alle Kl. wurden im E.er »Pfaffensturm« 1525 und der anschließenden Reformation aufgehoben.

Seit dem 13. Jh. wurde E. neben dem polit. für rd. zwei Jh.e auch zum kulturellen Mittelpunkt Thüringens. Bis zum Beginn des 15. Jh.s entstanden bei den Dominikanern und Franziskanern mehrere thüring. Chroniken, und von den drei Chroniken des Schulmeisters am Marienstift und späteren E.er Stadtschreibers Johannes Rothe († 1434) ist die älteste, das bis 1409 reichende »Chronicon Thuringicum« weithin eine Chronik der Stadt E. Eine zweite Blütezeit der Geschichtsschreibung begann am Ende des 16. Jh.s mit der Wahl E.s als Res. wettin. Nebenlinen.

Im thüring.-hess. Erbfolgekrieg (1247-64) beanspruchte die Tochter Lgf. Ludwigs IV. und der hl. Elisabeth, Hzg.in Sophie von Brabant, für ihren unmündigen Sohn Heinrich, später Lgf. von → Hessen, gegen den Wettiner Mgf. Heinrich den Erlauchten neben → Hessen auch die Lgft. Thüringen, insbes. die → Wartburg und E. Während sich die → Wartburg in der Hand des Wettiners befand, stand die Stadt E. schon 1253 auf der Seite Sophies und beteiligte sich 1259-63 an ihrer erfolglosen Belagerung der Wartburg. Nach der Einnahme E.s erbaute Mgf. Heinrichsogleich innerhalb der Mauern im N eine neue Burg, die »Niederburg« (»Klemme«). - Nachdem Lgf. Albrecht 1294 die Lgft. Thüringen bei lebenslangem Nießbrauch an Kg. → Adolf von Nassau verkauft hatte (1310 annulliert), erwarben die E.er 1307 vom Lgf.en die Niederburg und zerstörten sie. Zugl. bemühte sich E., den Status einer Reichsstadt zu erhalten. Dieser Plan scheiterte, als Lgf. Friedrich der Freidige, seit 1307/08 tatsächl. Herr Thüringens, 1308 E. zur Huldigung und zum Wiederaufbau der Niederburg zwang. Zuvor hatte sich die Stadt an der wieder erfolglosen Belagerung Lgf.Friedrichs in der → Wartburg auf kgl. Seite durch Erfurter, Mühlhäuser und Nordhäuser Truppen beteiligt.

III.

Die Residenzbauten lagen am (Mittwochs-)Markt. Seit der Mitte des 12. Jh.s nahm der anscheinend unbefestigte Landgrafenhof (»Steinhaus«, »-hof«) den südl. Teil des heutigen Marktes (Esplanade) ein. Einzelheiten der hoch- und spätma. Bauten sind nicht bekannt, mit Ausnahme einiger Spolien aus der Anfangszeit, die darauf schließen lassen, daß dieselben Steinmetze, die den → Wartburg-Palas in den 50er Jahren des 12. Jh.s ausschmückten, auch hier tätig waren. Die ursprgl. zum Hof gehörende Michaelskirche und das ansteigende Gelände südl. desLandgrafenhofes überließen 1225 Lgf. Ludwig IV. und Elisabeth den Franziskanern zum Klosterbau; die Fundamente der späteren Klosterkirche konnten 1883 nachgewiesen werden (unter der Charlotten-, jetzt Goetheschule). Von einem Fenster des Landgrafenhofes aus verfolgte Lgf. Friedrich der Freidige 1321 die Aufführung eines Mysterienspiels durch die E.er Dominikaner auf der »Rolle«, dem westl. anschließenden lgfl. Tiergarten, und fiel anschl. in geistige Umnachtung. Seit Beginn des 15. Jh.s war der Landgrafenhof Sitz des Schultheißen bzw. Amts- und Zollhof.

Der Bau der zuerst 1196 gen. Georgenkirche nördl. vor dem Landgrafenhof auf dem Mittwochsmarkt durch Lgf. Ludwig III. wohl ab 1188/89 darf, auch wenn sie als Pfarrkirche diente, der Ausgestaltung der lgfl. Stadt-Res. zugerechnet werden. Nach später E.er Überlieferung empfing Ludwig IV. in ihr 1218 die Ritterweihe und wurde er hier 1221 mit Elisabeth von Ungarn getraut. Die ältere Baugeschichte ist unklar; die ältesten Teile der einst dreischiffigen Hallenkirche mit eingezogenem Rechteckchor weisen eher ins 13. Jh.; 1515 wurde sie wg. Baufälligkeit weitgehend neu errichtet, doch nach großenSchäden im E.er »Pfaffensturm« 1525 erst 1558-61 wieder hergestellt (1898-1902 stark verändert).

Milit.-herrschaftl. Aufgaben besaß die »Niederburg«, die der Wettiner Mgf. Heinrich der Erlauchte sogleich nach der Einnahme E.s im thüring.-hess. Erbfolgekrieg (1263) erbaute. Der schmucklose vierflügelige, von den E.ern »Klemme« (Clemda) gen. Zweckbau, den die Bürger 1307 zerstörten, anschl. aber wieder aufbauen mußten, lag im N der Stadt innerhalb der Stadtmauer (ehem. am Theaterplatz). In der Burg lag noch lange eine Besatzung; im 14. Jh. war sie Sitz eines eigenen Amtes.

Die frühneuzeitl. Bautätigkeit an der E.er Res. setzte unter Kf. Friedrich dem Weisen ein. Vermutl. er errichtete an der O-Seite des Landgrafen- bzw. Zollhofes an Stelle des bisherigen Pfarrhauses der Georgenkirche und der Georgenschule, die noch Martin Luther 1498-1501 besucht hatte, um 1507 das »Residenzhaus«. Mit einem nur teilw. vorkragenden achteckigen Treppenturm mit dekorativem Portal und steinerner Wendeltreppe versehen, sollte es als modernes Quartier für den Besuch der Herrschaft in E. dienen.

Im Zusammenhang mit der Verlegung seiner Res. von Marksuhl nach E. (1598) baute Hzg. Johann Ernst ab 1596 den Landgrafenhof zu einem zeitgemäßen Residenzschloß um. Im W errichtete er einen vierstöckigen Flügel (»Johann-Ernst-Bau«, auf den Fundamenten seit 1825 die Georgenschule); im NO erwarb er ein 1539 von dem E.er Kaufmann Konrad Kreuznacher erbautes stattl. Fachwerkhaus mit zweigeschossigem steinernen Unterbau und repräsentativem Portal an der N-Seite, das vermutl. der E.er Steinmetz und Stadtmaurer Hans Leonhard 1559 eingefügt hatte (Markt 9). Zw. dem Kreuznacherhaus und demResidenzhaus stellte ein neuer, schlichter Winkelbau die Verbindung her; ursprgl. mit einem Renaissance-Erker versehen, enthält er mehrere gewölbte Räume, darunter an der NW-Ecke einen zweischiffigen Saal von drei Jochen mit Kreuzgratgewölben auf Pfeilern. Gleichzeitig wurden 1599 südl. des Hofes das ehem. Franziskanerkl. abgebrochen und seine Steine für den Schloßbau verwandt; auf dem früheren Klostergelände einschließl. des ehem. gemeinsamen Friedhofs des Kl.s und der Georgenkirche bis zur Stadtmauer entstand 1606 ein Schloßgarten. 1610 kam im SO-Teil des ehem. Klosterbereichs dieSchloßbrauerei hinzu.

Im Zuge seiner Neugestaltung der Res. veranlaßte Hzg. Johann Ernst 1597 den E.er Stadtrat, ihm das dicht nördl. der Georgenkirche auf dem Markt gelegene, 1484 errichtete städt. Rat- und Kaufhaus abzutreten und den städt. Weinkeller an der NO-Ecke des Marktes künftig als Rathaus zu nutzen. Der stattl. Bau des ehem. Rathauses diente fortan als Sitz der hzgl. Kanzlei und Regierung. Die nunmehr im S und N von hzgl. Bauten nach Art einer Schloßkirche eingerahmte Georgenkirche war schon länger auch baul. in das Res.-Ensemble einbezogen, denn seit 1562 führte für die fsl.Gottesdienstbesucher von der Res. ein Gang zur Kirche. Jetzt schuf in ihr Hzg. Johann Ernst als Grablege eine Fürstengruft. - In der Burg Klemme im N der Stadt richtete er um 1620 ein Jagdzeughaus ein und legte vor der Burg und dem Nadeltor eine Reitbahn (»Rennbahn«) an.

Hzg. Johann Georg I. (1672-86) erhob die Georgenkirche zur Hofkirche und legte nördl. der Stadt eine Fasanerie an. Zu einer geschlossenen Anlage wurde die Res. in der Blütezeit des E.er Fsm.s unter Hzg. Johann Wilhelm (1698-1729) ausgestaltet. Er ließ den Johann-Ernst-Bau durch die Brüder Castelli stuckieren und mit Malereien, kostbaren Tapeten u. ä. ausstatten. Zw. diesem Bau im W und den Residenzbauten im O schloß ein 1709 nach Plänen des Hofbaumeisters Johann Mützel vollendeter Neubau das Residenzareal zur Georgenkirche und zum Markt repräsentativ ab; mit dem Hofmarschallamt im erstenund einem prunkvollen Saal im zweiten Obergeschoß sowie den hzgl. Wohnräumen im Mansardgeschoß bildete er seitdem den Hauptflügel der E.er Res. (im Einzelnen beschrieben von Johann Limberg). Im S des alten Residenzhauses wurde an Stelle älterer Gebäude und dazu angekaufter Bürgerhäuser ein neuer Marstall errichtet. In die Georgenkirche ließ Hzg. Johann Wilhelm 1717 an der südl. Wand des Altarraums eine zweigeschossige Herzogsloge sowie eine »Neue Fürstengruft« einbauen.

Nachdem schon 1694 auf dem Gelände des ehem. Kartäuserkl.s ein Lust- und Küchengarten und 1696 ein weiterer kleiner Lustgarten an der Rolle angelegt worden waren, wurde um 1700 der Schloßgarten im S der Res. grundlegend umgestaltet und mit einem Lusthaus versehen (später »Charlottenburg« gen., 1907 abgebrochen). Ein weiterer Lustgarten und ein großzügiger Marstall entstanden bei der ehem. Burg Klemme, deren Turm um 1700 eingestürzt war. Ein um 1670 südl. der Stadt im Thüringer Wald angelegtes Jagdhaus ließ Hzg. Johann Wilhelm ab 1699 zunächst zum »Neuen Jagdhaus« und1710-12 durch Johann Mützel zu dem großzügigen und modernen Jagdschloß »Wilhelmsthal« ausbauen; in der Folgezeit diente es als Sommerres. des E.er Hofes.

Nach dem Tode Hzg. Wilhelm Heinrichs 1741 ließ sein Testamentsvollstrecker Friedrich d. Gr. von Brandenburg-Preußen sämtl. Mobiliar einschl. der gewebten Tapeten aus der E.er Res. entfernen, so daß dem Nachfolger Hzg. Ernst August von Sachsen-Weimar die nackten Gebäude überlassen wurden. Dieser ließ daraufhin 1742 den Schloßbau Johann Wilhelms, den Johann-Ernst-Bau und den einstigen Zollhof sowie die Kanzlei nördl. der Georgenkirche niederlegen; sogleich wurde an der NO-Seite des Marktes nach Ankauf von sechs Bürgerhäusern noch 1742 unter Leitung des Oberlandbaumeisters Gottfried HeinrichKrohne mit dem Bau eines neuen Stadtschlosses begonnen (1747 vollendet). Von der bisherigen Res. blieben ledigl. das Residenzhaus von 1507, das Kreuznacherhaus und der Verbindungsbau zw. beiden erhalten; diese »Alte Residenz« beherbergte künftig Teile der hzgl. Regierung. Daneben zeugt die Georgenkirche mit den Epitaphien E.er Fs.en von der einstigen Res.; seit 1952 beherbergt sie zudem im Altarraum die sog. Landgrafensteine, die im 14. Jh. angefertigten Grabsteine zahlr. Angehöriger der ludowing. Dynastie aus dem ehem. ludowing. Hauskl. Reinhardsbrunn sowie die Grabsteine Lgf. Friedrichsdes Freidigen und seiner Gemahlin aus dem ehem. E.er Katharinenkl.

Quellen

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Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde, Bd. 2: Die deutschen Ortsnamen, Tl. 2, Heidelberg 1954. - Bergmann, Gerd: Eisenacher Münzen, Eisenach 1982 (Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, 17). - Bergmann, Gerd: Geschichtsschreibung in Eisenach. Ein historischer Überblick, in: Eisenach-Jahrbuch 1992 (1992) S. 35-53 [detaillierte Übersicht der reichen Quellenüberlieferung]. - Bergmann, Gerd: Ältere Geschichte Eisenachs von den Anfängen bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts, Eisenach 1994 [ohne Einzelnachweise, doch mit sehr umfangreichem Quellen- und Literaturverz.]. - Bergmann, Gerd: Das Stadtschloß in Eisenach, in: Residenz-Schlösser in Thüringen. Kulturhistorische Porträts, hg. von Roswitha Jacobsen und Hendrik Bärnighausen, Bucha 1998, S. 29-38. - Bruns, Friedrich/Weczerka, Hugo: Hansische Handelsstraßen, Köln-Graz 1962-68 (Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte. NF 13). -Dehio, Kunstdenkmäler, Thüringen, 1998. - Ebel, Friedrich: Art. »Eisenacher Rechtsbuch«, in: LexMA III, 1985, Sp. 1755. - Eichler, Ernst/Walther, Hans: Städtenamenbuch der DDR, 2. Aufl., Leipzig 1988. - Geschichte Thüringens, 1-6, 1967-84. - Heinemeyer, Walter: Marburg und Eisenach in ihren Anfängen. Ein städtegeschichtlicher Vergleich, in: Marburg. Entwicklungen - Strukturen - Funktionen - Vergleiche, hg. von AlfredPletsch, Marburg 1990 (Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, 32), S. 227-247. - Helmbold, Hermann: Straßennamen und andere Ortsbezeichnungen Eisenachs, Eisenach 1909 (Beiträge zur Geschichte Eisenachs, 19). - Hess 1966. - Langmass, Constanze: Die Eisenacher Stadtbefestigung, Eisenach o. J. [1995]. - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen, Tl. 1, Köln u. a. 1962 (Mitteldeutsche Forschungen, 22/1). -patze, Hans: Eisenach, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, 9, 1989, S. 88-96. - Patze, Hans: Art. »Eisenach«, in: LexMA III, 1985, Sp. 1754. - Patze, Hans: Art. »Eisenacher Chroniken«, in: LexMA III, 1985, Sp. 1754f. - Scherf, Helmut: Bau- und Kunstdenkmale in Stadt und Kreis Eisenach, Tl. 2: Stadt Eisenach, Eisenach o. J. [1981] (Eisenacher Beiträge zur Heimatkunde, 15). - Schwarz, Hilmar: Die Wartburg im Itinerar derthüringischen Landgrafen des Mittelalters, in: Wartburg-Jahrbuch 1992 (1993) S. 90-102. - Streich 1989. - Strickhausen 1998. - Tebruck 2001. - Voss, Ge- org: Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Bd. 3.1: Amtsgerichtsbezirk Eisenach. Die Stadt Eisenach, Jena 1915 (Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, 39).