EINBECK C.7.
I.
Einbiche (viell.: »Eilender Bach«) (1103/06), Enbike (1105), Embeke (1106), Einbeke (1252), E. (1418) - Stadt - Hzm. Braunschweig-Lüneburg, Fsm. Grubenhagen. - D, Niedersachsen, Reg.bez. Braunschweig, Landkr. Northeim.
II.
Die Anfänge von E. liegen in einem Herrenhof der Gf.en von Katlenburg einerseits und in dem um 1075 von ihnen hier begründeten Kanonikerstift St. Alexandri andererseits. Südl. vor dem Stiftsbezirk lag eine Marktsiedlung mit St. Jakobikirche, die sich im Verlauf des 13. Jh.s zur Stadt entwickelte. Ortsherren waren nach der Mitte des 12. Jh.s Heinrich der Löwe und sein Sohn Pfgf. Heinrich; nach dem Sturz des Löwen hatten zeitw. auch die Gf.en von Dassel Rechte an der Ortsherrrschaft, seit der zweiten Hälfte des 13. Jh.s waren die welf. Hzg.e vonBraunschweig-Lüneburg Herren der Stadt.
In der Regierungszeit Hzg. Albrechts I. (1252-79) diente E. bei Belangen, die den westl. und südl. Teil des Hzm.s betrafen, des öfteren als Verhandlungs- und Beurkundungsort. So erfolgte hier i. J. 1266 die Übertragung des Göttinger Stadtrechts an Northeim, und eine zugunsten der Stadt Hameln von Hzg. Albrecht I. i. J. 1277 ausgestellte Urk. ist ebenfalls zu E. dat., vermutl., weil es durch das Alexandristift in einem für die Belange schriftl. Verwaltung genügenden Maße gebildetes Personal bot.
Nach der welf. Landesteilung von 1291, aus der das später so genannte Fsm. → Grubenhagen hervorging, wurde E. Hauptort dieses zersplitterten Territoriums, vermutl. wegen der verkehrsgünstigen Lage und seiner bedeutenden geistl. Einrichtungen.
Hauptsächl. landesherrl. Wohnsitz, wurde die in der unmittelbaren Nähe E.s gelegene Burg → Salzderhelden. → Salzderhelden und E. sind als Herrschaftsmittelpunkt des Fsm.s → Grubenhagen eng aufeinander zu beziehen. E. tritt als Ausstellungsort landesherrl. Urk.n, d. h. als Verhandlungsort von Regierungsgeschäften und polit. Vereinbarungen, unter den in → Salzderhelden residierenden Hzg.en häufig in Erscheinung. Als Familiengrablege der Grubenhagener Hzg.e diente über lange Zeit das St. Alexandri-Stift; hier wurden die Söhne von HeinrichI. (1267-1322), Heinrich »von Griechenland« (um 1289-1327), Ernst (um 1297-1361) und Johann (um 1301-67, Propst von St. Alexandri) bestattet, sowie bis gegen Ende des 15. Jh.s die meisten Grubenhagener Landesherren und viele ihrer Familienangehörigen.
Regierungspraxis, herrscherl. Repräsentation und Traditionsstiftung des Fsm.s → Grubenhagen waren bis zum Ende des 15. Jh.s überwiegend in → Salzderhelden und E. konzentriert. Hzg. Heinrich I. hat nicht nur die beiden E.er Stifte St. Alexandri und Beatae Mariae Virginis gefördert, sondern sich darüber hinaus um die Ansiedlung von Kl.n bemüht. Vermutl. spiegeln sich hier die Ansätze einer gezielten Residenzbildung wider: I. J. 1314 erhielt der Orden der Augustiner-Eremiten von ihm das Privileg, sich in E. niederzulassen; ebenfalls auf Hzg. Heinrich I. geht dasMaria-Magdalenenkloster zurück, ein Konvent, der der Augustinerregel folgte. Ursprgl. vor dem Benser Tor gelegen, wurde das Maria-Magdalenenkloster 1318 auf Betreiben des Hzg.s und mit Zustimmung des → Mainzer Ebf.s in die Stadt hinein verlegt. Das Kl. wurde in der Neustadt bei der Pfarrkirche St. Marien angesiedelt, die Pfarrkirche diente gleichzeitig als die Kirche des Konvents.
Von ihrer Größe, ihrer polit., wirtschaftl. und kirchl. Infrastruktur her war die Stadt E. geeignet, die aus der Landesherrschaft erwachsenden repräsentativen Aufgaben, gewissermaßen als Residenzort neben der Residenzburg → Salzderhelden zu erfüllen. Allerdings wurde die Weiterentwicklung zum Residenzort unter den Söhnen Hzg. Heinrichs I. nicht weiter verfolgt; so gab es bspw. in E. nicht einen einzigen Adelshof.
III.
Die als Münster (monasterium) bezeichneten Stiftsgebäude von St. Alexandri und die angrenzenden, zum Teil als Gärten und Felder genutzten Grundstücke bildeten die »Stiftsfreiheit«, die von der städt. Gerichtsbarkeit und Steuerpflicht ausgenommenen blieb; hier befand sich die Grablege der meisten Angehörigen des Fürstenhauses. Der Bau der heutigen Münsterkirche wurde um 1275 an der Stelle des roman. Vorgängerbaus als got. Hallenkirche von O her begonnen und 1506 im W in Höhe des Glockenstuhls beendet. Nachdem der verheerendeStadtbrand von 1540 den gesamten Dachbereich der Kirche verwüstet hatte, wurde statt einer Doppelturmfassade 1735 der heutige niedrige Westturm errichtet. Von der umfangr. landesherrl. Grablege ist heute nichts mehr zu erkennen; es ist sogar unklar, ob die Grablege sich im Hauptschiff, im Chorbereich oder in der Krypta der Kirche befand.
Quellen
Die Quellenlage zur E.er Geschichte ist recht disparat; für eine Erforschung der Res. sind die zahlr. regionalen Urkundenbücher und die Archivalien des HSA Hannover grundlegend.
Literatur
Aufgebauer, Peter: Einbeck im Mittelalter, in: Geschichte der Stadt Einbeck, hg. von Horst Hülse und Clemens Spörer, Bd. 1, Einbeck 1990 (2. Aufl. 1991), S. 73-124. - Klinckhardt, Fridrich Anton: Geschichte des Collegiatstifts beatae Mariae virginis vor Einbeck bis zur Kirchentrennung, in: Vaterländisches Archiv für hannoverisch-braunschweigische Geschichte 3 (1834) S. 301-315. - Max 2, 1863, S. 120-135. - Petke, Wolfgang: Von derecclesia Embicensis zum evangelischen Mannsstift: Das Stift St. Alexandri in Einbeck, in: Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 98 (2000) S. 55-88. - Pischke 2000. - Steenweg, Helge: Das Stift St. Alexandri in Einbeck, in: Südniedersachsen. Zeitschrift für Heimatpflege und Kultur 17,2 (1989) S. 48-51. - Ziegahn, Klaus-Günther: Die Baugeschichte der Stiftskirche St. Alexandri in Einbeck, Einbeck 1963 (Studien zur Einbecker Geschichte, 1).